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Lang Lang? – Nicht geschenkt!

28. Juni 2007

Wolf Wondratschek

In seinem Roman “Mara” beschreibt Wolf Wondratschek die Geschichte eines Cellos. Ein Gespräch über Virtuosität, Musik und darüber, warum er eine Lang Lang Karte nicht einmal geschenkt haben möchte.

Wolf Wondratschek wird dieses Jahr die Eröffnungsrede beim Richard-Strauss-Festival halten. Der Bestseller-Autor hat sich in Büchern wie “Mara” immer wieder mit der Klassik auseinandergesetzt. Und er hat einige sehr eigenwillige Ansichten.

crescendo: Das diesjährige Richard-Strauss-Festival steht unter dem Motto “Tanz und Virtuosität”. Mit Virtuosen haben Sie sich in Ihrem Erzählband “Die große Beleidigung” beschäftigt. Da beschreiben Sie einen Geiger, der daran zerbricht, dass sein Spiel, unter dem Druck des Publikums, zur Mittelmäßigkeit verdammt ist. Gibt es für diesen Victor Auermann ein lebendes Vorbild?

Wondratschek: Der Geigenvirtuose Victor Auermann wird das Opfer seines Lampenfiebers, was ihn die Karriere kostet, mehr und mehr seine Gesundheit, am Ende sogar seinen Verstand. Nun glauben Sie bitte nicht, dass sich so etwas nur Schriftsteller ausdenken können, die ohnehin im Verdacht stehen, ihre Einfälle immer ein wenig mit Übertreibungen auszupolstern. Nein. Meine Erzählung ist sehr genau recherchiert, was nicht einfach war, weil es sich dabei um etwas handelt, das kaum je öffentlich wird. Auermann ist ja alles andere als ein Einzelfall. Er war, wie viele in diesem knallharten Geschäft, dem Druck nicht gewachsen, dem seiner Anforderungen an sich selbst, seinem Ehrgeiz, unter die besten und bestbezahltesten Geiger zu kommen. Es halfen ihm nicht einmal die allseits beliebten und nur scheinbar harmlosen Betablocker, die er konsumierte. Ob es für ihn ein Vorbild gibt? Ja. Ich traf diesen Mann, dessen Namen ich allerdings nicht enthüllen werde, während eines Flugs von Minsk nach München. Ein nervöser, seelisch geplagter, aber faszinierender Mensch. Ich traf ihn noch einmal zu langen Gesprächen in Südfrankreich, wohin er sich zurückgezogen hatte – und hörte dort Studio-Einspielungen mit ihm. Er konnte spielen wie Paganini, atemberaubend brillant.

Schädigt der Kulturbetrieb die Seelen der Künstler?

Wondratschek: Das fragen Sie? Natürlich. Die meisten haben längst aufgehört, Künstler zu sein. Es sind Maschinen. Oder, wenn Sie so wollen, Verräter an der Sache der Kunst. Und sie wissen das auch. Und leiden darunter. Die Musik ist ein Geschäft mit Stars geworden, ein Wettbewerb um Schallplattenverträge und Höchstgagen. Wer sich darauf nicht einlässt, verzichtet auf viel Geld.

Der Virtuose Lang Lang wirkt allerdings nicht gerade zerbrechlich, oder?

Wondratschek: Sie könnten mir eine Karte schenken für ein Konzert mit ihm – und ich würde dankend ablehnen. Mir tun die Komponisten leid, die er spielt. Ich hoffe, er lässt wenigstens Schubert in Ruhe. Aber warum aufregen, solange es unter den lebenden Pianisten Leute wie Anatol Ugorski, Valery Afanassiev oder einen wie den jungen Till Fellner gibt.

Im Ihrem Buch beschreiben Sie auch einen Schriftsteller, der an seiner Kunst leidet, der vergeblich nach dem vollkommenen Satz sucht. Ein Selbstporträt?

