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	<title>crescendo - das KlassikMagazin &#187; crescendo 2010-02</title>
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		<title>&#8220;Loblied und Totalverriss&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 22:37:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Autor und Dozent Martin Morgenstern über die Schwierigkeit der objektiven Kritik und sein Experiment mit dem Nachwuchs Ich sitze beim verspäteten Morgenkaffee, als das Handy klingelt. &#8220;Hallo?&#8221; &#8211; &#8220;Quasthoff!&#8221; Der Sänger ist im Rahmen seiner neuen Jazz-Tournee vorgestern Abend in der Dresdner Semperoper aufgetreten und offenbar gut gelaunt. &#8220;Ich wollte Ihnen nur mal schnell sagen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Autor und Dozent Martin Morgenstern über die Schwierigkeit der objektiven Kritik und sein Experiment mit dem Nachwuchs</strong></p>
<p>Ich sitze beim verspäteten Morgenkaffee, als das Handy klingelt. &#8220;Hallo?&#8221; &#8211; &#8220;Quasthoff!&#8221; Der Sänger ist im Rahmen seiner neuen Jazz-Tournee vorgestern Abend in der Dresdner Semperoper aufgetreten und offenbar gut gelaunt. &#8220;Ich wollte Ihnen nur mal schnell sagen, wie sehr ich mich über Ihre Kritik &#8211; geärgert habe!&#8221; Und schon sind wir mitten im schönsten Schlagabtausch, wie objektiv eine Rezension sein kann, sein darf. Objektivität, Subjektivität: soll der Kritiker schreiben, dass (und vor allem warum) er ein Konzert ganz grauslich fand, auch wenn das Publikum um ihn herum abgeht wie Schmidts Katze und dem Künstler am Ende noch drei Zugaben abfordert?<span id="more-4042"></span> Oder sollte er besser ein &#8220;objektiver&#8221; Berichterstatter von der vordersten Kunstfront sein, der als &#8220;embedded journalist&#8221;, als &#8220;eingebetteter Journalist&#8221;, die Stimmungen der Kombattanten &#8211; Künstler und Zuhörer &#8211; einfängt und zu einem großen Sittengemälde aufhäufelt?</p>
<p>Überhaupt: Kritiker. Das sind doch, ganz Muppetshow-like, diese alten, bärbeißigen, weißbärtigen Herren. Immer schlecht gelaunt, ausgeleiertes Jackett, Gläschen Wein, Dirigentenfrisur. Das allabendliche Konzertritual, mit dem sie ihren Lebensunterhalt so schlecht und recht verdienen, macht ihnen schon lange keinen Spaß mehr. Sie gehen vor der ersten Zugabe, denn die gehört nicht zum Konzert, und jede vertane Minute schlägt sich auf das Stundenhonorar nieder. Und die Künstler? Kommen ihnen gerade recht, um ihre schlechte Laune mal etwas abzureagieren. Ist es nicht so?</p>
<p>Nun, ein bisschen rätselhaft ist es für Konzertbesucher manchmal schon, lesen sie am übernächsten Tag den wollüstigen Totalverriss eben jenes Abends, den sie selbst so genossen haben. Was hat der Kerl sich dabei gedacht? Hatte dieser Mensch wirklich das gleiche Konzert besucht? Tageszeitungen drucken solche und ähnliche Leserbriefe öfter mal als Reaktion auf die Kritik ab, und auch sonst bekommen Kritiker oft und gern Rückmeldung über ihr Tun. Per E-Mail von der Ehefrau des abgekanzelten Dirigenten. Telefonisch vom Redakteur (&#8220;Sie haben ja recht, aber denken Sie doch mal an unsere Leser!&#8221;). Brieflich vom indignierten Förderverein des Orchesters. Oder gleich mündlich vom Künstler selbst, beim nächsten Konzert oder bei der ohne Umschweife vorgeschlagenen Aussprache im Operncafé.</p>
<p>Leider ist es mir persönlich bisher nur ausgewählte Male vergönnt gewesen, dass Künstler sich auch mal lobend an ihren Kritiker gewendet haben. Die meisten von ihnen scheinen insgeheim der Meinung des Dirigenten Gennadi Roschdestwenski zu sein, der mir in einem Interview einmal schnaubend an den Kopf warf (und ich zitiere die abgemilderte Variante der scheuen Übersetzerin): &#8220;Die meisten Rezensionen haben überhaupt keinen Bezug zur Musik, zur Kultur, und insgesamt sind sie von außerordentlich schlechter Qualität. Leider ist die Zeit vorbei, wo man Musikkritiken etwas entnehmen, wo man als Künstler etwas aus ihnen lernen konnte. Sie können meine Arbeit zensieren, aber sie können sie nicht einschätzen. Es ist hoffnungslos. Oftmals werden einfach Auszüge aus den Programmheften abgeschrieben. Es wird ohne Herz, ohne Verstand, ohne Einfühlungsvermögen geschrieben. Ich frage mich: Was bringen solche Rezensenten der Kunst? Nichts. Sibelius hat richtig bemerkt: Ich habe noch nicht einmal ein Denkmal eines Kritikers gesehen.&#8221; Peng, das saß. Mein vorsichtiger Einwurf, dass Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki oder Joachim Kaiser den Dialog um die Kunst doch auch wesentlich mitgeprägt hätten, wurde brüsk abgeschnitten: &#8220;Joachim wer? Ach wissen Sie, wir sollten Kritiker nicht mit Künstlern gleichsetzen. Ein Kritiker lebt vom Tun der Künstler, und zum Schluss bewirft er sie mit Schmutz. Da ist ein Austausch, sagen Sie? Ich brauche keine Kritiker. Aber wenn ich aufhöre, mein Amt auszuüben, bleibt er ohne Brot und Wasser &#8230;&#8221;</p>
<p>Wie sollte man nun eine junge Kritikergeneration am besten vorbereiten auf die Erfahrungen, die da auf sie zukommen? Gibt es ein Geheimrezept für gute Kritiken? Mit solchen Fragen habe ich mich mit Studenten der Universität Bremen im letzten Semester im Rahmen eines Seminars beschäftigt. Es war ein gemeinsames Nachdenken über unsere Profession, ein gegenseitiges Beschnuppern und Abwägen. Und es war für mich mindestens so interessant wie (hoffentlich) für die Studierenden. Die trauten sich am Anfang meist nicht so recht, ihre persönliche Meinung über die Tonqualität einer CD, über ein Bühnenbild oder die Akustik des Saales auch deutlich niederzuschreiben. Hatten sich vielleicht doch andere, erfahrene Besucher desselben Konzertes in der Pause lautstark ganz anders über dieses und jenes geäußert! Andererseits maßen sie den Zwängen der Redaktion weniger Bedeutung bei. Sie dachten nicht von vornherein &#8220;an den Leser&#8221;, an mögliche Einwände aus der Chefredaktion (&#8220;Wir brauchen ne Story!&#8221;) und die vielen, vielen Dinge, die freiberufliche Kritiker oft als unbewussten Ballast mit sich tragen, wenn sie Rezensionen schreiben. Dadurch gelang den Studenten vieles frischer, pointierter. Ein Genuss, die Texte zu lesen!</p>
<p>Unser Fazit nach vielen Übungen, Probetexten und einer gemeinsam besuchten Premiere von Don Giovanni: Kritiker sollen ruhig schreiben, was sie persönlich über ein Konzert, über einen Künstler denken, und wie sie selbst das Konzert wahrgenommen haben. Für ihre Einschätzung ist es natürlich wichtig, dass sie sich mehr als der Durchschnittshörer mit der Materie auseinandersetzen und dann ihr Urteil fällen. In diesem Sinne muss ein Kritiker auch nicht alt und graubärtig sein. Aber ein Musikjournalist sollte sein Urteil nachvollziehbar fällen, und dazu gehört eben ein bisschen Erfahrung mit dem Metier, mit dem Künstler, mit dem Ort, vielleicht auch mit dem Publikum. In diesem Sinne gibt es keine allgültigen Regeln. Meinen Studenten habe ich zwei Sachen empfohlen: so oft wie nur möglich ins Konzert zu gehen (das heißt in manchen Städten: jeden Abend). Und auf Formulierungen wie &#8220;Man darf gespannt sein, ob &#8230;&#8221; oder &#8220;Bleibt zu hoffen, dass &#8230;&#8221; verzichten. Das liest niemand gern zum tausendsten Mal.</p>
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		<title>Hinter der Bühne</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Mar 2010 22:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unsere Autoren tauchten für die crescendo-Ausgabe 2/10 wieder in die Tiefen der Klassik-Welt. Was sie erlebten (und wer sie überhaupt sind), voilà: Carolin Pirich Leser aus Bayern kennen unsere Autorin vielleicht aus dem Radio: Carolin Pirich interviewt Künstler und moderiert bei BR-Klassik. Die Liebe zum gedruckten Wort blieb ihr aber erhalten: Für diese crescendo-Ausgabe widmete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class=" " title="Autorin Carolin Pirich" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/autorin-carolin-pirich_c_carolin-pirich.jpg" alt="Autorin Carolin Pirich; (c) Carolin Pirich" width="120" height="136" /><p class="wp-caption-text">Autorin Carolin Pirich</p></div>
<p><strong>Unsere Autoren tauchten für die crescendo-Ausgabe 2/10 wieder in die Tiefen der Klassik-Welt. Was sie erlebten (und wer sie überhaupt sind), voilà:</strong></p>
<p><em><strong>Carolin Pirich</strong></em><br />
