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	<title>crescendo - das KlassikMagazin &#187; crescendo 2010-04</title>
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		<title>Soll der Storch doch nach Ibiza fliegen!</title>
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		<pubDate>Sat, 29 May 2010 06:27:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Leben des Friedrich Gulda aus Sicht von Sohn Paul und Lebensgefährtin Ursula Anders Von Ralf Dombrowski Friedrich Gulda gibt noch immer Rätsel auf. Zu vieldeutig sind die Signale, die von ihm ausgingen, um ihn als Teil einer einzelnen Szene sehen zu können. Für den Pianisten selbst war das kein Widerspruch, denn er suchte nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5310" class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img class="size-full wp-image-5310" title="Sohn und Pianist Paul Gulda" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Sohn-und-Pianist-Paul-Gulda_Foto_Bob-Coat.jpg" alt="Sohn und Pianist Paul Gulda" width="160" height="175" /><p class="wp-caption-text">Sohn und Pianist Paul Gulda; Foto: Bob Coat</p></div>
<p><strong>Das Leben des Friedrich Gulda aus Sicht von Sohn Paul und Lebensgefährtin Ursula Anders</strong></p>
<p><em><strong>Von Ralf Dombrowski</strong></em></p>
<p>Friedrich Gulda gibt noch immer Rätsel auf. Zu vieldeutig sind die Signale, die von ihm ausgingen, um ihn als Teil einer einzelnen Szene sehen zu können. Für den Pianisten selbst war das kein Widerspruch, denn er suchte nach dem Kern der Musik unter der Oberfläche der Erscheinung. Ob er ihn bei Mozart, Jazz oder Paradise Island fand, war nur ein gradueller Unterschied innerhalb des Systems. Am 16. Mai wäre der im Jahr 2000 verstorbene Pianist und Pionier der Grenzüberschreitung 80 Jahre alt geworden.<span id="more-5309"></span> Die Fachwelt ehrt ihn mit einem Bildband, herausgegeben von seiner Ehefrau Ursula Anders, einer Veröffentlichung mit Kompositionen von Richard Strauss und einem zunächst nur in Österreich erhältlichen Big Band Album. Im Münchner Hofgarten trafen wir Friedrich Guldas Lebensgefährtin und Nachlassverwalterin Ursula Anders und seinen Sohn Paul Gulda und sprachen mit den beiden über Archivschätze, Richard Strauss und die Kunst der Zufriedenheit.</p>
<p><em>crescendo: Wie verwaltet man ein Erbe wie das von Friedrich Gulda?</em></p>
<p><strong>Paul Gulda:</strong> Zunächst einmal mit Fleiß. Es ist sehr groß, sehr vielfältig &#8230;</p>
<p><strong>Ursula Anders:</strong> Und es ist manchmal schwierig, weil viele Leute noch immer Scheuklappen haben. Die einen wollen den Klassiker, die anderen nur Jazz. Und das, was er auf Ibiza gearbeitet hat, so etwas geht ja überhaupt nicht.</p>
<p><em>crescendo: Es scheint ein ganzes Füllhorn unveröffentlichter Aufnahmen auf eine Bearbeitung zu warten &#8230;</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Es gibt noch ziemlich viel. Wir stehen vor Rundfunkarchiven, vor einer begrenzten Anzahl von verwertbaren und von Friedrich Gulda selbst erstellen Mitschnitten, die bei den Bach- und Chopin-Veröffentlichungen bereits eine gewisse Rolle gespielt haben. Dann gibt es private Archive wie in München von Loft Productions. Unser Hauptanliegen ist es, den produktiven und bis in die letzten Jahre kontroversen Friedrich Gulda in der ganzen Breite zu präsentieren. Es kann keine Option sein, nur alles Klassische heraus zu kramen und zu verhökern. Manchmal wird uns vorgeworfen, dass wir einfach Kasse machen wollen, aber genau das Gegenteil ist der Fall.</p>
<p><em>crescendo: Was fasziniert besonders an den Fundstücken?</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Mein Vater war ein Live-Spieler. Im Studio war er zwar Top-Klasse und irrsinnig verlässlich, was für Aufnahmeleiter sehr bequem war. Aber live war er um Längen besser. Es betonte immer, er besäße ein Sensorium für die Vibes des Publikums.</p>
<p><em>crescendo: Warum eigentlich Richard Strauss? Er ist ja weniger als Komponist für Klavier bekannt &#8230;</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Der Ball kam von Universal Deutschland. Sie hatten eine Aufnahme der Lieder mit Hilde Güden, außerdem eine alte „Burleske„ von 1954 von der Decca mit Anthony Collins. Ich meinte dann: Es gibt als lustige und ungewöhnliche Ergänzung noch den „Bürger als Edelmann„ aus Wien mit Maazel. Die ‚Burleske‘ habe ich mir dann angehört und fand sie sehr studiolastig. Ich wusste aber, dass sie zu seinen Glanzstücken dieser Zeit gehörte. Also machte ich mich auf die Socken und habe eine lebhaftere Aufnahme bei Radio Suisse Romande gefunden, mit Ernest Ansermet, der bereits Guldas Wettbewerbskonzert 1946 dirigiert hatte und ihn zu Höchstleistungen anspornen konnte.</p>
<p><em>crescendo: Was war Show bei Friedrich Gulda?</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Es war meistens echt. Ich habe ihn als ambivalent, bipolar in Erinnerung. Er hatte einen sehr ernsten, strengen, unbedingten Zug in sich. Das aber war die Vorbedingung für sein unbändiges Freiheitsstreben. Sich aus seinen eigenen strengen Vorgaben mit Mühe und Lust zu befreien – das ist ein Januskopf. Deswegen wirkt es so, als könne das nicht derselbe Mensch sein. Gespielt war allenfalls manchmal eine gewisse Harmlosigkeit. Wenn er in Ruhe gelassen werden wollte, hat er sich in das Unverbindliche geflüchtet, in die flotte Ansage für zwischendurch. Das war eine Schutzhaltung, um mit manchen Leuten nicht wirklich ernsthaft reden zu müssen.</p>
<div id="attachment_5311" class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img class="size-full wp-image-5311" title="Lebensgefährtin Ursula Anders" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Lebensgefaehrtin-Ursula-Anders_Foto_Bob-Coat.jpg" alt="Lebensgefährtin Ursula Anders" width="160" height="192" /><p class="wp-caption-text">Lebensgefährtin Ursula Anders; Foto: Bob Coat</p></div>
