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	<title>crescendo - das KlassikMagazin &#187; Live aus Bayreuth</title>
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		<title>Einmal berückend, einmal bedrückend</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 12:07:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live aus Bayreuth]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Angerer-Winterstetter]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwei Inszenierungen, wie sie unterschiedlich nicht sein können: Stefan Herheims „Parsifal“ und Christoph Marthalers „Tristan“ zum Abschluss der Bayreuther Premierenwoche / sensationelles Dirigat von Peter Schneider, problematischer Daniele Gatti Von Barbara Angerer-Winterstetter In einem „Ring“-freien Festspieljahr muss man in Bayreuth stets auf eine schon ältere Produktion zurück greifen, um auf einen kompletten Spielplan zu kommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwei Inszenierungen, wie sie unterschiedlich nicht sein können: Stefan Herheims „Parsifal“ und Christoph Marthalers „Tristan“ zum Abschluss der Bayreuther Premierenwoche / sensationelles Dirigat von Peter Schneider, problematischer Daniele Gatti</strong></p>
<p><em><strong>Von Barbara Angerer-Winterstetter</strong></em></p>
<p>In einem „Ring“-freien Festspieljahr muss man in Bayreuth stets auf eine schon ältere Produktion zurück greifen, um auf einen kompletten Spielplan zu kommen – schließlich ist der bislang in Bayreuth angesetzte (bzw. erlaubte) Wagnersche Werkkanon nicht eben riesig. So holte man zum Abschluss der diesjährigen Bayreuther Premierenwoche Christoph Marthalers Bayreuther „Tristan“-Inszenierung aus dem Jahr 2005 wieder zurück auf den Hügel. Freilich ohne Marthaler selbst, der zu den Proben seine Assistentin schickte – ganz im Gegensatz zu Stefan Herheim, der Jahr für Jahr mit seinen Sängern äußerst intensiv für seine „Parsifal“-Inszenierung probt, die sich im vierten Bayreuth-Jahr befindet. Unterschiedlicher können zwei Produktionen nicht sein: Bei Herheim gibt es sinnliches Überwältigungstheater mit starken Bildern, deren Entschlüsselung auch beim wiederholten Sehen Entdeckungen garantiert – bei Marthaler dagegen eine extrem kühle Ästhetik und äußerste szenische Reduktion.<span id="more-12127"></span></p>
<p>Letzteres sieht dann etwa so aus, dass Tristan und Isolde nach langer Liebesabstinenz erst einmal etliche Meter weit voneinander entfernt stehen und schier endlos ins Publikum singen. Nun erwartet heute niemand (mehr) ekstatische, manchmal auch peinlich inszenierte Liebesszenen. Und dass auch in der Distanz ein großes Prickeln liegen kann, hat nicht zuletzt Heiner Müllers Bayreuther „Tristan“-Inszenierung eindrucksvoll gezeigt. Aus Marthalers Inszenierung aber ist schlichtweg die Luft raus. In seiner erstarrten „Tristan“-Welt fehlt die Grundspannung – was die einst beklemmende Personen-Vereinzelungsregie mit äußerst sparsamem Bewegungseinsatz in diesem Jahr häufig zum reinen Rampengesang verkommen lässt. Dann bitte lieber gleich konzertant (was allerdings nicht im Sinne des Gesamtkunstwerkers Richard Wagners wäre)! Auch optisch kommt der „Tristan“ trist an: Das müllige, in „Jahresringen“ durch die Zeiten wachsende Bühnenbild von Anna Viehbrock, ist dabei allerdings immer noch erträglicher als die Kostüme, die üppige Sänger-Figuren höchst unvorteilhaft in Strick, Kostüm oder Anzug pressen.</p>
<p>Wie anders präsentierte sich da doch am Abend zuvor der Herheimsche „Parsifal“, der in Bayreuth mittlerweile Kult und neben dem „Lohengrin“ die gelungenste Produktion der Festspiele ist. Atemberaubend sind die sich ständig wandelnden Bühnen- und Ausstattungsvisionen (Heike Scheele, Gesine Völm), zudem aber ist diese Produktion in sich schlüssig, intellektuell durchdacht und agiert mühelos auf drei Interpretationsebenen, die stets ineinander verschränkt sind: Neben der psychologisch durchleuchteten Geschichte des Erlösers Parsifal, der vom Knaben zum Mann reift, durchlaufen wir die Geschichte der deutschen Nation, die ihre diversen Erlöserfiguren aufzuarbeiten hat – und gleichzeitig die Rezeptionsgeschichte des Bühnenweihfestspiels „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen. Faszinierend etwa ist, wenn im dritten Aufzug neben der Nachkriegszeit nach dem 2. Weltkrieg auch die Inszenierungsgeschichte Neubayreuths eingearbeitet wird und Bühnenbild wie Personenregie deutliche und gewollte Anklänge an Wielands oder Wolfgangs Produktionen haben.</p>
<p>Diesen szenischen Glücksgriff ergänzte die Musik allerdings leider nicht auf gleichem Niveau: Zwar ist das „Parsifal“-Ensemble aus dem letzten Jahr in sich gereift (Susan Maclean singt eine überzeugende Kundry mit mehr Dramatik, Detlef Roth einen stärkeren Amfortas), der tenorale Neuzugang von Simon O’Neill aber kann Festspiel-Erwartungen nicht erfüllen. Zwar singt und agiert er durchaus ordentlich, aber niemals wirklich auffallend – die Stimme ist zu kalt, zu stählern, zu wenig lyrisch strömend (unvorstellbar, dass er in Bayreuth schon 2010 in eine „Lohengrin“-Vorstellung eingesprungen sein soll). Auch Daniele Gatti zerfasert einmal mehr die „Parsifal“-Musik des ersten Aufzugs und findet erst im dritten zu großen Bögen und klanglicher Intensität.</p>
<p>Musikalisch dagegen höchst beglückend, obwohl szenisch bedrückend, ist der diesjährige „Tristan“. Denn Peter Schneider, der seit 1981 in Bayreuth Produktionen dankenswerterweise nachdirigiert, vollbringt am Premierenabend ein Wunder: Das Orchester der Bayreuther Festspiele verströmt sich in Klangwogen, die in ungewohnt schnellen Tempi aus dem Graben tönen, und berauscht schon in den ersten Minuten der Aufführung. Ohne schwer und pathetisch zu sein, hat Schneider einen sicheren, packenden Zugriff und hält die vibrierende Spannung bis zum Schluss aufrecht. Ein frei strömendes Musikglück, von dem sich die Sänger mitreißen ließen. Iréne Theorin als Isolde leuchtet mit ihrem hochdramatischen Sopran jeden Winkel des Festspielhauses mühelos aus. Eine Riesenstimme, die das Metallische in den Spitzentönen angenehmerweise verloren hat und insgesamt runder, wärmer und noch größer klingt als noch vor zwei Jahren, als „Tristan“ letztmals auf dem Spielplan stand. Ein kleiner Makel ist allerdings die schlechte Textverständlichkeit, die auch mit Textkenntnis das Nachverfolgen des gesungenen Worts quasi unmöglich macht. Robert Dean Smith als Tristan ist hier exakter und singt nicht nur sein wundervolles, endloses Legato, sondern mit stets lyrischem Ansatz einen durchhaltestarken und gleichzeitig stimmlich höchst kultivierten „Tristan“.</p>
<p>Samtig schön im Klang auch die „Habet Acht“-Rufe und die dramatische Kraft von Michelle Breedt als Brangäne, die sich im Stimmtypus allerdings weiterhin immer noch zu wenig von Isolde absetzt. Betont schrullig zeichnet die Regie Jukka Rasilainen als Kurwenal – und so hat diese große Stimme letztlich immer wieder ein paar Brüche. Robert Holl erweist sich wieder einmal als souveräner Bayreuth-Veteran, auch wenn sein Marke manchmal ebenso brummig ist wie einst sein Hans Sachs. Typisch für die Bayreuther Festspiel-Qualität ist auch die ausgezeichnete Besetzung der kleinen Partien: Ralf Lukas als Melot, Arnold Bezuyen als Hirt mit herrlicher Tenor-Kantilene und Clemens Bieber als junger Seemann vervollständigten ein ausgezeichnetes Premieren-Ensemble, das zum Abschluss der Bayreuther Premierenwoche 2011 mit ihrer „Lohengrin“-Sternstunde musikalisch nochmals einen gewichtigen „Tristan“-Akzent setzte.</p>