Leser aus Bayern kennen unsere Autorin vielleicht aus dem Radio: Carolin Pirich interviewt Künstler und moderiert bei BR-Klassik. Die Liebe zum gedruckten Wort blieb ihr aber erhalten: Für diese crescendo-Ausgabe widmete sich die Absolventin der deutschen Journalistenschule nun Anne-Sophie Mutter. Ihre zehn entzückenden Thesen, weshalb wir &#8211; vor allem in diesem Jahr &#8211; nicht mehr an Frau Mutter vorbeikommen, lesen Sie <a href="http://www.crescendo.de/blog/urauffuhrung-cd-und-film/4018">hier</a>.<span id="more-4050"></span></p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class=" " title="Autorin Antoinette Schmelter de Escobar" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/autorin-antoinette-schmelter-de-escobar_c_antoinette-schmelter-de-escobar.jpg" alt="Autorin Antoinette Schmelter de Escobar; (c) Antoinette Schmelter de Escobar" width="120" height="143" /><p class="wp-caption-text">Autorin Antoinette Schmelter de Escobar</p></div>
<p><em><strong>Antoinette Schmelter de Escobar</strong></em><br />
Unsere langjährige Autorin übernahm für diese Ausgabe das Filetstück: Schmelter de Escobar reiste nach Stuttgart, um einen ganzen Abend das Fauré Quartett zu begleiten und kennen zu lernen. Als die Münchnerin am nächsten Tag nach Hause fuhr, war sie infiziert. Sie ist nun auch ein Fan des Ensembles. <a href="http://www.crescendo.de/blog/die-personlichste-intimste-art-zu-spielen/4013">hier</a></p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class=" " title="Autor Dr. Burkhard Schäfer" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/autor-dr_burkhardschaefer_c_dr_burkhardschaefer.jpg" alt="Autor Dr. Burkhard Schäfer; (c) Dr. Burkhard Schäfer" width="120" height="146" /><p class="wp-caption-text">Autor Dr. Burkhard Schäfer</p></div>
<p><em><strong>Dr. Burkhard Schäfer</strong></em><br />
Schäfer, unter anderem Autor von ZEIT online und promovierter Literaturwissenschaftler aus dem Schwarzwald, ist in Sachen Musik viel unterwegs: Der ausgewiesene Kammermusik-Experte hat für uns Peter Ruzicka in Hamburg besucht (Lesen Sie <a href="http://www.crescendo.de/blog/vorwarts-gelebt-und-ruckwarts-verstanden/4035">hier</a>) und am Seminar &#8220;Dirigieren und Führen&#8221; (Lesen Sie <a href="http://www.crescendo.de/blog/hier-darf-jeder-ein-maestro-sein/4044">hier</a>) in Berlin teilgenommen.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img title="Autor Daniel Hope; Foto: Harald Hoffmann/DG" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/autor-daniel-hope_c_haraldhoffmanndg.jpg" alt="Autor Daniel Hope; (c) Harald Hoffmann/DG" width="120" height="167" /><p class="wp-caption-text">Autor Daniel Hope; Foto: Harald Hoffmann/DG</p></div>
<p><em><strong>Daniel Hope</strong></em><br />
Als wir in der Themenkonferenz recherchierten, in welcher Stadt sich unser Kolumnist gerade aufhält, kam es zu einem spontanen Zufall: Daniel Hope weilte gerade im südafrikanischen Kapstadt, crescendo Textchef Robert Kittel war gerade auf dem Weg dorthin. Als Kittel ankam und ein Interview (am Strand mit Sauvignon Blanc und Blick auf den Tafelberg) mit dem Geiger führen wollte, war Hope aber leider schon Richtung Durban abgereist, um dort ein Konzert zu geben. Das Interview wird nun in den nächsten Wochen nachgeholt (ohne Tafelberg, aber mit Wein).<br />
Unabhängig davon lieferte Hope auch für diese Ausgabe wieder eine sehr lesenwerte Kolumne. Seine Gedanken zur Kammermusik lesen Sie <a href="http://www.crescendo.de/blog/kammermusik-ist-musik-ganz-nah/4048">hier</a>.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class=" " title="Fotograf Sammy Hart" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/fotograf-sammy-hart_c_sammy-hart.jpg" alt="Fotograf Sammy Hart; (c) Sammy Hart" width="120" height="180" /><p class="wp-caption-text">Fotograf Sammy Hart</p></div>
<p><em><strong>Sammy Hart</strong></em><br />
Es gibt nicht viele Fotografen, die so nah an eine Künstlerin wie Anne-Sophie Mutter herandürfen. Sammy Hart (den Ausdruck &#8220;Hart aber herzlich&#8221; findet er etwas abgedroschen) hat es dennoch fertig gebracht und sie &#8211; wie wir finden &#8211; sehr authentisch porträtiert (siehe Titelfoto). Nachdem Hart vor kurzem auch Violinistin Arabella Steinbacher vor die Linse bekam, findet er langsam Gefallen an den Damen der klassischen Musik. Sein Kommentar: &#8220;Sehen die alle so gut aus?&#8221; Seine Fotos: <a href="http://www.sammyhart.com" target="_blank">www.sammyhart.com</a></p>
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		<title>Die Vermessung der Rüschenbluse</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 22:34:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unser Kolumnist diagnostiziert die Kammermusik: wertvoll, aber krank! Von Pascal Morché Vom Herzkammerflimmern einmal abgesehen, stellen Substantivkonstruktionen mit dem Wort Kammer im heutigen Sprachgebrauch ein ziemliches Problem dar: Kammerdiener, Kammerjäger, Kammerzofe &#8230; Es scheint, dass all diese Begriffe aus einer anderen Zeit und Welt stammen. Und sehen wir der Tatsache einmal kühlen Blicks ins Auge, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser Kolumnist diagnostiziert die Kammermusik: wertvoll, aber krank!</strong></p>
<p><strong><em>Von Pascal Morché</em></strong></p>
<p>Vom <em>Herzkammerflimmern</em> einmal abgesehen, stellen Substantivkonstruktionen mit dem Wort <em>Kammer</em> im heutigen Sprachgebrauch ein ziemliches Problem dar: Kammerdiener, Kammerjäger, Kammerzofe &#8230; Es scheint, dass all diese Begriffe aus einer anderen Zeit und Welt stammen. Und sehen wir der Tatsache einmal kühlen Blicks ins Auge, so gehören Worte wie Kammersänger, Kammerkonzert und Kammermusik ebenfalls dazu. Alles, was nämlich mit einer Kammer zu tun hat, nennen wir &#8211; die modernen, in lofts und flats und living-rooms beheimateten Menschen &#8211; heute bestenfalls noch <em>antiquiert</em> oder <em>museal</em>. Im Allgemeinen aber gilt für uns: Substantivkonstruktionen mit dem Wort Kammer sind altväterlich, staubig, spießig und vorgestrig. Nein, Kammer klingt nicht sexy!<span id="more-4010"></span></p>
<p>Und weil das nun einmal so ist, und weil die Ausnahme bekanntlich die Regel immer nur bestätigt, änderte sich am Mief des Wortes Kammer auch nichts, als es ein letztes Mal kurzfristig seine mediale Reaktivierung erlebte. Damals nämlich, als es Deutschlands Allgemeinbanalphilosoph Boris Becker in einer <em>Besenkammer</em> trieb. Doch das war eben eine, in jeder Weise, linguistisch ekstatische Ausnahme. Auch durch Boris Beckers triebhaftes Bemühen konnte das Wort <em>Kammer</em> im täglich kleiner werdenden Wortschatz der deutschen Sprache nicht wirklich vor dem Aussterben bewahrt werden.</p>
<p>Dem Begriff <em>Kladde</em> ging es übrigens ganz ähnlich. Seine Reanimierung fand am 28. April 1983 durch das Magazin <em>Stern</em> statt &#8211; beziehungsweise durch den dortigen Abdruck von, in wieder entdeckten <em>Kladden</em> angeblich festgehaltenen Gedanken des Führers. Heute wissen wir: Auch dieses Medienereignis rettete das schöne alte Wort <em>Kladde</em> nicht hinüber in die Zukunft.</p>
<p>Also: Mit Kammer, Kladde oder beispielsweise auch mit der Tapetentür ist nun wirklich Schluss im deutschen Sprachgebrauch. Und vielleicht hat die Kammermusik auch gerade deshalb ein Problem: Ihre Etikettierung wird von jungen Menschen absolut nicht mehr goutiert oder gar verstanden. Ihnen gustiert das englische Wort <em>chamber</em> schon viel besser und bekannter im Ohr &#8211; weshalb übrigens jede neue Orchesterformierung bei ihrer Firmierung gut daran täte, sich <em>Chamber Orchestra</em> zu nennen.</p>
<p>Es ist ja auch wirklich zum Heulen: Während man bei Opernvorstellungen und Sinfoniekonzerten im Publikum wenigstens noch ein paar junge Menschen sichtet, lichten sich die Reihen bei Kammermusikabenden erheblich. Wer&#8217;s nicht glaubt, hat vielleicht keine rosarote Brille, dafür aber rosarote Ohrschützer auf. Nun, nachdem dieser Text bisher wahrscheinlich von Musikpuristen und Kammermusikfans mit Abscheu gelesen wurde (Recht haben Sie: was interessieren uns <em>Becker</em> und <em>Hitler</em> hier?), möchte der Autor seinen Lesern versichern, dass ihm selbst Kammermusik viel bedeutet. Sein Herz blutete, als er bei einem Besuch des Alban-Berg-Quartetts im Münchner Herkulessaal das Auditorium halbleer erlebte. Mozarts &#8220;Haydn-Quartette&#8221; vom Juilliard String Quartett oder Beethoven- und Schubert-Trios mit Istomin, Stern und Leonard Rose gehören zum wertvollsten seiner CD-Sammlung, das Takács-Quartett verehrt er auf Knien und das Hagen-Quartett kann er gar nicht hoch genug rühmen. Dies alles ändert aber nichts daran, dass es sich bei der Kammermusik (leider ganz ähnlich wie beim Liedgesang) um eine aussterbende Gattung innerhalb der klassischen Musik handelt.</p>
<p>Was also ist geschehen, dass jene Musikform, die gewiss die konzentrierteste, die reinste und sicher auch die ehrlichste und menschlichste ist, derart ins Hintertreffen geraten konnte?</p>
