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Wo mein Wähnen Wagner fand

25. August 2010

Warum die Initialzündung fürs Wagner-Jahr 2013 in Bayreuth von der Umgestaltung des Wagner-Museums Villa Wahnfried aus gehen kann

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Meine erste Liebe in Bayreuth war nicht das Festspielhaus, sondern die Villa Wahnfried, das Richard-Wagner-Museum. Wo Wagners Wähnen Frieden fand, hat mich selbst der Wagner-Virus infiziert und bis zum heutigen Tag nicht mehr losgelassen. Ich war damals zwölf. Im Saal von Wahnfried geschah es: Nichtsahnend stand ich da und bestaunte die Bibliothek Wagners, als mich plötzlich Töne umspülten, die mich einhüllten, fesselten, packten und mir direkt ins Herz gingen. Ertrinken, versinken – es mag Isoldes Liebestod gewesen sein. Oder der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“. Ich habe diese Musik damals nicht intellektuell erfasst wie heute, sondern sie nur gefühlt. Das aber mit Haut und Haar. mehr

Einmal selbst Venus sein – oder zum Cocktail den Walkürenritt erleben

25. August 2010

Public Viewing Siemens Festspielnacht, Foto: Stefan Obermaier

Das dritte Public Viewing auf dem Bayreuther Festplatz mit „Walküre“ und der Kinder-Version von „Tannhäuser“

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Der junge, revolutionäre Wagner hatte selbst diese fixe Idee: Freien Eintritt in die Festspielaufführungen des „Rings“ zu gewähren, alle Menschen mit seinen Ideen und seiner Musik zu infizieren und am besten noch umzuerziehen. Letzteres schaffte auch das dritte „Public Viewing“ am Samstag auf dem Bayreuther Volksfestplatz natürlich nicht – ersteres vielleicht schon. Denn nicht nur Bayreuth-Liebhabern, die seit Jahren auf eine Karte warten und extra für diesen Event anreisten, sondern auch etliche Opernanfängern, die einfach mal „nur so reinschauten“, konnte man am Samstag bei der Live-Übertragung der „Walküre“ begegnen. Einstiegsbarrieren sind bei diesem Opern-Volksfest nicht vorhanden: Man nehme sich einen Campingstuhl und einen Picknickkorb oder lasse sich in den schönen Liegestühlen am Beach nieder, verpflegt durch allerlei Köstlichkeiten der Bayreuther Gastronomen. Dort ein Plausch, hier andächtige Aufmerksamkeit – alles ist hier möglich. Wie im vergangenen Jahr waren es rund 20.000 ständig auf dem Volksfestplatz präsente Besucher (etwa 40.000 wurden beim Eintritt über den ganzen Abend hinweg gezählt), die bei der Live-Übertragung der „Walküre“ aus dem Festspielhaus im Rahmen der von Siemens gesponsorten Festspielnacht dabei waren. mehr

Wahnfrieds Zukunft: Wagner privat trifft Wagner öffentlich

25. August 2010

Die Sanierung, ein Neubau und das neue Kapitel Wirkungsgeschichte: Ein Interview mit Dr. Sven Friedrich, dem Museumsdirektor und Leiter des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung.


Von Barbara Angerer-Winterstetter

 
Die Umgestaltung des Richard-Wagner-Museums in Wagners einstigem Bayreuther Wohnhaus bzw. in dessen Rekonstruktion von 1976 ist derzeit in aller Munde (s. Kommentar). Hier befindet sich auch das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung. Träger beider Institutionen ist die Richard-Wagner-Stiftung, als Museums- und Archiv-Leiter fungiert Dr. Sven Friedrich, mit dem Barbara Angerer-Winterstetter in Bayreuth sprach. mehr

Bayreuth 2010: Neue Stimmen und Ärger bei den „Freunden“

9. August 2010

Die Premierenwoche der Bayreuther Festspiele in der Saison zwei der neuen Festspiel-Leiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner liegt hinter uns.

