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Einmal berückend, einmal bedrückend
Zwei Inszenierungen, wie sie unterschiedlich nicht sein können: Stefan Herheims „Parsifal“ und Christoph Marthalers „Tristan“ zum Abschluss der Bayreuther Premierenwoche / sensationelles Dirigat von Peter Schneider, problematischer Daniele Gatti
Von Barbara Angerer-Winterstetter
In einem „Ring“-freien Festspieljahr muss man in Bayreuth stets auf eine schon ältere Produktion zurück greifen, um auf einen kompletten Spielplan zu kommen – schließlich ist der bislang in Bayreuth angesetzte (bzw. erlaubte) Wagnersche Werkkanon nicht eben riesig. So holte man zum Abschluss der diesjährigen Bayreuther Premierenwoche Christoph Marthalers Bayreuther „Tristan“-Inszenierung aus dem Jahr 2005 wieder zurück auf den Hügel. Freilich ohne Marthaler selbst, der zu den Proben seine Assistentin schickte – ganz im Gegensatz zu Stefan Herheim, der Jahr für Jahr mit seinen Sängern äußerst intensiv für seine „Parsifal“-Inszenierung probt, die sich im vierten Bayreuth-Jahr befindet. Unterschiedlicher können zwei Produktionen nicht sein: Bei Herheim gibt es sinnliches Überwältigungstheater mit starken Bildern, deren Entschlüsselung auch beim wiederholten Sehen Entdeckungen garantiert – bei Marthaler dagegen eine extrem kühle Ästhetik und äußerste szenische Reduktion. mehr
Aus Glanz und Wonne komm ich her
28. Juli 2011
5 Kommentare
 Szenenfoto: Enrico Nawrath Bayreuther Festspiele: Die Sternstunde des Klaus Florian Vogt / Hans Neuenfels‘ „Lohengrin“ präsentiert sich im zweiten Jahr als hoch intelligente Inszenierung
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Das tut gut: Nach einer hoch problematischen Festspieleröffnung, nach berechtigter Medien-Schelte für die Qualität des Hauses ging jetzt am Mittwoch abend der eigentliche Stern Bayreuths auf – mit der „Lohengrin“-Premiere, und mit Klaus Florian Vogt als strahlendem Schwanenritter. Wenn am inmitten des Beifalls-Orkans am Schluss sogar die Kritikerreihen aufspringen, um Standing Ovations zu bringen, dann sind Jubelweisen angesagt! Kurz vorweg: Der Holsteiner, der Hornist in Hamburg war, bevor er seine Tenorstimme entdeckte und eine zweite Karriere startete, war schon die Entdeckung der Bayreuther Festspieleröffnung 2007, als er mit dem Stolzing in den „Meistersingern“ sein Debüt gab. Schon damals feierten viele den hervorragend aussehenden, blond gelockten Vogt mit seiner jungen, strahlenden Stimme als den neuen Peter Hoffmann und wünschten sich sofort alles, auf jeden Fall Siegmund, Parsifal und Lohengrin auf den Festspielbühne. mehr
Skandal in der Biogasanlage?
26. Juli 2011
1 Kommentar
Eröffnung der Bayreuther Festspiele: Sebastian Baumgartens neue „Tannhäuser“-Inszenierung erntete einen Buh-Sturm
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Bayreuths Hunde heulen wieder – so jedenfalls hörte sich das Buhkonzert nach der Eröffnung der Bayreuther Festspiele am Montag mit der „Tannhäuser“-Neuinszenierung an. Ein Skandal? Mitnichten! Denn Skandale brauchen echte Aufreger, Substanz für Reibung und spannungsreiche Auseinandersetzungen. Vieles davon fehlt in Sebastian Baumgartens Neuproduktion. Zwar hat der Regisseur kluge Gedanken im Vorfeld reichlich geäußert (der Donaukurier berichtete), am Premierenabend aber zählt nur die Umsetzung. mehr
crescendo bringt Sie nach Bayreuth
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Ein Stoffwechselmodell für Bayreuths Tannhäuser
 Bayreuther Festspiele 2011 Tannhäuser Insz: Sebastian Baumgarten; Foto: Enrico Nawrath
Heute hat Sebastian Baumgartens „Tannhäuser“-Inszenierung Premiere bei den Bayreuther Festspielen: Ein Werkstattbericht aus der Orchesterhauptprobe
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Rein optisch sieht die Bühne wie eine Biogasanlage aus. Doch Regisseur Sebastian Baumgarten, dessen neue „Tannhäuser“-Inszenierung heute Nachmittag die 100. Bayreuther Festspiele eröffnet, will hier keine Firma zeigen. „Das Ganze ist eine Miniaturwelt, eine Art Stoffwechselzyklus, in dem alles reglementiert ist“, erklärt er im Interview nach dem ersten Akt der Orchesterhauptprobe. Mit dieser Information sieht man das Bühnenbild mit anderen Augen: Nahrung befindet sich in Fässern links, auf der mittleren Ebene des hochgebauten Bühnenbildes wird gearbeitet, eine Etage höher geschlafen, wenn das System „Wartburg“ zu Beginn des zweiten Aufzugs sagt: „Wir schlafen“. Und der in der Mitte platzierte Alkoholator? Hier wird Alkohol gewonnen, der die Menschen bei Laune halten soll! mehr
Lohengrin für alle und erstmals der Ring für Kinder
Die Siemens Festspielnacht in Bayreuth bietet am 14. August 2011 nicht nur die Live-Übertragung des Lohengrin aus dem Festspielhaus auf den Bayreuther Festplatz, sondern erstmals auch im Rahmen des Public Viewing vor Ort die Aufzeichnung von Wagners Ring speziell für Kinder. Zunächst wird der Mitschnitt von der Premiere der Kinderoper „Der Ring des Nibelungen“ zu sehen sein, dann öffnet der Wagner Erlebnisparcours für Kinder auf dem Platz.