Wondratschek: Was immer ich tue als Schriftsteller, das Erstellen von Selbstporträts gehört nicht dazu. Da und dort mag ein Teilchen, das mit meinem Fingerabdruck übereinstimmt, in das Mosaik eines größeren Zusammenhangs eingefügt sein, mehr aber nicht. Ich interessiere mich beim Schreiben für meine Tagesform, meine Belastbarkeit, sprich: Kondition, natürlich auch für die Verfügbarkeit eines ausreichend reichen Wortschatzes, um ausdrücken zu können, was ich sagen will, nicht im geringsten aber für mich als Person.

Quälen Sie sich mit dem Schreiben?

Wondratschek: Lassen Sie mich Nabokov zitieren. “Das Schreiben ist für mich seit eh und je eine Mischung von Schwermut und Hochstimmung, eine Tortur und ein Amüsement.” Das trifft es, denke ich. In jedem Fall ist es Schwerarbeit. Aber das ist das Schönste, Schwerarbeit. Und nichts gleicht dem Gefühl, sie hinter sich gebracht zu haben.

Noch einmal zurück zu Ihrem Erzählband “Die große Beleidigung”. Mit ihm haben Sie eine neue Werkphase eingeleitet. An die Stelle von Frauen und Liebe ist die Kunst getreten. Auch Ihre Titelheldin “Mara” ist ein Cello. Wie kam es zum Interessenwandel?

Wondratschek: Ich höre das Papier rascheln, von dem Sie ablesen. Zeitungspapier, auf dem sich Leute mit Deutungen über meine Person verausgabt haben, die dann gern Begriffe benutzen wie: Comeback, neue Werkphase etc. Und Sie, entschuldigen Sie, wiederholen es. Wie alle. Interessenwandel? Quatsch. Es gibt nur ein Interesse, und das heißt: zu jedem Zeitpunkt meines Berufslebens als Schriftsteller so gut zu schreiben wie es mir möglich ist. Und bestimmte Themen lässt man eben lange liegen, so lange, bis die eigene Begabung reif dafür ist, sie in Angriff zu nehmen. An die Stelle von Frauen und Liebe ist die Kunst getreten? Was soll das heißen? Am liebsten würde ich Sie diesen Satz so oft wiederholen lassen, bis ihre Zunge anfängt zu faulen. Wie hat man sich das denn vorzustellen? Drei Grazien auf einer Hühnerleiter? Mal die eine obenauf, mal die zweite – und die Kunst als Herr und Hahn?

Schriftsteller lieben “die Geschundenen und Erledigten”, haben Sie mal gesagt. Weil sie die besseren Geschichten abgeben?

Wondratschek: Ja, tun sie. Ohne Zweifel. Stellen Sie sich vor, der alte Mann bei Hemingway hätte seinen Fisch nach Hause gebracht. Stellen Sie sich Anna Karenina als glückliche Frau vor. Und Emma Bovary als treuloses Luder, glücklich über jede Gelegenheit, außerehelichen Sex zu praktizieren. Es sind die Glücklosen, die die glühende Sprache der Liebe sprechen, die Fremden, die lächeln, die Toten, die uns hoffen lassen.

In den “Kelly-Briefen” haben Sie geschrieben: “Ich bin der Zertrümmerung durch jede Art von Ehrgeiz entgangen”. Ehrlich? 

Wondratschek: In meinem Buch “Kelly-Briefe” wechseln ein noch ziemlich junger Mann, der sich in New York herumtreibt, und seine Geliebte, die in Europa auf ihn wartet, Briefe. Liebesbriefe. Ich selbst war bei der Niederschrift dieses kleinen Romans in Briefform allerdings ein Mann jenseits der fünfzig, also alles andere als ein ziemlich junger Mann. Ich sage das, um ihnen zu versichern, dass Sie völlig falsch liegen, mir die Ansichten, die der Kerl hat, in die Schuhe zu schieben. Allerdings gönnen Sie mir die Hoffnung, ich könnte meinen, das gebe ich gern zu, mir sehr sympathischen Helden auf dem Sterbebett eines Tages zitieren – und recht damit haben. Wenn ich die Sache vereinfachen darf, würde ich sagen: Ich bin umgeben von Menschen, deren Ehrgeiz größer ist als ihr Talent. Was mit ein Grund ist, sich von Künstlern aller Art fernzuhalten. Nur hin und wieder hat man das Glück und begegnet einem Heiligen, dessen Talent größer ist als sein Ehrgeiz. Übrigens zählt zu diesen Menschen jene junge Frau, die ich im Buch Kelly nenne, und ich verstehe den jungen Kerl gut, sie so sehr zu lieben, wie er das, wie man lesen kann, ohne Zweifel tut. Er betet sie an, ohne es allerdings allzu eilig zu haben, die Distanz zu verringern, die beide trennt immerhin eine Fläche von der Größe des Atlantiks.