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		<title>Aus Glanz und Wonne komm ich her</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 07:45:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live aus Bayreuth]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Angerer-Winterstetter]]></category>
		<category><![CDATA[Bayreuth 2011]]></category>
		<category><![CDATA[LOHENGRIN]]></category>
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		<description><![CDATA[Bayreuther Festspiele: Die Sternstunde des Klaus Florian Vogt / Hans Neuenfels‘ „Lohengrin“ präsentiert sich im zweiten Jahr als hoch intelligente Inszenierung Von Barbara Angerer-Winterstetter Das tut gut: Nach einer hoch problematischen Festspieleröffnung, nach berechtigter Medien-Schelte für die Qualität des Hauses ging jetzt am Mittwoch abend der eigentliche Stern Bayreuths auf – mit der „Lohengrin“-Premiere, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_12115" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/L_160711_005_EnricoNawrath.jpg" alt="" title="Szenenfoto: Enrico Nawrath" width="180" height="134" class="size-full wp-image-12115" /><p class="wp-caption-text">Szenenfoto: Enrico Nawrath</p></div><strong>Bayreuther Festspiele: Die Sternstunde des Klaus Florian Vogt / Hans Neuenfels‘ „Lohengrin“ präsentiert sich im zweiten Jahr als hoch intelligente Inszenierung</strong></p>
<p><em><strong>Von Barbara Angerer-Winterstetter</strong></em></p>
<p>Das tut gut: Nach einer hoch problematischen Festspieleröffnung, nach berechtigter Medien-Schelte für die Qualität des Hauses ging jetzt am Mittwoch abend der eigentliche Stern Bayreuths auf – mit der „Lohengrin“-Premiere, und mit Klaus Florian Vogt als strahlendem Schwanenritter. Wenn am inmitten des Beifalls-Orkans am Schluss sogar die Kritikerreihen aufspringen, um Standing Ovations zu bringen, dann sind Jubelweisen angesagt! Kurz vorweg: Der Holsteiner, der Hornist in Hamburg war, bevor er seine Tenorstimme entdeckte und eine zweite Karriere startete,  war schon die Entdeckung der Bayreuther Festspieleröffnung 2007, als er mit dem Stolzing in den „Meistersingern“ sein Debüt gab. Schon damals feierten viele den hervorragend aussehenden, blond gelockten Vogt mit seiner jungen, strahlenden Stimme als den neuen Peter Hoffmann und wünschten sich sofort alles, auf jeden Fall Siegmund, Parsifal und Lohengrin auf den Festspielbühne.<span id="more-12114"></span></p>
<p> Vogt aber, der sich der Sänger-Verheizungsmaschinerie kluger- und bodenständigerweise von Anfang an verweigert hat, zog erst einmal 4 Jahre Stolzing vor und erweiterte anderenorts vorsichtig sein Repertoire, was ihn schnell zum weltweit gefragtesten Lohengrin machte, den er selbst als seine Paraderolle bezeichnet. Und der nun endlich auch in Bayreuth zu hören ist. In einer Qualität, die alle Superlative verdient: Vogts Stimme strömt frei in höchste Höhen, übertönt mühelos auch den Riesenchor und ist dabei doch nie zu laut oder gar gestemmt. Völlig natürlich und locker gelingen ihm Töne, die Durchsetzungsvermögen haben, aber gleichzeitig wie eine kostbare Perlenkette klingen – jeder Ton so betörend schön, so klug differenziert, mit einem solchen Schmelz behaftet, dass man unwillkürlich an große Namen wie Fritz Wunderlich denkt. „Aus Glanz und Wonne komm ich her“, singt dieser Lohengrin und könnte seine eigene Stimme damit nicht besser beschreiben.</p>
<p>An Vogts Seit nimmt sich Anette Dasch als Elsa noch im ersten Akt ein wenig blass aus – die hervorragende Sängerin hat einfach noch zu wenig Wagner-Erfahrung. Im zweiten Aufzug aber gewinnt sie an Format und lässt selbst im Liegen noch berückend schöne Töne hören. Zugleich spielt sich dieses auch optische Traumpaar wirklich die Seele aus dem Leib. Regisseur Hans Neuenfels hat mit beiden wohl sehr intensiv gearbeitet, denn diese unglückliche Beziehung gewinnt hier eine schon lange nicht mehr erlebte Intensität. Im Brautgemach wird Elsa von heftigsten Zweifeln geradezu körperlich geschüttelt und Lohengrin versucht vergebens, zu halten, was nicht zu halten ist. Als das Experiment Liebe zwischen beiden dann gescheitert ist und sie Abschied nehmen müssen, reißen sie sich die Kleider vom Leib und klammern sich aneinander fest, als wollten sie nachholen, was Wagner ihnen im Brautgemach versagt hat. </p>
<p>Überhaupt ist Hans Neuenfels‘ Inszenierung in ihrem zweiten Bayreuth-Jahr noch schärfer konturiert und weiterhin eine der klügsten Festspielproduktionen – echtes, griffiges und dabei schlüssiges Musiktheater in hoch ästhetischen, hell ausgeleuchteten, starken Bildern (Reinhard von der Thannen).  Getreu Alain Resnais‘ Spielfilm von 1980 „Mein Onkel aus Amerika“, der Laborratten-Experimente menschlichen Verhaltensweisen gegenüber stellt, werden bei Neuenfels die hochintelligenten Nager zum Leitmotiv – aber das Rattenkostüm wirkt in seinem Neopren-Material nicht nur tierisch-possierlich, sondern auch wie hochwertige Sportbekleidung; und durch den Rattenkopf, der ebenso Röntgenaufnahme wie Schutzhelm sein könnte, schimmert immer der menschliche Kopf durch. In einer geschlossenen Labor-Situation durchleben diese Ratten denn auch einige Mutationen hin zur Spezies Mensch. Gefährlich auffallend ist die Bereitschaft dieser opportunistischen Überlebenskünstler, sich anzupassen, wenn sie zu Hütchen schwingenden Gelbfrackträgern und  zu Kämpfern mit Schwanenemblem  werden. Und immer wieder macht man sich dabei Gedanken übers Menschliche im Rattigen und das Rattige im Menschlichen.   Mit viel Humor und liebevoll im Detail gibt es dazu auch putzige Darstellungen, die sich manchmal nah am Comic bewegen – etwa, wenn rosafarbene Babyratten zu berühmten Brautchor auftreten dürfen. </p>
<p>Aber Neuenfels‘ Regie bleibt nicht nur in dieser Grundidee stecken: Im glasklar ausgeleuchteten Versuchs-Raum des „Lohengrin“-Labors bleibt keine Emotion unanalysiert. Es ist Lohengrin, der die Dimension der Liebe mit ins Spiel bringt und mit seinem „Nie sollst du mich befragen“ zu mehr  Vertrauen ins Gefühl aufruft. Das eigentliche Wunder in dieser Inszenierung wäre, wenn dieser Wunsch, dessen Sinnbild der Schwan ist, Wirklichkeit würde:  als Schwanen-Designobjekt ist er für Elsa noch anstaunbar, als übergroßes Schwanenfedern-Hochzeitskleid aber schon zu erdrückend. Denn auch im Versuchslabor kann man das ständige Hinterfragen nicht lassen – und so schlüpft im verstörenden Schlussbild aus einem übergroßen Schwanenei (stückkonform viel zu früh) der noch unfertige Gottfried als missgebildetes Embryo, als deformierte Kopfgeburt zu vieler Gen-Experimente. Die Folge von zu viel Nachforschung, mit der am Schluss alle Liebe, alles Vertrauen und alles Lebendige stirbt. Nur nicht Lohengrin, der aufs Publikum zugeht, als möchte er seinen Appell, wieder mehr aufs Herz und nicht nur auf den Verstand zu hören, an alle weitergeben! </p>
<p>Die Musik findet in dieser Szenerie einen perfekten Raum zur Entfaltung. Andris Nelsons, der gerade mal 32-jährige Dirigent, nähert sich dem Werk des jungen Wagner leidenschaftlich, mit viel Lyrik und glitzernden Klangfarben, hütet sich aber vor zu viel Süße. Eine Entdeckung ist an diesem Abend auch Petra Lang, die nach ihrer Brangäne nun als Ortrud auf der Bayreuther Bühne steht und zu großem, hoch dramatischen Format findet. Nicht so geglückt ist die Besetzung des Telramund mit dem zwar kultiviert singenden, aber zu wenig durchsetzungsfähigen Tómas Tómasson. </p>
