Der junge Beethoven

CD "Der junge Beethoven"; Sony Classical
Nicht recht packend
Von Benjamin-Gunnar Cohrs
Martin Stadtfeld beginnt seine Auseinandersetzung mit Beethoven an dessen Wurzeln – Werken aus der Bonner und frühen Wiener Zeit. Zu sechs Solo-Stücken gesellt sich das wohl schon vor 1790 begonnene, zweite Klavierkonzert und als Epilog noch das Lied „Adelaide„ op. 46. Im Booklet nimmt Stadtfeld zu seinem Album-Konzept Stellung. Er möchte Willensstärke und Zielstrebigkeit, auch Sehnsucht und Zartheit des jungen Beethoven herausstellen. mehr
Neuer RING aus Bayreuth

CD "Der Ring des Nibelungen"; OPUS ARTE
Meisterlicher Thielemann
Von Richard Eckstein
Musikalisch gibt Christian Thielemann den Ton auf dem Grünen Hügel an. Seinem „Meistersinger„-Debüt im Jahr 2000 folgten „Parsifal„ und „Tannhäuser„. Die höchsten Wagner-Weihen wurden ihm dann 2006 zuteil: am Pult der „Ring„-Tetralogie. Wer die vier Teile von Wagners monumentalem Dramenzyklus „Der Ring des Nibelungen„ im verdeckten Orchestergraben des Bayreuther Festspiel-hauses zu schmieden vermag, der ist zurecht Teil der Musikalischen Leitung … mehr
Die Mandelrings machen weiter

CD "Schostakovich", Mandelring Quartett; audite
Keine Kompromisse
Von Georg Rudiger
In Schönheit sterben? Das gilt nicht für die späten Streichquartette Schostakowitschs, die sich auf radikale Weise mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Zwischen Resignation und Verzweiflung ist diese hochexpressive Musik angesiedelt. Das Mandelring Quartett zeigt Mut zur Hässlichkeit, wenn es im Mittelteil des 13. Quartetts dem Klang jegliche Schönheit entzieht: keine Kompromisse.
Wie gut das Pfälzer Ensemble aufeinander eingespielt ist, spürt man spätestens beim faszinierenden Beginn der Serenade aus dem 15. Quartett, wenn die extremen Crescendi unmerklich durch die Stimmen wandern und sich die Töne regelrecht ins Gehör bohren. mehr
Waschinski singt Amy Beach

CD "Rendevous. Lieder von Amy Beach"; PHOENIX Edition
Mit larmoyanter Note
Von Teresa Pieschacón Raphael
„Now she is one of the boys„, mussten die Kollegen einräumen, als die amerikanische Komponistin Amy Beach ihre Symphonie op. 32 in Boston der großen Öffentlichkeit vorstellte. Vieles hatte sich die Arztgattin aus New Hampshire, die von 1867-1944 lebte, als Autodidaktin angeeignet – galt bis dahin das Komponieren als reine Männersache. Über 300 Werke entstanden so, darunter auch die Liederzyklen opp. 44, 73. Sie handeln von Liebe, Glück, Vergänglichkeit und Mutterschaft und sind musikalisch epigonal – Schubert, Schumann, Brahms klingen an. mehr
Muti dirigiert DON GIOVANNI
4. Januar 2010
1 Kommentar

DVD "Don Giovanni"; Arthaus Musik
Aus Spaß wird Ernst
Von Vesna Mlakar
Mythische Ebenen als Inszenierungsmittel sind gegenwärtig aus der Mode gekommen. Der Regisseur Roberto de Simone scheint sich diesem Quasi-Verbot bei seiner „Don Giovanni„-Inszenierung für das Theater an der Wien im Jahr 1999 bewusst verweigert zu haben. Selbst bestimmte Volkstheaterelemente hat er miteinbezogen. Das Agieren in diesem „Kostümschinken„ macht dem glänzend aufgelegten Spitzensänger-Ensemble um Carlos Àlvarez in der Titelrolle sichtlich Spaß.Umso mehr beeindruckt es dann, wie dieser Spaß – ganz im Sinne von Mozarts Genrebezeichnung „dramma giocoso„ – in blutigen Ernst umschlagen kann. Artifizialität wird hier nicht zum Selbstzweck, sondern steht stets im Dienst großer theatraler Wirksamkeit. mehr
Rimsky-Korsakovs Lieder

