Bayreuth 2010: Neue Stimmen und Ärger bei den „Freunden“

Die Premierenwoche der Bayreuther Festspiele in der Saison zwei der neuen Festspiel-Leiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner liegt hinter uns.

Aufs Konto von ersterer gehen viele neue Stimmen auf dem Hügel: Entdeckungen waren dabei Edith Haller und Johan Botha (Siegmund/Sieglinde), Lance Ryan (Siegfried) sowie Jonas Kaufmann als Lohengrin. Die Verpflichtung des „Lohengrin“-Regisseurs Hans Neuenfels fällt noch in die Amtszeit des im Frühjahr verstorbenen Wolfgang Wagner. Neuenfels lieferte mit seinem „Lohengrin“ spannende Denkansätze, die Bayreuth gut tun, auch wenn sich der Regisseur selbst verbal nicht immer von seiner besten Seite zeigte (er nannte Bayreuth öffentlich „Kaff“ und „Sudelort“). Allzu Menschliches mag auch hinter der Tatsache stecken, dass Festspielleiterin Katharina Wagner Stefan Herheim und seinen genialen „Parsifal“ nicht sehr zu lieben scheint: Hier ist keine Verewigung auf DVD geplant.

Nun hat Katharina Wagner zwar mit der Kinderoper und mit dem Public Viewing ein wirklich gutes Händchen, das Verhältnis mit der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, die seit 1949 die Festspiele mit Millionenbeträgen tatkräftig unterstützt, aber scheint derzeit etwas getrübt. Zuviel Bürokratie beklagt Katharina da immer wieder – kein Wunder, schließlich sind die Festspiele mittlerweile eine GmbH und die „Freunde“ Gesellschafter. Und da fließen die Milliönchen halt nicht auf Zuruf. Jedenfalls empfanden es viele der Gesellschafts-Mitglieder, die seit Jahrzehnten brav ihr Geld spenden und ihr goldenes Ringlein am Revers tragen, als Affront, dass die neue Förderer-Gesellschaft „TAff“ (Team der aktiven Festspielförderer) unter dem Motto „Wir sind Festspiele“ gegründet wurde. „Das Schöne an TAff ist eben, dass sie nicht Gesellschafter sind. Und deshalb ohne Bürokratie helfen können“, meint Katharina Wagner in einem offiziellen Interview, das im Pressebüro ausliegt und bekräftigt TAffs „Nähe zur Festspielleitung“. Aufgepasst: „Freude“ fühlen sich schnell vor den Kopf gestoßen – und ein Miteinander der Mäzene ist immer besser als ein Gegeneinander!

Von Barbara Angerer-Winterstetter

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