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Hinter der Bühne

9. Februar 2010
Autorin Christa Hasselhorst; (c) privat

Autorin Christa Hasselhorst; Foto: privat

Unsere Autoren tauchten für die neue crescendo-Ausgabe wieder in die Tiefen der Klassik-Welt. Was sie erlebten (und wer sie überhaupt sind), voilà:

Christa Hasselhorst
Normalerweise wollen Interviewpartner aus dem Bereich der klassischen Musik eher in Opernhäusern oder dezenten Cafés befragt werden. Unsere Autorin Christa Hasselhorst, die auch für die deutsche VOGUE und die Welt am Sonntag schreibt, traf für diese Ausgabe die Sängerin Measha Brueggergosman und wurde erstmals ins Berliner Szene-Kaffee Sarotti bestellt. mehr

Über den Antrieb eines Unentschlossenen

8. Februar 2010
Chopin-Illustration; (c) Olaf Hajek

Chopin; Illustration: Olaf Hajek

Eva Gesine Baur hat zum 200. Geburtstag ein Buch über Frédéric Chopin geschrieben und sehr aufschlussreiche Thesen über dessen sensibles Wesen recherchiert.

Von Christoph Schlüren

Als Autorin ist sie ein Allrounder der Kultur des Sinnlichen: Eva Gesine Baur – auch bekannt unter dem Pseudonym Lea Singer (etwa mit dem brillanten Paul Wittgenstein-Roman “Konzert für die linke Hand”) – ist Kochkünstlerin, Chronistin, Schrift-stellerin und populäre Geisteswissen-schaftlerin in Personalunion. Nun hat sie pünktlich zum 200. Geburtstag eine Biographie von Frédéric Chopin vorgelegt – jenes Komponisten, der wie kein anderer für die Klaviermusik der Romantik steht. mehr

Ein Kontinent der Künste

8. Februar 2010
Heidelberg; (c) Heidelberger Frühling

Heidelberg; Foto: Heidelberger Frühling

Der Heidelberger Frühling macht sich 2010 auf die Suche nach der musikalischen Identität Europas.

Von Martin Morgenstern

Ob freudig, hoffnungsvoll, seufzend oder überrascht, auf vielfältige Weise lässt sich das diesjährige Motto des Heidelberger Frühlings “Ach Europa” intonieren und ebenso vielfältig nähert sich das Festival vom 20. März bis 24. April seinem Themenauftrag mit rund 80 Veranstaltungen. Festivalleiter Thorsten Schmidt macht sich im 14. Jahrgang des Heidelberger Frühling mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und vielem anderen auf die Suche nach einer kulturellen, europäischen Identität: “Wo sind die Gemeinsamkeiten, die Identität stiften, wo die Differenzen, die immer auch einen besonderen Reiz im vermeintlich Gleichen eröffnen?” mehr

“Gefummle, große Gesten und Show sind abzulehnen”

7. Februar 2010
Friedrich Haider; (c) Hasegawa

Friedrich Haider; Foto: Hasegawa

Der österreichische Dirigent Friedrich Haider feilt nicht an seiner Publicity, sondern an seiner Arbeit inklusive eines Romans. Vielleicht wird er gerade deshalb berühmt.

Von Tobias Haberl

Knapp 20 Jahre ist es her, da saß Friedrich Haider mit Wolfgang Sawallisch in der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten. Sawallisch war seit 1972 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ein großer Dirigent, Haider war jung, unbekannt, hatte an kleineren und mittleren Häusern erfolgreich Opern und Konzerte geleitet, aber die Münchner Staatsoper schien weit weg, obwohl sie nur hundert Meter entfernt war. Die beiden tranken, plauderten über Mendelssohn, sie verstanden und mochten sich. mehr

Semperoper neu belichtet

6. Februar 2010 1 Kommentar
Semperoper; (c) Matthias Creutziger

Semperoper; Foto: Matthias Creutziger

Zuerst Thielemann, dann unveröffentlichte Aufnah-men und jetzt eine grandiose Edition. In Dresden tut sich was!

Von Martin Morgenstern

Ein kulturpolitisches Beben war das schon, als Christian Thielemann im Herbst 2009, drei Tage vor den lange angesetzten Nachverhandlungen in München, plötzlich verkündete, mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfülle sich für ihn ein Traum. Eine gute Woche war diese Nachricht alt, als die Fernsehaufnahmen für den ECHO Klassik anstanden. Das gastgebende Orchester, eben jene “Kapelle”, wie sie in und um Dresden liebevoll abgekürzt wird, wurde als “Orchester des Jahres” prämiert. Als die Kameras schon ausgeschaltet waren, wurden dem Ensemble dann sogar noch zwei weitere ECHO-Preise zuteil; einer davon für die “Fritz-Busch-Box”, eine üppig ausgestattete CD-DVD-Schachtel mit sämtlichen Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren. mehr

Und jetzt: Adoro?

5. Februar 2010 5 Kommentare
Adoro; (c) Foto: Ben Wolf/Montage: crescendo

Adoro; Foto: Ben Wolf/Montage: Port Media GmbH

Fünf Beaus füllen seit Monaten Konzerthallen mit Schmusedecken-Musik. Ist das die Zukunft der klassischen Musik? Wir haben vorsichts-halber einen Autoren zu einem Konzert in Berlin geschickt.