<p>Dafür gibt es von  Georg Zeppenfeld als König Heinrich, der bei Neuenfels  Shakespear’sche Züge a la King Lear trägt, und Samuel Youn als seinem stimmgewaltigen Heerrufer nur Bestes zu berichten. Wie auch vom Chor der Bayreuther Festspiele, einem der weltbesten Ensemble unter der Leitung von Eberhard Friedrich. Kurzum: Eine der inspirierendsten Festspielproduktionen des Grünen Hügels wurde 2011 auch musikalisch zum Triumph. Und zur Bestätigung, dass Bayreuth in künstlerischer Hinsicht doch noch etwas zu sagen hat. </p>
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		<title>Skandal in der Biogasanlage?</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 13:44:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011]]></category>
		<category><![CDATA[Tannhäuser]]></category>

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		<description><![CDATA[Eröffnung der Bayreuther Festspiele: Sebastian Baumgartens neue „Tannhäuser“-Inszenierung erntete einen Buh-Sturm Von Barbara Angerer-Winterstetter Bayreuths Hunde heulen wieder – so jedenfalls hörte sich das Buhkonzert nach der Eröffnung der Bayreuther Festspiele am Montag mit der „Tannhäuser“-Neuinszenierung an. Ein Skandal? Mitnichten! Denn Skandale brauchen echte Aufreger, Substanz für Reibung und spannungsreiche Auseinandersetzungen. Vieles davon fehlt in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eröffnung der Bayreuther Festspiele: Sebastian Baumgartens neue „Tannhäuser“-Inszenierung erntete einen Buh-Sturm </strong></p>
<p><em><strong>Von Barbara Angerer-Winterstetter</strong></em></p>
<p>Bayreuths Hunde heulen wieder – so jedenfalls hörte sich das Buhkonzert nach der Eröffnung der Bayreuther Festspiele am Montag mit der „Tannhäuser“-Neuinszenierung an. Ein Skandal? Mitnichten! Denn Skandale brauchen echte Aufreger, Substanz für Reibung und spannungsreiche Auseinandersetzungen. Vieles davon fehlt in Sebastian Baumgartens Neuproduktion. Zwar hat der Regisseur kluge Gedanken im Vorfeld reichlich geäußert (der Donaukurier berichtete), am Premierenabend aber zählt nur die Umsetzung.<span id="more-12110"></span></p>
<p>Wenn Baumgarten Nietzsche zitiert, sollte das auch optisch erfahrbar werden. Das Apollinische – das  Geordnete, der Formtrieb – wird in Joep van Lieshouts Technokratie-System, das im „Tannhäuser“ als Bühnenbild die Wartburg repräsentiert, wohl erkennbar. Wo aber bleibt die Gegenwelt, der Stofftrieb, das Dionysische – im Werk der Venusberg? In Bayreuth hat man ihn in einen Käfig verbannt, in dem freies schöpferisches Walten schwierig scheint. Hier tummeln sich menschenfressende Halbaffen, aber auch Kaulquappen und eine hoch schwangere Venus im Glitzerkleid, die sich wie Tannhäusers alte Ehefrau benimmt und am Schluss ihr Kind gebiert („Der Gnade Wunder Heil!“). Eines ist klar: in dieser Kostümparade findet Tannhäuser wenig Möglichkeiten zur „Triebabfuhr“.  Und überhaupt verstehen wir den in sich zerrissenen Helden von Wagners früher romantischer Oper nur zu gut, wenn er sich in keiner der aktuellen Welten auf der Bayreuther Bühne zuhause fühlt.</p>
<p>Denn die Installation des niederländischen Objektkünstlers van Lieshout ist als Bühnenbild höchst unsinnlich und vielleicht ein Grund dafür, warum das Publikum am Premierentag über große Strecken ratlos, oft unbeteiligt blieb und auch das Angebot der Vor- und Nachspiele in den Pausen nicht nutzte. Zur Erklärung: Das Atelier van Lieshout, das der Künstler als lebenden Selbstversorgungs-Kreislauf „AVL Ville“ 1995 im Rotterdamer Hafen gründete und leitete, steht nun wiederum auf der Bayreuther Bühne. Der Kunst-Versuch, außerhalb des marktwirtschaftlichen Rahmens neue Gesellschaftsformen zu erforschen, hat nun zwar durchaus Parallelen zur „Tannhäuser“-Thematik des gesellschaftlich nicht konformen Künstlers. Klar ist auch, was damit gesagt werden soll: nämlich dass wir alle Rädchen in der Gesellschaft sind und funktionieren müssen, statt unsere individuelle Freiheit leben zu können. Denn die auf der Bühne stehende Installation mit Biogasanlage zur Verwertung menschlicher Ausscheidungen mit Nahrung in gelben Fässern und einem roten „Alkoholator“, der die Menschen bei Laune hält, spiegelt letztlich in reduzierter Form unseren umweltbewussten, aber stark reglementierten Alltag wieder.</p>
<p>Die Frage ist: Was bringt uns dieser erhobene Zeigefinger? Was bringt diese Szenerie dem Werk Wagners? Und: Wirkt der quasi recycelte „Technokrat“ van Lieshouts nicht auch beliebig, austauschbar – sogar ein wenig selbstverliebt? Böse Zungen behaupten, man könne dieses Bühnenbild gleich für den „Ring“ 2013 wiederverwerten. Alternativ tut es seinen Dienst wahrscheinlich auch für die „Fledermaus“.</p>
<p>In solch kühlem Rahmen spielt sich die  manchmal pfiffige, musikalisch oft richtige, aber  häufig auch beliebige Personenführung Sebastian Baumgartens ab. Sie macht aus den Sängern der Wartburg Neurotiker des Systems – und schickt die aus Leidenschaft zickig bzw. bigott gewordene Elisabeth am Schluss in die Biogasanlage (weshalb der sie liebende Wolfram hier nachhilft, ist nicht nachvollziehbar). Letztere Aktion ist auch die einzige, über die man sich bei Bedarf wirklich aufregen kann. Denn ansonsten ist Baumgarten sehr nahe am Werk. Nur: Sowohl humorvolle Elemente wie auch gewollte Parallelen zur Gruppe „Rammstein“ (Baumgarten projiziert deren Liedtitel als gliedernde Elemente) verfangen beim Bayreuther Publikum nicht. Erstere nimmt man leicht gelangweilt, letztere meist gar nicht zur Kenntnis.</p>
<p>Bleibt die Musik. Hier klingt vieles vor allem ab dem zweiten Aufzug interessant: Thomas Hengelbrock, der für dieses Dirigat starke Quellenarbeit betrieben hat, nimmt manche Tempi äußerst langsam, gestaltet gerade die Begegnung zwischen Elisabeth und Tannhäuser sehr durchhörbar, was neue Nuancen zu Gehör bringt. Das Positive an Hengelbrocks Ansatz: Er liefert  den längst fälligen Gegenpol zum großen Pathos a la Thielemann, er lässt Funken sprühen und die Musik sprudeln, ist ungemein dynamisch. Manchmal aber zerfällt dieses Dirigat auch, findet nicht zum flüssigen Bogen und wirkt somit – auch ohne die Einwirkung der Szenerie – ein wenig kühl.</p>
<p>Neu und jung sind auch die Stimmen dieser Produktion, die meisten davon Hügel-Debütanten. Ungetrübtes Festspielspielformat bieten in der Premiere allerdings nur zwei: der  schubertisch-liedhaft singende Wolfram (Michael Nagy) mit warmer Stimmfärbung und phaszinierenden Phrasierung und der äußerst präsente Günther Groissböck mit seinem tragfähigen, großen Bass. Am ehesten schließt noch Camilla Nylund in diese Riege auf – ihre Elisabeth ist stimmlich fein nuanciert, nur fehlt ihrem Sopran noch die unverwechselbare Klangfärbung. Der Schwede Lars Cleveman, als Opern- wie als Rocksänger aktiv, schont sich dagegen als Tannhäuser allzu sehr und bleibt so über Strecken blass, um dann am Schluss eine sichere, aber blasse „Romerzählung“ hinzulegen. Intonationsschwächen trüben Stephanie Friedes Venus, klar und rein dagegen die Stimme von Katja Stuber als junger Hirt.</p>
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		<title>crescendo bringt Sie nach Bayreuth</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 08:41:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier finden Sie Programmankündigungen, Rezensionen und Eindrücke von den Festspielen in Bayreuth Ein Stoffwechselmodell für Bayreuths Tannhäuser Lohengrin für alle und erstmals der Ring für Kinder Skandal in der Biogasanlage? Aus Glanz und Wonne komm ich her Einmal berückend, einmal bedrückend]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hier finden Sie Programmankündigungen, Rezensionen und Eindrücke von den Festspielen in Bayreuth</strong><span id="more-12098"></span></p>
