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RRRungs!

17. MĂ€rz 2010
CD Poulenc: “Concerto”; (c) Oehms Classics

CD Poulenc: Concerto; Oehms Classics

Kraftvoller Poulenc

Von Martin Morgenstern

Die CD schlĂ€gt im Ohr ein wie eine Bombe. Drei Konzerte Francis Poulencs werden geboten: das fĂŒr zwei Klaviere und Orchester in einer krachenden Version fĂŒr zwei Klaviere, Orgel (Hansjörg Albrecht) und Schlagzeug (Babette Haag). Das besinnliche “Concert champĂȘtre” (Cembalokonzert), geschrieben fĂŒr Wanda Landowska, die sich bei der UrauffĂŒhrung durch die Musik “völlig unbeschwert und fröhlich” fĂŒhlte (bis heute können wir‘s nachvollziehen). mehr

Traumhaftes Recital

16. MĂ€rz 2010
CD Keenlyside: “Lieder von Schubert, Wolf, FaurĂ©, Ravel”; (c) Wigmore Hall

CD Keenlyside: Lieder von Schubert, Wolf, Fauré, Ravel; Wigmore Hall

Keenlyside: Liedgesang vom Feinsten

Von Uwe Schneider

Der britische Bariton Simon Keenlyside hat sich kontinuierlich an die Weltspitze gesungen, ohne Hochglanz-PR und Eventglamour. Sein Trumpf ist ein Bariton von bemerkenswerter MusikalitĂ€t, ĂŒberaus flexibel gestaltend, farbenreich und zu zartesten Nuancen fĂ€hig. Dieses Liedrecital unterstreicht das ohrenfĂ€llig.

Sein samtiges Timbre und expressive Phrasierung, seine in allen Registern ausgeglichene StimmfĂŒhrung, erschließen die Liedminiaturen Schuberts, Wolfs, FaurĂ©s und Ravels in solcher PlastizitĂ€t, dass man den ebenso schlichten wie theatralischen Gestus der Stimme nur bewundern kann. mehr

In Trance gespielt

16. MĂ€rz 2010
DVD: “Volodos in Vienna. Live from the Musikverein Wien”; (c) Sony Classical

DVD: Volodos in Vienna. Live from the Musikverein Wien; Sony Classical

Volodos im Musikverein

Von Teresa PieschacĂłn Raphael

Der Musikverein Wien: Welch grĂ¶ĂŸere Ehre fĂŒr einen Musiker als ein Auftritt hier, in dem akustisch wohl besten Musiksaal der Welt, zwischen goldenen SĂ€ulen, im Spalier stehenden Karyatiden und der imposanten Orgel, auf der bereits Anton Bruckner spielte. Vom Plafond aus blicken Apoll und die Musen herab. Diesmal auf Arcadi Volodos.

Ganz in Schwarz gekleidet betritt “The unsmiling virtuoso” die BĂŒhne, weltentrĂŒckt, von seinem Publikum kaum Notiz nehmend. Melodisch, von großer Liebe zum Detail erfĂŒllt ist sein Spiel, ob bei der Sonata Nr. 7 von Skrjabin, Ravels “Valses nobles”, Schumanns intim bildhafte “Waldszenen” oder Liszts satanischem Drama “Dante Sonate”. mehr

ÜberzĂŒchteter Schönklang

16. MĂ€rz 2010
Bruckners “Achte Sinfonie c-Moll”, NĂ©zet-SĂ©guin; (c) ATMA Classique

CD: Bruckners "Achte Sinfonie c-Moll", Nézet-Séguin; ATMA Classique

Bruckners Achte wie immer

Von Benjamin-Gunnar Cohrs

In den ausgetretenen Spuren monumentalisierender Bruckner-Hohepriester wandelnd, begeht Yannick NĂ©zet-SĂ©guin die immer gleichen alten Fehler: Umkehrung von Bruckners Bogenstrichen zu Beginn des Finale, Nicht-BerĂŒcksichtigung der Tempo-Relationen und eine Sicht, die Bruckners eigene ErklĂ€rungen (TodesverkĂŒndigung im ersten Satz, nationalistische MilitĂ€rmusik im letzten) achselzuckend abtut. mehr

Savalls erschĂŒtternde Geschichte der Katharer

14. MĂ€rz 2010
“Le Royaume Oublie”, Jordi Savall; (c) Alia Vox

CD "Le Royaume Oublie", Jordi Savall; Alia Vox

Orient und Okzident

Von Christoph SchlĂŒren

Es ist großartig, mit welcher wissenschaftlichen Akribie und unerschöpflich scheinendem Erfindungsreichtum Jordi Savall seine ambitionierten Großprojekte umsetzt, man denke nur an „Ruta de Oriente„ und die geschichtstrĂ€chtigen Jerusalem- und Istanbul-PortrĂ€ts. Wieder ist es vor allem ein mehr als 560 Seiten starkes Buch im DVD-Format, das als „Begleitung„ fĂŒr drei CDs fungiert. Diesmal widmet sich Savalls Truppe (das „Alte Musik„-Kammerorchester HespĂšrion XXI und der Solistenchor La Capella Reial de Catalunya) mit Gastmusikern aus der TĂŒrkei, Marokko, Armenien und Bulgarien der tragischen Geschichte der Katharer, jener friedvollen christlichen Bewegung in Okzitanien im heutigen SĂŒdfrankreich, die dem von Papst Innozenz III. initiierten ersten innereuropĂ€ischen Kreuzzug (1209-13) zum Opfer fiel. Es waren die Okzitanier, die beim ersten Kreuzzug in Jerusalem die Unterlegenen verschonten und abziehen ließen. mehr