<p><strong>Anders:</strong> Das Publikum war manchmal sehr unsensibel. Wenn er etwas Schönes improvisiert hatte, dann kamen die Menschen hinterher, um Fragen zu stellen oder Autogramme zu bekommen. Gulda sagte immer: Wartet, ich muss mich erst kurz frisch machen und fuhr die Mauer hoch. Er hätte es nicht ertragen, wenn jemand zu ihm gekommen wäre und gemeint hätte: Damals, die Beethoven-Sonaten, die haben sie so schön gespielt – wo er doch eben auch so etwas Großartiges präsentiert hatte.</p>
<p><em>crescendo: Wie macht man aus einem derart bunten Leben ein Buch?</em></p>
<p><strong>Anders:</strong> Ich habe mich gefragt, was wirklich wichtig in seinem Leben war und danach das Buch aufgebaut. Gulda fand die größte Befriedigung in seiner Musik. Ich erinnere mich da an einen Winterabend in Weißenbach in meiner Wohnung. Er spielte einen Bach, himmlisch, überirdisch. Hinterher meinte er dann: Ach, und nun sitze ich wieder hier! Da war ich fast ein wenig beleidigt.</p>
<p><em>crescendo: Als junger Mann meinte Friedrich Gulda, er sei als Pianist schon fertig &#8230;</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Wenn man mit der Mechanik und dem Ergründen der technischen Geheimnisse des Klaviers beschäftigt ist, nimmt das sehr viel Raum ein. Dann hat man den Blick nicht ganz so frei für das, was als Nächstes ansteht. Wenn man diese Voraussetzungen aber im kleinen Finger hat, dann kann man den Geist schweifen lassen. Manche haben sich damals über die Frühvollendung Sorgen gemacht, aber das war aus der Froschperspektive gedacht. Wenn man im Tümpel schwimmt, hat man Ängste, was passieren könnte, wenn man auf dem Hügel sitzt. Der Frosch macht sich da Gedanken um die Probleme des Storchs. Das klingt jetzt polemischer als es gemeint ist. Soll der Storch doch nach Ägypten fliegen, ist ihm eh lieber. Oder nach Ibiza.</p>
<p><em>crescendo: Gab es für Friedrich Gulda eine Trennung zwischen Kunst und Leben?</em></p>
<p><strong>Gulda:</strong> Ich habe ihn als jemanden erlebt, der zu 95 Prozent seiner Existenz Musiker war. Das sogenannte Leben fand zwischendurch statt, hier mal Tischtennis spielen, da mal Zeitung lesen. Aber das waren kurze Atempausen in einer sich ständig mit der Kunst befassenden Existenz. Wenn er am Ende des Lebens sagte, dass er zwischen Techno und Mozart tiefe Gemeinsamkeiten fand, dann war das auf den ersten Blick vielleicht eine irritierende Ansage. Aber seine Fragen handelten vom Gegenwärtigen, Vitalen, Tänzerischen, Mitreißenden, nicht vom Historischen, wo man die Haltung des Rezeptiven einnehmen konnte. Es ging um das: Wow! Da will ich mit!</p>
<div id="attachment_5312" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5312" title="CD &quot;Friedrich Gulda spielt Richard Strauss&quot;" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/CD-Friedrich-Gulda-spielt-Richard-Strauss_Decca.jpg" alt="CD &quot;Friedrich Gulda spielt Richard Strauss&quot;" width="120" height="120" /><p class="wp-caption-text">CD &quot;Friedrich Gulda spielt Richard Strauss&quot;; Decca</p></div>
<div id="attachment_5313" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5313" title="CD &quot;Piano Recital&quot;, Friedrich Gulda" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/CD_Piano-Recital_Friedrich-Gulda_HaensslerClassic.jpg" alt="CD &quot;Piano Recital&quot;, Friedrich Gulda" width="120" height="110" /><p class="wp-caption-text">CD &quot;Piano Recital&quot;, Friedrich Gulda; HaensslerClassic</p></div>
<p>Friedrich Gulda: spielt Richard Strauss. Burleske – 13 Lieder – Suite. Mit Hilde Güden (Decca/Universal);<br />
Friedrich Gulda: Klavierabend (hänssler CLASSIC)</p>
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		<title>Bitte Vorsingen</title>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 22:30:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[crescendo 2010-04]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Audi Jugendchorakademie sucht und fördert junge Talente. In diesem Sommer darf der Chor sogar zusammen mit Stardirigent Kent Nagano auftreten. Von Robert Kittel Casting – eigentlich ein seriöses englisches Wort für das Auswählen von Schauspielern, Tänzern oder Sängern, ist in den vergangenen Jahren etwas in Verruf geraten. Das liegt an Menschen wie Dieter Bohlen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5303" class="wp-caption alignnone" style="width: 230px"><img class="size-full wp-image-5303" title="Die Audi Jugendchorakademie bei der Aufführung von &quot;Die Schöpfung&quot;" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Die-Audi-Jugendchorakademie-bei-der-Auffuehrung-von-Die-Schoepfung_Foto_AUDI-AG.jpg" alt="Die Audi Jugendchorakademie bei der Aufführung von &quot;Die Schöpfung&quot;" width="220" height="146" /><p class="wp-caption-text">Die Audi Jugendchorakademie bei der Aufführung von &quot;Die Schöpfung&quot;; Foto: AUDI AG</p></div>
<p><strong>Die Audi Jugendchorakademie sucht und fördert junge Talente. In diesem Sommer darf der Chor sogar zusammen mit Stardirigent Kent Nagano auftreten. </strong></p>
<p><em><strong>Von Robert Kittel</strong></em></p>
<p>Casting – eigentlich ein seriöses englisches Wort für das Auswählen von Schauspielern, Tänzern oder Sängern, ist in den vergangenen Jahren etwas in Verruf geraten. Das liegt an Menschen wie Dieter Bohlen oder Heidi Klum, die das Casting als Plattform für quotenwirksame Zur-Schau-Stellung naiver Jugendlicher im Fernsehen missbrauchen. Dass sich dennoch Menschen finden, die sich zu einem Casting trauen, spricht für den Mut unseres Nachwuchses. Castings sind – gerade im Musikbetrieb – eine große Notwendigkeit.<br />
<span id="more-5294"></span><br />
