Auf einen Kaffee mit … Christian Strauss

(Foto: Robert Kittel)

Ein Besuch bei Christian Strauss, Dr. Christian Strauss, läuft in etwa so ab: Man vereinbart einen Termin, fährt ins beschauliche Garmisch, staunt über die unglaubliche Alpensinfonie, die sich morgens über den Dächern der Häuser ausbreitet, und noch mehr über die Villa des Richard Strauss, die noch immer in den Händen der Familie, allen voran von Enkel Christian, liegt, der ein etwas moderneres Anwesen zwei Häuser weiter bewohnt. Strauss grüßt verhalten, bittet in ein Wohnzimmer voller Wildgeweihe. Man sei Jäger gewesen, er und sein Bruder und sein Vater, verrät er, und es sei eine Tradition, die erlegten Tiere in Form des Geweihs an der Wand zu haben. Wir sitzen auf Sofas, nebenan steht eine Stereoanlage, auf der er gerne Musik auflegt. Was? Gerne Richard Strauss, sagt er mit seinem leicht Wienerischen Akzent, und die erste Frage stellt sich wie von selbst:

Wie, Herr Doktor Strauss, lebt es sich als Enkel des berühmten Richard Strauss, kurz vor dessen großem Jubiläum, 150 Jahre nach dessen Geburt? Bekommen Sie nicht viele Anfragen?
Ach, wissen Sie, das hält sich noch sehr in Grenzen. Ab und zu gibt es Anfragen von Journalisten und Fernsehleuten, die in der Villa drüben filmen wollen, aber da sind viele Leute dabei, die nicht sehr viel über Musik wissen und dann auch ziemlich depperte Fragen stellen.

Hat der Name Strauss gerade in Garmisch nicht eine riesige Bedeutung? Werden Sie nicht dauernd angesprochen auf Ihren berühmten Großvater?  
Nein, ganz im Gegenteil. Das hat hier nie eine große Rolle gespielt. Sicher, ich bin schon öfters angeredet worden, als ich dann Chefarzt in Garmisch war. Da gab es natürlich Kollegen, die sagten „Warum tust du dir das an, jede zweite Nacht Dienst zu machen, du hast doch genug Geld, das hast du doch nicht nötig.“ Aber sonst war es eher ruhig. Wissen Sie, wir sind als Familie Strauss hier in Garmisch nie wirklich als „Einheimische“ akzeptiert worden. Wir werden gut behandelt, ja, aber hier zählen ein paar andere Dinge, da müssen Sie jede Woche am richtigen Stammtisch sitzen oder eine große Nummer im Skiclub sein.

Da war wahrscheinlich schon Ihr Großvater nicht sehr aktiv …
Nein, er sagte einmal „Skifahren ist ein Beruf für norwegische Landbriefträger“. Ich selbst habe Skifahren erst mit 18 Jahren gelernt, obwohl wir natürlich viel Zeit hier in Garmisch verbracht haben. Bei uns hieß es: Lies ein gutes Buch.

Wie sah es mit dem Erlernen eines Instruments aus? Ihre Schwägerin sagt, Sie seien ein talentierter Musiker gewesen …
Nein, das denkt sie nur. Ich bin nicht sehr musikalisch. Ich liebe die Musik, ja. Aber aus mir wäre nie ein Musiker geworden. Klar, ich habe auch Geige gespielt, aber schlecht, und dank Großpapa hat mich sogar ein Mitglied der Wiener Philharmoniker unterrichtet, Professor Weller. Aber normalerweise hätte er mich nicht genommen. Als es dann im Krieg keinen Unterricht mehr gab, hat mich dann mein Großvater selbst unterrichtet.

Das klingt grundsätzlich ja nicht schlecht, wenn man behaupten kann, bei Richard Strauss Geigenunterricht gehabt zu haben …
Ja, das schon. Aber es hat nichts geholfen. Man muss die Realität sehen, wie sie war. Ich war einfach nicht begabt genug.

Haben Sie denn sonst etwas geerbt von den Leidenschaften Ihres Großvaters? Richard Strauss hatte immer einen Hund …
Ja, inzwischen haben wir uns aber auf die Katzen geeinigt, weil sie pflegeleichter sind. Ich wollte, als ich mit 65 in Pension ging, dann auch ein bisschen was haben vom Leben und reisen, so dass ich mir keinen Hund mehr angeschafft habe. Wenn ich verreise, kann ich ja keinen Hund mitnehmen. Wir leben zum Teil ja auch in Wien, in einer Stadtwohnung.