Sie halten die Festrede beim diesjährigen Richard-Strauss-Festival. Wie kamen Sie dazu – und was erwarten Sie in der eher konservativen Klassik-Hochburg?

Wondratschek: Ich wurde, was mich selbst am meisten überraschte, eingeladen, das Festival mit einer Rede zu eröffnen und erwarte mir weiter nichts als eine wenigstens höfliche Aufmerksamkeit und Interesse für die Sache, über die ich spreche. Und die Sache ist der Virtuose, sein Können und sein Versagen, seine Größe und sein Elend. Aber gut möglich, dass den Leuten in den ersten Reihen ein wenig die Lust vergeht, mir am Ende applaudieren zu wollen. Wer weiß. Für eine Festansprache der üblichen akademischen Art bin ich nicht zuständig.

Vor zwei Jahren haben Sie mal über Rossini nachgedacht, stellten sich vor, wie der Italiener für sie kocht, weil Beethoven kurzfristig abgesagt hat… Was fällt Ihnen spontan zu Richard Strauss ein? 

Wondratschek: Nicht mit ihm essen müssen. Er gehört nicht zu jenen Menschen, mit denen ich einen Abend verbringen möchte. Ich bin, was seine Musik angeht, im Konflikt. Einerseits hohe Bewunderung, andererseits Misstrauen. Seine Musik hat unerhörte Einfälle und eine unnachahmliche, erfinderische Radikalität, aber zugleich hört man, dass sie gefallen will. Sie will sich bewundern lassen. Dann klingt sie mitunter künstlich, zu sehr gekonnt, ihrer Mittel zu sicher. Man hört, dass da ein Alleskönner am Werk war, was die Orchestrierung angeht. Andererseits gibt es im “Rosenkavalier” Stellen, die mir für immer verbieten, ihn nicht zu bewundern.

Zum ersten Mal steht beim Strauss-Festival Ballett auf dem Programm. Zum Beispiel Salomes Tanz, eine traurige Geschichte, weil sie dafür einen Kopf fordert. Ist die männermordende Salome Ihr Typ? 

Wondratschek: Sie scherzen.

“Salome” wagte sich Strauss an die Grenzen der Tonalität. Wenig später ruderte er mit dem “Rosenkavalier” zurück, Richtung Konvention. Welcher Strauss steht Ihnen näher, der Revolutionär oder der Traditionalist?

Wondratschek: Mich interessiert am meisten der Zusammenprall der beiden, die Gischt der Klänge, wenn Wasser auf Stein trifft, und das mit beachtlicher Wucht. Eine Welle kann dir das Genick brechen und erzeugt doch in ihrer Zerstäubung ein Farbenspiel, klingender Tau von fernen Planeten.

In diesem Jahr kredenzt Sterne-Koch Josef Lafer zum Richard-Strauss-Festival in Garmisch ein Strauss-Menu, nach Rezepten der Strauss-Gattin Pauline. Speisen Sie mit?

Wondratschek: Nein.

Das Interview führte Valery Voigt.

16 Kommentare zu “Lang Lang? – Nicht geschenkt!”

Isabell Frommann

19. Juni 2007 um 18:53 Uhr

Ich weiß nicht, ob ich dieses Interview arrogant finden soll oder ins Schwarze getroffen . auf jeden Fall sagt herr Wondratschek viele erschreckende Wahrheiten.