In den vergangenen Monaten haben Musik-Experten wieder neue Talente für die im Jahr 2007 gegründete Audi Jugendchorakademie gecastet. Bei den Terminen in Ingolstadt und Berlin saßen wichtige Entscheider am Pult: Martin Steidler, Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München, Christian Schmidt, Professor für Gesang an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg, Kammersänger Sibrand Basa, Dozent an der Musikhochschule Nürnberg und Mitglied im Vorstand des Bundes deutscher Gesangspädagogen und schließlich Sebastian Wieser, der Projektleiter der Audi Jugendchorakademie. Die Herren mussten in etwa 20 Talente auswählen, die zu den bestehenden Mitgliedern der Jugendchorakademie hinzukommen. Jedes Jahr werden aufgrund von Alter, Umzug oder veränderten Interessen ein paar der begehrten Plätze frei. Vor allem in diesem Sommer lohnt es sich, dem Chor anzugehören: Das Ensemble darf im Rahmen der Audi Sommerkonzerte zusammen mit dem Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Kent Nagano auftreten. Der Maestro ist inzwischen selbst ein Fan der jungen Talentförderung: „Die Zusammenarbeit des Bayerischen Staatsorchesters mit der Audi Jugendchorakademie sehe ich als ein vorzügliches Beispiel für gelungene musikalische Nachwuchsförderung“, so Nagano (ausführliches Interview siehe Kasten).</p>
<p>Die Akademie feierte ihr Debüt im Sommer 2008 mit der Aufführung von Haydns „Schöpfung“. Wer es in den Chor schafft, verbringt zahlreiche Wochenenden bei den Proben für die Auftritte. Audi-Mitarbeiter Sebastian Wieser, der den Chor organisatorisch leitet, ist jedes Jahr beeindruckt vom Engagement der jungen Sänger: „An unseren Wochenenden proben wir zum Teil bis zu sieben Stunden pro Tag, und am Abend fangen die Jugendlichen dann an, ihre eigenen Instrumente auszupacken, um weiter Musik zu machen.“ Man müsse sie eher bremsen, so Wieser. Ist ein Teilnehmer an Bord, wird er von Audi eingeladen, an den Proben in einem Bildungshaus bei Deggendorf teilzunehmen. Die Kosten werden von der Firma übernommen. Das Engagement liegt immerhin im sechsstelligen Bereich.</p>
<div id="attachment_5297" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img class="size-full wp-image-5297" title="Bewerber beim Casting der Audi Jugendchorakademie" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Bewerber-beim-Casting-der-Audi-Jugendchorakademie_Foto_AUDI-AG.jpg" alt="Bewerber beim Casting der Audi Jugendchorakademie" width="180" height="105" /><p class="wp-caption-text">Bewerber beim Casting der Audi Jugendchorakademie; Foto: AUDI AG</p></div>
<p>Für die Teilnehmer des Jugendchors ist die Begegnung mit den Profis eine große Chance: „Hier geht es um Musik, darum, das Potenzial und die Facetten einer Stimme zu erfassen, Farbe, Klang, Persönlichkeit, Auffassungsgabe und Interpretationsvermögen„, sagt Professor Martin Steidler, der den Chor musikalisch leitet. Aber natürlich gehe es auch darum, Stimmen zu finden, die dem Chor etwas bringen, Fülle, Dynamik, Intonationssicherheit und Charakterkraft. Das musikalische Niveau der Castings sei überraschend hoch gewesen, findet Steidler. „Es ist schön, dass so viele talentierte Kandidaten teilnehmen möchten, auch wenn uns dadurch die Auswahl natürlich nicht leicht gemacht wird.“</p>
<p>Auch beim Castings kam es zu schnellen Entscheidungen: Manche waren eindeutig „dabei“, andere ebenso eindeutig nicht. Bei etlichen wurde überlegt, hin und her gewogen, austariert, gefragt, was der Chor braucht in puncto Ausgewogenheit, Farbigkeit und Balance. Schließlich geht es um den Gesamtklang des Flaggschiffs der kulturellen Jugendförderung von Audi in einem Projekt, das die jungen Stimmen mit einem der weltweit renommiertesten Orchester zusammenbringt.</p>
<p><strong>Audi Jugendchorakademie – live</strong><br />
Die Audi Jugendchorakademie und das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Kent Nagano spielen am 30. Mai in der Münchner Kirche St. Michael. Zu hören sind „Die erste Walpurgisnacht“ von Mendelssohn Bartholdy, Brahms‘ „Nänie“ sowie die selten gespielte Chorballade „Der Königssohn“ von Schumann. Die Einnahmen des Konzertes kommen der neuen Orgel der Kirche zu Gute. Eine zweite Chance dieses Konzert zu erleben, bietet sich am 11. Juli bei den Audi Sommerkonzerten in Ingolstadt.</p>
<div id="attachment_5298" class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-5298" title="Kent Nagano" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Kent-Nagano_Foto_Wilfried-Hoesl.jpg" alt="Kent Nagano" width="200" height="190" /><p class="wp-caption-text">Kent Nagano; Foto: Wilfried Hösl</p></div>
<p><strong>„Die Qualität ist hochbeachtlich“</strong></p>
<p><strong>Kent Nagano (59), Generalmusikdirektor des Bayeri-schen Staatsorchesters über seine Zusammenarbeit mit der Audi Jugendchorakademie: </strong></p>
<p><em>crescendo: Sie konzertieren am 30. Mai zum ersten Mal mit der Jugendchorakademie. Sie scheinen keine Berührungsängste mit einem Amateur- und Jugendchor zu haben?</em></p>
<p><strong>Nagano:</strong> Die bürgerliche Musikkultur wurde seit dem 19. Jahrhundert ganz maßgeblich von Chorvereinigungen mit geprägt, deren Sänger vorwiegend Amateure waren und bis heute sind. Die richtige Mischung und die Qualität der chorischen Erziehungsarbeit machen am Ende die Qualität des Chores aus und die ist bei vielen dieser sogenannten Amateurchöre hochbeachtlich! Hinzu kommt, dass bei Jugendchören ein vitales Engagement mitklingt, das sich charakterlich im musikalischen Ergebnis unbedingt positiv niederschlägt.</p>
<p><em>crescendo: Sie spielen aber dennoch in einer anderen musikalischen Liga. Was motiviert Sie, sich um die Vermittlung von Musik an die Jugend zu kümmern?</em></p>
<p><strong>Nagano:</strong> Es gehört zu den wichtigsten Praktiken der Aufrechterhaltung von musikalischen Traditionen, die erworbenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen aus dem Musizieren weiterzugeben an die nachfolgenden Generationen.</p>