Sie und Ihr Bruder sind in Wien geboren. Wissen Sie, warum Ihr Großvater sich Garmisch als zweite Heimat gesucht hatte?
Früher ist man ja nicht in den Urlaub gefahren, sondern in die Sommerfrische. Nach der Salome hatte er richtig gut verdient und dann was hier in der Umgebung gesucht. Einen Ort, der ihm gepasst hat. Der Chiemgau wäre auch in Frage gekommen, da ist er früher oft gewesen, aber da waren die Schwiegereltern, und er wollte dann was eigenes. Garmisch oder Murnau, das hatte ihm gefallen.

Waren Sie die meiste Zeit zusammen?
Wir haben in Wien zumindest auch in einem Haus gelebt. Ein zweistöckiges Haus: Das Parterre hatte meinem Vater gehört, und oben haben meine Großeltern gelebt. Man hat jetzt nicht immer zusammen gegessen, aber man hat zusammen gelebt. Mein Vater allerdings hat meinen Großvater täglich gesehen, es war eben eine richtige Großfamilie.

Haben Sie denn als Kind realisiert, dass Ihr Großvater eine große Persönlichkeit ist?
Nein, das hat man als Kind nicht mitgekriegt. Als Sieben- oder Achtjähriger kapieren Sie das nicht so. Wissen Sie, man war da zusammen im Haus, und da kamen natürlich Karl Böhm und Clemens Krauss und Rudolf Hartmann, aber auch das hat man nicht kapiert, das waren bei uns zuhause natürlich ganz normale Menschen, keine großen Dirigenten oder Regisseure. Auch die Lotte Lehmann und all die Damen aus seiner Zeit waren natürlich zu Besuch – für uns waren das halt Sängerinnen, das hat man nicht so registriert.

Wann haben Sie dann gemerkt, dass Ihr Großvater nicht ganz so unwichtig ist?
An seinem 80. Geburtstag im Jahr 1944. Da gab es eine Opernaufführung, die Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Karl Böhm. Wir durften mitgehen, und da hatte der Großpapa auf der linken Seite eine Loge, und als der alte Herr dann im Opernhaus hinein in die Loge getreten ist, da standen alle auf und haben applaudiert. Und da hab ich mir gedacht, na, der ist schon was Besonderes! Das war das erste Mal, dass es mir wirklich klar geworden ist.

Wie oft besuchen Sie noch Opern und Konzerte?
Ach, wenig. Meine Frau ist sehr neugierig, deshalb gehe ich ab und zu mit, aber ich kann die heutigen Aufführungen sehr schlecht ertragen. Wenn ich die Kritiken schon vorher gelesen habe, gehe ich gar nicht.

Wann waren Sie das letzte Mal in Bayreuth?
Vor acht Jahren glaube ich war das, 2005. Da habe ich mir den ersten Akt vom Meistersinger angehört. Dann bin ich gegangen. Erstens war ich krank und zweitens kann ich einfach mit dieser modernen Regie nichts anfangen. Das ist nichts Persönliches, mir gefällt nur diese Art der Kunstauffassung nicht.

Werden Sie im nächsten Jahr an einigen der Jubiläumsveranstaltungen teilnehmen?
Wissen Sie, ich bin jetzt 82, da plant man nicht mehr so. Ich schaue, wie es mir geht, und dann entscheide ich. Ich plane jetzt in Die Frau ohne Schatten zu gehen, nach München.

Da lassen Sie sich dann von Ihrer Frau hinchauffieren?
Nein, da fahre ich schon selbst. Das macht mich nervös, wenn jemand anders fährt.

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Kommentare

  1. Horst Richard Nagel
    29. Juni 2015 at 17:14

    Bis heute ist ein Thema nicht erwähnt worden in der gesamten R. Strauss Forschung. Es hängt eng mit seinem “Tod und Verklärung ” zusammen. Bernstein und auch Karajan und Mahler und Wagner und auch Huga von Hoffmannsthal hatten sich dazu bekannt, viele grosse ander Geister auch.

    Das Thema heisst REINKARNATION………. Strauss muss mit diesem Thema durch o.a. Personen konfrontiert worden sein. Ob er an seine eigene Reinkarnation geglaubt hat wird von 2 Autoren und mir in einem Buchprojekt untersucht. . Es heisst Reinkarnation in der Musikgeshcichte. Wir werden erstaunliche Ergebnisse publizieren und nachweisen.

    Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein , wann dieses Buch erscheint und einiges Aufsehen erregen wird. Ich selber bin Reinkarnationstherapeut und hatte Herrn Dr. Christian Strauss am 5. 8. 2008 persönlich kennenlernen dürfen. Alles weitere können Sie in meinem Buch nachlesen. ‘Sie können mich , falls erwünscht , telefonisch erreichen unter

    0177/4335279.

    Herzlcihen Dank
    H:R: Nagel

  2. Horst Richard Nagel
    29. Juni 2015 at 17:37

    R. Strauss wird bis heute als “Held ” gefeiert. Aber auch ein Held hat Schattenseiten gehabt. Diese werden bis heute verschwiegen. Auch das wird Bestandteil unseres Buchprojektes werden.

    Weiterhin , die Frage warum sich viele grosse Komponisten zur Reinkarnation geäussert haben, wo es garnicht ihr Fachgebiet ist. Übrigens durfte ich ich über diese Thema als Student mit Leonard Bernstein unterhalten.

    Wie ist R. Strauss zum Wissen des Sterbens gekommen in seinem Tod und Verklärung, was identisch ist mit der heutigen Nahtodforschung. ?? Die Antwort , dass er euch ein Krankheit solche Erlebnisse gehabt hat ist falsch, denn die Krankheit war lange nach der
    Komposition Tod und Verklärung. Er wusste es intuitiv und war ständig beim Komponieren mit seinem “Höheren Selbst “verbunden , so auch stiess er auf das Wissen beim Sterben.
    Strauss hatte selbst zugegeben in einer Biographie , dass er seine Musik “von oben ” bekommen hat, vom sogenannten Äther. Es ist das höchste Geschenk …… bezeichnete er es .
    Wie war das Verhältnis von Strauss zur Jazzmusik ??? Nie hatte er sich dazu geäussert.
    Auch dieses Thema wird angesprochen. Nicht nur angesprochen, sondern auch nachgewiesen. Das Buch wird zunächst von vielen verlacht werden, bis es eines Tages ernst genommen wird. Seltamerweise haben sich die o.a. angegebenen Personen in gleicher Weise zur Reinkarnation geäussert.

    Vielen Dank
    Nagel

  3. Horst Richard Nagel
    29. Juni 2015 at 18:43

    Wir haben schon im Vorfeld Prof. Frantz über das Erscheinen dieses Buches informiert. Denn er hatte Kontakt zu L.Bernstein und Karajan gehabt, beide hatten sich zur Reinkarnation bekannt. Wir hatten allerdings bis heute keine Antwort erhalten.

    Es gibt ca. 8 Personen in Deutschland , die den Inhalt des Buches sehr genau untersuchten und zum grössten Teil bestätigten. Es ist möglich sich mit bestimten Meditationstechniken mit der sogenannten “Akasha-Chronick ” zu verbinden. , einige wenige können es auch von Geburt an. Sie werden auf diesem Wege feststellen, dass viele Erkenntnisse über Strauss falsch sind und im Laufe von Jahrzehnten durch Publikationen verzerrt worden sind. Bestes Beispiel ist u.a. die Aussage, Strauss sei ein Atheist gewesen (Alpensinfonie:, Antichrist.) Wie Dr. Christian Strauss auch bestätigte , ist Strauss kein Kirchgänger gewesen , aber noch lange kein Atheist. Es gibt weitere Beispiele von falschen Informationen , Leser dieses Buches werden aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Alle Behauptungen sind ziemlich genau belegt worden , und sehr gut nachweisbar. Dies gilt auch für Erkenntnisse über die “Rolle” von Strauss im Nationalsozialismus. , ein sehr heikles Thema.

