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Heiner Goebbels: „Opernhäuser sind Museen“
Er ist einer der aufregendsten Gegenwartskomponisten. Heiner Goebbels über seine neue Oper, den Kollegen Wolfgang Rihm, über Bayreuth und Christoph Schlingensief.
Er zählt zu den Großen der aktuellen Komponisten und ist doch ein Außenseiter. Heiner Goebbels studierte Soziologie, gründete in der Sponti-Szene der 70er das „Sogenannte Linksradikale Blasorchester„, hatte eine Band und schrieb dann erst Musiktheater. Er lehrt an der Uni Gießen angewandte Theaterwissenschaft. Seine Oper „Landschaft mit entfernten Verwandten„ erscheint im Herbst auf CD, frühere Werke waren zweimal für einen Grammy nominiert.
In die geräumige Altbau-Beletage, die Goebbels in Frankfurt bewohnt, dringt von der ruhigen Straße nur Vogelgezwitscher herein. Die Arbeitsräume des Komponisten sind mit Bücherstapeln übersät, viele soziologische Werke. Neben seinem Flügel steht eine kleine Metallbüste von Hanns Eisler, auf dem Boden liegen Celli, die Goebbels, wie er sagt, leider „selten„ spielt. Heiner Goebbels redet ruhig und konzentriert, zum Interview gibt’s eine Bio-Limo, Geschmack: Holunder.
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Ausweitung der Gesangszone
Eine Stimme mit Leben: Bernarda Fink vereint die Gegensätze des Gesangs – und das bekommt besonders ihrem Berlioz sehr gut. Ein Porträt.
Wenn man den Dirigenten René Jacobs kennt, diesen in der Musik lebenden, in Noten sich bewegenden, in Archiven stöbernden, in Klang aufblühenden Musiker, kann man sich vorstellen, wie das gewesen sein mag, damals, als ihm die Sängerin für seine Aufnahme von Händels “Flavio” absprang, und er auf Bernarda Fink stieß. Einen Mezzosopran, der noch keine Berührung mit dem Repertoire des Barock hatte. Dafür aber eine wunderbar natürliche Stimme.
Tagelang saßen die beiden gemeinsam am Cembalo, er spielte, sie sang. Er erklärte eine Phrase, sie imitierte seine Vorstellung durch ihre Stimme. mehr
Dietrich Fischer-Dieskau: „Ich habe umsonst gelebt”
15. Mai 2007
47 Kommentare
War früher wirklich alles besser?
Dietrich Fischer-Dieskau ist einer der berühmtesten Baritone der Welt. Er hat die Geschichte des Liedgesanges neu geschrieben und sich in zahlreichen Opern profiliert. Heute arbeitet er als Dozent. Da er keine Zeit hatte, uns einen Beitrag zu schreiben, haben wir uns mit ihm über die Gegenwart und die Vergangenheit der Oper unterhalten.
Herr Fischer-Dieskau, was hat sich in den letzten Jahren in der Oper verändert?
Fischer-Dieskau: Ich glaube, dass wir noch immer eine Menge guter Stimmen haben. Aber ich befürchte, dass sich die Einstellung zur Oper und zur Kunst im Allgemeinen geändert hat. Ich frage mich zum Beispiel, warum so viele junge Sänger kein Legato mehr singen können – das ist eigentlich die Voraussetzung zum Singen. Vielleicht liegt all das an einem Mangel an Selbstkritik, der unter jungen Sängern sehr ausgeprägt ist. Ich sehe das an meinen eigenen Studenten immer wieder.
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30. Todestag: Franco Zeffirelli erinnert sich an MARIA CALLAS
15. Mai 2007
9 Kommentare
Unmöglicher Traum von Perfektion Franco Zeffirelli brauchte ein Kostüm, aber in ganz Mailand gab es keinen Schneider: alle arbeiteten für Maria Callas. Später sind der Regisseur und die Diva Freunde geworden. Eine Hommage des Filmemachers an die Sängerin.