<p><em>crescendo: Beim Konzert in der Münchner Kirche St. Michael, das ja auch aufgezeichnet wird, stehen selten gespielte romantische Chorwerke auf dem Programm. Warum kein Standardrepertoire?</em></p>
<p><strong>Nagano:</strong> Die musikalische Romantik hat sich nicht nur in der Oper, in großer Orchestermusik, in der Kammermusik, im klaviersolistischen Genrestück oder im Lied herausgebildet, sondern vor allem auch in der Chormusik. Ist es nicht sinnvoll, ein Erinnerungsjahr für Robert Schumann dazu zu nutzen, sein Werk, das ja generell nicht zu den Bekanntesten gehört, auf unbekannte Kompositionen zu durchleuchten und diese auch aufzuführen?</p>
<p><em>crescendo: Die CD wird also eine Ersteinspielung von Schumann enthalten. Wie kommt es, dass es immer noch solche Lücken im Repertoire gibt? </em></p>
<p><strong>Nagano:</strong> Wo Werke wiederholt uraufgeführt werden, weil ihre Qualität stark ist und auf breite Zustimmung stößt, da bildet sich Repertoire. Was aber nicht regelmäßig oder nicht immer wieder aufgeführt wird, fällt schnell dem Vergessen anheim und so bilden sich Repertoirelücken.</p>
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		<title>Gegenwart und Zukunft</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 12:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hochkarätige Künstler und eine facettenreiche Programm-gestaltung prägen seit 25 Jahren das Gesicht des Musik-festivals KISSINGER SOMMER und versprechen auch im Jahr 2010 höchsten Musikgenuss. Von Georg Rudiger Cecilia Bartoli, Lang Lang, Mariss Jansons, Kent Nagano – die Künstlerliste des KISSINGER SOMMERs 2010 liest sich wie ein Who is Who der aktuellen Klassikszene. In diesem Jahr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5558" class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Bad-Kissingen_Kurgarten_Foto_Bayerisches-Staatsbad.jpg" alt="Bad Kissingen: Kurgarten" title="Bad Kissingen: Kurgarten" width="160" height="247" class="size-full wp-image-5558" /><p class="wp-caption-text">Bad Kissingen: Kurgarten; Foto: Bayerisches Staatsbad</p></div><strong>Hochkarätige Künstler und eine facettenreiche Programm-gestaltung prägen seit 25 Jahren das Gesicht des Musik-festivals KISSINGER SOMMER und versprechen auch im Jahr 2010 höchsten Musikgenuss.</strong></p>
<p><em><strong>Von Georg Rudiger</strong></em></p>
<p>Cecilia Bartoli, Lang Lang, Mariss Jansons, Kent Nagano – die Künstlerliste des KISSINGER SOMMERs 2010 liest sich wie ein Who is Who der aktuellen Klassikszene. In diesem Jahr feiert das Festival in der beschaulichen fränkischen Kurstadt sein 25-jähriges Jubiläum. Und stellt erneut unter Beweis, dass Weltklasse auch und gerade fernab der Großstädte zu erleben ist.</p>
<p>Seit dem Gründungsjahr 1986 steht Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger an der Spitze des Festivals – und hat damit wesentlichen Anteil am Erfolg.<span id="more-5556"></span> Die enorme Breite der Veranstaltungen, vom großen Orchesterkonzert bis zum intimen Liederabend, verleiht dem Festival seine hohe Attraktivität. Zu den Künstlern pflegt die Intendantin einen engen, fast familiären Kontakt. Einer von ihnen ist der Berliner Cellist Alban Gerhardt, der seit rund zwanzig Jahren regelmäßig beim KISSINGER SOMMER gastiert: „Mit ihrem wundervollen Charme schafft Kari Kahl-Wolfsjäger, die verschiedenartigsten Musiker an diesen Ort zu binden, der beinahe wie aus einem anderen Jahrhundert zu sein scheint. Das zeichnet Bad Kissingen aus: eine treue Intendantin mit ihrem treuen Publikum, das seine immer wiederkehrenden Künstler in sein Herz geschlossen hat&#8221;, sagt Gerhardt, der am 29. Juni im Rossini-Saal des Regentenbaus mit dem Philharmonia Quartett Berlin Schuberts Streichquintett in C-Dur spielen wird.</p>
<p>Für den spektakulären Auftakt des Festivals sind zwei Künstler verpflichtet, die schon in den letzten Jahren immer wieder Akzente in Bad Kissingen gesetzt haben. Cecilia Bartoli singt beim Jubiläumskonzert am 7. Juni Lieder von Rossini, Bellini, Donizetti und weiteren Belcanto-Komponisten. Am Klavier begleitet sie kein Geringerer als der chinesische Starpianist Lang Lang – ein Zusammentreffen, das Seltenheitswert besitzt. Auch die gefeierten Sopranistinnen Mojca Erdmann und Christine Schäfer sind in Liederabenden mit Mendelssohn, Strauss und Schubert beziehungsweise Schumann, Brahms und Wolf zu hören.</p>
<p><div id="attachment_5560" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Bamberger-Symphoniker_Foto_Richard-Haughton.jpg" alt="Bamberger Symphoniker" title="Bamberger Symphoniker" width="180" height="120" class="size-full wp-image-5560" /><p class="wp-caption-text">Bamberger Symphoniker; Foto: Richard Haughton</p></div>Das Abschlusskonzert der Bamberger Symphoniker (18.7.) unter ihrem Chefdirigenten Jonathan Nott mit Gustav Mahlers „Lied von der Erde&#8221; ist mit Ausnahmeinterpretin Waltraud Meier und Tenor Klaus Florian Vogt nicht nur für Gesangsfreunde ein Muss. Auch die weiteren Konzerte der Bamberger mit Leonidas Kavakos und Vadim Repin versprechen viel. Wie überhaupt das Orchesterprogramm einem Schaulaufen europäischer Spitzenensembles gleicht. Das von Jiri Belohlavek dirigierte BBC Symphony Orchestra London gastiert mit Nikolaj Znaider genauso wie mit Marie-Elisabeth Hecker und Elisabeth Leonskaja. Eine zweite seltene Gelegenheit bietet sich dem Publikum am 17. Juni, wenn Kent Nagano sich beim Eröffnungskonzert das Konzertpodium mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin und seiner Frau Mari Kodama am Klavier teilt. </p>
<p>Weitere Highlights sind Auftritte der Tschechischen Philharmonie (30.6., 2.7.), des Stuttgarter Staatsorchesters unter Manfred Honeck (11.7.) und des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons (Münchner Gala am 3.7.).<br />