<p>Eine junge, 20-jährige Frau, die von Monteverdi bis Peter Eötvös die Kunstform Oper kennt und liebt (!), die Bruckner von Beethoven unterscheiden kann (was im untergehenden Abendland ja schon eine ganze Menge ist) und die außerdem ihrem Blüthner altersgemäß-gefühlvolle Chopinwalzer abgewinnt, diese junge Frau antwortet auf die Frage, was ihr denn zum Thema Kammermusik einfalle: verstaubte <em>Rüschenbluse</em> und spießige <em>Perlenkette</em>. Kurz: Die Kammermusik ertrinkt in ihrem eigenen Klischee.</p>
<p>Diese Kolumne ist kein Ort, die historische Herkunft der Kammermusik zu erklären. Er ist auch nicht der Ort, das Ende der Hausmusik (jene einst verlässliche Rettungsmöglichkeit der Kammermusik) als Folge eines (warum auch immer) nicht mehr existenten Bildungsbürgertums zu beklagen. Es ist hier aber durchaus der Ort, dem letzten Aufgebot des Kammermusik-Publikums selbst einiges vorzuwerfen: Warum lebt ein Großteil dieses Kammermusik-Publikums in einem selbst geschnitzten Elfenbeinturm? Warum besucht das typische Kammermusik-Publikum nur höchst selten Konzerte, in denen Mahler- oder Strauss-Sinfonien gespielt werden und warum interessiert sich ein Kammermusik-Publikum nahezu überhaupt nicht für die musikalische Kunstform der Oper? Für den eingefleischten Kammermusikliebhaber, der auf ähnlich monogame und inzestuöse Weise Musik an und in sich lässt wie es der Wagnerianer tut (nämlich mit Scheuklappen vor den Ohren) &#8211; für diesen Kammermusikfan ist beim Mendelssohn-Oktett Schluss mit üppigem Instrumentensound. Alles darüber hinaus zerstört ihm sein selbsternanntes musikalisches Reinheitsgebot und zerschmettert ihm den heiligen Ernst, mit dem er meint, dass die Kammermusik zu spielen und zu hören sei. Die Orchestrierung von Beethovens &#8220;Grosse Fuge&#8221; Opus 133 gilt jenen Puristen bereits als Sakrileg; von der Bearbeitung des Schubertschen d-Moll Streichquartetts &#8220;Der Tod und das Mädchen&#8221; durch Gustav Mahler ganz zu schweigen. &#8220;Schändung&#8221;, ruft er aus, wie er es nur noch mit gleicher Vehemenz zu tun vermag, kommt ihm Leopold Stokowskis Orchesterfassung der Beethovenschen &#8220;Mondscheinsonate&#8221; zu Ohren.</p>
<p>Wer ein typisches Kammermusikpublikum an einem typischen Kammermusikabend beobachtet, der mag denken: Es ist soviel Blut, Sinn und Sinnlichkeit in dieser herrlichen Vielfalt der Kammermusik &#8211; warum nur ist ihr Publikum meist so blutarm und so ganz ohne jeden Sinn für Sinnlichkeit? Warum wird Kammermusik von einem Publikum in Birkenstocksandalen und nicht in Louboutin-High-Heels konsumiert? Warum ist erst bei der Salonmusik wieder erlaubt, was sich in der Kammermusik streng zu verbieten scheint: Der musikalische Genuss von purer Lebenslust. Es scheinen auf das Publikum jener Zwang und jene Zwanghaftigkeit abzufärben, die drei oder vier oder fünf Menschen zusammenbringt, um ausschließlich Musik zu machen. Bei, über viele Jahre existierenden Kammermusik-Ensembles spricht man gemeinhin von einer &#8220;eheähnlichen Gemeinschaft&#8221;. Nun, dass Ehen nicht immer glücklich sind, ist ja bekannt. Die phobischen Zwänge, die in einer solchen Gemeinschaft herrschen, sie wurden niemals besser beschrieben als von Thomas Bernhard in dessen frühem Stück &#8220;Die Macht der Gewohnheit&#8221;: Fünf Menschen, aneinander gekettet in dem zwanghaften Unternehmen das Forellenquintett aufführen zu wollen, zerfleischen einander. &#8220;Wir lieben das Cello nicht. Aber es muss gespielt werden. Wir lieben das Leben nicht. Aber es muss gelebt werden.&#8221; Dieses gnadenlose System, aus dem es keinerlei Entrinnen gibt, wir finden es auch bei anderen Ensembles: Bei jenen, zu siamesichen Zwillingen gedrillten Piano-Duos zum Beispiel, oder auch bei Kaffeehaus-Trios. Und wer denkt da jetzt nicht an das wundervolle, einzigartige Farcas-Trio im schönsten und musikalischsten Hotel der Welt, dem &#8220;Waldhaus&#8221; im schweizerischen Engadin?</p>
<p>Doch, zurück zur Kammermusik. Diese intime Seele ihres jeweiligen Schöpfers und ihrer interpretierenden Künstler, sie ist als musikalische Kunst nicht massenkompatibel. Kurz: Kammermusik ist absolut nicht eventfähig. Das ist &#8211; aus musikalisch ideologischer Sicht schön &#8211; aber zugleich auch ihr Todesurteil! Deshalb an dieser Stelle ganz persönlich: Am meisten krankt die Kammermusik an ihren selbsternannten Kennern. An jenen, die meinen, es sei ganz besonders vornehm und zeuge von ganz besonders großer Kenntnis, sich Kammermusik stets mit spitz geschürztem Mündchen zu Gehör zu bringen. Sie krankt daran, dass sich ihre Hörer nicht einmal zu jenem kleinen erotischen Exzess zu bekennen trauen, zu dem Operngänger manchmal wenigstens noch fähig sind: ihr unausgelebtes Leben zu sublimieren und zu kompensieren. Ja, die Kammermusik krankt &#8211; (noch) mehr als jede andere Form der klassischen Musik &#8211; an verstaubten Perlenketten und Rüschenblusen; sie krankt an dieser emotionalen Enge und Verklemmtheit ihrer Hörer, die nirgendwo sarkastischer und besser persifliert werden kann, als im stilistisch gar nicht so unähnlichen Humor von Loriot und Christoph Marthaler. Kammermusik, sie kränkelt nicht, sie krankt &#8211; sie siecht dahin und wird sterben und zwar noch lange bevor es den Opern und Sinfoniekonzerten an den Kragen geht. Dass dies durchaus zu beklagen, ja sogar zu beweinen ist, das steht auf einem ganz anderen Blatt.</p>
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		<title>&#8220;Kammermusik ist Musik ganz nah&#8230;&#8221;</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/kammermusik-ist-musik-ganz-nah/4048</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 06:33:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Daniel Hope Die Moderatorin beharrte darauf, den Eindruck zu erwecken, dass das Publikum für Kammermusik immer weniger wird, und dass Konzerte immer seltener werden. Ich, der Pianist Sebastian Knauer und Walter Levin, ehemaliger Primarius des LaSalle Quartetts, konterten mit Beispielen aus unserem Umfeld, wo, in Europa sowie in Amerika, die Kammermusik unserer Meinung nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img class=" " title="Daniel Hope; Foto: DG" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/daniel-hope_c_dg.jpg" alt="Daniel Hope; (c) DG" width="160" height="162" /><p class="wp-caption-text">Daniel Hope; Foto: DG</p></div>
<p><em><strong>Von Daniel Hope</strong></em></p>
<p>Die Moderatorin beharrte darauf, den Eindruck zu erwecken, dass das Publikum für Kammermusik immer weniger wird, und dass Konzerte immer seltener werden. Ich, der Pianist Sebastian Knauer und Walter Levin, ehemaliger Primarius des LaSalle Quartetts, konterten mit Beispielen aus unserem Umfeld, wo, in Europa sowie in Amerika, die Kammermusik unserer Meinung nach gerade eine große Renaissance erlebt.</p>
<p>Um Menahem Pressler, meinen genialen Partner aus dem Beaux Arts Trio, zu zitieren: &#8220;Kammermusik ist eine der intimsten Sachen, die zwischen Menschen bestehen.&#8221; Zusammen haben wir über viele Jahre miterlebt, wie gerne Leute noch ein Quartett- oder Trioprogramm hören, dass es sogar für viele zu einer Art Sucht wird. Da es weniger ,Stars&#8217; in der Kammermusik, dafür so viele phantastische Musiker gibt, treten ausgezeichnete Ensembles momentan überall auf.<span id="more-4048"></span> Hinzu kommt, dass Solisten ohne das Lernen von Kammermusik, etwas sehr Wichtiges vermissen würden. Kammermusik repräsentiert die musikalischen Vitamine, die wir brauchen.</p>
<p>Als ich gerade diese Zeilen schreibe, erreicht mich die traurige Nachricht, dass David Soyer, der Cellist und Mitgründer des Guarneri Quartets, im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Somit verlieren wir noch einen der letzten musikalischen ‚Löwen&#8217;, der die Kammermusik geprägt hat. Soyer war nicht nur bekannt als Cellist, sondern auch als Lehrer. Heute, wo Meisterkurse für Kammermusik mehr und mehr gefragt sind, müssen wir viel Energie in die Unterstützung des Nachwuchses setzen. Und vor allem, bald wieder einen Kammermusikabend besuchen &#8230;</p>
<p><em>Daniel Hope ist ein britischer Weltklasse-Geiger mit irisch-deutsch-jüdischen Wurzeln.<br />
<a href="http://www.danielhope.com" target="_blank">www.danielhope.com</a></em></p>
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		<title>Die Bedeutung der Kammermusik in der Gesellschaft</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/die-bedeutung-der-kammermusik-in-der-gesellschaft/4023</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 08:49:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Commerzbank-Stiftung]]></category>