CD-Cover “Rimsky-Korsakov: Complete Songs”; Brilliant Classics
Intime Meisterwerke
Von Richard Eckstein
Zum Glück konnte sich der 21-jährige Nikolai Rimsky-Korsakov für eine Karriere in der Musik entscheiden und der russischen Marine Lebewohl sagen. Bereits seine frühen Lieder, die aus der St. Petersburger Kadettenzeit stammen, stellen mehr als nur erste kompositorische Gehversuche dar: Sie künden von Rimsky-Korsakovs eminentem Talent, Lyrik, Poesie und Gedankenkraft der vertonten Gedichte (beispielsweise von Heine, Uhland, Tolstoi) in direkter, geradezu urwüchsiger Weise auf den Hörer zu übertragen. mehr
DiDonato als Belcanto-Diva

CD “Coltran, the Muse”; Virgin Classics
Viva Rossini!
Von Uwe Schneider
Würde man die Solo-CD des Jahres wählen, das Rossini-Album der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce DiDonate wäre in der engsten Wahl. Ihr gelingt nach der phänomenalen SoloDebüt-CD „Furore„ mit Händel-Arien erneut der Beweis, dass Gesangskultur mehr sein kann als die Vermarktung eines Sängernamens.Ihr Rossini zeigt eine heute selten gehörte Legato-Kultur, perlende Koloraturen, die sie sowohl als stürmische Attacken wie auch als verführerische Linien in den Dienst des Ausdrucks stellen kann. mehr
Ungewöhnliches Ensemble

CD “Mahler: Lieder”; Material Records
Gänsehaut-Feeling
Von Martin Morgenstern
Amarcord? Das ist norditalienischer Dialekt und heißt „Ich erinnere mich„. Natürlich mag man auch an Liebe und Akkorde erinnert sein, weswegen sowohl ein Leipziger Vokalquintett als auch vier Wiener Instrumentalisten (Violine, Akkordeon, Cello, Kontrabass) so heißen. Die Wiener machten vor vier Jahren mit einer leicht süffigen Satie-CD auf sich aufmerksam; nun haben sie sich mit der fantastischen Mezzosopranistin Elisabeth Kulman an Mahler gewagt. mehr
Otto Schenks Wiener „Meistersinger”

DVD: Wagners “Die Meistersinger von Nürnberg”; medici arts
Wenig Live-Atmosphäre
Von Richard Eckstein
Gewiss das denkbar größte Kontrastprogramm zu Katharina Wagners virtuos-verquerer Bayreuther „Meistersinger„-Version von 2007: die Produktion von Otto Schenk, die in Jürgen Roses Bühnenbildern und Kostümen bereits 1975 an der Wiener Staatsoper Premiere hatte und sich dort bis vor kurzem im Repertoire befand.
Auf den Gegensatz zwischen Alt und Neu, Traditionellem und Avantgardistischem legte Schenk einst besonderen Wert. Strikt folgte er der Absicht des Dichterkomponisten, dass Walther von Stolzing alles Zeitgenössisch-Fremde verkörpert und die Meistersinger-Gilde mit Beckmesser an der Spitze Erstarrung im künstlerischen Regelkodex symbolisiert.
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Holliger dirigiert Koechlin

CD Koechlin: Orchesterwerke; (c) Hänssler Classics
Meister der Hexenküche
Von Christoph Schlüren
Charles Koechlin (1867-1950) war der Edison des modernen Orchesters. Außer Dirigenten wie Stokowski oder Celibidache dürfte niemand sonst derart erfinderisch die Hexenküche der Instrumentation beherrscht haben wie Koechlin, der mit seiner vierbändigen „Traité de l’orchestration„ das Fundament für die Musik 20. Jahrhundert legte.
So zählt “Bandar-log” von 1939, sein wildes Persiflagestück auf den stupiden Modernismus, ein Tummelplatz komponierender Affen aus dem Dschungelbuch, zum raffiniert Verrücktesten neuerer Musik. mehr