Die Klavierlegende Grigory Sokolov interpretiert im Regentenbau Bach, Brahms und Schumann (8.7.), die Klarinettistin Sabine Meyer ist mit ihrem Mann und ihrem Bruder, beide ebenfalls Klarinettisten, „Zu Gast bei König Ludwig und Lola Montez&#8221; in Bad Brückenau. Christian Tetzlaff und Lars Vogt spielen in einem Nachmittagskonzert Schumann, Mozart und Bartók (4.7.).</p>
<p>Neben vielen weiteren Prominenten der Klassikszene gibt es beim KISSINGER SOMMER auch junge Künstler zu entdecken wie am 1. Juli den gerade mit dem Young Artist Award der Credit Suisse ausgezeichneten deutschen Cellisten Nicolas Altstaedt in der Kissinger Klang-Werkstatt oder die junge chinesische Pianistin Sa Chen. Unter dem Motto „Die Stars der nächsten 25 Jahre&#8221; treten am 10. Juli Musiker auf, die wie die Pianisten Martin Helmchen oder Nikolai Tokarew schon jetzt von sich hören machen. Und beim 50. Jubiläum des KISSINGER SOMMERs in 25 Jahren vielleicht bereits zu den lebenden Legenden gehören.</p>
<p><strong>Termin:</strong></p>
<p><strong>KISSINGER SOMMER Bad Kissingen</strong><br />
7. Juni bis 18. Juli 2010<br />
Informationen und Kartenservice:<br />
Tel.: +49-(0)971-807 11 10<br />
<a title="Website des Musikfestivals KISSINGER SOMMER" href="http://www.kissingersommer.de" target="_blank">www.kissingersommer.de</a></p>
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		<title>Serie: Österreich 2010, Ein Jahr für Gustav Mahler  (Teil 1 von 3)</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 07:23:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Weg in die Heimat: Gustav Mahler und seine Wahlheimat Österreich. Von Uwe Schneider Wien am 11. Mai 1897: Gustav Mahler dirigiert zum ersten Mal an der Wiener Hofoper. Auf dem Programm steht Wagners romantische Oper „Lohengrin“. Der Erfolg ist überwältigend, „ganz Wien hat mich geradezu mit Enthusiasmus begrüßt“, berichtet er danach selbst. Der Weg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5320" class="wp-caption alignnone" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-5320" title="Gustav Mahler; Emil Orlik, 1902" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Gustav-Mahler_von-Emil_Orlik_1902.jpg" alt="Gustav Mahler; Emil Orlik, 1902" width="200" height="183" /><p class="wp-caption-text">Gustav Mahler; Emil Orlik, 1902</p></div>
<p><strong>Der Weg in die Heimat: Gustav Mahler und seine Wahlheimat Österreich.</strong></p>
<p><em><strong>Von Uwe Schneider</strong></em></p>
<p>Wien am 11. Mai 1897: Gustav Mahler dirigiert zum ersten Mal an der Wiener Hofoper. Auf dem Programm steht Wagners romantische Oper „Lohengrin“. Der Erfolg ist überwältigend, „ganz Wien hat mich geradezu mit Enthusiasmus begrüßt“, berichtet er danach selbst. Der Weg dorthin war für den jüdischen Komponisten und Dirigenten, der 1860 im böhmischen Kalischt geboren wurde, jedoch beschwerlich gewesen.<br />
<span id="more-5319"></span><br />
In der mährischen Garnisonsstadt Iglau verbrachte er als Zweitältester von 14 Kindern den größten Teil seiner Jugend. Der Vater, ein Despot, der die Mutter zum Krüppel schlug, löste ein schweres Trauma in Gustav aus. Doch der früh Musikbegabte schaffte seinen Weg aus der Provinz ans Konservatorium nach Wien, wo er sich mit seinem Kommilitonen Hugo Wolf anfreundet und schnell auf sich aufmerksam macht.</p>
<p>Die Volks- und Tanzmusik Böhmens, Militärmusik und die Musik aus der Synagoge prägten den Jungen. Das Erbe dieses Einflusses ist bis in sein spätes kompositorisches Schaffen hinein zu hören. Die intensive und von Selbstdisziplin geprägte Lehrzeit erreicht ihren ersten Höhepunkt, als der erst 21-jährige in Laibach Theaterkapellmeister wird. In den nächsten Jahren erarbeitet er sich über Stationen in Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig, Budapest und Hamburg einen exzellenten Ruf als Dirigent. „Mit unerbittlicher Strenge und dem verzehrenden Eifer, von dem er immer besessen war, forderte er die höchste Genauigkeit“, erinnert sich ein Zeitgenosse. Es ist sein Können und dieser Ruf, der ihm vorauseilt, der ihn rasch zu einem der führenden Dirigenten Europas werden lässt und der Johannes Brahms anlässlich einer „Don Giovanni“-Vorstellung in Budapest seine Bewunderung ausdrücken lässt.</p>
<p>Doch Mahlers Ziel war seine Wahlheimat Österreich und die um 1900 neben Paris wohl bedeutendste Kulturmetropole Europas: Wien. Doch um in Wien reüssieren zu können, hatte er das wohl größte Hindernis, sein Judentum, noch zu beseitigen und so konvertierte er – auch aus Furcht vor antisemitischen Hindernissen – zum Katholizismus. „Ich ziehe in die Heimat ein und werde alles daransetzen, um meine Wanderschaft für dieses Leben zu beendigen“, schreibt Mahler, als er von Hamburg Richtung Wien Abschied nimmt.</p>
<p>Den Zeitgenossen gilt Mahler noch in erster Linie als bedeutender Dirigent. Als Komponist kann er jedoch bereits auf Wegweisendes für die Moderne zurückblicken: die ersten drei Sinfonien, zahlreiche Liedvertonungen und die (erst in den letzten Jahren wieder öfter aufgeführte) Kantate „Das klagende Lied“.</p>
<p><div id="attachment_5321" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Wiener_Staatsoper_Innenraum_Foto_Oesterreich-Werbung_Bartl.jpg" alt="Wiener Staatsoper, Innenraum" title="Wiener Staatsoper, Innenraum" width="180" height="181" class="size-full wp-image-5321" /><p class="wp-caption-text">Wiener Staatsoper, Innenraum; Foto: Österreich Werbung/Bartl</p></div>Für zehn Jahre, 1897 bis 1907, war Gustav Mahler am Ziel seiner Träume angelangt, an der Wiener Hofoper. Er hatte die in Europa herausragende Stellung eines ersten Kapellmeisters und war von Kaiser Franz Joseph I. zum „artistischen Direktor“, zum Hofoperndirektor ernannt worden. Sein Wirken an der Wiener Hofoper gilt als epochal. Die hohe Qualität der Aufführungen und des Ensembles setzte neue Maßstäbe für die Zeit. Zugleich begründete er als Opernreformator in Wien das neuzeitliche Musiktheater in dem er das entwickelte, was wir heute Operninszenierung nennen.</p>