<p><a title="Ein Stoffwechselmodell für Bayreuths Tannhäuser" href="http://www.crescendo.de/blog/ein-stoffwechselmodell-fur-bayreuths-tannhauser/12084" target="_blank">Ein Stoffwechselmodell für Bayreuths Tannhäuser</a></p>
<p><a title="Lohengrin für alle und erstmals der Ring für Kinder" href="http://www.crescendo.de/blog/lohengrin-fur-alle-und-erstmals-der-ring-fur-kinder/11949" target="_blank">Lohengrin für alle und erstmals der Ring für Kinder</a></p>
<p><a title="Skandal in der Biogasanlage?" href="http://www.crescendo.de/blog/skandal-in-der-biogasanlage/12110">Skandal in der Biogasanlage?</a></p>
<p><a title="Aus Glanz und Wonne komm ich her" href="http://www.crescendo.de/blog/aus-glanz-und-wonne-komm-ich-her/12114" target="_blank">Aus Glanz und Wonne komm ich her</a></p>
<p><a title="Einmal berückend, einmal bedrückend" href="http://www.crescendo.de/blog/einmal-beruckend-einmal-bedruckend/12127">Einmal berückend, einmal bedrückend </a></p>
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		<title>Ein Stoffwechselmodell für Bayreuths Tannhäuser</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 07:13:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute hat Sebastian Baumgartens „Tannhäuser“-Inszenierung Premiere bei den Bayreuther Festspielen: Ein Werkstattbericht aus der Orchesterhauptprobe Von Barbara Angerer-Winterstetter Rein optisch sieht die Bühne wie eine Biogasanlage aus. Doch Regisseur Sebastian Baumgarten, dessen neue „Tannhäuser“-Inszenierung heute Nachmittag die 100. Bayreuther Festspiele eröffnet, will hier keine Firma zeigen. „Das Ganze ist eine Miniaturwelt, eine Art Stoffwechselzyklus, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_12085" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img class="size-full wp-image-12085" title="Bayreuther Festspiele 2011 Tannhäuser Insz: Sebastian Baumgarten; Foto: Enrico Nawrath" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/TH_120711_002_Totale_EnricoNawrath.jpg" alt="" width="180" height="120" /><p class="wp-caption-text">Bayreuther Festspiele 2011 Tannhäuser Insz: Sebastian Baumgarten; Foto: Enrico Nawrath</p></div>
<p><strong>Heute hat Sebastian Baumgartens „Tannhäuser“-Inszenierung Premiere bei den Bayreuther Festspielen: Ein Werkstattbericht aus der Orchesterhauptprobe</strong></p>
<p><em><strong>Von Barbara Angerer-Winterstetter </strong></em></p>
<p>Rein optisch sieht die Bühne wie eine Biogasanlage aus. Doch Regisseur Sebastian Baumgarten, dessen neue „Tannhäuser“-Inszenierung heute Nachmittag die 100. Bayreuther Festspiele eröffnet, will hier keine Firma zeigen. „Das Ganze ist eine Miniaturwelt, eine Art Stoffwechselzyklus, in dem alles reglementiert ist“, erklärt er im Interview nach dem ersten Akt der Orchesterhauptprobe. Mit dieser Information sieht man das Bühnenbild mit anderen Augen: Nahrung befindet sich in Fässern links, auf der mittleren Ebene des hochgebauten Bühnenbildes wird gearbeitet, eine Etage höher geschlafen, wenn das System „Wartburg“ zu Beginn des zweiten Aufzugs sagt: „Wir schlafen“. Und der in der Mitte platzierte Alkoholator? Hier wird Alkohol gewonnen, der die Menschen bei Laune halten soll!<span id="more-12084"></span></p>
<p>Denn auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses steht eine Installation des niederländischen Objekt-Künstlers Joep van Lieshout. Dessen 1995 gegründetes Atelier AVL verbindet Kunst mit Design mit Technik mit Funktionalität mit Architektur – und es provoziert. Höhepunkt dieser Provokation war die Gründung des Freistaats „AVL Ville“ im Rotterdamer Hafen, der 35 dort arbeitende Staatsbürger zählte. Eine Selbstversorgungsinfrastruktur mit eigener Flagge, eigenem Geld, eigener Verfassung, eigener Stromerzeugung, die von der Rotterdamer Stadtverwaltung nach einem halben Jahr verboten wurde.</p>
<p>Van Lieshouts System mit seinen aneinander gereihten Elementen eines für sich bestehenden Versorgungs- und Verwertungssystems heißt in Bayreuth „Wartburg“, ist markenrechtlich geschützt und verfügt über Werbeslogans, die auf die Bühne projiziert werden: „Wartburg – vernetzt Mensch und Umwelt“, „Wartburg – amortisiert sich schnell und ist auf Nachhaltigkeit angelegt“. Und: „Wartburg – integriert Möglichkeiten zur Triebabfuhr“. Letztere sind in einen Käfig in den Untergrund verbannt, der den Venusberg darstellt. Statt Nymphen tummeln sich hier Halbaffen und Kaulquappen. Denn es ist „Laichzeit“, wie die Projektion es sagt. Frau Venus verbirgt ihren dicken Bauch im eleganten Glitzerkleid: „Nur in dieser Welt ist die Fruchtbarkeit zuhause, deshalb muss Venus schwanger sein“, erklärt der Regisseur.</p>
<p>„Der Mensch im Dauerkampf zwischen Exzess und Ordnung“, umschreibt Baumgarten seine Idee des Stücks in einem Satz. Der Exzess, das Ungeordnete und Triebhafte, das (nach Nietzsche) Dionysische sei der Venusberg – die extreme Form und Ordnung, das Apollinische dagegen die Wartburg-Welt. „Doch wer zu stark reglementiert, erzeugt wiederum den Exzess“, erklärt der Regisseur. Und so siegt in seiner Inszenierung nicht die Wartburgwelt, sondern der Venusberg – und aus dem Wunder des grünenden Priesterstabes wird am Schluss das Wunder der Geburt des Venuskindes.</p>
<p>Doch nochmals zurück zur Wartburg: In diesem Stoffwechselsystem leben unter anderem Menschen mit zuckenden Gesichtszügen (Heinrich der Schreiber) oder zuckenden Fingern (Wolfram von Eschenbach). Michael Nagy, der junge Bariton mit ungarischen Wurzeln erklärt das näher: „In dieser zwanghaften Gesellschaft ist Wolfram zum armseligen Neurotiker geworden“. Für den Sänger, der die Wolfram-Partie schon mit Stefan Herheim in Oslo erarbeitet hat, ist der heutige Premierentag sein Hügel-Debut. „Kulturgeschichtlich und atmosphärisch ist das einfach ein unbeschreiblicher Ort“, schwärmt er und erklärt – angesprochen auf den fast schubertischen Klang seiner Stimme: „Das kann man nur hier so singen, denn dank der Akustik hört man in diesem Haus das leiseste Flüstern in den letzten Reihen“. Ebenso begeistert ist der Sänger von der Zusammenarbeit mit Thomas Hengelbrock, der erstmals das Orchester der Bayreuther Festspiele leitet. „Durch seine starke musikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Stück klingt hier vieles transparenter als sonst, die eine oder andere Stelle nimmt er auch schneller und feilt insgesamt sehr stark an der Dynamik.“</p>
<p>Kollegin Camilla Nylund singt ihre erste Bayreuther Elisabeth und erklärt, sie sei in der Inszenierung von Baumgarten eine sehr starke Persönlichkeit, die von der Gesellschaft dazu getrieben werde, eine Heilige zu werden. Elisabeth wirft sich bei Baumgarten Tannhäuser erst an den Hals, hat später blutende Wundmale an den Händen – und findet ein ungewöhnliches Ende in der Biogasanlage. Überraschend für die Sängerin? „Ja, wir waren schon sehr überrascht, als wir unser Bühnenbild erstmals sahen“. Es sei zwar für sie ungewöhnlich „in einer Skulptur zu singen“ – aber die Akustik sei perfekt.</p>
<p>„In künstlerischer Hinsicht habe ich hier keinerlei Beschränkungen“, lobt Regisseur Sebastian Baumgarten die Arbeit bei den Festspielen. Der junge Mann mit den sanften Augen und dem freundlichen, ruhigen Wesen wird in Bayreuth eine Neuerung einführen: „Es wird Vor- und Nachspiele bei offenem Vorhang geben“, verrät er – hier wird in der Installation weiter rezitiert, gelebt, manchmal auch gesungen. Das Ganze dauert 15 Minuten und findet vor bzw. nach den jeweiligen Aufzügen (außer nach dem letzten) statt. „Ich wünsche mir, dass die Besucher dieses Angebot annehmen anstatt sofort an die Pause zu denken“, sagt Baumgarten dem „Donaukurier“.</p>