Wer weiß heute schon, wer Maria Callas war. Was hinter ihrer Stimme steckte, und welchen Einsatz es kostete, uns diese Schönheit zu schenken. Es ist nun fast 30 Jahre her, dass sie gestorben ist, und ich finde, dass es wichtig ist, etwas Neues über sie zu sagen und mit Fehlern aufzuräumen. mehr
Beethovens Einzige – Eine historische Skizze
Von “Leonore” zu “Fidelio”
Warum hat Rossini Opern wie am Fließband komponiert, während Beethoven nur eine einzige schrieb? Ein historischer Krimi um Kreativität, Konkurrenz und Klangfindung. Von Helga Lühning
“Ich habe mir nun geschwind ein altes französisches Buch bearbeiten laßen, und fange jezt daran an zu arbeiten”, schreibt Beethoven Anfang Januar 1804 dem Musikschriftsteller Friedrich Rochlitz. Rochlitz, bekannt vor allem als ‚Chefredakteur’ der Allgemeinen musikalischen Zeitung, der bedeutendsten Musikzeitschrift in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hatte ihm ein Produkt seiner eigenen Feder gesandt. Er war einer der ersten von vielen – Gelegenheitsdichtern, Librettisten und echten Literaten – die an Beethoven Gedichte und dramatische Texte zur Vertonung schickten. Nicht immer vergeblich. mehr
Raus aus der Rauschanstalt – Peter Mussbach über die Oper
14. Mai 2007
5 Kommentare
Als Intendant der Staatsoper Berlin und als Regisseur ist die Oper für Peter Mussbach Arbeitsgrundlage. Aber über ihre Zukunft ist er sich trotzdem nicht ganz sicher.
Peter Mussbach ist der vielleicht erfolgreichste Berliner Intendant, und außerdem einer der gefragtesten “Regisseure”. Früher war er Gehirnforscher. Kein Wunder, dass er einen Zusammenhang zwischen Denken und Oper sieht.
Herr Mussbach, die Oper ist eines der ältesten Multimedien – eine gigantische Mythosmaschine aus Worten, Musik und Bildern. Wie würden Sie die Grundentwicklungen dieser Kunst, von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, zusammenfassen?
Mussbach: Ich glaube, dass die Oper stets sehr eng mit der Herrschaftlichkeit und der Macht verbunden war. mehr
Gesamtkunstwerk in schneller Zeit - von Brigitte Fassbaender
14. Mai 2007
4 Kommentare
Die Sängerin Brigitte Fassbaender über die Entwicklung der Oper.
Die Oper lebt nicht mehr allein von der Musik. Konzepte und Intellektualität haben zugenommen. Die Zeiten haben sich verändert, die Welt ist komplexer geworden – und damit auch die Welt der Oper.
Es war früher nicht besser, sondern anders. Die Hauptquelle der Inspiration für Opernregisseure war: Die Musik! Die Hinterfragung und Durchleuchtung des Textes stand nicht im Vordergrund. mehr
Dirigentin Emmanuelle Haim über den Anfang der Oper
Von Monteverdi bis Verdi und weiter…
Er gilt als Urvater der Oper. Aber was hat Monteverdi heute noch zu sagen? Seine Kompositionen führen uns zurück zur musikalischen Reinheit. Das könnte den Zauber erklären, mit dem sie uns so direkt ansprechen.
Von Emmanuelle Haim
Nun wissen wir alle, dass Monteverdis “L‘ Orfeo” nicht die erste Oper aller Zeiten war – Jacopo Peri hat mit “La Dafne” bereits 1597 die erste Oper uraufgeführt. Und trotzdem markiert “L‘Orfeo” den Anfang einer Form, die bis heute aktuell ist. Monteverdis Oper scheint uns selbst nach 400 Jahren noch unglaublich modern. Woran liegt das?
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Publikum oder Publika? – Ein Kommentar von Matthias Naske
Was wir von Luxemburg lernen können
Das Konzerthaus in Luxemburg ist eines der erfolgreichsten. Hier werden die Klassik-Stars gefeiert, aber auch Nachwuchsarbeit geleistet. Der Intendant behauptet: Das Publikum gibt es nicht – der Erfolg liegt in der Vielfalt.
Sprache ist Mittel des Ausdrucks, der Kommunikation und zugleich fasst und bündelt sie die Wirklichkeit. Im Allgemeinen deckt sie damit recht erfolgreich ab, was sich dem Sprechenden, aus der Sicht seines kulturellen Hintergrunds heraus, eröffnet. So gesehen ist die Sprache ein Begleiter der Wirklichkeit und ist unaufhörlich in Bewegung. Aber sie ist auch ein Instrument der Gestaltung und so lohnt es sich, sich folgender Beobachtung zuzuwenden. mehr
plus regional Nord: Bad Kissingen: Festival der Superlative
Reise zum Mittelpunkt der Klassik
Thomas Quasthoff, Cecilia Bartoli oder Rudolf Buchbinder – alles was in der Klassik Rang und Namen hat, kommt diesen Sommer nach Bad Kissingen. Wir haben uns im Vorfeld mit dem Pianisten Lang Lang unterhalten.
Wenn man die Menschen in Bad Kissingen fragt, wo ihre Stadt liegt, antworten sie: “Mitten in Deutschland und mitten in -Europa.” Aber es ist nicht allein die Lage, die Künstler aus aller Welt zum Musikfestival lockt, sondern auch die Atmosphäre.
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