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		<description><![CDATA[Nur für Ihren Hintergrund: Anlässlich des hundertjähri-gen Bestehens der Commerzbank wurde im Jahr 1970 die Commerzbank-Stiftung gegründet. Seither fördert die Stiftung vielfältige Projekte in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und engagiert sich damit aus Tradition für das Gemeinwohl. Die Commerzbank-Stiftung versteht sich als eine hauptsächlich fördernde Stiftung, sie sucht dazu die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img title="Dagmar Ruhl; Illustration: Stefan Steitz" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/dagmar-ruhl_c_illustration-stefan-steitz.jpg" alt="Dagmar Ruhl; (c) Illustration: Stefan Steitz" width="160" height="180" /><p class="wp-caption-text">Dagmar Ruhl; Illustration: Stefan Steitz</p></div><strong>Nur für Ihren Hintergrund: Anlässlich des hundertjähri-gen Bestehens der Commerzbank wurde im Jahr 1970 die Commerzbank-Stiftung gegründet.</strong></p>
<p>Seither fördert die Stiftung vielfältige Projekte in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und engagiert sich damit aus Tradition für das Gemeinwohl. Die Commerzbank-Stiftung versteht sich als eine hauptsächlich fördernde Stiftung, sie sucht dazu die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Einrichtungen und Institutionen, deren Aktivitäten bundesweit ausstrahlen. Die jeweilige Projektauswahl erfolgt neutral und unabhängig durch das Kuratorium.</p>
<p>Seit Beginn meiner Tätigkeit für die Stiftung schätze ich die unterschiedlichen Bereiche, die von ihr gefördert werden. Dazu gehören zum Beispiel im Sektor Bildung die Unterstützung der Frankfurter School of Finance durch die Initiierung einer Stiftungsprofessur. Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt im Bereich des sozialen Engagements. So fördert die Stiftung unter anderem Projekte der Deutschen Welthungerhilfe und der Josefs Gesellschaft.<span id="more-4023"></span> Durch die Unterstützung ausgewiesener Einrichtungen und Initiativen, die Aufgaben im wissenschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich übernehmen, wird ein nachhaltiger Beitrag für die Gesellschaft geleistet.</p>
<p>Aber nun zur Musik: Seit über 30 Jahren ist die Stiftung auch in der Musikförderung tätig, wobei der hochbegabte, musikalische Nachwuchs besonders gefördert wird. So unterstützt die Commerzbank-Stiftung die Deutsche Stiftung Musikleben seit deren Gründung und begleitet damit hochbegabte Musiker zwischen 12 und 30 Jahren langfristig und individuell auf ihrem Weg in die Konzertsäle Deutschlands und der Welt. In der Tradition, talentierte Nachwuchsmusiker anzuspornen und zu fördern steht der 2008 ins Leben gerufene Commerzbank-Kammermusikpreis. Ich stehe mit meiner Meinung sicher nicht allein, dass die Kammermusik heutzutage &#8211; im Hinblick auf ihre Besucherzahlen &#8211; keinen leichten Stand hat. Die feine Kammermusik muss deshalb gepflegt werden, sie muss an die nächsten Generationen weitergegeben und vermittelt werden.</p>
<p>Für den künstlerischen Leiter des Wettbewerbs, Prof. Michael Sanderling, steht bei der Kammermusik die Fähigkeit zum &#8220;wir&#8221; im Vordergrund. In dem Zusammenwirken der Künstler muss eine Anerkennung und Wertschätzung von geistiger und emotionaler Durchdringung, Verflechtung, Verschmelzung und Ergebenheit gegenüber stehen, ohne die Kammermusik nicht funktioniert. Im Zeitalter der Individualmedien, in dem zwar jeder mit der Welt verbunden ist, die dabei entstehenden Gefühle und Regungen dann aber nur mit sich selber ausgelebt werden können, sollte das miteinander &#8220;erleben&#8221; und &#8220;schöpfen&#8221; einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Die kleinste und intimste Form des miteinander Musik erleben ist dabei doch die Kammermusik. Somit also sozialisiert (Kammer)-Musik. Dieser Gedanke knüpft an den Sinn der Stiftung an, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.</p>
<p>Für mich bedeutet dies, dass der Wettbewerb dazu dienen möchte, der Kammermusik ihren verdienten Stellenwert in der Musik zu geben. Die Einbeziehung zeitgenössischer Werke im Wettbewerbsprogramm stellt darüber hinaus einen wichtigen Bezug zu den Anforderungen des heutigen Musiklebens dar, in der die Werke lebender Komponisten zum Standard eines modernen Konzertprogramms gehören. Dieser Aspekt wird, neben der Förderung junger, talentierter Musiker, auch bei der zweiten Ausschreibung des Internationalen Commerzbank-Kammermusikpreises für 2010 im Mittelpunkt stehen. Die Kooperationen mit der Alten Oper Frankfurt und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main unterstreichen die Bedeutung des Kammermusikpreises.</p>
<p>PS: Als Kulturpartner konnte in diesem Jahr immerhin der Sender hr2 Kultur gewonnen werden. Wenn man die aktuelle Entwicklung im Stiftungswesen in Deutschland betrachtet, stelle ich fest, dass die Anzahl der Stiftungen wächst. Das macht Mut und motiviert auch uns.</p>
<p><em>Dr. Dagmar Ruhl absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften an der Fachhochschule Mainz, das sie als Diplom-Betriebswirtin abschloss. Seit 1992 ist Frau Ruhl Mitarbeiterin der Commerzbank AG. 2006 wurde sie zur Geschäftsführerin der Commerzbank-Stiftung berufen. Ebenso obliegt ihr die Geschäftsführung von vier rechtlich selbständigen mildtätigen Sozialstiftungen, die der Commerzbank nahe stehen.</em></p>
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		<title>&#8220;Die Kritik ist hier härter&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 22:39:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[Neue CD, alte argentinische Lebensfreude. Ein Gespräch mit Sol Gabetta über Selbstzweifel, Jacqueline du Pré und ihr seltenes Cello, das manchmal auch Probleme bereitet. Von Teresa Pieschacón Raphael crescendo: Guten Morgen Frau Gabetta, es ist 9:30 und grau, aber Sie strahlen, als würde die Sonne scheinen! Sol Gabetta: (Lachen). Immer diese Geschichte um meinen Vornamen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img title="Sol Gabetta im Wohnzimmer; Foto: Marco Borggreve" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/sol-gabetta-im-wohnzimmer_c_marco-borggreve.jpg" alt="Sol Gabetta im Wohnzimmer; (c) Marco Borggreve" width="180" height="270" /><p class="wp-caption-text">Sol Gabetta im Wohnzimmer; Foto: Marco Borggreve</p></div>
<p><strong>Neue CD, alte argentinische Lebensfreude. Ein Gespräch mit Sol Gabetta über Selbstzweifel, Jacqueline du Pré und ihr seltenes Cello, das manchmal auch Probleme bereitet.</strong></p>
<p><strong><em>Von Teresa Pieschacón Raphael</em></strong></p>
<p><em>crescendo: Guten Morgen Frau Gabetta, es ist 9:30 und grau, aber Sie strahlen, als würde die Sonne scheinen!</em></p>
<p><strong>Sol Gabetta:</strong> (Lachen). Immer diese Geschichte um meinen Vornamen Sol! Es ist wirklich kein Marketinggag, ich heiße so. Ja, ich habe Temperament, bin aber auch sehr bodenständig. Viele sagen mir: Wenn man dich kennenlernt, wirkst Du wie eine Bombe, aber wenn man Dich näher kennt, spürt man, dass Du vieles analysierst. Mein Leben ist viel verplanter als man glaubt.</p>
<p><em>crescendo: Besonders seitdem es mit Ihrer Kariere so rasant voranging &#8230;</em><span id="more-4039"></span></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Gerade komme ich aus Spanien von einem Konzert zurück. Ich habe etwa 250 Konzerte pro Jahr, wobei die Qualität wichtiger als die Anzahl ist; Ich kann heute Stücke auswählen und damit auch über meine persönliche künstlerische Entwicklung bestimmen. Dennoch hat man immer das Gefühl, dass man von Null anfängt.</p>
<p><em>crescendo: Jetzt sind Sie aber hart zu sich selbst &#8230;</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> In Argentinien heißt es: &#8220;Was willst Du sein: der Kopf des Löwen oder die Ratte am Schwanz des Löwen?&#8221; Das klingt einfacher als es ist. Denn wenn Du der Schwanz bist, bist Du zugleich der Kopf der Ratte. In Argentinien mag man sehr glücklich sein, der Kopf der Ratte zu sein, in Europa bedeutet das aber, dass man der Schwanz des Löwen ist. Die Kritik ist hier härter.</p>
<p><em>crescendo: Also hier werden Sie jedenfalls sehr viel gelobt!</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Ja, nur ich bin sehr selbstkritisch, fast nie zufrieden. Andererseits: Es ist schon gut so. Ansonsten wäre ich nur unglücklich, das wäre sehr destruktiv. Es ist gut zu wissen, dass man es noch besser könnte. Wir dürfen nicht vergessen: Für uns mag es das tausendste Konzert sein, das Publikum erlebt uns aber zum ersten Mal! Und so muss es klingen.</p>
