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Ich bin kein Sänger und auch kein Tenor
20. Mai 2007
10 Kommentare
Er ist vielleicht der beste lebende Sänger. Und trotzdem: Tenor nennt sich Rolando Villazón nicht gern. Er versteht sich eher als Darsteller, dem es um die Belebung seiner Charaktere auf der Bühne geht.
Von Rolando VillazĂłn
Ich habe mir lange ĂĽberlegt, was ich bin. Und ich glaube, ich bin kein Sänger und auch kein Tenor – ich bin ein Darsteller. Tenor – das war viel zu lange aufgeteilt in die einzelnen Fächer, in lyrische, dramatische oder Spinto-Tenöre. Dieses Kästchendenken ist eine Art der Verdinglichung.
Ich will mich all das gar nicht fragen. Ich singe nicht deshalb den Herzog in “Rigoletto” nicht, weil ich ihn nicht singen könnte, sondern weil ich mit dieser Rolle momentan nur wenig anfangen kann. Ich singe den Bajazzo nicht, weil ich das GefĂĽhl habe, dass diese Rolle bei mir nicht zu ihrem Recht kommt. Ich lasse Rolando VillazĂłn in der Garderobe, wenn ich singe. mehr
Arcadi Volodos: Was wir von Liszt lernen können
19. März 2007
5 Kommentare
Virtuosen sind IllusionskĂĽnstler
Er spielt wie einst Horowitz, aber er redet ungern ĂĽber Musik. Dabei hat Arcadi Volodos einiges zu sagen: Ăśber die vermeintlichen Virtuosen-Kollegen, ĂĽber die Offenheit der Kunst und darĂĽber, dass er immer wieder ĂĽber sich selbst staunt.
Herr Volodos, Sie lieben Liszt, den Klavier-Virtuosen par excellence. Aber was ist fĂĽr Sie eigentlich ein Virtuose?
Arcadi Volodos: Wohl nicht das, was die Meisten dafür halten: jemand, der viele Noten in kurzer Zeit technisch brillant spielen kann. Davon gibt es unendlich viele Klavierspieler. Aber ich glaube, die sind im Zirkus besser aufgehoben als auf den Konzertpodien. Wenn das Virtuosen sind, brauchen wir keine mehr, denn wir haben Computer. Sie können die Partituren sicherlich besser, schneller und genauer spielen als wir Menschen. Aber wenn Sie schon Liszt anführen, wissen wir genau, dass es ihm weniger um technische Brillanz gegangen ist oder um die raffinierten Details als um den Inhalt und das gesamte Bild seiner Werke. Und darin liegt für mich auch das Virtuosentum, in der Fähigkeit eine Welt in Musik zu errichten. Ein Fehler, eine falsche Note, sind nur Beweise, dass hier Menschen am Werk sind und fühlen. mehr
Der Geist der Liturgie
In seinem Aufsatz-Bändchen “Der Geist der Liturgie” (Herder) hat sich Papst Benedikt XVI., damals noch als Kardinal, ausfĂĽhrlich mit der Liturgie und speziell mit der Rolle der Kirchenmusik innerhalb des Gottesdienstes auseinandergesetzt. Einsichten in die Wirkung von Musik und ihre spirituellen Möglichkeiten. Wir drucken die wichtigsten Zitate dieses verblĂĽffenden Essays, der sich auch um die Frage von Pop und Klassik dreht.
Von Benedikt XVI.
Das zweite Kapitel widmet Benedikt dem Thema “Musik und Liturgie” und kommt schnell auf die Rolle der klassischen Musik innerhalb des Gottesdienstes. Dabei wägt er das Sakrale gegen das Opernhafte ab:
“Ob wir Bach oder Mozart in der Kirche hören – beide Male spĂĽren wir auf wunderbare Weise, was Gloria Dei – Herrlichkeit Gottes – heiĂźt: Das Mysterium der unendlichen Schönheit ist da und lässt uns Gottes Gegenwart lebendiger und wahrer erfahren, als es durch viele Predigten geschehen könnte. Aber schon melden sich Gefahren an: mehr
Nicht immer nur lachen – Ernst Theis ĂĽber die Operette
Der Chefdirigent der Staatsoperette Dresden, Ernst Theis, erklärt, warum die Operette besser ist als ihr öffentliches Bild.
Die Kunstgattung Operette nahm seit Ihrer Entstehung eine ebenso interessante wie turbulente Entwicklung und war und ist zum Teil umstritten wie kaum eine andere Kunstform. Dabei ist die Sicht, dass Operette historisch und inhaltlich gesehen nur den Anspruch erhob, zu unterhalten, keineswegs korrekt. Operettenformen, wie die “opĂ©ra comique” Jacques Offenbachs in Frankreich und die “Operette” Johann Strauss’ in Ă–sterreich, die als die wichtigsten Vertreter der goldenen Operette bezeichnet werden können, hatte in ihrer Funktionalität fĂĽr die damalige Gesellschaft durchaus reflektierenden, kritischen Charakter. Werke dieser beiden Komponisten waren nicht selten hochbrisant, behandelten sie doch politisch relevante Themen.
Die Operette war sozusagen ein Massenmedium, das in Verbindung mit groĂźen Darstellerpersönlichkeiten eine Art Ventil fĂĽr die Artikulation von Kritik an der jeweiligen politischen und sozialen Gesellschaft und deren Repräsentanten und Ausformungen darstellte. Im Vergleich mit der Kunstgattung “Oper” war sie eigentlich die viel aktuellere, griffigere Gattung, mit deutlich unmittelbarerer Wirkung auf ihre Zielgruppen. mehr
Wiener Schule? Welcher Jahrgang?