<p>Wie stark seine Neuproduktion des „Tannhäuser“ die Menschen auf dem Grünen Hügel bewegen wird und ob sie das Zeug zum Skandal hat, wird sich heute zeigen.</p>
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		<title>Lohengrin für alle und erstmals der Ring für Kinder</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 07:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Public Viewing]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Siemens Festspielnacht in Bayreuth bietet am 14. August 2011 nicht nur die Live-Übertragung des Lohengrin aus dem Festspielhaus auf den Bayreuther Festplatz, sondern erstmals auch im Rahmen des Public Viewing vor Ort die Aufzeichnung von Wagners Ring speziell für Kinder. Zunächst wird der Mitschnitt von der Premiere der Kinderoper „Der Ring des Nibelungen“ zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Siemens Festspielnacht in Bayreuth bietet am 14. August 2011 nicht nur die Live-Übertragung des Lohengrin aus dem Festspielhaus auf den Bayreuther Festplatz, sondern erstmals auch im Rahmen des Public Viewing vor Ort die Aufzeichnung von Wagners Ring speziell für Kinder. Zunächst wird der Mitschnitt von der Premiere der Kinderoper „Der Ring des Nibelungen“ zu sehen sein, dann öffnet der Wagner Erlebnisparcours für Kinder auf dem Platz. </strong></p>
<p>Ab 16 Uhr wird die Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner in ,hochauflösender Bildqualität und mit vollem Raumklang aus dem Festspielhaus übertragen. Wie schon in den Vorjahren kann diese Übertragung im Internet unter <a href="http://www.siemens.com/festspielnacht" target="_blank">www.siemens.com/festspielnacht</a> abgerufen werden.<span id="more-11949"></span></p>
<p>Im Rahmen der Bayreuther Festspiele 2011 fördert die Siemens AG als Haupt- und Titelsponsor der Siemens Festspielnacht das ganztägige Public Viewing Programm, um weitere Zielgruppen für die Welt der Oper zu gewinnen. „Mit dem Public Viewing für Kinder sprechen wir die Musikliebhaber von morgen an, zudem fördern wir mit der telegenen Aufführung von Lohengrin die breite Akzeptanz von Richard Wagners Werk“, sagte Michael Roßnagl, Leiter des Siemens Kunstprogramms.</p>
<p>Seit das Festspielprogramm Richard Wagners Opern eigens für Kinder anbietet, sind die Karten für diese altersgerechten Aufführungen leider allzu schnell ausverkauft. Damit aber noch mehr Kinder und Jugendliche einen Zugang zu Richard Wagners Werk finden, wird auch die Siemens Festspielnacht diesen Programmteil übernehmen und das Public Viewing um die kindgerechte Kurzfassung von „Der Ring des Nibelungen“ ergänzen. Die Uraufführung dieser Kinderoper wird zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2011 separat aufgeführt und dauert nur rund eineinhalb Stunden.</p>
<p>Diese von Festspielleiterin Katharina Wagner ins Leben gerufene Initiative greift die Siemens Festspielnacht auch in diesem Jahr erneut auf und bringt im Kinderprogramm am Vormittag des 14.8. ab 11 Uhr eine Aufzeichnung dieser aktuellen Premiere gratis auf den Bayreuther Festplatz. Das gemeinsame Open-Air-Erlebnis, das im Vorjahr tausende Kinder samt Eltern anlockte, dürfte dadurch seine Beliebtheit gerade bei jungen Familien mit schulpflichtigen Kindern weiter steigern.</p>
<p>Denn mittags startet gleich nebenan die Neuauflage des so genannten Wagner Erlebnisparcours für die jüngsten Opernliebhaber auf dem Platz. Die künftigen Wagner-Fans sollen hier selbst zu Theaterakteuren werden und hinter die Kulissen einer Theaterproduktion sehen. Schminken, Malen, Basteln und Komponieren gehören zum kreativen Angebot. „Mit dem Public Viewing für Kinder und seinem künstlerischen Rahmenprogramm möchten wir, dass junge Menschen spielerisch das Werk Richard Wagners entdecken, damit sie sich für klassische Musik begeistern und erkennen, wie spannend die Opernwelt ist“, so Roßnagl.</p>
<p>Am Nachmittag des 14. August können ab 16 Uhr wieder mehrere zehntausend Zuschauer &#8211; nach einer Einführung in den von Hans Neuenfels inszenierten Lohengrin &#8211; der Live-Übertragung eines der Höhepunkte bei den letztjährigen Bayreuther Festspielen beiwohnen &#8211; und dies in der typisch ungewungenen Atmosphäre der Siemens Festspielnacht in Bayreuth. Auf der neuen, rund 90 m2 großen LED-Bildwand dürfte diese Opernaufführung mit ihrer ausgeprägt telegenen Wirkung selbst unerfahrene Opernfreunde beeindrucken. Viele Kritiker loben die sinnliche und markante Regieleistung Neuenfels bei dieser Lohengrin-Premiere, die sicher durch eine entsprechend medial überzeugende Bildregie umgesetzt wird.</p>
<p>Wer es persönlich nicht bis nach Bayreuth schafft, der kann die Siemens Festspielnacht unter www.siemens.com/festspielnacht im Internet nutzen. Mit dem Live-Webstream der Siemens AG können Opernliebhaber aus der ganzen Welt gegen eine Gebühr von knapp 15 Euro an der Festspielaufführung von Wagners Lohengrin online teilhaben und einen Mitschnitt davon sogar noch einmal später genießen.</p>
<p><strong>Sonntag, 14. August 2011, Festplatz Bayreuth, Live-Übertragung ab 16 Uhr</strong></p>
<p><em>Mehr Informationen finden Sie unter <a href="http://www.siemens.com/festspielnacht" target="_blank">www.siemens.com/festspielnacht</a></em></p>
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		<title>Wo mein Wähnen Wagner fand</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 15:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Live aus Bayreuth]]></category>
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		<description><![CDATA[Warum die Initialzündung fürs Wagner-Jahr 2013 in Bayreuth von der Umgestaltung des Wagner-Museums Villa Wahnfried aus gehen kann Von Barbara Angerer-Winterstetter Meine erste Liebe in Bayreuth war nicht das Festspielhaus, sondern die Villa Wahnfried, das Richard-Wagner-Museum. Wo Wagners Wähnen Frieden fand, hat mich selbst der Wagner-Virus infiziert und bis zum heutigen Tag nicht mehr losgelassen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum die Initialzündung fürs Wagner-Jahr 2013 in Bayreuth von der Umgestaltung des Wagner-Museums Villa Wahnfried aus gehen kann</strong></p>
<p><strong><em>Von Barbara Angerer-Winterstetter  </em></strong></p>
<p>Meine erste Liebe in Bayreuth war nicht das Festspielhaus, sondern die Villa Wahnfried, das Richard-Wagner-Museum. Wo Wagners Wähnen Frieden fand, hat mich selbst der Wagner-Virus infiziert und bis zum heutigen Tag nicht mehr losgelassen. Ich war damals zwölf. Im Saal von Wahnfried geschah es: Nichtsahnend stand ich da und bestaunte die Bibliothek Wagners, als mich plötzlich Töne umspülten, die mich einhüllten, fesselten, packten und mir direkt ins Herz gingen. Ertrinken, versinken – es mag Isoldes Liebestod gewesen sein. Oder der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“. Ich habe diese Musik damals nicht intellektuell erfasst wie heute, sondern sie nur gefühlt. Das aber mit Haut und Haar.<span id="more-6962"></span></p>