Aufs Konto von ersterer gehen viele neue Stimmen auf dem Hügel: Entdeckungen waren dabei Edith Haller und Johan Botha (Siegmund/Sieglinde), Lance Ryan (Siegfried) sowie Jonas Kaufmann als Lohengrin. Die Verpflichtung des „Lohengrin“-Regisseurs Hans Neuenfels fällt noch in die Amtszeit des im Frühjahr verstorbenen Wolfgang Wagner. Neuenfels lieferte mit seinem „Lohengrin“ spannende Denkansätze, die Bayreuth gut tun, auch wenn sich der Regisseur selbst verbal nicht immer von seiner besten Seite zeigte (er nannte Bayreuth öffentlich „Kaff“ und „Sudelort“). Allzu Menschliches mag auch hinter der Tatsache stecken, dass Festspielleiterin Katharina Wagner Stefan Herheim und seinen genialen „Parsifal“ nicht sehr zu lieben scheint: Hier ist keine Verewigung auf DVD geplant. mehr

Wahnfried erklingt im Alt-Rausch

8. August 2010

Christa Mayer, die „Erda“ der Bayreuther Festspiele präsentierte sich mit einem Liederabend in Wagners Wahnfried/Festspiel-Soireen mit spannendem Programm bis Ende August

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Ein schöner Brauch rund um den Bayreuther Grünen Hügel ist die rege Konzertaktivität, die maßgeblich dazu beiträgt, das musikalische Leben rund um den Grünen Hügel bunt und interessant zu gestalten und echtes Festspielflair zu generieren. Atmosphärisch besonders dicht wird so ein Konzertabend, wenn er denn im Haus Wahnfried, Wagners Bayreuther Wohnhaus, erklingt. Wo einst „Wagners Wähnen Frieden fand“ – dank tatkräftiger Unterstützung von König Ludwig II. von Bayern – sammelt man sich heute in des Meisters Saal, streng beäugt von Familienportraits, und saugt die Original-Atmosphäre in sich auf. mehr

„Schwellkopf“ Richard schüttelt den Kopf

3. August 2010

Bayreuther Festspiele: Katharina Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ erfahren im vierten Jahr etliche Veränderungen/Neuer Sachs bleibt blass

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Eigentlich sind die „Meistersinger von Nürnberg“ ja Richard Wagners liebeswertestes Werk: Die Dichtung ist feinsinniger und vielschichtiger als in anderen Werken, und auch die Musik huldigt beileibe nicht nur vordergründig prachtvoll-dröhnendem C-Dur, sondern hat wundervolle Momente des Gefühls zu bieten. Allein das Vorspiel zum dritten Aufzug ist ein Kleinod – und gleichzeitig der seelische Reifeprozess des Hans Sachs‘, der sich zum Verzicht auf seine heimliche Liebe Eva Pogner entschließt wie einst Richard Wagner selbst, als er Mathilde Wesendonck, wahrscheinlich die Liebe seines Lebens, loslassen muss und wieder an ihren Gatten Otto verliert. Nicht selten hat Wagner selbst solch prägende Erlebnisse auf der Bühne verarbeitet oder – wie eben in den „Meistersingern“ – auch überwunden. mehr

Bayreuth hat wieder einen Siegfried!

1. August 2010 2 Kommentare

Lance Ryan überzeugt als Siegfried im Bayreuther „Ring“/Musikalische und Regie-Sternstunde dritter Akt

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Diese Partie ist vertrackt schwierig: Leicht und locker muss Siegfried deklamieren können, dann aber wieder große, gebundene Phrasen singen, lyrisch soll er klingen, aber auch heldisch auftrumpfend sein Schwert schmieden und Brünnhilde erwecken. Neben Stephen Gould gab es in den letzten Jahren in Bayreuth keinen guten Siegfried mehr, denn Siegfriede vom Stimmtypus eines Wolfgang Schmidt und Christian Franz verlegten sich mehr aufs Kraftmeiern und vergaßen stemmend, dass man diese Partie auch singen kann.

