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Bestenliste

Die besten CDs und DVDs der letzten Monate - ausgewählt von der crescendo-Redaktion. mehr

Kein Rostropowitsch

9. März 2010

Tschaikowsky: “Variationen über ein Rokoko-Thema”, Prokofjew: “Sinfonia Concertante”; (c) Virgin ClassicsCapuçon spielt Tschaikowsky und Prokofjew

Von Teresa Pieschacón Raphael

Wie Johnny Depp gibt er sich auf dem Cover, der Blick grimmig, hinter schwarzen kinnlangen Haarsträhnen versteckt; an der Hemdmanschette die Initialen GC. Wir hätten Gautier Capuçon auch so erkannt. Der französische Cellist ist nach St. Petersburg gekommen um unter Ägide von Valery Gergiev Prokofjews selten gespielte Sinfonia Concertante op. 125 aufzunehmen, seinerzeit Mstislaw Rostropowitsch gewidmet, der das Werk 1952 zur Uraufführung brachte. mehr

Brillante Konfusion

8. März 2010

Ewa Kupiec: “Zal”; (c) Solaris RecordsEwa Kupiec spielt Chopin und Schubert

Von Christoph Schlüren

Die polnische Pianistin Ewa Kupiec verfügt über feine Klangkultur, was auch tontechnisch sehr gut dokumentiert ist. Woran es fehlt, ist das organische Erfassen der Musik.

Bei Schuberts später G-Dur-Sonate steht immer wienerndes Freistil-Rubato der zusammenhängenden Gestaltung des Rhythmischen und Melodischen (ganz zu schweigen von der harmonischen Progression) im Wege, und besonders das Finale bleibt ganz fremd. mehr

Eine Wahre Rarität

8. März 2010

“L’Orfeo”, Paul Hindemith; (c) ORF Edition Alte MusikHindemiths L´Orfeo

Von Teresa Pieschacón Raphael

Paul Hindemith und Nikolaus Harnoncourt: Als sie Anfang der Fünfziger einander begegneten war Hindemith ein etablierter Komponist und Dirigent über sechzig und Harnoncourt ein junger ungestümer Cellist der Wiener Symphoniker, der alles dran setzte, die Musikwelt aus den Angeln zu heben. Beide verband die Liebe zur Alten Musik und den historischen Instrumenten, die Harnoncourt leidenschaftlich sammelte, weshalb man gleich zu ihm ging, als es hieß, Hindemith wolle in Wien “L’ Orfeo” produzieren. mehr

Wagner fürs neue Jahrhundert

7. März 2010

Wagner: Götterdämmerung; (c) c major/UnitelSpektakulärer Ring auf DVD

Von Benjamin-Gunnar Cohrs

Zubin Mehta hat jahrelang vergeblich versucht, Produzenten für eine Verfilmung von Wagners „Ring„ zu gewinnen. Der spektakuläre Zyklus, den Mehta anregte und 2007 in Valencia dirigierte, erschien nun auf 4 Doppel-DVDs und macht diese Idee überflüssig: Diese Produktion birst geradezu vor Spannung und wäre es mehr als wert, im Kino gezeigt zu werden! Hinzu kommen vier spannende „Making of„-Features.

Die Theatertruppe La Fura dels Baus und Video-Designer Franc Aleu lassen Darstellungsebenen auf atemberaubende Weise überlagern. mehr

Wanderer zwischen den Räumen

6. März 2010

4. Symphonie “Sturm und Drang”, Bacri; (c) BISDer französische Komponist Nicolas BacriVon Christoph Schlüren

Ohne Zweifel ist Nicolas Bacri einer der handwerklich kultiviertesten Komponisten unserer Zeit. Der 1961 in Paris Geborene begann typisch französisch in der komplexen Tradition der Webern-Nachfolge mit besonderer Bewunderung Elliott Carters. Als er 1983 in Rom Giacinto Scelsi kennenlernte, erweiterte sich sein Spektrum nachhaltig. Die Erkundung intuitiv gefundener Klangräume führte zum offenen Bekenntnis zur Tonalität, und seither ist Bacri eine weltweite Leitfigur traditionsverbundenen Komponierens geworden.