<p>Diese Wiener Jahre waren nicht nur von einem großen Schaffensrausch geprägt, in Wien erfüllten sich auch Mahlers private Sehnsüchte. 1902 heiratete er die fesselnde Alma Schindler, die selbst künstlerisch aktiv war und in den Kreisen der Wiener Sezession verkehrte. Sie war von Mahlers Persönlichkeit fasziniert. Mahler bestand darauf, dass Alma ihre künstlerischen Ambitionen aufgab und ihre Rolle als Ehefrau und Mutter annahm. Mit den beiden Töchtern verbrachte das Ehepaar die Sommermonate gemeinsam: Wandern, Schwimmen, Spazieren stand dann neben dem Komponieren auf dem Programm. Doch die Ehe zwischen dem arbeitswütigen Mahler und seiner von der Männerwelt verehrten Frau blieb nicht ohne Krisen.</p>
<p>Der Wechsel des Lebens zwischen Stadt und Land blieb in Vielem nur ein Äußerer, der Komponist suchte über lange Jahre jeden Sommer in der Ruhe der Natur seine Inspiration. Im Idyll von Maiernigg am Wörthersee ließ er sich 1900 – wie schon zuvor am oberösterreichischen Attersee – ein Komponierhäuschen bauen, in dem er in den Sommermonaten jene Werke schuf, die visionär die Wiener Moderne bis hin zu Arnold Schönberg und seinem Kreis mitprägten.</p>
<p><strong>Tipps: Begegnungen mit Gustav Mahler</strong></p>
<p><strong>Gustav Mahler und Wien</strong><br />
bis 03.10., Ausstellung, Wien, Österreichisches Theatermuseum<br />
<a title="Website des Kunsthistorischen Museums Wien" href="http://www.khm.at" target="_blank">www.khm.at</a></p>
<p><strong>Mahler Spaziergänge</strong><br />
Wien<br />
<a title="Website des WienTourismus" href="http://www.wien.info" target="_blank">www.wien.info</a><br />
„Antipoden der Wiener Gesellschaft: Karl Lueger &amp; Gustav Mahler“, bis 31.10., jeden Samstag<br />
„Lieben Sie Mahler?“, Mai, Juni, September und Oktober, drei Sonntage im Monat</p>
<p><strong>Mahler in Österreich</strong><br />
ganzjährig, Schauraum, Wien, Haus der Musik<br />
<a title="Website des Haus´ der Musik, Wien" href="http://www.hdm.at" target="_blank">www.hdm.at</a></p>
<p><strong>Gustav Mahler, u. a.</strong><br />
30.5., Liederabend G. Nigl, Wien, Konzerthaus<br />
<a title="Website des Wiener Konzerthauses" href="http://www.konzerthaus.at" target="_blank">www.konzerthaus.at</a></p>
<p><strong>Alma</strong><br />
2.-25.7., interaktives Theaterstück, Wien, K.k. Post- und Telegrafenamt<br />
<a title="Website zum Theaterstück ALMA" href="http://www.alma-mahler.com" target="_blank">www.alma-mahler.com</a></p>
<p><strong>MAHLER Contemporary</strong><br />
9.-18.7., Musik-, Kunst- und Medienfestival, Musikforum Viktring Klagenfurt<br />
<a title="Website des Musikforums Viktring Klagenfurt" href="http://www.musikforum.at " target="_blank">www.musikforum.at </a></p>
<p><strong>Mahlers Wurzeln</strong><br />
9.9., Konzert, Philharmonia Schrammeln, Wien, Österreichisches Theatermuseum<br />
<a title="Website des Kunsthistorischen Museums Wien" href="http://www.khm.at" target="_blank">www.khm.at</a></p>
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		<title>Ohr sticht Auge</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 22:37:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[crescendo 2010-04]]></category>
		<category><![CDATA[Morché Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[Ist die Macht der Inszenierung wirklich gut für die Musik? Von Pascal Morché „Prima la musica, dopo le parole“ – Zuerst die Musik, dann die Worte. Das strittige Verhältnis von Musik und Wort, erstmals von Mozarts Gegenspieler Antonio Salieri 1786 zum Thema bühnenwirksamer Auseinandersetzung gemacht, ist ja noch vergleichsweise harmlos, gegenüber der Variation dieses Themas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ist die Macht der Inszenierung wirklich gut für die Musik? </strong></p>
<p><em><strong>Von Pascal Morché</strong></em></p>
<p>„Prima la musica, dopo le parole“ – Zuerst die Musik, dann die Worte. Das strittige Verhältnis von Musik und Wort, erstmals von Mozarts Gegenspieler Antonio Salieri 1786 zum Thema bühnenwirksamer Auseinandersetzung gemacht, ist ja noch vergleichsweise harmlos, gegenüber der Variation dieses Themas in Zeiten visuellen Overkills: Zuerst die Musik, dann die Bilder. </p>
<p>Die Frage lautet längst: Kommt die Musik noch „zuerst„ und folgt ihr dann das Bild? Oder ist es nicht längst umgekehrt? Was ist schließlich beim Musikkonsum primär geworden: ein Musikstück zu „hören“ oder ein Bild, das sich uns zu der Musik aufdrängt (oder aufgedrängt wird) zu „sehen„? Schon die Programmmusik war ein Irrtum! Ja, im Grunde sollte es als justiziable Nötigung, wenn nicht gar als Vergewaltigung unseres Fantasievermögens geahndet werden, wenn uns jemand (selbst wenn er Beethoven oder Richard Strauss heisst) Bilder vorschreibt: Hier, lieber Zuhörer hast du dir jetzt eine „Szene am Bach“ vorzustellen!<span id="more-5278"></span> Oder, hier bist du „Auf dem Gletscher“. Als einzige Entschuldigung für solche doktrinären Anweisungen wollen wir gelten lassen, dass zu Zeiten von „Pastorale“ oder „Alpensymphonie“ niemand ahnte, dass die Welt der Zukunft einmal nicht aus Wille und Vorstellung be- und entstehen würde, sondern aus Wille und YouTube, aus Beamern, Videoprojektoren und hunderten von TV-Programmen. Das Bombardement mit Bildern, dem wir täglich schutzlos ausgesetzt sind, hat im Musikbetrieb längst zu der Formel geführt: Das Auge hört mit! Schließlich leben wir in einem Zeitalter, indem die einzige Glaubwürdigkeit die Visuelle ist. Aaron, der dem Volk Bilder gibt, hat gesiegt und zwar auf voller Länge, nicht Moses! </p>