Ab 16 Uhr wird die Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner in ,hochauflösender Bildqualität und mit vollem Raumklang aus dem Festspielhaus übertragen. Wie schon in den Vorjahren kann diese Übertragung im Internet unter www.siemens.com/festspielnacht abgerufen werden. mehr
Wo mein Wähnen Wagner fand
Warum die Initialzündung fürs Wagner-Jahr 2013 in Bayreuth von der Umgestaltung des Wagner-Museums Villa Wahnfried aus gehen kann
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Meine erste Liebe in Bayreuth war nicht das Festspielhaus, sondern die Villa Wahnfried, das Richard-Wagner-Museum. Wo Wagners Wähnen Frieden fand, hat mich selbst der Wagner-Virus infiziert und bis zum heutigen Tag nicht mehr losgelassen. Ich war damals zwölf. Im Saal von Wahnfried geschah es: Nichtsahnend stand ich da und bestaunte die Bibliothek Wagners, als mich plötzlich Töne umspülten, die mich einhüllten, fesselten, packten und mir direkt ins Herz gingen. Ertrinken, versinken – es mag Isoldes Liebestod gewesen sein. Oder der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“. Ich habe diese Musik damals nicht intellektuell erfasst wie heute, sondern sie nur gefühlt. Das aber mit Haut und Haar. mehr
Einmal selbst Venus sein – oder zum Cocktail den Walkürenritt erleben
 Public Viewing Siemens Festspielnacht, Foto: Stefan Obermaier
Das dritte Public Viewing auf dem Bayreuther Festplatz mit „Walküre“ und der Kinder-Version von „Tannhäuser“
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Der junge, revolutionäre Wagner hatte selbst diese fixe Idee: Freien Eintritt in die Festspielaufführungen des „Rings“ zu gewähren, alle Menschen mit seinen Ideen und seiner Musik zu infizieren und am besten noch umzuerziehen. Letzteres schaffte auch das dritte „Public Viewing“ am Samstag auf dem Bayreuther Volksfestplatz natürlich nicht – ersteres vielleicht schon. Denn nicht nur Bayreuth-Liebhabern, die seit Jahren auf eine Karte warten und extra für diesen Event anreisten, sondern auch etliche Opernanfängern, die einfach mal „nur so reinschauten“, konnte man am Samstag bei der Live-Übertragung der „Walküre“ begegnen. Einstiegsbarrieren sind bei diesem Opern-Volksfest nicht vorhanden: Man nehme sich einen Campingstuhl und einen Picknickkorb oder lasse sich in den schönen Liegestühlen am Beach nieder, verpflegt durch allerlei Köstlichkeiten der Bayreuther Gastronomen. Dort ein Plausch, hier andächtige Aufmerksamkeit – alles ist hier möglich. Wie im vergangenen Jahr waren es rund 20.000 ständig auf dem Volksfestplatz präsente Besucher (etwa 40.000 wurden beim Eintritt über den ganzen Abend hinweg gezählt), die bei der Live-Übertragung der „Walküre“ aus dem Festspielhaus im Rahmen der von Siemens gesponsorten Festspielnacht dabei waren. mehr
Wahnfrieds Zukunft: Wagner privat trifft Wagner öffentlich
Die Sanierung, ein Neubau und das neue Kapitel Wirkungsgeschichte: Ein Interview mit Dr. Sven Friedrich, dem Museumsdirektor und Leiter des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung.
Von Barbara Angerer-Winterstetter
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Die Umgestaltung des Richard-Wagner-Museums in Wagners einstigem Bayreuther Wohnhaus bzw. in dessen Rekonstruktion von 1976 ist derzeit in aller Munde (s. Kommentar). Hier befindet sich auch das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung. Träger beider Institutionen ist die Richard-Wagner-Stiftung, als Museums- und Archiv-Leiter fungiert Dr. Sven Friedrich, mit dem Barbara Angerer-Winterstetter in Bayreuth sprach. mehr
Bayreuth 2010: Neue Stimmen und Ärger bei den „Freunden“
Die Premierenwoche der Bayreuther Festspiele in der Saison zwei der neuen Festspiel-Leiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner liegt hinter uns.
Aufs Konto von ersterer gehen viele neue Stimmen auf dem Hügel: Entdeckungen waren dabei Edith Haller und Johan Botha (Siegmund/Sieglinde), Lance Ryan (Siegfried) sowie Jonas Kaufmann als Lohengrin. Die Verpflichtung des „Lohengrin“-Regisseurs Hans Neuenfels fällt noch in die Amtszeit des im Frühjahr verstorbenen Wolfgang Wagner. Neuenfels lieferte mit seinem „Lohengrin“ spannende Denkansätze, die Bayreuth gut tun, auch wenn sich der Regisseur selbst verbal nicht immer von seiner besten Seite zeigte (er nannte Bayreuth öffentlich „Kaff“ und „Sudelort“). Allzu Menschliches mag auch hinter der Tatsache stecken, dass Festspielleiterin Katharina Wagner Stefan Herheim und seinen genialen „Parsifal“ nicht sehr zu lieben scheint: Hier ist keine Verewigung auf DVD geplant. mehr
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