    Mfg
    Nagel

  4. H.N.
    4. November 2016 at 22:55

    Trotz vieler Publikationen über STrauss, konnten die letzten Geheimnisse über Strauss nie geklärt werden . Dies betrifft z.b. seine sehr ungewöhnliche Art und Weise zu komponieren , oft in freier Natur , statt zuhause am Flügel. Er hatte seine Angehörigen nie in sein Geheimniss des Komponierens eingeweiht (Davon versteht ihr ja doch nichts , sagte er immer ) .
    Durch seine enge Freundschaft mit Gustav Mahler und Huga von Hoffmannsthal wurde Strauss übrigens öfters mit Reinkarnation konfrontiert, denn beide waren Reinkarnationsanhänger , eindeutig nachweisbar. Auch Richard Wagner und Goethe ( dessen Werke Strauss ja sehr gut kannte ).
    Noch etwas Lustiges: So genial Strauss und Furtwängler gewesen sind, eines konnten beide nicht….. : Autofahren. Wussten Sie das Furtwängler in Anwesenheit von Strauss in der dreissiger Jahren in Berlin einen Autounfall gebaut hat ?? Bei sehr geringem Verkehrsaufkommen . Auch nachweisbar. Strauss hatte es einmal probiert (Autofahren ) , aber vergebens. Dies war in Garmisch.
    Wussten Sie , dass Strauss ein “heimlicher ” Saxophon -Fan gewesen ist ?? Er benutzte es als erster Komponist in der Sinfonia domestica. Und er wurde gerade auf seinen U.S.A. Reisen sehr oft damit konfrontiert, allerdings nur im Jazz. Kann es sein , dass Strauss die Jazzmusik total abgelehnt hat und überhaupt nichts dabei empfunden hat ??? Nein kann nicht sein. Er hatte sich nie geäussert dazu , weil er es nicht durfte als Reichsmusikkammerpräsident. Denn es galt damals lange Zeit als entartete Musik.
    Falls Sie sich fragen, woher wir das alles scheinbar wissen , wird unser Buchprojekt darüber Auskunft geben. Danke H.N.

  5. H.R. Nagel
    23. Dezember 2016 at 19:04

    5.mail: Es gibt ein (indisches ) Sprichwort: Ein Irrtum wird noch lange nicht zur Wahrheit weil er Anklang findet oder sich ausbreitet. Die kath. Kirche , auf deren Wohlwollen viele Komponisten angewiesen waren, hatte viele Irrtümer verbreitet und die Reinkarnation irgendwann mal einfach gestrichen.
    Das hinderte Hugo von Hoffmannsthal , Gustav Mahler , Berstein und Karajan und Wagner nicht daran , dies für eine konkrete Realität zu halten. Durch deren Bewusstseinszustand hatten sie ein intuitives Wissen darüber. Da Hoffmannsthal und Mahler u.a. im engeren Umfeld von Strauss gewesen sind, muss zwangsläufig auch Strauss damit konfrotiert worden sein, nicht zuletzt durch seinen Lieblingsschriftsteller Goethe. Falls Strauss nun daran geglaubt hat ( als Fortsetzung von seinem Tod und Verklärung ) , glauben Sie dass Strauss sich dazu geäussert hätte ??

    NIEMALS hätte er das getan, es hätte seiner Karriere geschadet gerade im streng katholischen Garmisch. Viele Künstler und Musiker haben noch nicht mal heute den Mut etwas dazu zu sagen, es würde zunächst Ihnen schaden.
    Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Leonard Bernstein im März 1981 , Ich als Musikstudent fragte ihn, ob er seine genialen musikalischen Fähigkeiten in einem früheren Leben erworben hat ?? Dies hatte er eindeutig bejaht.
    Hoffentlich hören sie RS-Tage oder andere Personen endlich auf, R. Strauss nur als “Held” verkaufen zu wollen. Denn er hatte auch seine Schattenseiten, die wir jetzt nicht aufzählen wollen, sondern im Buchprojekt. Viele Leute in der Musikwissenschaft müssen vielleicht anfangen umzudenken und unser Buch soll hierzu einen Beitrag leisten.
    Danke
    H:N:.

  6. Emma Peel
    11. März 2017 at 23:12

    Wurde denn Ihr Reinkarnationsbuch nun inzwischen veröffentlicht? Oder was bedeuten die vielen Kommentare?

    • H.N.
      4. April 2017 at 21:59

      An Ihrer Fragestellung merke ich , dass Sie das Thema Reinkarnation noch nicht ganz ernst nehmen ??. . Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif ?? Das Buch ist zum grössten Teil geschrieben. Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an. .

      Grosse Geister wie Mahler und Hoffmannsthal etc. aber auch L.Bernstein und Karajan hatten das Thema sehr ernst genommen., es passt zu dem Thema Tod und Verklärung, das ja Strauss im Alter von 25 Jahren geschrieben hat, Allerdings hatte er damals noch keinen intensiven Kontakt zu Mahler und Hoffmannsthal etc. Die o.a. Kommentare würden von der R.Strauss Forschung sehr angezweifelt werden, in ein paar Jahren sind sie nachweisbar, egal ob jetzt noch Leute darüber lachen. Welche Funktion haben Sie (Emma Peel) bei dem ganzen Thema R.Strauss ?? Danke H.N.

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