<p><em>crescendo: Ihr Kollege Daniel Müller-Schott sagt, er sei froh, ein männlicher Cellist zu sein, denn dann werde man nicht von der Marketingmaschine so vereinnahmt.</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Ach, er ist ein hübscher Junge, er braucht darunter nicht zu leiden. Eine Frau mag zunächst leichter zu vermarkten sein, dann aber muss auch sie sich beweisen. Ich leide nicht darunter, man muss einfach klug reagieren. Ich habe gelernt, mich richtig zu präsentieren und mal Nein zu sagen. Die Fotos sind das, was das Publikum von uns sieht, die Persönlichkeit darf nicht dahinter verschwinden. Einige wollten mich als eine zweite Jacqueline du Pré verkaufen &#8230;</p>
<p><em>crescendo: Auf Ihrer jüngsten CD spielen Sie das Cello-Konzert von Elgar, das Madame du Pré so berühmt machte &#8230;</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Ja, es heißt ja immer Jacqueline du Pré gehöre Elgar. Ich respektiere und bin beeindruckt von ihrer Aufnahme, sie spielte es sehr emotional, sehr vehement, wunderbar. Aber wenn man in die Noten schaut, komme ich zu einem anderen Schluss. Elgar ist minimalistisch, an vielen Stellen sehr introvertiert, selten ein forte, dafür dreifaches Piano bis hin zum Mezzzoforte. Jacqueline du Pré hatte ein ganz anderes Leben als ich, wurde schwer krank. Schon deshalb spiele ich es anders. Ich bin zurückhaltender, introvertierter, für mich ist das Konzert eher Kammermusik.</p>
<p><em>crescendo: Hängt Expressivität mit guter Gesundheit zusammen?</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Ich habe einmal mit 40 Fieber gespielt, mein erstes Konzert im Teatro Colón und es war mein bestes Konzert. Es gibt irgendetwas in uns, das uns die Kraft gibt. Ich musste kämpfen und vielleicht hat sich dieser Wille in diesem Moment ganz besonders gezeigt.</p>
<p><em>crescendo: Wie geht es Ihrem wunderbaren Guadagnini &#8211; Cello von 1759? Alban Gerhardt wurde sein Guadagnini-Cello gestohlen, Yo Yo Ma vergaß sein Montagna-Cello im Taxi &#8230;</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> (Lachen) Gut! Es geht ihm gut. Es liegt ja auch hier. Kürzlich in Venedig am Flughafen vor der Kontrolle zählte ich mal wieder meine Koffer, die ich für mein Cello, den Computer, das Kleid usw. habe. Wir waren alle so müde. Plötzlich war das Cello nicht mehr da. Was für ein Schreck! Dann fand ich es wieder. Man erlebt einiges. Bei der Kontrolle fragten sie mich mal: &#8220;Haben Sie ein Dokument über dieses Cello?&#8221; Worauf mein Bruder antwortete: &#8220;Haben Sie ein Papier von Ihren Socken?&#8221;</p>
<p><em>crescendo: An Ihrem Wohnort, im aargauischem Olsberg, haben Sie das Solsberg Festival gegründet. Warum eigentlich?</em></p>
<p><strong>Gabetta:</strong> Mein Freund und ich haben uns dort ein wunderbares Haus gekauft, das war eine sehr große Investition, eine der besten meines Lebens. Die Bank gab mir damals mit 23 Jahren einen Kredit, obwohl ich nicht so bekannt war, nicht verheiratet und zudem Ausländerin, die damals eigentlich in der Schweiz nicht kaufen durfte. Der Kanton Aargau hat mich sehr unterstützt, auch mit unserem Festival. Da kulturell vieles von den Kantonen Basel und Zürich abgedeckt wird, und Aargau wenig hatte, kamen wir genau im richtigen Moment mit unserem Festival. Wir hatten zunächst nur an ein Wochenende gedacht, doch immer mehr Leute bekamen keine Karten, so dass wir es verlängert haben. Wir sind sehr glücklich damit.</p>
<p>Das 5. Solsberg-Festival findet an drei Wochenenden im Juni statt.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img title="CD Sol Gabetta: &quot;Elgars Cello Concerto&quot;; (c) RCA" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/sol-gabetta_elgars-cello-concerto_c_rca.jpg" alt="CD Sol Gabetta: Elgars Cello Concerto; (c) RCA" width="120" height="119" /><p class="wp-caption-text">CD Sol Gabetta: &quot;Elgars Cello Concerto&quot;; (c) RCA</p></div>
<p>Auf CD ist soeben Sol Gabettas Einspielung von Elgars Cello Concerto bei RCA Red Seal erschienen.</p>
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		<item>
		<title>Betreff: &#8220;musica in camera&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 22:57:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[crescendo 2010-02]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[crescendo]]></category>
		<category><![CDATA[Kammermusik]]></category>
		<category><![CDATA[Klassik-Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitschrift]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Stiftung der Berliner Philharmoniker unter dem Motto &#8220;Komponisten privat&#8221; eine Plakataktion für ihre Kammermusikreihe präsentiert. Sie hatten die Zeit zumindest auf dem Papier zurückgedreht und man sah Bach beim Abspülen, Mozart beim Zähneputzen oder Beethoven beim Rasieren. Ich fand das großartig! Was für eine schöne Idee, einem neuen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img title="Titelbild crescendo-Ausgabe 2/2010; (c) Port Media GmbH" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/titelbild-crescendo-2_2010_c_port-media-gmbh.jpg" alt="Titelbild crescendo-Ausgabe 2/2010; (c) Port Media GmbH" width="200" height="272" /><p class="wp-caption-text">Titelbild crescendo-Ausgabe 2/2010; (c) Port Media GmbH</p></div>
<p><strong>Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Stiftung der Berliner Philharmoniker unter dem Motto &#8220;Komponisten privat&#8221; eine Plakataktion für ihre Kammermusikreihe präsentiert. Sie hatten die Zeit zumindest auf dem Papier zurückgedreht und man sah Bach beim Abspülen, Mozart beim Zähneputzen oder Beethoven beim Rasieren. Ich fand das großartig!</strong></p>
<p>Was für eine schöne Idee, einem neuen Publikum das Besondere der Kammermusik zu vermitteln: Nicht im Öffentlichen Raum, in der Kirche oder im Theater, spielte sie sich ab, sondern in der &#8220;camera&#8221;, dem einst höfisch aristokratischen Salon. Ganz nah dran, privat, unmittelbar &#8211; und oft sogar vom Komponisten selbst gespielt. Oder vom Hausherrn. Oder sogar beiden zusammen!</p>
<p>Bis in die 1930er Jahre gehörten die schönen Künste und auch die Kammermusik zu den Selbstverständlichkeiten privaten und gesellschaftlichen Lebens.<span id="more-4011"></span> Da wäre ich ehrlich gesagt gerne dabei gewesen, in den großbürgerlichen Salons, wo gemeinsam musiziert, philosophiert und debattiert wurde. Eine Tradition, die wir vielleicht sogar wieder aufleben lassen sollten! Für mich war Kammermusik schon immer eine der reinsten Formen, sich gemeinsam über die Musik auszutauschen.</p>
<p>Klar, inzwischen hat sich die Welt weitergedreht und verändert. Das alte Bildungsbürgertum ist dahin, ging unter in Zeiten von Rationalisierung und dem Streben nach materiellem Komfort und Bequemlichkeit. Wenn wir Musik hören wollen, müssen wir keinen Musiker mehr einladen oder selbst zum Instrument greifen, nein: Wir legen eine CD ein, so einfach ist das. Wahrscheinlich zu einfach. Oder wie Nikolaus Harnoncourt es einmal ausdrückte: &#8220;Wir streben nur nach dem Nützlichen, nicht aber nach dem Sinnvollen&#8221;.</p>
<p>Es gibt mit Sicherheit viele Gründe, die Kammermusik in einem modernen Magazin NICHT zu einem Schwerpunktthema zu machen. Ich denke da an das angestaubte Image dieses Musikgenres, über das sich unser Kolumnist Pascal Morché in seiner unnachahmlichen Art und Weise erheitert. Sein zweiseitiges Werk &#8220;Die Vermessung der Rüschenbluse&#8221; lesen Sie unter <a href="http://www.crescendo.de/blog/die-vermessung-der-ruschenbluse/4010" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">www.crescendo.de/blog/die-vermessung-der-ruschenbluse</span></a></p>
<p>Motiviert von solchen Diskussionen haben wir uns ganz bewusst entschieden, die Kammermusik auf eine Stufe mit der Oper und den großen Sinfoniekonzerten zu stellen: Denn das Image sollte nie mehr Bedeutung haben als die Wahrheit.</p>
<p>Tatsächlich findet das Neue und Ungehörte &#8211; ob von Schönberg, Ligeti, Stockhausen, Rihm oder Lachenmann &#8211; zum überwiegenden Teil in kleinen Besetzungen statt, wie beispielsweise beim Ensemble Modern, das Kompositionen oftmals selbst in Auftrag gibt und &#8211; nebenbei bemerkt &#8211; dieser Tage seinen 30-jährigen Geburtstag feiert. Wir gratulieren!</p>
<p>Auf der Wunschliste unserer Interviewpartner stand ganz oben Peter Ruzicka. Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass unser Autor Burkhard Schäfer den Komponisten, promovierten Juristen, Intendanten und langjährigen künstlerischen Leiter der Salzburger Festspiele und der Münchener Biennale ganz spontan zu Hause in Hamburg besuchen durfte. Das Multitalent Ruzicka ist für mich einer der einflussreichsten und klügsten Vertreter der Neuen Musik. Das Streichquartett ist für ihn etwas ganz persönliches, ein &#8220;Klangraum&#8221; für besondere innere Konzentration. Seine sechs Streichquartette, die er über einen Zeitraum von 40 Jahren schuf, sind sein musikalisches Tagebuch.</p>