Karl Heinz Haybach

21. Juni 2007 um 08:22 Uhr

Im WDR3 werden seit Wochen Karten für das große “Open-air” von Lang Lang verlost. Diesen Freitag spielt er auf dem Roncalli-Platz…..ich kann nicht beurteilen, ob Herr Wondratscheck recht hat….es ist seine Meinung… in einem Interview hörte ich Lang Lang sagen, dass eine Interpretation unterschiedlich bewertet werden kann, denn die Kunst sei frei..Herr Wondratschek soll sich nicht als “Musikgott” aufspielen….viele junge Leute entdecken die “Klassische Musik”….. und das ist gut so! Dies ist ein Verdienst von Lang Lang und vielen anderen jungen KünstlerInnen…!

Silvia Melzer

27. Juni 2007 um 20:52 Uhr

Ich mag dieses Lang-Lang-bashing nicht. natürlich gibt es immer aufregendere interpreten, aber wohl kaum einen pianisten unserer zeit, über den so viel geredet wird. und das spricht absolut FÜR ihn. denn so entdecken viele – auch junge – menschen klassische musik. und so bringt er auch andere ins gespräch.
keep talking, not bashing.

Christine Mitlehner

28. Juni 2007 um 08:57 Uhr

Nachdem ich das hier gelesen habe, würde ich dankend ablehnen, noch irgendeine Zeile von Herrn Wondratschek zu lesen. Wenn er nicht unterscheiden kann zwischen einer künsterlischen Leistung und dem Rummel drumherum, dann kann man nur den engen Erfahrungsradius, in dem er sich eingerichtet hat, bedauern. Ich habe Lang Lang mit Mendelssohn, Beethoven und gestern Brahms 1. Klavierkonzert gehört – und wer von diesem jungen Künstler und Musiker sich nicht mitreißen lassen kann, hat von den Inhalten der Musik keine Ahnung und pflegt lediglich eine Reihe von Vorurteilen. Gerne quasseln die Deutschen davon, dass die Musik keine Grenzen kennt – hier werden sie plötzlich gezogen: “ein Chinese…”. Rummel um Künstler gab es immer, man denke nur an die Callas und Karajan – um nur die zu nennen. Es gibt Leute, die das brauchen. Wer es nicht braucht, geht in das Konzert und bildet sich eine eigene Meinung. Hoffentlich ohne Vorbehalte und in der Erkenntnisfähigkeit der persönlichen und unverwechselbaren künstlerischen Leistung. Lang Lang wird den Herrn W. nie treffen und läuft so nicht Gefahr, sich seine Kunst von ihm vergiften zu lassen!

Übrigens ist dieser Satz ja sinnloses Wortgeklingel: “Mich interessiert am meisten der Zusammenprall der beiden, die Gischt der Klänge, wenn Wasser auf Stein trifft, und das mit beachtlicher Wucht. Eine Welle kann dir das Genick brechen und erzeugt doch in ihrer Zerstäubung ein Farbenspiel, klingender Tau von fernen Planeten”. Nanu nanu…

Christian von Mühlheim

28. Juni 2007 um 15:18 Uhr

Liebe Christine Mitlehner,

das klingt, als seien Sie ein großer Lang Lang Fan. Aber ist es nicht so, dass Herr Wondratschek ssehr wohl vom Musikalischen argumentiert – er hat doch Recht, dass es viele Klavierspieler gibt, die besser sind, denen allerdings die nötige PR fehlt. Dass man über einen Künstler spricht, spricht noch nicht für ihn, das kann man heute ganz leich lancieren. Und das spricht auch nicht für die Klassik. Ich stimme Wondratschek vollkommen zu: Die beste Werbung für die Musik ist gute Musik. Ich habe die Konzerte, von denen Sie schreiben, zwar nicht gehört, wohl aber die Beethoven CD, und die ist, gelinde gesagt, schwach: Das große Werk zerfällt dem Klaviespieler unter den Händen. Und noch etwas: Hier redet niemand von Grenzen, ob Lang Lang Chinese oder Marsmännchen ist, ist am Ende völlig egal. Die Deutschen haben schließlich einen ähnlichen Klaviermann: Martin Stadtfeld. Auch nicht besser. Zum Glück nicht einmal erwähnenswert für Herrn Wondratschek.
Frank Krüger