<p>Weil man eine erste Liebe nie vergisst, bin ich in den 19 Jahren, die ich nun beinahe regelmäßig den  Grünen Hügel besuche, immer wieder dorthin gegangen, wo alles begann. Dass seit 1976, dem Jahr der Wiedereröffnung des 1945 zerstörten und wieder aufgebauten Wagner-Museums nun 34 Jahre ins Land gegangen sind, war in den letzten Jahren bei aller emotionalen Bindung an diesen Ort leider nicht mehr zu übersehen. Die Hitze des unklimatisierten Gebäudes im Zwischen- und Obergeschoss finden Museumsbesucher unerträglich, die stillen Örtlichkeiten im fühlbar feuchten Untergeschoss bescheren dem allermenschlichsten Wähnen keinen Frieden mehr, der viel zu kleine Eingangsbereich ist vor allem vor Konzerten hoffnungslos überfüllt und lässt wartende Besucher auch mal ganz ungastlich im Regen stehen. Ein mehrsprachiger Audioguide für die vielen ausländischen Besucher und das Thema Barrierefreiheit sind Fremdworte in Wahnfried. </p>
<p>Gut, dass dem Richard-Wagner-Museum mit Dr. Sven Friedrich ein so tatkräftiger Museumsdirektor  zur Verfügung steht, der deutlich Missstände aufzeigt und ganz ohne falsche Ehrfurcht (die es in Bayreuth und rund um Wagner ohnehin viel zu viel gibt) kein Blatt vor den Mund nimmt. Denn wenn Bayreuth im Jahr des Wagnerschen Doppeljubiläums 2013 (200. Geburtstag und 130. Todestag) als Zentrum der Wagner-Welt wahrgenommen werden will, ist nicht nur die Festspiel-Qualität ausschlaggebend, sondern auch ein zeitgemäßes Museum von europäischem Rang notwendiger denn je. Ein Museum, dass Gäste vielleicht auch außerhalb der Festspielzeit nach Bayreuth pilgern lässt, wie man nach Salzburg um Mozarts willen und nach Weimar um Goethes Willen fährt. </p>
<p>Dazu aber muss Bayreuth noch mehr mit Wagner leben, sich mehr mit ihm identifizieren. Die Ergebnisse einer Umfrage des Nordbayerischen Kuriers in der Bayreuther Innenstadt bezüglich Wagner-Grundwissens fielen mehr als beschämend aus. Aber auch das Sortiment rings um Richard lässt zu wünschen übrig:  Neben der immerhin deutschlandweit besten Profi-Auswahl in Sachen Wagner-Literatur und vereinzelten Wagner-Pralinen sowie -Tees ist nicht viel geboten. Auch der kleine Bayreuth-Laden mit nettem Wagner-Sortiment tarnt sich unscheinbar in der Kanzleistraße und schämt sich für seinen provisorischen Charakter. Das muss bis 2013 anders werden. Bayreuth hat so viel zu bieten: mit dem Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz eine schöne Wander-Umgebung, herrliches Bier, fränkische Küche, Thermen fürs Wohlbefinden – und Kultur ohne gleichen, auch barocke aus markgräflicher Zeit. Was fehlt, ist ein grundlegender Stolz der Bayreuther auf ihren Richard und viel mehr Sehens- und Erlebenswertes rund um Wagner. Gelingt es, das bis zum Jahr 2013 in der Stadt zu etablieren, ist viel gewonnen. </p>
<p>Die Initialzündung dafür könnte die Neugestaltung Wahnfrieds und die Achse von Wahnfried zum zentralen Sternplatz geben, die wohl als Kultur- und Bildungsmeile angedacht ist. So ist auch die als Gegeninitiative gegründete „Interessengemeinschaft Wahnfried“ wertvoll, um das Thema ins öffentliche Bewusstsein dringen zu lassen. Auch wenn die Nachbarn des Wagner-Museums auf ihrer Internetseite offen zugeben, „sowohl aus ästhetischen Gründen (Sichtachse Grab-Brunnen-Villa) als auch aus baurechtlichen Gründen (Abstand zu Nachbargrundstücken)“ und somit nicht uneigennützig gegen einen Neubau im Wahnfried-Park zu wettern.  </p>
<p>Wahnfried muss mehr denn je ein Zentrum der Wagner-Vermittlung werden. Ein Neubau wird auch die Darstellung der bislang ausgesparten Wirkungsgeschichte aufnehmen können – und endlich Platz für ein ausreichend großes Archiv schaffen. Denn nirgendwo lagert mehr kostbares Archiv-Material über Wagner als hier als an diesem Originalort. Dass dieser bei aller Umgestaltung seinen speziellen Charme nicht verliert und Richard mit Cosima und den Vierbeinern Russ und Marke an seiner Seite im Park weiter in Frieden ruhen kann, darauf sollte man freilich achten. Die erste Liga der Architekten ist da gefragt. Auf dass hier beim „Klingenden Museum“ im Wahnfried-Saal oder mithilfe zeitgemäßer Museumspädagogik auch in Zukunft der Funke auf den Wagner-Nachwuchs überspringen und der Wagner-Virus sich verbreiten möge.   </p>
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		<title>Einmal selbst Venus sein &#8211; oder zum Cocktail den Walkürenritt erleben</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/einmal-selbst-venus-sein-oder-zum-cocktail-den-walkurenritt-erleben/6946</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 15:08:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das dritte Public Viewing auf dem Bayreuther Festplatz mit „Walküre“ und der Kinder-Version von „Tannhäuser“ Von Barbara Angerer-Winterstetter Der junge, revolutionäre Wagner hatte selbst diese fixe Idee: Freien Eintritt in die Festspielaufführungen des „Rings“ zu gewähren, alle Menschen mit seinen Ideen und seiner Musik zu infizieren und am besten noch umzuerziehen. Letzteres schaffte auch das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_6951" class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-6951" title="Siemens Festspielnacht 2010" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/Festspielnacht_2010_SO057.jpg" alt="" width="200" height="133" /><p class="wp-caption-text">Public Viewing Siemens Festspielnacht, Foto: Stefan Obermaier</p></div>
<p><strong>Das dritte Public Viewing auf dem Bayreuther Festplatz mit „Walküre“ und der Kinder-Version von „Tannhäuser“ </strong></p>
<p><strong><em>Von Barbara Angerer-Winterstetter</em></strong></p>
<p>Der junge, revolutionäre Wagner hatte selbst diese fixe Idee: Freien Eintritt in die Festspielaufführungen des „Rings“ zu gewähren, alle Menschen mit seinen Ideen und seiner Musik zu infizieren und am besten noch umzuerziehen. Letzteres schaffte auch das dritte „Public Viewing“ am Samstag auf dem Bayreuther Volksfestplatz natürlich nicht – ersteres vielleicht schon. Denn nicht nur Bayreuth-Liebhabern, die seit Jahren auf eine Karte warten und extra für diesen Event anreisten, sondern auch etliche Opernanfängern, die einfach mal „nur so reinschauten“, konnte man am Samstag bei der Live-Übertragung der „Walküre“ begegnen. Einstiegsbarrieren sind bei diesem Opern-Volksfest nicht vorhanden: Man nehme sich einen Campingstuhl und einen Picknickkorb oder lasse sich in den schönen Liegestühlen am Beach nieder, verpflegt durch allerlei Köstlichkeiten der Bayreuther Gastronomen. Dort ein Plausch, hier andächtige Aufmerksamkeit – alles ist hier möglich. Wie im vergangenen Jahr waren es rund 20.000 ständig auf dem Volksfestplatz präsente Besucher (etwa 40.000 wurden beim Eintritt über den ganzen Abend hinweg gezählt), die bei der Live-Übertragung der „Walküre“ aus dem Festspielhaus im Rahmen der von Siemens gesponsorten Festspielnacht dabei waren.<span id="more-6946"></span></p>
<p>Das größte Lob in diesem Jahr gilt der Übertragung der Kinderoper „Tannhäuser“ am Vormittag und vor allem dem anschließenden Wagner-Erlebnisparcours der Theaterpädagogin Ursula Gessat von der Bayerischen Staatsoper München. Toll, was man da alles erleben kann: Die kleine Alina malt eben ganz konzentriert an den feuerroten Haaren ihrer Venus, die neben vielen anderen Kinder-Kunstwerken die Plakatwände rings um den Parcours schmückt. Alina selbst trägt im eigenen Haar dekorative Silberbänder und hat einen glitzernden Blitz auf der Wange. „Ich bin doch selbst Venus“, erklärt sie und strahlt über das gelungene Werk einer Maskenbildnerin. Venus ist in punkto Schminken und Verkleiden der Renner an diesem Nachmittag &#8211; für die anwesenden Jungs ist es eher die Nebelmaschine in der Abteilung Bühnentechnik, die gar nicht mehr aufhört, weißen Dampf zu spucken. Mitten im Nebel steht Festspiel-Beleuchterin Stella Kasparek und zeigt, wie das „Rheingold“ auf der Bühne aussieht: Goldene Pailletten glänzen da zwischen blauen Flusskieseln. Sie wird ganz traurig, als sie erzählt, dass diese Produktion einen Tag zuvor „abgespielt“ wurde. Wehmut kennen die Kids freilich nicht – sie finden es klasse, wenn Herbert Häming (Requisitenleiter der Bayerischen Staatsoper) ihnen erlaubt, sich gegenseitig einen Bierkrug übern Kopf zu hauen: „Das ist Crashglas, da kann nichts passieren, es zerfällt sofort in kleinste Plastikteilchen“.</p>
