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“Loblied und Totalverriss”

5. April 2010 1 Kommentar

Autor und Dozent Martin Morgenstern ĂĽber die Schwierigkeit der objektiven Kritik und sein Experiment mit dem Nachwuchs

Ich sitze beim verspäteten Morgenkaffee, als das Handy klingelt. “Hallo?” – “Quasthoff!” Der Sänger ist im Rahmen seiner neuen Jazz-Tournee vorgestern Abend in der Dresdner Semperoper aufgetreten und offenbar gut gelaunt. “Ich wollte Ihnen nur mal schnell sagen, wie sehr ich mich ĂĽber Ihre Kritik – geärgert habe!” Und schon sind wir mitten im schönsten Schlagabtausch, wie objektiv eine Rezension sein kann, sein darf. Objektivität, Subjektivität: soll der Kritiker schreiben, dass (und vor allem warum) er ein Konzert ganz grauslich fand, auch wenn das Publikum um ihn herum abgeht wie Schmidts Katze und dem KĂĽnstler am Ende noch drei Zugaben abfordert? mehr

Hinter der BĂĽhne

28. März 2010
Autorin Carolin Pirich; (c) Carolin Pirich

Autorin Carolin Pirich

Unsere Autoren tauchten fĂĽr die crescendo-Ausgabe 2/10 wieder in die Tiefen der Klassik-Welt. Was sie erlebten (und wer sie ĂĽberhaupt sind), voilĂ :

Carolin Pirich
Leser aus Bayern kennen unsere Autorin vielleicht aus dem Radio: Carolin Pirich interviewt KĂĽnstler und moderiert bei BR-Klassik. Die Liebe zum gedruckten Wort blieb ihr aber erhalten: FĂĽr diese crescendo-Ausgabe widmete sich die Absolventin der deutschen Journalistenschule nun Anne-Sophie Mutter. Ihre zehn entzĂĽckenden Thesen, weshalb wir – vor allem in diesem Jahr – nicht mehr an Frau Mutter vorbeikommen, lesen Sie hier. mehr

Die Vermessung der RĂĽschenbluse

27. März 2010 1 Kommentar

Unser Kolumnist diagnostiziert die Kammermusik: wertvoll, aber krank!

Von Pascal Morché

Vom Herzkammerflimmern einmal abgesehen, stellen Substantivkonstruktionen mit dem Wort Kammer im heutigen Sprachgebrauch ein ziemliches Problem dar: Kammerdiener, Kammerjäger, Kammerzofe … Es scheint, dass all diese Begriffe aus einer anderen Zeit und Welt stammen. Und sehen wir der Tatsache einmal kĂĽhlen Blicks ins Auge, so gehören Worte wie Kammersänger, Kammerkonzert und Kammermusik ebenfalls dazu. Alles, was nämlich mit einer Kammer zu tun hat, nennen wir – die modernen, in lofts und flats und living-rooms beheimateten Menschen – heute bestenfalls noch antiquiert oder museal. Im Allgemeinen aber gilt fĂĽr uns: Substantivkonstruktionen mit dem Wort Kammer sind altväterlich, staubig, spieĂźig und vorgestrig. Nein, Kammer klingt nicht sexy! mehr

“Kammermusik ist Musik ganz nah…”

26. März 2010 1 Kommentar
Daniel Hope; (c) DG

Daniel Hope; Foto: DG

Von Daniel Hope

Die Moderatorin beharrte darauf, den Eindruck zu erwecken, dass das Publikum fĂĽr Kammermusik immer weniger wird, und dass Konzerte immer seltener werden. Ich, der Pianist Sebastian Knauer und Walter Levin, ehemaliger Primarius des LaSalle Quartetts, konterten mit Beispielen aus unserem Umfeld, wo, in Europa sowie in Amerika, die Kammermusik unserer Meinung nach gerade eine groĂźe Renaissance erlebt.