Wer aus Ă–sterreich kommt, hat es nicht leicht – das kleine Land trägt ein groĂźes musikalisches Erbe. Zwei der wichtigsten musikalischen Schulen waren in Wien beheimatet – die Erste und die Zweite Wiener Schule. Da kann man schon mal durcheinander kommen. Also haben wir einen Ă–sterreicher gebeten, uns das mit Mozart und Schönberg mal genauer zu erklären – hier der Artikel eines Mannes, der es eigentlich wissen muss.
Von Klemens Renoldner
Lange habe ich nicht gewusst, wovon die Rede ist, wenn weltgewandte Menschen von der “Zweiten Wiener Schule” sprachen, und als ich es dann herausgefunden hatte, was gemeint war, fand ich diese Bezeichnung erst recht unsympathisch und hochnäsig, weil sie mir deutlich machte, dass ich nicht einmal wusste, wer in die “Erste Wiener Schule” gegangen war – und das als Ă–sterreicher. mehr
père perdu! Paul über Friedrich Gulda
Friedrich Gulda war nicht nur genial, sondern auch herrlich durchgeknallt. Ein Enfant terrible der Klassik. Betörend schön, wenn er Mozart spielte, ungeheuer provokant in seinen Nackt-Auftritten. crescendo druckt eine Hommage an das Kind im Klaviermann – von seinem Sohn.
Von Paul Gulda
Enfant terrible – das war das kurze, einprägsame Etikett fĂĽr meinen Vater Friedrich Gulda. Die Presse hat es irgendwann erfunden. Ausgesucht hätte er sich die Definition wohl nicht, aber er wusste damit zu leben, und tatsächlich in jedem Sinn zu spielen. Und er war ja wirklich fast noch ein Kind, als er kaum 16-jährig in Genf den Ersten Preis gewann. mehr
Konrad Beikircher ĂĽber den unbekannten Beethoven
Beethoven für Neugierige und Anfänger.
Der Publizist und Kabarettist Konrad Beikircher ist einer der kurzweiligsten Klassik-Plauderer. Sein Buch “Andante spumante” war ein Bestseller. Exklusiv fĂĽr crescendo verrät er nun einige Details aus dem Leben des Komponisten, die selbst Kennern unbekannt sein dĂĽrften.
Von Konrad Beikircher
Als SĂĽdtiroler Wahlrheinländer und Beethoven-Verehrer möchte ich Ihnen im Folgenden nicht die ĂĽblichen Daten ĂĽber den Komponisten servieren – ich nehme einfach an: Wenn Sie dieses Heft in der Hand halten, werden Sie schon wissen, dass “ta – ta – ta – taa” nicht der Titel eines neuen Ego-Shooter-Spiels ist. Deshalb möchte ich ein paar Dinge mitteilen, die Sie vielleicht noch nicht gewusst haben und die Ihnen bei jedem Gespräch helfen werden, als Kenner zu gelten! mehr
Donna Leon: Aufstand der Schönheit
15. März 2007
3 Kommentare
 Die Literatin Donna Leon ist ein Händel-Freak. In seiner Musik findet sie Schönheit und Nobilität, die sie sich in unserer Zeit ersehnt. Für crescendo erklärt sie, warum sie ausgerechnet die Barock-Musik begeistert. Und warum Händel-Opern sie an den Film „The Queen“ erinnern.
VON DONNA LEON
Ich bin keine Musikerin. Deshalb sind meine Reaktionen auf die Musik auch akademisch ungewaschen, ebenso wie meine musikalischen Betrachtungen. Um ganz ehrlich zu sein: Ich kann nicht einmal eine Partitur lesen. Mein Freund, der Dirigent Alan Curtis, will mir diese Kunst seit Jahren beibringen, aber ich musste ihn immer und immer wieder vertrösten – ich finde einfach keine Zeit. Deshalb kann ich über die Musik auch nur aus meiner persönlichen Begeisterung heraus sprechen, nicht aus meinem musikalischen Wissen. mehr
JĂĽrgen Flimm: Repressive Gesellschaft
15. März 2007
1 Kommentar
Jürgen Flimm übernimmt in diesem Jahr die Intendanz der Salzburger Festspiele von Peter Ruzicka. Er gilt als Haudegen des Regietheaters, der seine Netzwerke in der Opernwelt gespannt hat. Aber wofür steht er wirklich? Was ist aus seinen politischen und ästhetischen Idealen geworden, die sich in den 68ern geprägt haben?
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So modern ist Thielemann
15. März 2007
4 Kommentare
Deutsch und traditionell? Von wegen!
Im letzten Jahr haben die Feuilletons eine endlose Debatte über den Deutschen Klang geführt. Es ging um die Berliner Philharmoniker, die ihn unter Simon Rattle zu verlieren scheinen, und um Christian Thielemann, der ihn mit den Münchner Philharmonikern wiederbelebt. Aber worum geht es tatsächlich? Versuch einer Begriffsklärung und Beweisführung dafür, dass der Deutsche Klang alles andere als altbacken ist.
Neulich in der Münchner Philharmonie: Christian Thielemann hat das Podium betreten. Wie immer ein bisschen staksig, steif in den Knien, selbst beim Gehen. Den Taktstock hat er vor sich getragen wie eine Wünschelrute. Kein Zucken, kein Beben – obwohl er schon Wagnerluft witterte. Der Dirigent hat sich noch schnell durch die Haare gestrichen und ohne Umschweife den Einsatz gegeben. Schwungvoll, lässig, rasch. Die „Festwiese“ der „Meistersinger“. Rasanter hat man den „Tanz der Lehrbuben“ selten gehört. Dennoch leichtfüßig das alles.
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