<p>Am schönsten aber ist die Erfahrung des 4-jährigen Dennis, der vor fünf Streichern aus dem Bayreuther Festspielorchester den „Einzug der Gäste“ aus dem „Tannhäuser“ dirigieren darf. Und die Musiker spielen exakt, wie der junge Herr es vorgibt. Da strahlt Dennis aus kugelrunden blauen Augen und hat schon einen Berufswunsch für später. Begeistert ist auch Festspielleiterin Katharina Wagner – und stellt sich mit allen Nachwuchs-Dirigenten und Venus-Anwärterinnen zum Foto, muss von den Kids bemalte T-Shirts signieren, ist fröhlich und sichtlich in ihrem Element.</p>
<p>Dass sich die ab Nachmittag gezeigte „Walküren“- Inszenierung von Tankred Dorst zumindest in den ersten beiden Aufzügen nicht optimal fürs Public Viewing eignet, muss dennoch erwähnt werden. „Ich weiß ja, wie’s weitergeht“, schmunzelte der sympathische Autor und scheidende Bayreuth-Regisseur in der VIP-Lounge. Viele aber konnten das nicht wissen – denn dank prächtigstem Sonnenschein war Siegmunds und Sieglindes Liebesrausch leider nur in Grundzügen auf der Leinwand erkennbar (und hörbar, denn der sonst brillante Ton hatte hier einige störende Aussetzer). Auch bei des Gottes Wotan Verstrickungen im zweiten Aufzug dünkte viele dunkel der Sinn. Erst, als die rot glänzenden Walküren nach Sonnenuntergang reiten durften, war das Bild brillant. Freilich: Das hoch konzentrierte Erlebnis im Festspielhaus selbst ist mit dieser Übertragung nicht zu vergleichen. Lässt man sich aber ein auf diese Mischung aus Volksfest und Opernevent, kann man seinen Spaß daran haben. Während Wotans Götternot bauen fröhliche Kinder unbeschwert im Sand ihr eigenes Walhall – zum „Hojotoho“ der kriegerischen Töchter des Gottes klimpern die Eiswürfel im Cocktailshaker und zu Brünnhildes feurigem Abschied hört man das eine oder andere „Prost“! Auf ein Wiedersehen beim rattenscharfen „Lohengrin“, der im nächsten Festspiel-Jahr zum Opernerlebnis für alle wird.</p>
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		<title>Wahnfrieds Zukunft: Wagner privat trifft Wagner öffentlich</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 14:25:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Live aus Bayreuth]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Sven Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Wagner Stiftung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Sanierung, ein Neubau und das neue Kapitel Wirkungsgeschichte: Ein Interview mit Dr. Sven Friedrich, dem Museumsdirektor und Leiter des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung. Von Barbara Angerer-Winterstetter   Die Umgestaltung des Richard-Wagner-Museums in Wagners einstigem Bayreuther Wohnhaus bzw. in dessen Rekonstruktion von 1976 ist derzeit in aller Munde (s. Kommentar). Hier befindet sich auch das Nationalarchiv [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Sanierung, ein Neubau und das neue Kapitel Wirkungsgeschichte: Ein Interview mit Dr. Sven Friedrich, dem Museumsdirektor und Leiter des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung.</strong></p>
<p><em><strong>Von Barbara Angerer-Winterstetter</strong></em></p>
<p><em> </em><br />
Die Umgestaltung des Richard-Wagner-Museums in Wagners einstigem Bayreuther Wohnhaus bzw. in dessen Rekonstruktion von 1976 ist derzeit in aller Munde (s. Kommentar). Hier befindet sich auch das Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung. Träger beider Institutionen ist die Richard-Wagner-Stiftung, als Museums- und Archiv-Leiter fungiert Dr. Sven Friedrich, mit dem Barbara Angerer-Winterstetter in Bayreuth sprach.<span id="more-6938"></span></p>
<p><em>crescendo: Herr Dr. Friedrich &#8211; wie lange kämpfen Sie schon für einen Umbau von Wahnfried?</em></p>
<p><em> </em><br />
<strong>Dr. Sven Friedrich:</strong> Das sind mittlerweile neun Jahre, denn die Mühlen von Verwaltungen und Gremien mahlen nun mal langsam. Das Haus an sich ist schon seit längerem dringend sanierungsbedürftig. Ein Grundproblem ist dabei, dass man das Rekonstrukt an die Reste des Altbaus quasi „drangeklebt“ hat – nur hatte sich der Altbau schon gesetzt und der Neubau setzte sich später. Was das für die ganze Statik des Hauses bedeutet, darüber möchte ich gar nicht allzu genau nachdenken. Zudem haben wir ein Feuchtigkeitsproblem, eine absurde Elektroinstallation, Lampen, die mehr Wärme als Licht produzieren und keinerlei Möglichkeit, das Haus zu klimatisieren – von einem barrierefreien Zugang ganz zu schweigen.</p>
<p><em>crescendo: Ist nur die Sanierung ein Thema oder geht es auch um die Veränderung der Dauerausstellung?</em></p>
<p><em> </em><br />
<strong>Dr. Friedrich:</strong> Wenn ich ganz ehrlich bin, geht die Ausstellung derzeit am Auftrag eines Museums vorbei. Sie ist völlig überfrachtet, wenig instruktiv und beschränkt sich im wesentlichen auf eine positivistische Dokumentation der Biographie Wagners und der Aufführungsgeschichte der Festspiele. Seit jeher ausgespart ist aus Platzmangel die gesamte Wirkungsgeschichte, darunter natürlich auch und vor allem die Wagner-Rezeption im Dritten Reich und die Beziehung zwischen dem Wagnerianer Hitler, Bayreuth und der Familie Wagner. Das kann so nicht bleiben.</p>
<p><em>crescendo: Zudem beherbergen Sie ein großes und kostbares Archiv…</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> …das uns vor zwei Jahren bei einem Wassereinbruch im Keller des Siegfried-Hauses fast verloren gegangen wäre, wenn meine Leute nicht noch schnell alles in Sicherheit gebracht hätten. So kann und darf kein professionelles Kunstdepot aussehen, von klimatischen und Sicherheits-Kriterien ganz zu schweigen. Zudem gibt es im Festspielhaus noch das gesamte Archiv ab 1945 – das nimmt dort Platz weg und gehört eigentlich zu uns. Ein neues Depot mit angemessener Größe, Ausstattung und Technik ist daher unabweisbar.</p>
<p><em>crescendo: Ein Neubau ist also unumgänglich?<br />
</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> So ist es. Und der soll dann bitte schön auch noch einen zeitgemäßen Museumsbetrieb ermöglichen – mit einem Shop, mit Gastronomie und einem angemessen großen Eingangsbereich. Das Projekt Um- und Neubau ist bereits auch vom Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung einstimmig und vom Stadtrat immerhin mit großer Mehrheit beschlossen worden. Das Gesamtvolumen für das Projekt wird auf 12 Millionen Euro geschätzt, gut die Hälfte davon darf der Neubau kosten. Für diesen läuft ein Architektenwettbewerb, in dem die erste Liga der Zunft vertreten ist. Der schlüssigste Entwurf soll am 8. Oktober vom Preisgericht gekürt und dem Stadtrat vorgelegt werden, der dann hoffentlich zustimmt. Sonst fangen wir wieder von vorne an und können unser Ziel, bis zum Wagner-Jahr 2013 fertig zu sein, gleich vergessen.</p>