Juliana Marko

28. Juni 2007 um 22:06 Uhr

Lieber Frank Krüger / Christian v. Mühlheim,
wondratschek soll doch hingehen wo er will, oder wegbleiben wovon er will.
ich sag es wieder und wieder Stadtfeld ist für mich der selbsternannte “bach-könig”, er ist nicht nur nicht besser als lang lang, er ist der masochist an der klaviatur und lang lang der genießer. die schwächen der beethoven-cd liegen beileibe nicht am solisten, sondern am orchester und am dirigenten. hören sie sich bitte einmal lang lang mit boulez an. oder hören sie bei der cd einmal nur den 2. satz vom 4. klavierkonzert und klicken sie das orchester weg, das andante con moto, da kommt eine tiefe durch, die mehr als schön ist.
Juliana Marko

Christine Mitlehner

30. Juni 2007 um 20:04 Uhr

Lieber Christian von Mühlheim, (auch Frank Krüger genannt??)
Ich weiß nicht, was Sie mit “besser” meinen. Wenn ich bedenke, dass es auf dem Gebiet des weltweiten Klavierspiels eine ziemlich große Anzahl technisch stupender Klavierspieler und eine breite Palette individuell unterschiedlichster Pianisten gibt, die ihre kongenialen Hörpartner finden, würde ich es mir untersagen, von “besser” oder “schlechter” zu sprechen. Es ist ein alter Hut, dass vielen guten Künstlern nicht der Sprung ins große Geschäft gelingt. Die Selektion wurde in den vergangenen Zeiten der großen Plattenkonzerne schon beklagt, sie wird heute (wie man sieht) nach wie vor gegeißelt, und es wird auch in Zukunft nicht “gerechter” zugehen. Zu einer Karriere gehört, dass man zu jeder Zeit, an jedem Ort und vor jedem Publikum perfekt seine Leistung bringt und die Häme, den Neid, das fatale “Daumen runter” ebenso wie das fatale “Daumen rauf” im Wissen um das eigene Können und im Glauben an die Kunst ignoriert. Zufall und Glück sind unverhoffte Wegmarkierungen.
“Die beste Werbung für die Musik ist gute Musik”, eine wahrhaft wahre Wahrheit! Um sie zu erleben oder “kritisch zu überprüfen”, wie gut der Künstler die gute Musik interpretiert, sollte man sich auf jeden Fall eine Karte schenken lassen. SCHENKEN: man bedenke dabei die Preise, die andere zahlen…!!!
Ich weiß nicht, wie Martin Stadtfeld spielt, habe ihn nie gehört.
Ich weiß aber durch besagte Konzerte und durch die Generalproben, die ich mir auch angehört habe, wie Lang Lang spielt. Und bei diesen Gelegenheiten bin ich sein “Fan” geworden, was für mich heißt, dass mich seine Musikalität unmittelbar berührt, ich seiner Auffassung der Werke nichts entgegen setzen möchte und ich deswegen die Möglichkeiten eines Konzertbesuchs nutzen werde.

Juliana Marko

1. Juli 2007 um 00:01 Uhr

Faktum ist: wir reden hier alle nur noch über Lang Lang und scheinen den urheber Wondratschek fast schon vergessen zu haben. Frage: würden wir hier überhaupt diskutieren, stünde hier nicht der name dieses pianisten im raum?
Juliana

Rolf Putz

1. Juli 2007 um 14:08 Uhr

Lang Lang ist ein wunderbarer Pianist für Leute, die gerne Pandabären beim Klavierspielen zuschauen. Wer allerdings hören kann und nicht nur Zirkusnummern geboten bekommen möchte, geht in ganz andere Konzerte. Egal wie laut die PR-Maschine tönt und rattert.