<p>Auch unser zweiter Kolumnist Daniel Hope (er schreibt regelmäßig auf der letzten Seite in crescendo) gehört selbst in die Riege der großen Kammermusiker: Hope gehörte lange Jahre dem Beaux Arts Trio an, das sich 2008 leider auflöste. Als Hope seine Kolumne textete, erreichte ihn (wie uns auch) leider die tragische Nachricht, dass der Cellist und Gründer des Guarneri Quartets David Soyer verstorben ist.</p>
<p>Peter Rieckhoff von OehmsClassics beschrieb unserer Autorin Teresa Pieschacón Raphael seinen Eindruck von einem der letzten Konzerte des Guarneri Quartets einmal mit den Worten: &#8220;Leuchtende Augen bei Besuchern, die etwas von dem Geheimnis der vier Herren erspürt hatten. Kammermusik ist ja immer ein inneres, eigene Empfindungen reflektierendes Erlebnis, die reinste Form musikalischer Wahrhaftigkeit.&#8221; Jeder wird das bestätigen können, der schon einmal einen Kammermusikabend besuchte, der mit Ohr und Auge das Wetteifern und Ringen der Musiker um den wahren Ausdruck erlebte.</p>
<p>Auch Daniel Hope glaubt trotz der sich mehrenden Auflösungen von Ensembles (neben dem Beaux Arts hat sich auch das Alban Berg Quartett verabschiedet) weiter an den Erfolg der Kammermusik: Er sieht sie als die &#8220;musikalischen Vitamine, die wir brauchen&#8221; und freut sich über die vielen frischen und jungen Ensembles. Zum Beispiel auch das Fauré Quartett, das wir ebenfalls für die neue Ausgabe treffen durften. Kollegin Antoinette Schmelter de Escobar besuchte die vier sympathischen Musiker bei einem ihrer Konzerte in Stuttgart und erlebte eine sehr homogene, aber auch disziplinierte Gemeinschaft von Musikern, die ihre Leidenschaft für die Musik Tag für Tag aufs Neue zusammenschweißt.</p>
<p>Herzlichst, Ihr<br />
Winfried Hanuschik</p>
<p><em>PS: Rolando Villazón ist wieder da: Am 22. März in Wien mit dem Nemorino. Dann in Zürich (&#8220;Traviata&#8221;), Paris (Recital mit Hélène Grimaud) und Baden-Baden (Händel). Es wird ein guter Sommer!</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hier darf jeder ein Maestro sein!</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/hier-darf-jeder-ein-maestro-sein/4044</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 07:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Orchester]]></category>
		<category><![CDATA[Workshop]]></category>

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		<description><![CDATA[Welcher Klassik-Freund hat nicht schon einmal davon geträumt, ein richtiges Sinfonieorchester zu dirigieren? Der Workshop &#8220;Dirigieren &#038; Führen&#8221; erfüllt diesen Traum &#8211; und verspricht &#8220;Inspiration für Manager und Führungskräfte&#8221;. Der &#8220;Selbst-versuch&#8221; zeigt: Das ist fast noch untertrieben &#8230; Von Burkhard Schäfer &#8220;Stille Beobachter haben wir nicht so gerne&#8221;, erklärte Professor Manfred Harnischfeger am Telefon. &#8220;Wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img title="Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/workshop-dirigieren-fuehren_foto_robertbeske.jpg" alt="Workshop “Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" width="200" height="127" /><p class="wp-caption-text">Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske</p></div>
<p><strong>Welcher Klassik-Freund hat nicht schon einmal davon geträumt, ein richtiges Sinfonieorchester zu dirigieren? Der Workshop &#8220;Dirigieren &#038; Führen&#8221; erfüllt diesen Traum &#8211; und verspricht &#8220;Inspiration für Manager und Führungskräfte&#8221;. Der &#8220;Selbst-versuch&#8221; zeigt: Das ist fast noch untertrieben &#8230;</strong></p>
<p><strong><em>Von Burkhard Schäfer</em></strong></p>
<p>&#8220;Stille Beobachter haben wir nicht so gerne&#8221;, erklärte Professor Manfred Harnischfeger am Telefon. &#8220;Wenn Sie über ‚Dirigieren &amp; Führen&#8217; berichten möchten, müssen Sie auch am Kurs teilnehmen und mitdirigieren. Alles andere würde die Gruppe nur irritieren.&#8221; Der das sagt, muss es wissen. Harnischfeger ist ein erfahrener Kommunikations- und Medienexperte (wenn man es genau nimmt, war er unter anderem Chefkommunikator des größten deutschen Medienkonzerns: Bertelsmann). Harnischfeger hat das Konzept von &#8220;Dirigieren &amp; Führen&#8221; entwickelt und ist neben Professor Gernot Schulz, dem langjährigen Berliner Philharmoniker, Musikpädagogen und eigentlichen musikalischen Leiter des Kurses, der zweite Dozent dieses Experiments.<span id="more-4044"></span></p>
<p>Die Idee der Veranstaltung ist einfach: Wer ein ganzes Unternehmen oder zumindest eine Gruppe von Menschen leiten möchte, benötigt dafür ähnliche Schlüsselqualifikationen wie jemand, der einem Orchester die Richtung geben will. &#8220;Dirigieren ist vielleicht die subtilste Möglichkeit, seine eigenen Führungsqualitäten zu erkennen, weil man die Impulse, die man als Maestro in Richtung des Orchesters aussendet, unmittelbar von den Musikern zurückgespiegelt bekommt&#8221;, sagt Schulz. Und er fügt hinzu: &#8220;Es ist genau dieser kommunikative Aspekt, der die zwei Bereiche Dirigieren und Führen in ein geradezu harmonisches Verhältnis miteinander setzt.&#8221;</p>
<p>Derart vorbreitet, betrete ich das Foyer der berühmten Berliner Philharmonie. Die fünf männlichen und drei weiblichen Kurs-Teilnehmer sitzen im Halbkreis. Schulz erklärt, wo die Gemeinsamkeiten zwischen einem Orchester und einem Unternehmen liegen. Die Wirtschaft spricht nicht zufällig von &#8220;konzertierten Marketing-Aktionen oder dem &#8220;Orchestrieren ganzer Geschäftsprozesse.&#8221; Beide Institutionen &#8211; Firmen wie Orchester &#8211; benötigen eine professionelle Führungskraft, um ein gutes Produkt beziehungsweise eine gute Dienstleistung abzuliefern. Mitarbeiter müssen selbstkritisch, beharrlich und motiviert sein, doziert Schulz. Aber ergibt das schon ein gutes Team? Nein, eine Gemeinschaft soll entstehen. Es sei die emotionale Ebene im Orchester, ergänzt Harnischfeger, die den Unterschied zu vielen Firmen ausmache, also die bedingungslose Hingabe und Begeisterung für die Musik. Genau hier zeige sich die Qualität des Dirigenten, der es verstehen müsse, den ausführenden Musikern seine Sichtweise des Werkes zu vermitteln und dies mit dem vollen Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit &#8211; über die Körper- und Zeichensprache bis hin zu den kleinsten Gesten. Im Idealfall setzen sich die Impulse, die der Dirigent aussendet, wie Wogen im Kornfeld durch das ganze Orchester fort. So wie ein Geschäftsführer die Struktur der Firma und ihre Hierarchien kennen muss, sollte der Dirigent wissen, wo der Konzertmeister, die Stimmführer und die einzelnen Instrumente sitzen, um den Orchester-Apparat leiten zu können.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img title="Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/workshop-dirigieren-fuehren_c_robertbeske3.jpg" alt="Workshop “Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" width="180" height="120" /><p class="wp-caption-text">Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske</p></div>
<p>Mit diesem Wissen ausgerüstet, geht es ans praktische Arbeiten. Was auf den ausgeteilten Blättern und bei den Profis so einfach aussieht, entpuppt sich bei der Stab-Übergabe an die Probanden als ein vertracktes Bewegungsmuster, das auf Anhieb gar nicht so leicht nachzumachen ist.<br />
Unsere Aufgabe besteht darin, einen Pianisten zu dirigieren, der die Klaviertranskriptionen bekannter Werke wie etwa der &#8220;Unvollendeten&#8221; von Schubert genau so zum Besten gibt, wie sie ihm von uns vorgewedelt werden. Nun: Die Ergebnisse klingen bei jedem von uns anders.</p>
<p>Am Abend steht der gemeinsame Besuch eines Konzertes mit den Berliner Philharmonikern auf der Agenda. Sir Simon Rattle dirigiert Werke von Ligeti, Beethoven und Sibelius, und alle Teilnehmer des Workshops sitzen hinter dem Orchester. So erleben wir Sir Simon von vorn und können sein Dirigat eingehend studieren. Tatsächlich sehen viele von uns zum ersten Mal bewusst, welchen Sinn die Bewegungsabläufe haben.</p>
<p>Am nächsten Morgen treffen wir uns zum &#8220;Tag der Entscheidung&#8221; vor dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie wieder. Die Stimmung unter den Teilnehmern ist gelöster als noch am Tag zuvor &#8211; kein Wunder, haben wir doch bei den gestrigen Dirigierversuchen vor dem Pianisten schon einen Teil unserer Persönlichkeit zu erkennen gegeben.</p>
<p>Bevor es an die eigentlichen Werke von Mendelssohn, Brahms und Schubert geht, beginnen wir mit der C-Dur-Tonleiter: Linke Hand heben: Crescendo. Senken: Decrescendo. Arm zu Seite bewegen und Faust mit einer raschen Greifbewegung ballen: Akkord beenden. Eigentlich könnte man den Tag damit verbringen, dieser Tonleiter ihre unerschöpflichen interpretatorischen Möglichkeiten abzulauschen, aber die Zeit drängt. Brahms &amp; Co. warten darauf, von uns gespielt zu werden. Jetzt kribbelt in jedem echtes Lampenfieber.</p>