<p><em>crescendo: Muss es denn als Ort für den Neubau unbedingt der Park von Wahnfried sein, der seine eigene Romantik hat?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Zum einen ist der Park selbst nicht in die Landesdenkmalliste aufgenommen worden, weil er nicht mehr in seiner Originalgestalt existiert. Den westlichen Teil des rückwärtigen Parks etwa hat Winifred Wagner erst in den 30er Jahren hinzugekauft. Auch die Bepflanzung vor allem mit den pflegeleichten Rhododendren ist nicht original. Somit ist der Park durchaus eine Option – natürlich muss da architektonisches Fingerspitzengefühl her. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten. Etwa die Grundstücke auf der anderen Seite der Richard-Wagner-Straße, auf denen zum Beispiel die alte Musikschule steht. Auch sie sind städtisches Eigentum und stehen für einen Neubau zur Verfügung.</p>
<p><em>crescendo: Wie soll sich denn die Villa Wahnfried selbst in diesem neuen Komplex in Zukunft positionieren?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Wahnfried soll selbst zum Exponat werden. Ich möchte aber keine Puppenstube daraus machen, die man nicht mehr betreten darf, weil zu viel kostbares Originalinterieur oder kostspielige Nachbauten von Möbelstücken dort stehen, die man mit einer Kordel vor dem Besucher schützen muss. Ich will Leben in der Bude haben und auch weiterhin den Saal für unsere beliebten Festspiel-Soireen und andere Veranstaltungen nutzen dürfen. Es geht mir darum, in Wahnfried mit modernen Mitteln der Museumstechnik die Lebens- und Schaffenswelt Richard Wagners vermitteln zu können, wie das beispielsweise sehr schön auch in Mozarts Wiener Wohnhaus gelungen ist.</p>
<p><em>crescendo: Wird es in diesem Kontext auch Sonderausstellungen geben – wie etwa die wunderbaren Ausstellungen zu „Parsifal“ und dem „Ring“, die in den letzten Jahren auf der Bühne des Markgräflichen Opernhaus vom Richard-Wagner-Museum gestaltet wurden?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Aber ja – für solche Ausstellungen brauchen wir dringend Flächen, zumal das Opernhaus seit diesem Jahr und auch künftig wegen der dort geplanten Sanierung nicht mehr zur Verfügung steht. Solche Projekte werden wir daher nur im geplanten Neubau realisieren können. Für Wahnfried selbst kann ich mir eine Art „Schatzkammer“ vorstellen, in der wir aus unserem Archiv auch mal Originalpartituren zeigen können. Um es zusammen zu fassen: Wahnfried soll den Bereich „Wagner privat“ und alles rund um Werk und Lebenswelt vermitteln, der Neubau den Bereich „Wagner öffentlich“ mit Exponaten zur Aufführungs- und Festspielgeschichte, aber auch zur Rezeptionsgeschichte in Politik wie Kunst.</p>
<p><em>crescendo: Und was sagt die Festspielleitung zu dieser Ausrichtung?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Ich freue mich, dass Eva und Katharina Wagner – auch in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der Richard-Wagner-Stiftung – hinter uns und unserem Konzept stehen. Sie mischen sich jedoch nicht persönlich ein, da Wahnfried nicht mehr Sache der Familie Wagner, sondern der Stadt Bayreuth und der Richard-Wagner-Stiftung ist.</p>
<p><em>crescendo: Wird ein erweitertes Wahnfried weiterhin mit einem so kleinen Team wie bislang betrieben werden können?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Das wird niemals gehen. Ich arbeite derzeit mit vier festen Mitarbeitern. Wenn ich das mit dem Bacharchiv in Leipzig vergleiche, dem ein rund fünffacher Etat und 30 Stellen zur Verfügung stehen, kann man die Schieflage hier vielleicht am besten erkennen. In Zukunft werde ich auf jeden Fall mindestens zwei zusätzliche Leute im Team brauchen – unter anderem einen Museumspädagogen, denn die Vermittlung wird immer wichtiger.</p>
<p><em>crescendo: Könnte man denn nicht auch private Sponsoren mit ins Boot nehmen?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> In Sachen Sponsoring stehen wir definitiv im Schatten des Festspielhauses. Private Mittel sind natürlich auch für uns wichtig und willkommen. Es gibt bei uns so viele Potenziale, die brach liegen. Aus diesem Grund bereiten wir derzeit auch eine Marketing- und Fundraising-Kampagne vor. Da aber der Bund neben dem Freistaat Bayern die stärkste Kraft in der Träger-Stiftung Wahnfrieds ist, jedoch bislang keinerlei Zuschüsse zum laufenden Haushalt leistet, wird auch noch zu verhandeln sein, inwiefern der Bund sich hier noch stärker engagieren kann.</p>
<p><em>crescendo: Was wünschen Sie sich selbst für die Zukunft des Richard-Wagner-Museums?</em></p>
<p><strong>Dr. Friedrich:</strong> Dass wir den Charme Wahnfrieds als authentisch-auratischen Ort erhalten und stärken können und auf diese Weise der „genius loci“ spürbar wird. Drüber hinaus ist mir persönlich wichtig, dass wir unseren Bildungs- und Vermittlungsauftrag wahrnehmen und die beträchtlichste Rezeptions- und Wirkungsgeschichte, die ein deutscher Künstler jemals ausgelöst hat, in angemessener Weise darstellen können. In Verbindung mit einem serviceorientierten Museumsbetrieb, zu dem Veranstaltungen ebenso gehören wie Museumsshop und -gastronomie, erhoffe ich mir so die Schaffung einer ihrem Gegenstand würdigen, zeitgemäßen Kultur-Institution von europäischem Rang.</p>
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		<title>Bayreuth 2010: Neue Stimmen und Ärger bei den „Freunden“</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 07:48:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Premierenwoche der Bayreuther Festspiele in der Saison zwei der neuen Festspiel-Leiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner liegt hinter uns.</strong></p>
<p>Aufs Konto von ersterer gehen viele neue Stimmen auf dem Hügel: Entdeckungen waren dabei Edith Haller und Johan Botha (Siegmund/Sieglinde), Lance Ryan (Siegfried) sowie Jonas Kaufmann als Lohengrin. Die Verpflichtung des „Lohengrin“-Regisseurs Hans Neuenfels fällt noch in die Amtszeit des im Frühjahr verstorbenen Wolfgang Wagner. Neuenfels lieferte mit seinem „Lohengrin“ spannende Denkansätze, die Bayreuth gut tun, auch wenn sich der Regisseur selbst verbal nicht immer von seiner besten Seite zeigte (er nannte Bayreuth öffentlich „Kaff“ und „Sudelort“). Allzu Menschliches mag auch hinter der Tatsache stecken, dass Festspielleiterin Katharina Wagner Stefan Herheim und seinen genialen „Parsifal“ nicht sehr zu lieben scheint: Hier ist keine Verewigung auf DVD geplant.<span id="more-6538"></span> </p>
<p>Nun hat Katharina Wagner zwar mit der Kinderoper und mit dem Public Viewing ein wirklich gutes Händchen, das Verhältnis mit der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, die seit 1949 die Festspiele mit Millionenbeträgen tatkräftig unterstützt, aber scheint derzeit etwas getrübt. Zuviel Bürokratie beklagt Katharina da immer wieder – kein Wunder, schließlich sind die Festspiele mittlerweile eine GmbH und die „Freunde“ Gesellschafter. Und da fließen die Milliönchen halt nicht auf Zuruf. Jedenfalls empfanden es viele der Gesellschafts-Mitglieder, die seit Jahrzehnten brav ihr Geld spenden und ihr goldenes Ringlein am Revers tragen, als Affront, dass die neue Förderer-Gesellschaft „TAff“ (Team der aktiven Festspielförderer) unter dem Motto „Wir sind Festspiele“ gegründet wurde. „Das Schöne an TAff ist eben, dass sie nicht Gesellschafter sind. Und deshalb ohne Bürokratie helfen können“, meint Katharina Wagner in einem offiziellen Interview, das im Pressebüro ausliegt und bekräftigt TAffs „Nähe zur Festspielleitung“. Aufgepasst: „Freude“ fühlen sich schnell vor den Kopf gestoßen – und ein Miteinander der Mäzene ist immer besser als ein Gegeneinander!</p>
<p><em>Von Barbara Angerer-Winterstetter</em></p>
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