Mark Schulze Steinen

2. Juli 2007 um 01:24 Uhr

Dass Wolf Wondratschek im Laufe dieser Diskussion aus dem Focus des Interesses hinauskommentiert wird, finde ich mehr als begrüßenswert. Schließlich beschränkt sich seine Argumentation darauf, die Namen anderer, nicht minder streitbarer Pianisten ins Feld zu führen. Und das ist noch lange kein Zeugnis von der musikalischen Sachkenntnis, die er seinen Lesern – scheinbar mit einigem Erfolg – vorzugaukeln versucht. Stendhal, Burney, Shaw und zahlreiche andere haben in der Vergangenheit gezeigt, wie präzise man von einer literarischen Warte aus über Musik und ihre Interpreten schreiben kann. Aber wen interessiert das heute noch? Hauptsache kräftig auf die feuilletonische Pauke (und einen beliebigen Musiker in die Pfanne) gehauen. Auch so lässt sich Aufmerksamkeit erregen. Gerade dann erweist sich die hier viel diskutierte PR-Maschinerie allerdings als besonders peinlich und unproduktiv – weil sie nämlich in eigener Sache und auf Kosten anderer betrieben wird.

Christine Mitlehner

2. Juli 2007 um 08:54 Uhr

Dass der Literat als “Bestseller”-Autor vorgestellt wird und als solcher dann auf verschiedenen Veranstaltungen zu “seiner eigenen Überraschung” rhetorische Pirouetten dreht, sollte allgemeines Grübeln hervorbringen…

juliana marko

3. Juli 2007 um 20:20 Uhr

jeder panda-baer ist mir lieber als ein stadtfeld. ich lade sie herr putz gern zum hoervergleich auf cd ein, lang lang versus xxxx.
und uebrigens, solange er nicht zu dirigieren beginnt, wie pletnev, der aus diesem grund angeblich seine auftritte absagt, wie auch den in salzburg, ist mir lang lang als panda tom und jerry immer noch lieber als fadiane und fadianinnen an der klaviatur, die tatsaechlich nur auf die show-pauke hauen.

Günter Stapelfeldt

25. September 2007 um 10:03 Uhr

Lieber Herr Wondraschek,
bitte, bitte nehmen sie die Karte und geben Sie diese doch bite an mich weiter. Denn der eine hört’s, der andere eben nicht.

Martin Betz

24. Januar 2008 um 17:44 Uhr

Bravo, Wondratschek! Ich hab keine Ahnung, wer Lang Lang ist (der Name läßt auf ein synthetisches Produkt schließen), aber fest steht, die Opfer des Betriebs heißen nicht allein Victor Auermann, sie heißen vor allem Beethoven, Schubert, Brahms, Mendelssohn.

Christine Mitlehner

11. Juni 2009 um 00:46 Uhr

… es lässt mir keine Ruhe: wer so etwas schreibt “der Name lässt auf ein synthetisches Produkt schließen” – also das hat was Rassistisches an sich und gehört nicht in eine diesbezügliche Diskussion – sollte ich Betz dabei Unrecht tuen, aber das geht so nicht!
Christine Mitlehner

Maria Sago

20. Juni 2009 um 22:57 Uhr

ich wundere mich immer wieder, wie engstirnig es bei vielen Klassikfans, bei der Beurteilung von Künstlern zugeht.
Warum muß man immer vergleichen? Es gibt Künstler, die sagen einem zu, andere weniger, was diese aber nicht schlechter macht. Um beim Beispiel Klavier zu bleiben: Die sind seit ihrer Kindheit mit nichts anderem als üben beschäftigt! Die haben die Leidenschaft, aus ihrem Instrument das Beste und Schönste herauszuholen. Die können ALLE was. Dem sollte man erst mal Respekt zollen.
Das die Vermarktungsindustrie permanent Auschau nach verwertbaren, jungen Talenten hält, mit denen sie dann versucht, durch geschickte Werbestrategie viel Geld zu verdienen, ist bedauerlich. Es schmeichelt sicher sehr, wenn man auserkoren wird, zu einem “Star” gemacht zu werden, und es fällt schwer, sich dem zu entziehen.

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