Die Siegfried-Erlösung kommt – wie die hervorragende Sieglinde Edith Haller – wieder einmal aus dem badischen Staatstheater in Karlsruhe: Hier konnte sich Lance Ryan das deutsche Repertoire erarbeiten und glänzte jüngst schon bei den Salzburger Osterfestspielen als Siegfried. Dass er jetzt auch in Bayreuth die Siegfried-Lücke schließen kann, hat Stimmexpertin und Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier rechtzeitig erkannt. Ryan singt, ganz Schüler von Carlo Bergonzi, die Töne lyrisch an und legt dann erst Kraft in die Stimme. Erstaunlich, wie gut der Kanadier den schwierigen deutschen Text ausspricht, hörbar versteht, was er da singt und es auch klug musikalisch ausdeutet. mehr

Facettenreiches Überwältigungstheater

30. Juli 2010

Stefan Herheims „Parsifal“ begeistert auch im dritten Bayreuther Aufführungsjahr /
Der Abend von Christopher Ventris und Kwangchul Youn

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Nach dem fulminanten Auftakt mit Neuenfels‘ „Lohengrin“ ist er der Hingucker der Bayreuther Festspiele 2010: Stefan Herheims von der „Opernwelt“ zur Inszenierung des Jahres 2009 gewählter Bayreuther „Parsifal“. Von Bayreuth-Insidern in Anlehnung an den großen „Jahrhundertring“ (1976-80) als der „Chéreau der Jetztzeit“ gehandelt, gibt es fürs Regieteam am Schluss zwar immer noch leichten Widerspruch, vor allem aber stehende Ovationen. Und das völlig zu Recht, denn Herheims „Parsifal“ ist ein Stück Überwältigungstheater, atemberaubend in seinen sich ständig wandelnden Bühnen- und Ausstattungsvisionen (Heike Scheele, Gesine Völm), zudem aber auch intellektuell durchdacht, ohne dabei belehrend zu wirken. mehr

Sieglinde ist das „hehrste Wunder“

29. Juli 2010 2 Kommentare

Edith Haller und Johan Botha revolutionieren das gesangliche „Ring“-Niveau bei den Bayreuther Festspielen

Von Barbara Angerer-Winterstetter

„So blühe denn Wälsungenblut“ singt Siegmund am Schluss des ersten „Walküren“-Aufzugs – und der Vorhang fällt laut Wagners Bühnenanweisung besonders schnell. Aus szenischer Sicht ist das in Tankred Dorsts Inszenierung des Bayreuther „Ring des Nibelungen“ nicht nötig, denn auf der Bühne passiert sowieso nichts. Und schon gleich gar nichts Anrüchiges. Nach ein paar flüchtigen Umarmungen bricht das inzestuöse Liebespaar händchenhaltend zu einem nächtlichen Waldspaziergang auf und überlässt die tobende Leidenschaft der Musik, die auf die schon leere Szene strömt. Aber die Unzulänglichkeiten in der Personenführung dieser Inszenierung, die sowieso in ihr letztes Bayreuth-Jahr geht, sollen hier nicht weiter Thema sein. Viel eher gibt es viel blühendes Wälsungenblut aus gesanglicher Sicht zu vermelden – von einem neuen Wälsungenpaar, das den ersten „Walküren“-Aufzug trotz szenischer Ratlosigkeit zu einer Sternstunde werden ließ. mehr

Bayreuth: Von Ratten und Menschen im
Versuchslabor

26. Juli 2010 6 Kommentare
Bayreuther Festspiele 2010: "Lohengrin" mit Annette Dasch, Georg Zeppenfeld, Festspielchor

Bayreuther Festspiele 2010: "Lohengrin" mit Annette Dasch, Georg Zeppenfeld, Festspielchor; Foto: Bayreuther Festspiele GmbH/Enrico Nawrath

Hans Neuenfels inszeniert einen hoch intelligenten neuen „Lohengrin“ zur Bay-reuther Festspieleröffnung 2010 / Musikalisch höchstes Niveau mit vielen Hügel-Debütanten

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Alain Resnais‘ Spielfilm von 1980 „Mein Onkel aus Amerika“ nimmt das Motiv vorweg: Laborratten-Experimente werden menschlichen Verhaltens-weisen gegenübergestellt. Die Idee, mit der Regisseur Hans Neuenfels in seiner neuen „Lohengrin“-Inszenierung auf dem Bayreuther Grünen Hügel arbeitet, ist also keine Neuerfindung, aber neu bei den Festspielen. Verstörend sicher für so manchen, der die romantische Oper ebenso auf der Bühne erleben möchte, ein höchst intelligenter Coup aber für denjenigen, der lieber eine glasklare, schlüssige Regie erlebt. Denn das ist Neuenfels‘ Deutung, trotz der vielen Buhs für die Premiere zur Festspieleröffnung am Sonntag. mehr