<p>Okay, permanentes Sehtraining hat auch seine Vorteile in der Welt der Musik; es hat uns Sopranistinnen mit Modelmaßen auf die Bühne gebracht. „Wenn vor 25 Jahren eine ,Salome‘ gegeben wurde, dachte man mit Grausen an den Striptease der Titelfigur und freute sich auf ihren Gesang. Heute verhält es sich meistens umgekehrt“; in diesem Bonmot von Michael Klonowsky steckt Wahres. Verfolgt man die Opernregie der vergangenen 25 Jahre, so scheinen die Regisseure geradezu panische Angst vor jedweder Musik ohne Bild zu haben. Seit langem schon können sie dem Zwang nicht mehr nachgeben, unbedingt auch die Overtüre, oder das Vorspiel einer Oper „bebildern“ zu müssen. Der Vorhang geht auf, obwohl er nach Komponistenwunsch geschlossen bleiben sollte und die Augen des Publikums bekommen vom Regisseur schon mal ordentlich Futter. Nur: Müssen wir (wie derzeit in Bayreuth) während des Parsifal-Vorspiels wirklich „sehen“ wie Herzeleide in Wahnfrieds Salon den kleinen Thoren Parsifal zur Welt bringt? Müssen wir nicht! </p>
<p>Überhaupt, Wagner: Hier kann man dem Publikum ja gar nicht genug der Bilder in die Augen knallen, denn inzwischen weiß ja ein jeder: Mit Wagner beginnt die Filmmusik. Das führte dann dazu, dass bereits ein Staunen und Raunen durchs Feuilleton wehte, wenn als Produktionsteam für Wagners „Ring des Nibelungen“ der Name George Lucas und seine „Krieg der Sterne“-Werkstatt gehandelt wurden. Bereits jetzt verspricht die New Yorker Met für ihren neuen Ring (ab 2011) unter dem Regisseur Robert Lepage einen ganz besonders tiefen Griff in die Theatertrickkiste mit nie zuvor dagewesenen Video-Projektionen und Bildinstallationen, auf dass dem Publikum die Augen übergehen mögen an optischen Reizen. Nun, schlimmer kann’s nicht werden als in Valencia, wo die Theatertruppe „La Fura dels Baus“ Wagners Tetralogie stemmte. Was es dort zu sehen gab, waren opulente Bilder immer wiederkehrender kaleidoskopartiger Videoinstallationen und davor jede Menge Turnen am Trapez. Der „Fura dels Baus-Ring“ hatte aber so gar nichts mit Wagners intelligentem Werk oder gar mit intelligenter Opernregie zu tun, sondern war nichts weiter als die schweisstreibende Bebilderung eines zirzensischen Spektakels mit artistischen Einlagen. Intendanten sollten begreifen, dass solche Zirkusnummern genau so doof sind, wie weiland Ausstattungsorgien von Zeffirelli – nein, in der Konsequenz noch doofer, weil nämlich noch beliebiger. Aber für die Theatermacher gilt: Wenn der Regisseur nicht weiter weiß, dann greift er gern zum Trockeneis. </p>
<p>Rät ja auch schon Goethe zu Materialschlachten auf der Bühne: „Drum schonet mir &#8230; Prospekte nicht und nicht Maschinen! Gebraucht das groß und kleine Himmelslicht &#8230;“ Und in Wagners Ring wird die Theatermaschinerie gar nicht geschont. Wenn die Welt auf der Bühne schon untergeht, dann soll man das auch sehen! Zwar gehören „Rheingold“ und „Siegfried“ zu den durchaus schwer zu verkaufenden Opern; aber der „Ring“, auch wenn er rundum ausinterpretiert und (von der „Walküre“ abgesehen) absolut kein Publikumsrenner ist (!), der „Ring“ muss sein! Mailand und Frankfurt starten gerade mit dem Mammutprojekt, in Hamburg wird er fertig und Wien hat ihn auf das Langweiligste soeben vollendet. Diese Projekte haben mehr mit Eitelkeit der Intendanten zu tun, als mit irgendetwas anderem. Der „Ring“, die Schwanzlänge des Intendanten. </p>
<p>Und noch im kleinsten Stadttheater träumt dieser davon einen ganz, ganz großen (Ring-Wurf) zu haben. Dazu gehören inzwischen hauptsächlich Bühneneffekte fürs Auge – auch wenn sie buchstäblich ins selbe gehen: Das ist keine Opernregie, sondern Effekthascherei und bestätigt ungewollt Wagners schönen Satz: „Effekt ist Wirkung ohne Ursache.“ </p>
<p>Doch zurück zum Bild und der Musik. Musikvermarkter brauchen Bilder, weil sie glauben, dass sie die Musik sonst nur mehr schwer an den Zuhörer bringen. Während übrigens der Autor dies hier schreibt, dirigiert Zubin Mehta in Shanghai zur Expo die Wiener Philharmoniker. Das Konzert wird im Fernsehen übertragen. Es gibt Mozart und der Teletext versichert: „Zur Musik Mozarts werden dem Fernsehpublikum Bilder dieser faszinierenden Stadt gezeigt.“ Ja: Shanghais Skyline zu Mozart! Wer will schon einen blasenden Oboisten sehen? Musikvermarkter und -vermittler misstrauen den Fähigkeiten des Hörens und dem Ohr als Organ. Die Masai in Ostafrika denken da anders: „Es ist das Ohr“, sagen sie, „das die Dunkelheit durchdringt, nicht das Auge.“ Das bedeutet: Wir nehmen über das Ohr meist mehr Informationen auf als über den Sehsinn. (Ach, man denke an den US-Thriller „Warte bis es Dunkel ist“, in welchem eine blinde Frau ihrem potentiellen Mörder überlegen ist, wenn es kein Licht im Haus gibt und für Opfer und Täter gleiche Bedingungen herrschen.) Also: Wer nicht, oder wer Nichts sieht, der hat durchaus auch Chancen, zu überleben. Gerade in der Musik. </p>
<p>Dabei ist die Wechselbeziehung von Bild und Musik, von Malern und Komponisten lang und fruchtbar. Meist beneiden in dieser Beziehung die bildenden Künstler die Musiker um die Imaterialität ihrer Kunst: „Ich beneide Sie sehr„, schreibt Kandinsky 1911 an Arnold Schönberg, „wie unendlich gut haben es die Musiker in ihrer so weit gekommenen Kunst. Wirklich ‚Kunst‘, die das Glück besitzt, auf reinpraktische Zwecke vollkommen zu verzichten. Wie lange wird wohl die Malerei noch darauf warten müssen?“ Die Malerei wartet weiter und die Musik ist zu unsicher, ihre Chance und ihr Glück der imateriellen Bildlosigkeit zu erkennen und zu nutzen. Auch in ihrer Welt wird von neuer Bildsprache und neuen Sehweisen geschwätzt. Ein Sinfoniekonzert wird aber nicht dadurch spannender, dass man das Orchester während der Aufführung abwechselnd in blaues, rotes oder gelbes Licht taucht oder sonst irgendwelche optisch-psychedelischen Mätzchen veranstaltet, um es zum Beispiel „fernsehkompatibel rüberzubringen“. Auf der Bühne ist das etwas anderes: Natürlich will niemand mehr Aufführungen, die optisch so anspruchslos sind wie vor dreißig Jahren, als das Publikum im Schummerlicht hinter einem Gazevorhang die Sänger auf der Bühne erahnen musste. Natürlich will auch kein Theatermensch „konzertante Aufführungen“. Diese werden zwar von Dirigenten geliebt, aber Dirigenten sind eben auch wirklich keine Augenmenschen, gehen selten in Museen und beschäftigen sich mit bildender Kunst so gut wie gar nicht. </p>
