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Lullys bedeutendste Oper

1. Oktober 2009

CD-Cover: Lully “Atys”; (c) Harmonia MundiÜberwältigender Eindruck

Von Benjamin-Gunnar Cohrs

Ein vorzügliches Geschenk zum 30. Geburtstag des Ensembles “Les Arts Florissants” ist diese luxuriös als Buch eingebundene Wiederveröffentlichung der Gesamtaufnahme von Jean-Baptiste Lullys Oper “Atys”, die William Christie im Januar 1987 in der Pariser Opéra-Comique wiederaufführte, nachdem das Werk 234 Jahre lang vergessen war. mehr

Gabetta mit Klassikern

30. September 2009

CD-Cover: “Hofmann, Haydn, Mozart”, Gabetta; (c) RCA Red SealStilgerecht empfindsamVon Teresa Pieschacón RaphaelEine “Fee ohne Flügel, aber mit Cello” wird sie von Kritikern gern genannt. Eher bodenständig und warmherzig erscheint sie jenen, die ihr begegnen. Eine Musikerin, die weiß, was sie will. Damit hat die gebürtige Argentinierin und Wahlschweizerin neben Talent alle Eigenschaften, um sich in das Herz ihres Publikums zu spielen. Mit Verve geht sie Haydns C-Dur-Konzert Hob VIIb: mehr

Beethoven-Bereicherung

29. September 2009

CD-Cover: Beethoven, Faust & Melinikov; (c) Harmonia MundiSpannungsreiches Miteinander

Von Uwe Schneider

Spielerische Energie und scheinbar technische Leichtigkeit sind die Hauptmerkmale dieser spannungsreichen Gesamteinspielung von Beethovens Violinsonaten. Isabelle Faust (Violine) und Alexander Melnikov (Klavier) gelingt es, dem lyrischen Grundton der Sonaten mit vielen Details eine unaufgeregte Expressivität zu unterlegen, die sich aus brillantem Passagenwerk, genauen Artikulationen und natürlich atmenden Phrasierungen speist.

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Heutige Klaviermusik für Kinder

24. September 2009 1 Kommentar

CD-Cover: “For children”; (c) MDGBis zum Rock ‘n’ Roll

Von Georg Rudiger

Neue Musik für Kinder? Da winkt der Klavierlehrer ab. Steffen Schleiermacher ist da anderer Meinung. Sein Album “For Children” versammelt ganz unterschiedliche zeitgenössische Klaviermusik für Kinder – und macht damit auch die Erwachsenen froh. Am Experimentellsten erscheinen György Kurtágs “Microludies”. Ganz reduziert sind manche der kurzen Stücke, sogar ein ganz normaler Dur-Dreiklang verirrt sich in die 1973 entstandene “Hommage à Kadosa”. mehr

Schnittke goes Cinema

23. September 2009

Alfred Schnittke: “Filmmusik Vol. 1″; (c) CapriccioFilmmusik-Vergnügen

Von Uwe Schneider

Schnittkes Filmmusik spielt auf der Klaviatur der Musikstile aller Zeiten. Neoklassizistische Barockanklänge können neben Jazzpassagen, ein Menuett neben einem Charleston und ein Walzer neben Folkloreklängen stehen. Doch Trivial ist hier nichts, vielmehr theatralisch gedacht und einer pointierten musikalischen Dramaturgie folgend. Knappe Sequenzen mit Dramatik, Skurrilität, bewusster Dissonanz, rhythmischer Prägnanz oder melodischer Weite schaffen charakteristische Bilder. mehr

Byzantinische Hymnen der ersten Komponistin

22. September 2009 1 Kommentar

CD-Cover: “Kassia: Byzant.”; (c) ChristophorusWeitere Studien erforderlich

Von Christoph Schlüren

Äbtissin Kassia (9. Jh.) ist die erste Komponistin, deren Werke überliefert sind. Es sind sehr schöne Gesänge, die allerdings in ihrer Schlichtheit (wie Folklore) von der ursprünglichen Qualität der Aufführung nicht zu trennen sind. Geschmeidig ist bei diesen Darbietungen deutscher Alte-Musik-Spezialisten zwar die Tongebung, nicht jedoch die Linienführung. mehr

