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Abbados Brahms

19. Mai 2007

Claudio AbbadoKurzkritik: Philharmonie, Berlin 18. Mai

Der gestrige Abend war ein langes Warten auf Brahms, denn Claudio Abbado wählte für seine Rückkehr zu den Berliner Philharmonikern einen ebenso außergewöhnlichen wie spannenden ersten Konzertteil.

Werke jenseits des Repertoires: Johann Sebastian Bachs strenges d-Moll Konzert (BW 1052) für Violine und Kurt Weills experimentelles Konzert für Geige und Blasorchester. Der ehemalige Konzertmeister der Philharmoniker, Kolja Blacher, trat als Solist auf. Sein extrovertiertes und virtuoses Spiel war allerdings von Intonationsunsicherheiten überschattet, so, dass die unbedingte Klarheit, die beide Stücke verlangen, zuweilen in der interpretatorischen Grauzone verschwand.

Bei Brahms’ dritter Sinfonie war er dann wieder da, der Abbado-Zauber, das Fest des Rückkehrers, die Begeisterung am großen, epischen Klang. Es ist verblüffend, wie die Philharmoniker ihrem ehemaligen Chef folgten, der seinen Sound, der allein der Musik geschuldet ist, beim Lucerne Festival Orchestra und beim Mahler Chamber Orchestra gefunden hat. Wie spielfreudig die Philharmoniker beginnen mit ihm zu schwelgen, sich trauen, episch und pathetisch zu sein, wie sie Brahms’ natürlich homogenes Auf und Ab,  sein Wühlen in musikhistorischen Motiven in einen erzählerischen Rausch-Klang verwandeln, und wie die einzelnen Stimmen, besonders die Holzbläser um den Oboisten Albrecht Mayer und den Flötisten Emmanuel Pahud, nicht mehr unbedingt für sich allein formensprengend aussagekräftig sein wollen, sondern sich dem von Abbado geführten Großen und Ganzen fügen. (AB)

Ausführliche Kritik morgen in der FAS

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2 Kommentare zu “Abbados Brahms”

Frank Krüger

19. Mai 2007 um 22:40 Uhr

Abbado ist ein Gott – die Philharmoniker haben ihn mehr oder weniger gern gehen lassen, und das war gut für ihn: Er hat in den kleinen Orchestern, in denen es nur um die Musik geht, wirklich eine neue Sprache gefunden. Schön, wenn er die Berliner nun an diesem Prozess beteiligt.

Jan Renner

29. Mai 2007 um 10:39 Uhr

Abbados Brahms war erwartungsgemäss grossartig ( was man von dem kurzfristig angesetzten und dementsprechend runtergeleierten Bach nicht sagen kann).
Schade nur, dass solche grossartigen Konzerterlebnisse bei den Philharmonikern zu absoluten Rarität geworden sind.

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