Um Menahem Pressler, meinen genialen Partner aus dem Beaux Arts Trio, zu zitieren: “Kammermusik ist eine der intimsten Sachen, die zwischen Menschen bestehen.” Zusammen haben wir ĂĽber viele Jahre miterlebt, wie gerne Leute noch ein Quartett- oder Trioprogramm hören, dass es sogar fĂĽr viele zu einer Art Sucht wird. Da es weniger ,Stars’ in der Kammermusik, dafĂĽr so viele phantastische Musiker gibt, treten ausgezeichnete Ensembles momentan ĂĽberall auf. mehr

Die Bedeutung der Kammermusik in der Gesellschaft

25. März 2010

Dagmar Ruhl; (c) Illustration: Stefan Steitz

Dagmar Ruhl; Illustration: Stefan Steitz

Nur für Ihren Hintergrund: Anlässlich des hundertjähri-gen Bestehens der Commerzbank wurde im Jahr 1970 die Commerzbank-Stiftung gegründet.

Seither fördert die Stiftung vielfältige Projekte in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und engagiert sich damit aus Tradition für das Gemeinwohl. Die Commerzbank-Stiftung versteht sich als eine hauptsächlich fördernde Stiftung, sie sucht dazu die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Einrichtungen und Institutionen, deren Aktivitäten bundesweit ausstrahlen. Die jeweilige Projektauswahl erfolgt neutral und unabhängig durch das Kuratorium.

Seit Beginn meiner Tätigkeit für die Stiftung schätze ich die unterschiedlichen Bereiche, die von ihr gefördert werden. Dazu gehören zum Beispiel im Sektor Bildung die Unterstützung der Frankfurter School of Finance durch die Initiierung einer Stiftungsprofessur. Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt im Bereich des sozialen Engagements. So fördert die Stiftung unter anderem Projekte der Deutschen Welthungerhilfe und der Josefs Gesellschaft. mehr

“Die Kritik ist hier härter”

24. März 2010
Sol Gabetta im Wohnzimmer; (c) Marco Borggreve

Sol Gabetta im Wohnzimmer; Foto: Marco Borggreve

Neue CD, alte argentinische Lebensfreude. Ein Gespräch mit Sol Gabetta über Selbstzweifel, Jacqueline du Pré und ihr seltenes Cello, das manchmal auch Probleme bereitet.

Von Teresa PieschacĂłn Raphael

crescendo: Guten Morgen Frau Gabetta, es ist 9:30 und grau, aber Sie strahlen, als wĂĽrde die Sonne scheinen!

Sol Gabetta: (Lachen). Immer diese Geschichte um meinen Vornamen Sol! Es ist wirklich kein Marketinggag, ich heiße so. Ja, ich habe Temperament, bin aber auch sehr bodenständig. Viele sagen mir: Wenn man dich kennenlernt, wirkst Du wie eine Bombe, aber wenn man Dich näher kennt, spürt man, dass Du vieles analysierst. Mein Leben ist viel verplanter als man glaubt.

crescendo: Besonders seitdem es mit Ihrer Kariere so rasant voranging … mehr

Betreff: “musica in camera”

23. März 2010
Titelbild crescendo-Ausgabe 2/2010; (c) Port Media GmbH

Titelbild crescendo-Ausgabe 2/2010; (c) Port Media GmbH

Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Stiftung der Berliner Philharmoniker unter dem Motto “Komponisten privat” eine Plakataktion fĂĽr ihre Kammermusikreihe präsentiert. Sie hatten die Zeit zumindest auf dem Papier zurĂĽckgedreht und man sah Bach beim AbspĂĽlen, Mozart beim Zähneputzen oder Beethoven beim Rasieren. Ich fand das groĂźartig!

Was fĂĽr eine schöne Idee, einem neuen Publikum das Besondere der Kammermusik zu vermitteln: Nicht im Ă–ffentlichen Raum, in der Kirche oder im Theater, spielte sie sich ab, sondern in der “camera”, dem einst höfisch aristokratischen Salon. Ganz nah dran, privat, unmittelbar – und oft sogar vom Komponisten selbst gespielt. Oder vom Hausherrn. Oder sogar beiden zusammen!