Bruckner-Zyklus unter Volkmar Andreae

21. September 2009

CD-Cover: Bruckner, Wiener Symphoniker unter Volkmar Andreae; (c) Music & ArtsOhne falsches Pathos

Von Benjamin-Gunnar Cohrs

Tondokumente des Schweizer Dirigenten Volkmar Andreae (1879-1962) sind rar. Umso größere Bedeutung kommt diesem hier erstmals veröffentlichten Bruckner-Zyklus mit den Wiener Symphonikern unter seiner Leitung von 1953 zu. Die vorzüglich restaurierten Mono-Aufnahmen bieten die Sinfonien in eigenwilligen, durchdachten Interpretationen, fern sentimenta-lisierender Klangweihe. mehr

Wimmerwummer

21. September 2009

CD-Cover: “XVI Reflections on classical music”; (c) Point MusicPop-Stilmix für Minimalisten

Von Uwe Schneider

Man wird kaum behaupten können, dass die 16 Stücke auf dieser CD, die angeblich einen neuen Musikstil vorstellen will, harmonisch oder sonst wie kompositorisch anspruchsvoll ist. Die simplen Waberakkorde, das elektronische Gewummer oder das Scratchen und Stottern aus der Computer-Soundschmiede gibt es seit Jahren. Angeblich hören wir Grenzerweiterungen der Popmusik, doch jeder halbwegs begabte Pubertierende kann auf seinem Heim-PC mit billiger Audio-Software Vergleichbares zusammenbasteln. Die musikalische Kernschmelze, die der CD-Text ankündigt, erweist sich als Manipulation zumeist synthetischer Klänge, deren Ausdrucksspektrum von Primitivharmonien über Minimal Music bis zum Schreddern scheinbar beliebigen Materials reicht. mehr

Malakhov als Caravaggio

20. September 2009

DVD-Cover: Staatsballett Berlin “Caravaggio”; (c) Arthaus MusikAbstrakt verdichtet

Von Vesna Mlakar

Ein Handlungsballett über einen Maler?! Geschickt umschiffte Choreograf Mauro Bigonzetti alle Erwartungen nach einem lebenswirklichen oder gar bildmotivgetreuen Tanzabend über den Renaissance-Sonderling Michelangelo da Caravaggio: Zum Einstieg wird zwar noch der visuelle Eindruck einer amüsierfreudigen Gesellschaft vermittelt (die das historische Vorbild Caravaggio zeitlebens bürgerlichen oder adligen Kreisen vorzog), später lässt Bigonzetti seinen Hauptdarsteller Vladimir Malakhov die Schattenseiten des unglücklich Getriebenen jedoch in zunehmend abstrakter Verdichtung durchleben.
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Für das Neue leben

19. September 2009

Michael Roßnagl; (c) Stefan SteitzEin Plädoyer für die Neue Musik

Von Michael Roßnagl

“Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat, sollen wir lieben; aber für das Neue sollen wir eigentlich leben.” Diese Worte Theodor Fontanes lassen sich als Fürsprache für das Neue, das Moderne, das Experiment und das Wagnis lesen. Übertragen auf die Musik unserer Tage lässt sich indes feststellen, dass es dem breiten Publikum zwar nicht schwerfällt, das Alte zu lieben; für das Neue zu leben, scheint hingegen weitaus schwieriger zu sein. Denn die Neue Musik, jene Abkehr von Tradition und Konventionalität, von der Tonalität – insbesondere nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, als in Deutschland zumeist eine militärisch zugerichtete oder gefühlige Musik vorherrschte -, gilt immer noch als schwer zugänglich, als verkopft oder gar unverständlich. Sie muss mit dem Vorurteil leben, sie sei nur für Eingeweihte da, elitär und alles andere als in einem klassischen Sinne schön. mehr