Bühler Jazztival: Der große Melodiker
Getanzt wurde im Bürgerhaus Neuer Markt am Ende doch nicht. Dafür war das mit „Funky Horns” überschriebene Eröffnungskonzert des 6. Bühler Jazztivals zu vielschichtig. Natürlich ist Nils Landgren ein Meister des rockigen, tanzbaren Funk, wie er bei seiner letzten CD mit seiner Band „Funk Unit” wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Von Georg Rudiger
Den Schlagzeuger der Aufnahme, Wolfgang Haffner, hat er nach Bühl mitgebracht. Und der macht schon beim dampfenden Opener „Red Horn” mit trockenem Schlag und treibender Bassdrum klar, wohin die Reise geht. Keine eitle Selbstdarstellung, keine intellektuelle Feinarbeit ist angesagt, sondern ein gerader, ungeheuer kraftvoller Beat. Die NDR Bigband, deren künstlerischer Berater Landgren ist, präsentiert sich unter der Leitung von Jörg Achim Keller als Partner auf Augenhöhe. Und als Ensemble, das nicht zuletzt durch seine großartige Rhythmusgruppe Energie fokussieren kann.
Aber der Abend im fast ausverkauften Bürgerhaus hat viele Gesichter. Ein anderes zeigt Nils Landgren gleich mit dem zweiten Stück, der Ballade „Everything must change”. Die Saxofonisten greifen zu Querflöte und Klarinette, Wolfgang Haffner tauscht seine Sticks mit Jazz-Besen. Und dann setzt Nils Landgrens Stimme ein – hell, rau und völlig unpathetisch. Die rechte Hand steckt in der Hosentasche, die linke hält seine rote Posaune. Dann setzt er das Instrument an, um die Liedmelodie weiterzuspinnen. Ganz weich und warm ist sein Ton, wie mit einem Schleier versehen. Man merkt, dass er klassische Posaune studiert hat, bevor er sich in den 80er Jahren dem Pop und bald auch dem Jazz zuwandte. Nils Landgren ist ein großer Melodiker. Nie verheddert er sich in seinen Improvisationen in Nebensächlichkeiten. Und kann natürlich auch das Instrument funky spielen wie in der aufgeheizten Hendrixnummer „Stonefree”, in Joe Zawinuls „Mercy, Mercy, Mercy”, in John Coltranes „Impressions” oder seiner eigenen Komposition „Nasty”.
Die NDR Bigband zeigt ebenfalls diese stilistische Bandbreite und überzeugt mit großartigen Solisten wie Stephan Diez (Gitarre) und Vladyslav Sendecki (Piano). Aber auch die leisen Töne berühren an diesem Abend wie der vom Holzbläsersatz veredelte Song „Fragile”, der von Nils Landgren ähnlich schlicht intoniert wird wie von seinem Komponisten Sting.
„Ich dachte, das Konzert wäre schon vorbei” sagt der Schwede nach der ersten Zugabe verschmitzt. Und intoniert auf seiner „roten Tröte” sanft das schwedische Volkslied „Ack, Värmeland, du sköna”, ehe er mit rotzigen Bassklängen, die noch ein paar andere Frequenzen mitschwingen lassen, ganz alleine das Bühler Bürgerhaus rockt. Da Landgren aber auch ein guter Handwerker ist, schraubt er nach und nach während des Spielens seine Posaune auseinander. Nachdem er die Melodie nur noch mit den Lippen geblasen hat und einige Takte später wieder Mundstück und Zug montiert hat, endet er mit der ursprünglichen Version des Volkslieds – aber nichts ist mehr wie es war. Stehende Ovationen.









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