Ballerinen im Galopp bei der Mozartwoche 2017

(Mozarts Requiem in der Interpretation des französischen Pferdekünstlers und Theatermachers Bartabas)

Während der Mozartwoche wird in Salzburg musiziert, gesungen, rezitiert und galoppiert. Im Mittelpunkt steht ein fulminantes Pferdeballett von Bartabas.

Die Mozartwoche mit Leben zu füllen, ist eine programmatische Win-Win-Situation für die Akteure vor und hinter den Kulissen. Marc Minkowski und Matthias Schulz haben für ihr letztes gemeinsames Festival wieder viele renommierte Künstler versammelt. Neben Renaud Capuçon, András Schiff, Kit Armstrong, Steven Isserlis und Fazil Say sind auch die Wiener Philharmoniker dabei, wenn es darum geht, im winterlichen Salzburg Mozarts Werk zu huldigen.

2017 steht die theatralische Aufführung einer Pferdechoreografie der berühmten Académie Équestre de Versailles zu den Klängen von Mozarts Requiem im Mittelpunkt. Mit dem Pferdeballett knüpft der französische Theatermacher und kreative Tausendsassa Bartabas an den Erfolg seiner spektakulären Inszenierung Davide penitente an, die 2015 erstmals in Salzburg zu sehen war und alle Anwesenden samt der künstlerischen Leitung nachhaltig begeisterte.

Für den Pferdefreund Marc Minkowski stand damals fest: Auch in seinem letzten Programm sollen die Pferde wieder tanzen, diesmal zu Mozarts Requiem. Minkowski wird höchstpersönlich am Pult seines Ensembles Les Musiciens du Louvre stehen, es singen Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman, Julien Behr und Charles Dekeyser sowie der Salzburger Bachchor. Die 1693 errichtete imposante Felsenreitschule gibt dem virtuosen Pferdeballett einen authentischen Rahmen.

Das übrige Programm ist ebenso vom gemeinsamen Willen seiner Macher durchdrungen, die Mozartwoche mit einem fulminanten Finale an die Nachfolgerin Maren Hofmeister zu übergeben, und legt in diesem Jahr den Fokus auf die Künstlerfreundschaft zwischen Wolfgang Amadé Mozart und Joseph Haydn. Die wertschätzende Beziehung der beiden Komponisten spiegelt sich in ihrem Schaffen mehrfach wider und bietet hinreichend Stoff für eine spannende Woche voller Konzerte.

Die Essenz, die Minkowski und Schulz für ihr Festival gewonnen haben, wird beispielsweise durch einen Auftritt von Yannick Nézet-Séguin und dem Chamber Orchestra of Europe zum Ausdruck gebracht, die neben Haydns Sinfonie in e-Moll und Beethovens 1. Sinfonie auch Haydns Cellokonzert in C-Dur mit Jean-Guihen Queyras im Gepäck haben. Das Mozarteumorchester Salzburg bringt unter der Leitung von Pablo Heras-Casado mit Hoboken I:94, I:96 und I:100 drei weitere Haydn-Sinfonien zur Aufführung und das in Salzburg beheimatete renommierte Hagen Quartett spielt an zwei Abenden jeweils drei der sechs Erdödy-Quartette.

Ebenfalls auf den Spuren Haydns wandelt die halbszenische Aufführung Salomons Reisen, ein inszeniertes Konzert, das sich vor allem um Impresario Johann Peter Salomon dreht und verschiedene Werke aus Mozarts Feder mit einem fiktiven Faden verbindet, den der Tenor Michael Schade mit dramaturgischem Fingerspitzengefühl geknüpft hat. Rubén Dubrovsky dirigiert das Bach Consort Wien, Christiane Karg, Michael Schade und Manuel Walser sind die Gesangssolisten.

Genau genommen ist Mozarts Geist in Salzburg das ganze Jahr über allgegenwärtig. Ob in der Hofstallgasse, in der Getreidegasse oder im Park von Schloss Mirabell – irgendwie hat man immer das Gefühl, er müsste gleich höchstpersönlich um die Ecke biegen. Wie sehr Mozarts Schaffen gegenwärtig ist, zeigen im Rahmen der Mozartwoche auch Werke zeitgenössischer Komponisten, die – von Mozart inspiriert – die musikalische Brücke ins Hier und Jetzt schlagen und sich darüber hinaus der Musikvermittlung widmen. Die Osttiroler Musicbanda Franui präsentiert mit ihrem Mozart-Projekt „Ennui. Geht es immer so weiter?“ unter anderem eine Sammlung von Divertimenti, Kassationen und Serenaden, die mit der Rezitation von Texten von Søren Kierkegaard, Erik Satie, John Cage, Alberto Moravia und Ernst Jandl kombiniert werden, gelesen von Peter Simonischek. Eine weitere Uraufführung steht mit Johannes Maria Stauds Werk Fugu Advanced ins Haus, bei der das Mozart Kinderorchester gemeinsam mit Maestro Minkowski auf der Bühne steht.

Unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin wird Rolando Villazón mit den Wiener Philharmonikern einen Abend mit Mozarts großen Orchesterarien gestalten. Beim Konzert in D-Dur für Violoncello und Orchester von Joseph Haydn mit dem Solisten Steven Isserlis steht Adam Fischer am Pult der Wiener Philharmoniker. Die Sopranistin Anna Prohaska lässt gemeinsam mit dem Ensemble Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini die Kantate Berenice che fai und Rezitative und Arien aus den Mozart-Opern Le nozze di Figaro, Die Entführung aus dem Serail und Lucio Silla erklingen.

Für ihr Abschiedsprogramm ist Marc Minkowski und Matthias Schulz eine musikalische Zusammenstellung mit perspektivischer Tiefenschärfe gelungen, die viele spannende Solisten und Ensembles versammelt und dem Publikum abwechslungsreiche Einblicke in Mozarts Oeuvre erlaubt, die sich über Künstlergespräche, Einführungsvorträge und ein vielfältiges Filmprogramm noch vertiefen lassen.

MOZARTWOCHE 2017
Stiftung Mozarteum Salzburg
26. Januar bis 5. Februar 2017
Informationen und Kartenservice:
Telefon: +43-(0)662 87 31 54
tickets@mozarteum.de
www.mozarteum.at

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