crescendo Premium
Sofort bestellen:

7 Ausgaben mit Festspielguide + 6 Abo-CDs+Prämie Ihrer Wahl + Geschenk CD

crescendo Premium
Erst Testen:

1 Ausgabe gratis + 1 Abo-CD + Geschenk CD bei Abo-Bestellung

Bayreuth 2010: Weißt Du, wie das wird?

27. August 2009

Die Beantwortung der Nornenfrage: Was nächsten Bayreuther Festspieljahre Neues bringen – und was wir uns wünschen

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Heute schließt sich über dem letzten “Tristan” der Bayreuther Festspielvorhang – tags darauf werden dann alle wehenden Fahnen in Bayreuth eingezogen, Wehmut breitet sich aus und die Stadt verfällt bis zum 25. Juli 2010 wieder in ihren Dornröschenschlaf.

Das war es also – das erste Jahr in Damenhand, die erste Saison unter Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner. Letztere ist “die Stimme und Erscheinung” der Festspiele, sagt Pressesprecher Peter Emmerich, und das sei auch genauso geplant. Wer denkt, Eva sei scheu oder würde sich allzu dezent im Hintergrund halten, liegt allerdings falsch: Sie braucht das Rampenlicht nicht mehr. Dafür ist sie für alle Sänger und Mitarbeiter im laufenden Betrieb da. Bei jeder Vorstellung, immer und überall. Sie, die Profi ist im Finden neuer Stimmen, hat wohl auch schon etliche zukunftsträchtige Kandidaten für die kommende Saison bei der Hand. Ergo: Von der künstlerischen Arbeit des nächsten Jahres wird man einiges erwarten dürfen. Denn trotz aller diesjähriger Veränderungen in punkto “Marke Bayreuth”, trotz Brombeerfarbe, Public Viewing und Kinderoper sollte es im nächsten Jahr wieder mehr um das gehen, was Kern der Festspiele ist: nämlich um die musikalische Qualität der Aufführungen im Festspielhaus.

So ist gerade für die “Ring”-Inszenierung von Tankred Dorst in ihrem letzten Jahr 2010 zumindest musikalisch eine Runderneuerung wünschenswert. Die Wagner-Welt schreit geradezu nach neuen Siegfrieds und Brünnhilden – Eva Wagner-Pasquier möge diesen Schrei bitte erhören! Und dabei gleich noch einen neuen Siegmund engagieren: Dass Endrik Wottrich mit arg beschädigtem Tenor diese Partie nach wie vor auf dem Hügel verkörpert, während andere Bayreuth-Tenöre wie Christopher Ventris, Klaus Florian Vogt oder Arnold Bezuyen diese Partie weitaus schöner singen könnten, ist nicht nachzuvollziehen. Und das neueste Gerücht, Dirigent Thielemann schätze Wottrich, scheint kaum glaubhaft. Eine Umbesetzung für 2010 ist schon durchgedrungen: das die amerikanische Mezzosopranistin Susan Maclean die Kundry im “Parsifal” übernimmt – was nach ihrem triumphalen Rollendebüt 2008 an der Semper-Oper spannend werden kann!

Den “Thielemann-Ring” soll es übrigens im Winter schon auf CD geben. Auch den aktuellen “Tristan”, nicht aber den “Parsifal” in der Inszenierung von Stefan Herheim. Tatsächlich taucht er in der geplanten Liste der Aufzeichnungen aus dem Festspielhaus nicht auf – was fürs Publikum geradezu ein Schock ist, erwies sich doch gerade diese gleichermaßen intellektuelle wie Bilder-sinnliche Inszenierung als der “Renner” des Jahres. Von einem Streit zwischen Herheim und Katharina Wagner wurde gemunkelt. Tatsächlich aber scheint man sich nicht auf den künstlerischen Anspruch des Regisseurs einigen zu können: “In intensiven Verhandlungen stellte sich heraus, dass Herheim in seiner sehr komplexen Regie extra für die Aufzeichnung in eigenen Proben viel um- und verändern wollte, um das Ganze DVD-tauglich zu machen”, weiß Peter Emmerich: “Das war dann schlussendlich nicht finanzierbar”. Bleibt zu hoffen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, denn für die Dokumentation der Festspielgeschichte wäre es geradezu katastrophal, wenn nach Schlingensiefs “Parsifal” nun auch die Herheim-Produktion dem medialen Vergessen übergeben würde.

Was schon jetzt fest steht: Dass mit Hans Neuenfels und seinem neuen “Lohengrin” 2010 wieder die Zeiten heftiger Kontroversen auf dem Hügel anbrechen werden. Erste Konzept-Ideen, die natürlich offiziell noch streng geheim sind, lassen Ungewöhnliches durchblicken: Alt-Wagnerianer können schon mal Tomaten sammeln. Auch wenn’s für viele vielleicht ein Schocker werden mag – gerade solche Produktionen haben Bayreuth künstlerisch häufig weiter gebracht. Musikalisch darf man viel erwarten: der junge Senkrechtstarter Andris Nelsons dirigiert, Jonas Kaufmann gibt sein Lohengrin-Debüt und der Star aus Salzburg und München, Anette Dasch, steht als Elsa neben Evelyn Herlitzius auf der Bühne, die als Ortrud nach Bayreuth zurück kommt. 2011 dirigiert dann Thomas Hengelbrock einen in punkto Quellenforschung neuen “Tannhäuser” (Regie: Sebastian Baumgarten) und 2012 wird Christinan Thielemann den “Holländer” leiten (Regie: Sebastian Nübling). Die Senta soll wohl Adrienne Pieczonka singen. Und noch ein Vorhaben, dass zur Vorbereitung des 200. Wagner-Geburtstags 2013 kursiert: dass alle Jugend-Werke (“Die Feen”, “Das Liebesverbot”, “Rienzi”) während der Festspiele diesen Jahres in einem Art Zweitfestival jenseits des Hügels gezeigt werden sollen – wohl als Co-Produktionen oder Gastspiele.

Share

Einen Kommentar schreiben

 

Kommentar
Name
Email