Kein Rostropowitsch

9. MĂ€rz 2010
Tschaikowsky: “Variationen ĂŒber ein Rokoko-Thema”, Prokofjew: “Sinfonia Concertante”; (c) Virgin Classics

CD: Tschaikowsky - "Variationen ĂŒber ein Rokoko-Thema", Prokofjew - "Sinfonia Concertante"; Virgin Classics

Capuçon spielt Tschaikowsky und Prokofjew

Von Teresa PieschacĂłn Raphael

Wie Johnny Depp gibt er sich auf dem Cover, der Blick grimmig, hinter schwarzen kinnlangen HaarstrĂ€hnen versteckt; an der Hemdmanschette die Initialen GC. Wir hĂ€tten Gautier Capuçon auch so erkannt. Der französische Cellist ist nach St. Petersburg gekommen um unter Ägide von Valery Gergiev Prokofjews selten gespielte Sinfonia Concertante op. 125 aufzunehmen, seinerzeit Mstislaw Rostropowitsch gewidmet, der das Werk 1952 zur UrauffĂŒhrung brachte.

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Brillante Konfusion

8. MĂ€rz 2010
Ewa Kupiec: “Zal”; (c) Solaris Records

CD Kupiec: Zal; Solaris Records

Ewa Kupiec spielt Chopin und Schubert

Von Christoph SchlĂŒren

Die polnische Pianistin Ewa Kupiec verfĂŒgt ĂŒber feine Klangkultur, was auch tontechnisch sehr gut dokumentiert ist. Woran es fehlt, ist das organische Erfassen der Musik.

Bei Schuberts spÀter G-Dur-Sonate steht immer wienerndes Freistil-Rubato der zusammenhÀngenden Gestaltung des Rhythmischen und Melodischen (ganz zu schweigen von der harmonischen Progression) im Wege, und besonders das Finale bleibt ganz fremd. mehr

Eine Wahre RaritÀt

8. MĂ€rz 2010
“L’Orfeo”, Paul Hindemith; (c) ORF Edition Alte Musik

CD: Monteverdis "L’ Orfeo", Paul Hindemith; ORF Edition Alte Musik

Hindemiths L’ Orfeo

Von Teresa PieschacĂłn Raphael

Paul Hindemith und Nikolaus Harnoncourt: Als sie Anfang der FĂŒnfziger einander begegneten war Hindemith ein etablierter Komponist und Dirigent ĂŒber sechzig und Harnoncourt ein junger ungestĂŒmer Cellist der Wiener Symphoniker, der alles dran setzte, die Musikwelt aus den Angeln zu heben. Beide verband die Liebe zur Alten Musik und den historischen Instrumenten, die Harnoncourt leidenschaftlich sammelte, weshalb man gleich zu ihm ging, als es hieß, Hindemith wolle in Wien “L’ Orfeo” produzieren. mehr

Wagner fĂŒrs neue Jahrhundert

7. MĂ€rz 2010
Wagner: GötterdÀmmerung; (c) c major/Unitel

DVD: "GötterdÀmmerung"; c major/Unitel

SpektakulÀrer Ring auf DVD

Von Benjamin-Gunnar Cohrs

Zubin Mehta hat jahrelang vergeblich versucht, Produzenten fĂŒr eine Verfilmung von Wagners „Ring„ zu gewinnen. Der spektakulĂ€re Zyklus, den Mehta anregte und 2007 in Valencia dirigierte, erschien nun auf 4 Doppel-DVDs und macht diese Idee ĂŒberflĂŒssig: Diese Produktion birst geradezu vor Spannung und wĂ€re es mehr als wert, im Kino gezeigt zu werden! Hinzu kommen vier spannende “Making of”-Features.

Die Theatertruppe La Fura dels Baus und Video-Designer Franc Aleu lassen Darstellungsebenen auf atemberaubende Weise ĂŒberlagern. mehr

Wanderer zwischen den RĂ€umen

6. MĂ€rz 2010
4. Symphonie “Sturm und Drang”, Bacri; (c) BIS

CD Bacri: 4. Symphonie "Sturm und Drang"; BIS

Der französische Komponist Nicolas Bacri

Von Christoph SchlĂŒren

Ohne Zweifel ist Nicolas Bacri einer der handwerklich kultiviertesten Komponisten unserer Zeit. Der 1961 in Paris Geborene begann typisch französisch in der komplexen Tradition der Webern-Nachfolge mit besonderer Bewunderung Elliott Carters. Als er 1983 in Rom Giacinto Scelsi kennenlernte, erweiterte sich sein Spektrum nachhaltig. Die Erkundung intuitiv gefundener KlangrĂ€ume fĂŒhrte zum offenen Bekenntnis zur TonalitĂ€t, und seither ist Bacri eine weltweite Leitfigur traditionsverbundenen Komponierens geworden.

Als ich ihn vor ca. 8 Jahren kennenlernte, war ich fasziniert von seiner qualitÀtsbewussten Kenntnis nicht nur des kompletten gÀngigen Repertoires, sondern auch der ganzen Bandbreite unbekannter Musik im 20. Jahrhundert. Kaum etwas Interessantes, das Bacri nicht kennt. mehr