Als ich ihn vor ca. 8 Jahren kennenlernte, war ich fasziniert von seiner qualitätsbewussten Kenntnis nicht nur des kompletten gängigen Repertoires, sondern auch der ganzen Bandbreite unbekannter Musik im 20. Jahrhundert. Kaum etwas Interessantes, das Bacri nicht kennt. mehr

Hinter der Bühne

9. Februar 2010

Autorin Christa Hasselhorst; (c) privatUnsere Autoren tauchten für die neue crescendo-Ausgabe wieder in die Tiefen der Klassik-Welt. Was sie erlebten
(und wer sie überhaupt sind), voilà:

Christa Hasselhorst
Normalerweise wollen Interviewpartner aus dem Bereich der klassischen Musik eher in Opernhäusern oder dezenten Cafés befragt werden. Unsere Autorin Christa Hasselhorst, die auch für die deutsche VOGUE und die Welt am Sonntag schreibt, traf für diese Ausgabe die Sängerin Measha Brueggergosman und wurde erstmals ins Berliner Szene-Kaffee Sarotti bestellt. mehr

Über den Antrieb eines Unentschlossenen

8. Februar 2010

Chopin-Illustration; (c) Olaf HajekEva Gesine Baur hat zum 200. Geburtstag ein Buch über Frédéric Chopin geschrieben und sehr aufschlussreiche Thesen über dessen sensibles Wesen recherchiert.

Von Christoph Schlüren

Als Autorin ist sie ein Allrounder der Kultur des Sinnlichen: Eva Gesine Baur - auch bekannt unter dem Pseudonym Lea Singer (etwa mit dem brillanten Paul Wittgenstein-Roman “Konzert für die linke Hand”) - ist Kochkünstlerin, Chronistin, Schriftstellerin und populäre Geisteswissen-schaftlerin in Personalunion. Nun hat sie pünktlich zum 200. Geburtstag eine Biographie von Frédéric Chopin vorgelegt - jenes Komponisten, der wie kein anderer für die Klaviermusik der Romantik steht. “Chopin oder die Sehnsucht” ist nicht irgendeine weitere Biographie geworden, sondern ein so umfangreiches wie kurzweilig zu lesendes Seismogramm eines Künstlerlebens, das mit einer Fülle neuer Erkenntnisse und umfassender Horizonterweiterung hinsichtlich der Lebensumstände, des persönlichen Umfelds überrascht. mehr

Ein Kontinent der Künste

8. Februar 2010

Heidelberg; (c) Heidelberger FrühlingDer Heidelberger Frühling macht sich 2010 auf die Suche nach der musikalischen Identität Europas.

Von Martin Morgenstern

Ob freudig, hoffnungsvoll, seufzend oder überrascht, auf vielfältige Weise lässt sich das diesjährige Motto des Heidelberger Frühlings “Ach Europa” intonieren und ebenso vielfältig nähert sich das Festival vom 20. März bis 24. April seinem Themenauftrag mit rund 80 Veranstaltungen. Festivalleiter Thorsten Schmidt macht sich im 14. Jahrgang des Heidelberger Frühling mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und vielem anderen auf die Suche nach einer kulturellen, europäischen Identität: “Wo sind die Gemeinsamkeiten, die Identität stiften, wo die Differenzen, die immer auch einen besonderen Reiz im vermeintlich Gleichen eröffnen?” mehr

“Gefummle, große Gesten und Show sind abzulehnen”

7. Februar 2010

Friedrich Haider; (c) HasegawaDer österreichische Dirigent Friedrich Haider feilt nicht an seiner Publicity, sondern an seiner Arbeit inklusive eines Romans. Vielleicht wird er gerade deshalb berühmt.

Von Tobias Haberl

Knapp 20 Jahre ist es her, da saß Friedrich Haider mit Wolfgang Sawallisch in der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten. Sawallisch war seit 1972 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ein großer Dirigent, Haider war jung, unbekannt, hatte an kleineren und mittleren Häusern erfolgreich Opern und Konzerte geleitet, aber die Münchner Staatsoper schien weit weg, obwohl sie nur hundert Meter entfernt war. Die beiden tranken, plauderten über Mendelssohn, sie verstanden und mochten sich. mehr

Semperoper neu belichtet

6. Februar 2010

Semperoper; (c) Matthias CreutzigerZuerst Thielemann, dann unveröffentlichte Aufnah-men und jetzt eine grandiose Edition. In Dresden tut sich was!

Von Martin Morgenstern

Ein kulturpolitisches Beben war das schon, als Christian Thielemann im Herbst 2009, drei Tage vor den lange angesetzten Nachverhandlungen in München, plötzlich verkündete, mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfülle sich für ihn ein Traum. Eine gute Woche war diese Nachricht alt, als die Fernsehaufnahmen für den ECHO Klassik anstanden. Das gastgebende Orchester, eben jene “Kapelle”, wie sie in und um Dresden liebevoll abgekürzt wird, wurde als “Orchester des Jahres” prämiert. Als die Kameras schon ausgeschaltet waren, wurden dem Ensemble dann sogar noch zwei weitere ECHO-Preise zuteil; einer davon für die “Fritz-Busch-Box”, eine üppig ausgestattete CD-DVD-Schachtel mit sämtlichen Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren. mehr