<p>Los geht es mit dem Beginn der &#8220;Unvollendeten&#8221; von Schubert. Schulz zeigt noch einmal, wie es richtig ist &#8211; und es ist förmlich mit Händen zu greifen, wie intensiv diese todtraurige Musik auf uns Adepten wirkt, die wir mitten zwischen den &#8220;Berliner Jungen Sinfonikern&#8221; sitzen und die Musik so buchstäblich aus einer &#8220;unerhörten&#8221; Perspektive wahrnehmen. Nach ein paar Takten bricht der Maestro ab und übergibt die Stabgewalt an uns. Viele von uns scheitern nur daran, den richtigen Blickkontakt aufzubauen oder Takt zu halten. Auch ich verhaspele mich, finde nicht in den Rhythmus und werde nervös. Das Orchester reagiert wie ein Seismograph und meldet diese &#8220;Erschütterungen&#8221; sofort mit &#8220;falschem&#8221; Spiel. Diese negative Rückkopplung führt dazu, dass ich noch mehr aus dem Tritt komme und vollends den Faden verliere. Glücklicherweise bricht Schulz ab. Die Bezeichnung &#8220;Unvollendete&#8221; bekommt einen unfreiwillig komischen Nebensinn.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img title="Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/workshop-dirigieren-fuehren_c_robertbeske2.jpg" alt="Workshop “Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske" width="180" height="112" /><p class="wp-caption-text">Workshop &quot;Dirigieren &amp; Führen”; Foto: Robert Beske</p></div>
<p>Nach einer Verschnaufpause dürfen wir wählen, welches der fünf zur Auswahl stehenden Werke wir dirigieren wollen. Die kreative Unterbrechung zeigt Wirkung: Sei es, dass das Lampenfieber zurückgegangen ist oder Hemmschwellen gesunken sind &#8211; die Resultate können sich jetzt schon viel eher hören lassen. Als die Reihe an mir ist, entscheide ich mich für den &#8220;Ungarischen Tanz Nr. 5&#8243; von Brahms. Es klappt &#8211; wie von Zauberhand: Der Auftakt stimmt, ich finde in den Rhythmus und schaffe es, das Orchester &#8220;mitzunehmen&#8221; und von meiner Tempi-Gestaltung zu überzeugen. Ein großes Glücksgefühl beginnt meinen ganzen Körper zu durchströmen, aber die Endorphine benebeln den Geist nicht, sondern schärfen ihn. Ich spüre, wie meine Bewegungen zugleich gelöster und konzentrierter werden. Die Musiker &#8220;antworten&#8221; darauf mit noch besserem Spiel. Und so erfahre ich am eigenen Leib: Intensiver als durch eine gelingende &#8220;Klangrede&#8221; und ein geglücktes &#8220;Wechselgespräch&#8221; zwischen Dirigent und Orchester lässt sich Kommunikation nicht erleben.</p>
<p>Später treffen wir uns zum letzten Programmpunkt &#8220;Austausch von Eindrücken und Erfahrungen&#8221;. Die Euphorie wirkt spürbar nach. Alle Teilnehmer sind begeistert. Jemand versteigt sich sogar zu der Bemerkung, man könne sich nach diesem Workshop den Psychologen sparen, weil das Orchester ein besseres und sensibleres Gegenüber als viele Therapeuten sei und Persönlichkeitssignale viel unmittelbarer zurückspiegele. Schulz und Harnischfeger können zufrieden sein &#8211; und sind es auch, ihr Konzept ist mehr als aufgegangen. Zum Abschied drückt uns Professor Schulz einen originalen Rohema-Dirigierstab in die Hand &#8211; &#8220;damit Sie den Workshop in Erinnerung behalten&#8221;. Als ob man ein solches Erlebnis je vergessen könnte!</p>
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		<title>Augsburger Mozartfest 2010: Entdeckungen &amp; große Namen</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 22:47:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Augsburger Mozartfest 2010 feiert Mozarts Italien in all seinen Facetten. Von Georg Rudiger Italien war nicht nur für Johann Wolfgang von Goethe das &#8220;Land, wo die Zitronen blühen&#8221;. Auch Wolfgang Amadeus Mozart fühlte sich sehr zum südlichen Nachbarland hingezogen und besuchte es zwischen 1769 und 1773 dreimal auf langen Reisen. Das Augsburger Mozartfest widmet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img title="Simone Kermes; Foto: Andreas Dommenz" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/simone-kermes-c-andreasdommenz.jpg" alt="Simone Kermes; (c) Andreas Dommenz" width="180" height="237" /><p class="wp-caption-text">Simone Kermes; Foto: Andreas Dommenz</p></div>
<p><strong>Das Augsburger Mozartfest 2010 feiert Mozarts Italien in all seinen Facetten.</strong></p>
<p><strong><em>Von Georg Rudiger</em></strong></p>
<p>Italien war nicht nur für Johann Wolfgang von Goethe das &#8220;Land, wo die Zitronen blühen&#8221;. Auch Wolfgang Amadeus Mozart fühlte sich sehr zum südlichen Nachbarland hingezogen und besuchte es zwischen 1769 und 1773 dreimal auf langen Reisen. Das Augsburger Mozartfest widmet sich vom 7. bis 16. Mai ganz dem Thema &#8220;Mozart und Italien&#8221;. Und konnte dafür sogar Claudio Abbado als Schirmherren gewinnen.</p>
<p>Beim von der Europäischen Union geförderten, länderüber-greifenden Projekt &#8220;Mozart und Italien&#8221; arbeitete die Stadt Augsburg mit Mailand/Bologna und dem King&#8217;s College London zusammen.<span id="more-4028"></span> Das zehntägige Programm, das Kulturamtsleiter Thomas Weitzel für das Augsburger Mozartfest zusammenstellte, setzt auf einige große Namen, viele Entdeckungen und eine enorme Bandbreite.</p>
<p>Das festliche, mit BR-Klassik koproduzierte Eröffnungskonzert des Münchner Rundfunkorchesters (Leitung: Marco Armiliato, 7. Mai, 20 Uhr) im Goldenen Saal des Rathauses wirft ein helles Licht auf den jungen Mozart.</p>
<p>Neben zwei frühen Sinfonien werden Auszüge aus seiner 1770 in Mailand uraufgeführten Opera seria &#8220;Mitridate, Re di Ponto&#8221; zu hören sein. Für die Gesangspartien haben die Augsburger mit Simone Kermes und Fernando Portari zwei echte Stars verpflichten können. Die deutsche, in Leipzig geborene Sängerin gehört im Augenblick zu den gefragtesten dramatischen Koloratursopranistinnen weltweit und ist eine Spezialistin für Opern des 18. Jahrhunderts. Der brasilianische Tenor Fernando Portari wurde in Deutschland schlagartig bekannt, als er vor drei Jahren an der Berliner Staatsoper für den erkrankten Rolando Villazón in &#8220;Manon Lescaut&#8221; einsprang und an der Seite Anna Netrebkos einen hervorragenden Eindruck hinterließ. Mit der vom Festival in Auftrag gegebenen &#8220;Sinfonia Terza&#8221; von Alessandro Solbiati (geb. 1956) bietet das Eröffnungskonzert auch eine Uraufführung und zeigt somit gleich zu Beginn, dass auch die Zeitgenössische Musik in Augsburg ihren Platz gefunden hat.</p>
<p>Ein weiteres Auftragswerk ist das Orchesterwerk &#8220;Capella Sistina&#8221; von Wilfried Hiller (geb. 1941), das beim Konzert des Philharmonischen Orchesters Augsburg unter der Leitung von Kevin John Edusei am 10. Mai erstmals gespielt wird. Schließlich ist am letzten Festivaltag als deutsche Erstaufführung Bernhard Langs 2006 entstandenes Musiktheater &#8220;I hate Mozart&#8221; zu hören, das Mozartzitate mit HipHop und Minimal Music kombiniert und eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass Neue Musik nicht dröge daherkommen muss.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img title="Augsburger Domsingknaben; Foto: Anton Fuchs" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/augsburgerdomsingknaben_c_anton-fuchs.jpg" alt="Augsburger Domsingknaben; (c) Anton Fuchs" width="200" height="152" /><p class="wp-caption-text">Augsburger Domsingknaben; Foto: Anton Fuchs</p></div>
<p>Mit dem &#8220;Gloria in Excelsis&#8221; von Lorenzo Maria Petronio Gibelli, der Mozart 1770 für die Aufnahme in die Accademia Filarmonica in Kontrapunktstudien geprüft hatte, wird am 9. Mai eine gänzlich unbekannte Komposition wieder ausgegraben und mit den Augsburger Domsingknaben aufgeführt. Mozarts Prüfungswerke werden vom gleichen Chor einen Tag zuvor im Dom interpretiert.</p>
<p>Ein besonderes Highlight ist der Konzertabend der Bayerischen Kammerphilharmonie mit der bekannten Geigerin Mirijam Contzen unter der Leitung des Alte-Musik-Experten Reinhard Goebel (15. Mai). Zu hören sind Violinkonzerte von Franz La Motte und Thomas Linley.</p>
<p>Aber auch Liebhaber der Kammermusik dürfen sich freuen. In den kostenlosen Mittagskonzerten an verschiedenen Orten sind &#8211; mit dem Werner-Egk-Quartett am 7. Mai, dem Diogenes Quartett am 12. und dem Quartetto cordiale am 13. Mai &#8211; Streichquartette von Mozart, aber auch Donizetti und Cherubini zu hören. Viele andere Formationen wie Brass Pur, die Accademia per Musica (beide 8. Mai), Studierende der Klarinettenklasse des Leopold-Mozart Zentrums (9. Mai) oder das Ensemble &#8220;Brücke&#8221; (Flöte, Cello, Klavier, Gesang. 15. Mai) widmen sich den Werken Mozarts und seiner Zeitgenossen.</p>