Von Kai Schächtele

Es ist 20 Uhr und sieben Minuten, als die erste Wohlfühlwelle durch die Berliner Max-Schmeling-Halle schwappt. Der gold-ockerfarbene Samtvorhang, dessen geschwungene Ziehharmonika-Falten die Atmosphäre eines Opernhauses verbreiten sollen, ist kurz vorher nach oben gezogen worden. Dahinter sind erschienen: ein Orchester zur Linken, das ausnahmslos aus Frauen mit schulterfreien Kleidern und einer Pianistin am weißen Flügel zusammengesetzt ist, und einer Band mit Schlagzeug und Gitarre zur Rechten. Dazwischen liegt eine geschwungene Showtreppe mit blinkenden Stufenkanten. Der Reihe nach erscheinen darauf fünf Männer und singen “Wenn ein Lied meine Lippen verlässt / dann nur, damit du Liebe empfängst.” mehr

Neues und Wahres

4. Februar 2010
Kurt Weill; (c) Hoenisch

Kurt Weill; Foto: Hoenisch

Mit zwei Uraufführungen und vielem mehr wagt das Kurt Weill Fest einen mutigen Schritt in die Gegenwart.

Von Martin Morgenstern

“New Art is True Art” – mit diesem Song aus Kurt Weills erfolgreichstem Broadway-Musical “One Touch of Venus” ist das Ende Februar anstehende Kurt Weill Fest in Dessau überschrieben. In einem weit gefächerten und abwechslungsreichen Gesamtprogramm wagt die Mannschaft um den neuen Intendanten Prof. Michael Kaufmann auch zwei Uraufführungen, die die Kurt-Weill-Gesellschaft in Auftrag gab. mehr

Nadja Michael lieber über 200 Meter Lagen?

3. Februar 2010

Die Grenzen der Doppelbegabung von Musikern

Von Pascal Morché

Früher war alles besser! Erstens musste man nicht immer von früher sprechen. Zweitens gab es kein “Regietheater” (also keinen Scarpia als Nazi und die Königin der Nacht trug keine Sonnenbrille) und drittens gab es noch Künstler mit einer richtig schönen Doppelbegabung. Zum Beispiel Leonardo da Vinci, jenes Genie, das malte und sich ebenso mit der Technik möglicher Fluggeräte wie Hubschraubern beschäftigte. Oder Michelangelo, der große Maler und Bildhauer, dessen dichterische Doppelbegabung “auch” zu ausgesprochen guten Sonetten führte. Oder Goethe, der Dichter, Zeichner “und” Naturwissenschaftler, dessen Arbeiten über Farbenlehre, Pflanzen oder den Zwischenkieferknochen noch heute von Wissenschaftlern als gleichbedeutend zum “Faust” oder zur “Iphigenie” eingestuft werden. mehr

Betreff: Wir sind Kultur!

1. Februar 2010

Liebe Leser,

zum Beginn des Jahres hätte ich mir von einer großen Zeitung eine schöne Titelzeile gewünscht. In Großbuchstaben hätte ich gerne gelesen: “WIR SIND KULTUR!” Zumindest im Ruhrgebiet, das seit dem 1. Januar das anspruchsvolle Siegel “Europäische Kulturhauptstadt 2010″ tragen darf.

Stattdessen stand da: Die Londoner Tate Gallery, eine der angesehensten kulturellen Institutionen Großbritanniens habe sich im vergangenen Jahr kräftig verspekuliert. Peng. Ich hatte immer gedacht, die Tate sei ein Museum, eine gemeinnützige Stiftung, deren Aufgabe darin besteht, die Kunst des 21. Jahrhunderts zu unterstützen (und zu zeigen)! Aber das Museum hatte 23 Prozent seines Kapitals in hoch spekulative Fonds investiert und dabei über eine Million Pfund in den Sand gesetzt. Und der Tate-Treuhänder Lord Myners, immerhin der für London zuständige Minister für Finanzen, ließ das auch noch zu! mehr

Der literarische Pianist

1. Februar 2010
Alfred Brendel; (c) Bob Coat

Alfred Brendel; Foto: Bob Coat

Zu Besuch bei Alfred Brendel in seinem Londoner Haus, dessen riesige Bibliothek dieser Tage um ein weiteres Buch bereichert wird – sein eigenes.

Von Robert Kittel

London im Januar. Das Tief Daisy war über Nacht in der englischen Hauptstadt zu Besuch. Es ist eisig kalt. Alfred Brendel wohnt im Norden, Stadtteil Hampstead. Ein idyllisches, leicht hügeliges Nest in dessen schmale Gassen und historische Läden sich schon Sigmund Freud und Peter Ustinov verliebt hatten. Kurz vor dem zweitgrößten Park Londons, Hampstead Heath, liegt Brendels Anwesen. Alfred Hitchcock hätte daran seine Freude gehabt.

Der Pianist gibt selten Interviews. Er ist jetzt 79, vor gut einem Jahr hat er sich vom aktiven Konzertleben zurückgezogen. Er führt freundlich in den Salon, unter seinen ledernen Hausschuhen knarzt der Boden wie auf einer alten Berghütte. mehr