Bis in die 1930er Jahre gehörten die schönen Künste und auch die Kammermusik zu den Selbstverständlichkeiten privaten und gesellschaftlichen Lebens. mehr

Hier darf jeder ein Maestro sein!

22. März 2010
Workshop “Dirigieren & Führen”; Foto: Robert Beske

Workshop "Dirigieren & Führen”; Foto: Robert Beske

Welcher Klassik-Freund hat nicht schon einmal davon geträumt, ein richtiges Sinfonieorchester zu dirigieren? Der Workshop “Dirigieren & FĂĽhren” erfĂĽllt diesen Traum – und verspricht “Inspiration fĂĽr Manager und FĂĽhrungskräfte”. Der “Selbst-versuch” zeigt: Das ist fast noch untertrieben …

Von Burkhard Schäfer

“Stille Beobachter haben wir nicht so gerne”, erklärte Professor Manfred Harnischfeger am Telefon. “Wenn Sie ĂĽber ‚Dirigieren & FĂĽhren’ berichten möchten, mĂĽssen Sie auch am Kurs teilnehmen und mitdirigieren. Alles andere wĂĽrde die Gruppe nur irritieren.” Der das sagt, muss es wissen. Harnischfeger ist ein erfahrener Kommunikations- und Medienexperte (wenn man es genau nimmt, war er unter anderem Chefkommunikator des größten deutschen Medienkonzerns: Bertelsmann). Harnischfeger hat das Konzept von “Dirigieren & FĂĽhren” entwickelt und ist neben Professor Gernot Schulz, dem langjährigen Berliner Philharmoniker, Musikpädagogen und eigentlichen musikalischen Leiter des Kurses, der zweite Dozent dieses Experiments. mehr

Augsburger Mozartfest 2010: Entdeckungen & groĂźe Namen

20. März 2010
Simone Kermes; (c) Andreas Dommenz

Simone Kermes; Foto: Andreas Dommenz

Das Augsburger Mozartfest 2010 feiert Mozarts Italien in all seinen Facetten.

Von Georg Rudiger

Italien war nicht nur fĂĽr Johann Wolfgang von Goethe das “Land, wo die Zitronen blĂĽhen”. Auch Wolfgang Amadeus Mozart fĂĽhlte sich sehr zum sĂĽdlichen Nachbarland hingezogen und besuchte es zwischen 1769 und 1773 dreimal auf langen Reisen. Das Augsburger Mozartfest widmet sich vom 7. bis 16. Mai ganz dem Thema “Mozart und Italien”. Und konnte dafĂĽr sogar Claudio Abbado als Schirmherren gewinnen.

Beim von der Europäischen Union geförderten, länderĂĽber-greifenden Projekt “Mozart und Italien” arbeitete die Stadt Augsburg mit Mailand/Bologna und dem King’s College London zusammen. mehr

Anne-Sophie Mutter: UrauffĂĽhrung, CD und Film!

17. März 2010 3 Kommentare
Anne-Sophie Mutter; (c) Tina Tahir

Anne-Sophie Mutter; Foto: Tina Tahir

Zehn Thesen, warum wir Anne-Sophie Mutter in diesem Jahr nicht entkommen werden (… was wir auch gar nicht wollen).

Von Carolin Pirich

Aufnahmen
Liest diesen Text hier jemand, der keine Aufnahme von Anne-Sophie Mutter im Regal stehen hat? Das kann kaum sein. Ihre Internetseite listet mehr als 60 Einspielungen auf. Sie beginnt 1978. Ein Mädchen in weitem, weißem T-Shirt steht vor Herbert von Karajan, sieht ihn an und zückt den Bogen. Es folgen im Schnitt zwei CDs im Jahr. Wie ein Familienalbum zeigen die Cover, wie Anne-Sophie Mutter wächst, mal wilde Locken, mal glattes Haar, lächelnd, nachdenklich, immer schön. Im März gibt es eine neue Aufnahme. Draußen leuchtet Anne-Sophie Mutter. Drinnen wärmen Violin-Sonaten von Johannes Brahms. mehr