<p>Eine ganze Stadt wird zum Klingen gebracht. Und in der begleitenden Ausstellung im Schaezler-Palais kann man sich auch mit eigenen Augen ein Bild von Mozart machen, da dort eines der ganz wenigen Porträts, gemalt von Josef Hickel, zu sehen ist.</p>
<p><strong>Augsburger Mozartfest vom 7. bis 16. Mai 2010</strong></p>
<p>Informationen und Kartenservice:<br />
Tel.: +49-(0)821-3244900, Fax: +49-(0)821-3244517<br />
<a href="http://www.mozartstadt.de" target="_blank">www.mozartstadt.de</a></p>
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		<title>Anne-Sophie Mutter: Uraufführung, CD und Film!</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 19:51:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[crescendo 2010-02]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutsche Grammophon]]></category>
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		<category><![CDATA[Violinistin]]></category>

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		<description><![CDATA[Zehn Thesen, warum wir Anne-Sophie Mutter in diesem Jahr nicht entkommen werden (&#8230; was wir auch gar nicht wollen). Von Carolin Pirich Aufnahmen Liest diesen Text hier jemand, der keine Aufnahme von Anne-Sophie Mutter im Regal stehen hat? Das kann kaum sein. Ihre Internetseite listet mehr als 60 Einspielungen auf. Sie beginnt 1978. Ein Mädchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img title="Anne-Sophie Mutter; Foto: Tina Tahir" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/anne-sophie-mutter_c_tina-tahir.jpg" alt="Anne-Sophie Mutter; (c) Tina Tahir" width="160" height="237" /><p class="wp-caption-text">Anne-Sophie Mutter; Foto: Tina Tahir</p></div>
<p><strong>Zehn Thesen, warum wir Anne-Sophie Mutter in diesem Jahr nicht entkommen werden (&#8230; was wir auch gar nicht wollen).</strong></p>
<p><em><strong>Von Carolin Pirich</strong></em></p>
<p><strong>Aufnahmen</strong><br />
Liest diesen Text hier jemand, der keine Aufnahme von Anne-Sophie Mutter im Regal stehen hat? Das kann kaum sein. Ihre Internetseite listet mehr als 60 Einspielungen auf. Sie beginnt 1978. Ein Mädchen in weitem, weißem T-Shirt steht vor Herbert von Karajan, sieht ihn an und zückt den Bogen. Es folgen im Schnitt zwei CDs im Jahr. Wie ein Familienalbum zeigen die Cover, wie Anne-Sophie Mutter wächst, mal wilde Locken, mal glattes Haar, lächelnd, nachdenklich, immer schön. Im März gibt es eine neue Aufnahme. Draußen leuchtet Anne-Sophie Mutter. Drinnen wärmen Violin-Sonaten von Johannes Brahms.<span id="more-4018"></span></p>
<p><strong>Ausstrahlung</strong><br />
In den 70er und 80er Jahren war sie das Fräuleinwunder der Klassikszene im besten Sinne: jung entdeckt, jung gefördert, klar, selbstbewusst und unverkennbar. Dabei setzt Anne-Sophie Mutter nicht nur musikalisch Maßstäbe. Heute gibt es keine Nachwuchsmusiker, die nicht von Fotografen professionell in Szene gesetzt werden; Setcards von Models können nicht besser sein. Klassische Musik ist nicht nur schön, sie macht auch schön.</p>
<p><strong>Auszeichnung</strong><br />
Kaum ein Jahr vergeht ohne einen Preis für Anne-Sophie Mutter. Stern des Jahres. Künstler des Jahres. Goldene Schallplatte. Grammy. Echo. Sie hat als erste Frau die höchste Auszeichnung der Musikwelt erhalten: den Ernst-von-Siemens-Musikpreis. Die höchste Auszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat, folgte nach einem gefühlten Wimpernschlag: der Orden eines Ritters der französischen Ehrenlegion. Kurz danach überreichte ihr Bundespräsident Horst Köhler das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Und in diesem Jahr? Der Preis der Kulturstiftung Dortmund für ihr Lebenswerk steht zur Abholung bereit.</p>
<p><strong>Auftritte</strong><br />
Sie brauchen nicht zu Anne-Sophie Mutter kommen. Warum? Very simpel: Sie kommt zu Ihnen. Allein in der ersten Hälfte des Jahres gibt sie in dreizehn verschiedenen deutschen Städten Konzerte: Hannover, Hamburg, München, Mannheim, Baden-Baden, Essen, Köln, Stuttgart, Celle, Bremen, Berlin, Regensburg und Nürnberg. Wenn Sie sie nicht hören, werden sie Anne-Sophie Mutter zumindest beim Brötchenholen sehen &#8211; auf allen Litfaßsäulen der Stadt.</p>
<p><strong>Aufgabe</strong><br />
Sie ist nicht <em>eine</em>, sondern <em>die</em> Botschafterin der Musik. Sie nutzt ihre Bekanntheit und engagiert sich mit Benefizkonzerten für Projekte außerhalb der Musik. Gleichzeitig fördert sie junge Streicher und setzt sich für die Verbesserung des Musikunterrichts an bayerischen Schulen ein. Anne-Sophie Mutter will das weitergeben, was ihr die Musik gibt: &#8220;Sie lehrt mich den Umgang mit etwas, was über mir steht, woran ich reifen kann, woran ich wachse als Mensch. Musik treibt meine Frustrationsgrenze nach oben; sie ist eine Materie, über die ich Menschen erreichen kann, durch die ich mit Menschen kommunizieren kann.&#8221;</p>
<p><strong>Antwort 1</strong><br />
Sie ist charmant, ehrlich und unprätentiös. Kurz: Ein Lieblingsgast in den Medien. Im Interview mit dem ZEIT-Magazin lässt sie sich vom Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nicht nur alles fragen, sondern auch alles sagen. Er bekäme den Eindruck, sie sei von einem anderen Stern, sagt er, so perfekt wirke ihre Inszenierung. Mutter antwortet, sie fühle sich ertappt und die Klassik-Gemeinde kann sich ihren Gesichtsausdruck in diesem Moment vorstellen.</p>
<p><strong>Antwort 2</strong><br />
Es ist nicht so, dass sie alles mitmacht. Aber Anne-Sophie Mutter muss sich nicht immer ernst nehmen. Klaglos lässt sie sich von Harald Schmidt in dessen Show am Klavier begleiten. Der Boden knarrt, der Flügel glänzt, das Oberteil schillert, Schmidt klimpert und unterbricht. &#8220;Brauchen Sie eine Pause?&#8221; Ihr bleibt für einen klitzekleinen Moment die Sprache weg, aber nur, weil sie auftaucht aus der Musik. Sie schüttelt die Locken und lacht. Rechnung aufgegangen.</p>
<p><strong>Aktualität</strong><br />
Sie könnte sich mit Bach, Beethoven oder Brahms zurücklehnen. Aber das wäre, wie den Schreibtisch zu räumen und in Rente zu gehen. &#8220;Studieren, analysieren, ein Werk in meinem inneren Ohr entstehen lassen: Ich glaube, das ist der ganz große Kick, den mir zeitgenössische Musik verschafft&#8221;, sagt Anne-Sophie Mutter. Deshalb widmeten ihr neben Sofia Gubaidulina auch Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki, Wolfgang Rihm und Henri Dutilleux Werke. Pierre Boulez wäre der fünfte bekannte zeitgenössische Komponist in der Reihe, er hat auch schon längst den Auftrag, aber man hört noch nichts. Wenn er fertig wird, gibt es vielleicht wieder einen Dreierpack: Uraufführung, CD und Film.</p>
<p><strong>Allgegenwart</strong><br />
Eine geniale Komponistin schreibt einer schönen Geigerin ein Violinkonzert auf den Leib. Daraus entsteht nicht nur eine Aufnahme, auf deren Cover Anne-Sophie Mutter in zeitloses Grau gegossen wird, sondern auch ein Film. Jan Schmidt-Garre hat sowohl die Komponistin Sofia Gubaidulina und Anne-Sophie Mutter porträtiert als auch das Werk selbst, &#8220;In tempus praesens&#8221;. So viel Prominenz genießt ein zeitgenössisches Werk selten. Der Film begleitet es von der ersten Skizze bis zum Augenblick, als Anne-Sophie Mutter das Werk zusammen mit den Berliner Philharmonikern und Simon Rattle uraufführt.</p>
<p><strong>Auszeit-Aus</strong><br />
Wenn jemand eine Pause vom Job nimmt, dann heißt das für gewöhnlich, dass er für mehrere Monate in einer automatischen E-Mail ankündigt, er mache nun ein <em>Sabbatical</em>. Ein <em>Sabbatical</em> kann man auf Rucksackreise durch Thailand verbringen oder in einem Yoga-Resort in Indien. Anne-Sophie Mutters <em>Sabbatical</em> bestand aus einer neuen CD-Aufnahme und diversen Interviews &#8211; sogar über ihr Leben. In der <em>Mutter</em>-Sprache jedoch ist Leben = Musik. Anne-Sophie Mutter braucht kein <em>Sabbatical</em>. Sie braucht höchstens Pausen von einer Pause.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img title="CD Anne-Sophie Mutter: &quot;Brahms, The Violin Sonatas&quot;; (c) DG" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/cd-anne-sophie-mutter_brahms_-the-violin-sonatas_c_dg.jpg" alt="CD Anne-Sophie Mutter: Brahms, The Violin Sonatas; (c) DG" width="120" height="119" /><p class="wp-caption-text">CD Anne-Sophie Mutter: &quot;Brahms, The Violin Sonatas&quot;; (c) DG</p></div>
<p>Als kleines Mädchen hörte Anne-Sophie Mutter zum ersten Mal die Violinsonaten von Johannes Brahms und wird seitdem von Ihnen begleitet. Nun hat Sie die Sonaten ein zweites Mal eingespielt (Deutsche Grammophon).</p>
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