<p>Durchaus typisch dafür, was in den vergangenen 30 Jahren zum Thema Bildsprache auf der Bühne stattfand, ist die Bayerische Staatsoper. In jenen Jahren, in denen Peter Jonas das Münchner Haus leitete, änderte er die Ästhetik des Sehens massgeblich. Das war damals auch höchste Zeit. Jonas änderte die Optik durch Regisseure des anglo-amerikanischen Britpop. Nur erwies sich auch das als Sackgasse, indem alles sehr ähnlich wurde: Als die Wagner-Opern aussahen wie die Händel-Opern; und ein Werk Tschaikowskys in der selben optischen Ästhetik spielte wie eines von Alban Berg, da war Schluss mit dem Konzept der poppigen, bunten Bilder. Was blieb also von der Ära Jonas im Gedächtnis? Das Bild des umkippenden Dinosauriers in „Giulio Cesare“, oder das Bild der an einer Milchtüte saugenden Kuh in „Calisto“, oder das Bild eines Bären am Bartresen in „Pique Dame“ &#8230; Es blieben Bilder im Kopf – keine Töne wie sie noch aus der Ära Sawallisch nachhallen. München ging mit Sir Peter Jonas durch eine Schule des Sehens. Im Schauspiel wird gedacht, in der Oper gefühlt. </p>
<p>Nikolaus Bachler ist ein kluger Intendant: Bei ihm kann man auch in der Oper denken. Dass ihm dabei Werke wie „Jenufa“, „Wozzeck“, oder Poulencs „Dialogues des Carmélites“ zu großen Erfolgen gerieten und nicht jene Stücke des traditionellen Kanons wie „Aida“, „Lohengrin“ oder „Don Giovanni“, könnte sich auch aus dem Umgang mit der Bildersprache erklären. Die drei Erfolgsproduktionen sind in ihrer Optik wesentlich reduzierter, puristischer, visuell klüger und moderner. Das Gärtnerballett zu Beginn des 3. Aufzugs „Lohengrin“ wäre in der Ära Jonas wahrscheinlich ein poppiger, optischer Erfolg gewesen. Heute kann man überlegen, ob diese Tanzeinlage noch lächerlich, oder ob sie schon lachhaft ist. Denn gerade auch „wie„ wir etwas sehen, unterliegt den Moden. „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt.“ Nochmal Goethe. Das Schauen fordert Reflektion. Sie muss das Opernpublikum – nicht nur in München – nach einer Flut der Bilder und des Gesehenen wieder lernen.</p>
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		<title>Komplexität dient mir nur als Kulisse</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/komplexitat-dient-mir-nur-als-kulisse/5445</link>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 16:10:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[crescendo 2010-04]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
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		<category><![CDATA[Tonsetzer]]></category>

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		<description><![CDATA[Thomas Lacher ist ebenso ein höflicher wie faszinie-render Mensch und, so abgedroschen es auch klingen mag, ein genialer Komponist. Von Burkhard Schäfer Wenn die altertümliche Bezeichnung „Tonsetzer“ noch auf irgendjemanden zutrifft, dann auf ihn. Sicher ist: Kaum ein anderer seiner Zunft dürfte so viele bereits „gesetzte“ Noten wieder „umgesetzt“ oder gar ausradiert haben wie er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5447" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img class="size-full wp-image-5447" title="Thomas Larcher" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Thomas-Larcher_Foto_Dominik-Gigler_ECM-Records.jpg" alt="Thomas Larcher" width="180" height="258" /><p class="wp-caption-text">Thomas Larcher; Foto: Dominik Gigler/ECM Records</p></div>
<p><strong>Thomas Lacher ist ebenso ein höflicher wie faszinie-render Mensch und, so abgedroschen es auch klingen mag, ein genialer Komponist.</strong></p>
<p><em><strong>Von Burkhard Schäfer</strong></em></p>
<p>Wenn die altertümliche Bezeichnung „Tonsetzer“ noch auf irgendjemanden zutrifft, dann auf ihn. Sicher ist: Kaum ein anderer seiner Zunft dürfte so viele bereits „gesetzte“ Noten wieder „umgesetzt“ oder gar ausradiert haben wie er &#8230;</p>
<p>Der Blick aus dem Fenster scheint zu schön um wahr zu sein und erinnert ein bisschen an diese kolorierten Kitsch-Postkarten, die im 19. Jahrhundert nicht nur bei Touristen in Mode waren: grüne Bergwiesen, grasende Kühe und stattliche Tannen im Vordergrund, die Gipfelkette des majestätischen Karwendelgebirges im Hintergrund. Der österreichische Ort Weerberg, den Thomas Larcher sich als Refugium und Arbeitsraum auserkoren hat, liegt, auf einem sonnigen Mittelgebirgs-Plateau über dem Inntal in 900 Metern Höhe.<span id="more-5445"></span> Das Vertrautsein mit und das Sich-Bewegen in der Landschaft ist dem gebürtigen Innsbrucker und leidenschaftlichen Kletterer essenziell, als ein typischer Vertreter der österreichischen Musik will er aber gleichwohl nicht betrachtet werden. „Nancarrow, Ligeti und Steve Reich haben mich mehr geprägt als die Zweite Wiener Schule“, sagt Thomas Larcher in seinem schönen österreichischen Akzent, der ins Schweizerische hinüberspielt. Das Schönbergsche Denken sei ihm wesensfremd, vielmehr sei Béla Bartók sein großes Vorbild gewesen. „Der Anspruch, immer an der Spitze stehen zu müssen, hat mich erschlagen, da konnte ich nur flüchten, weg vom Musikbetrieb in die Stille der Berge, um mein eigenes Ding zu machen.“</p>
<p>Ein Einsiedler ist aus ihm in den Bergen aber nicht geworden, im Gegenteil. Als Gründer und Leiter des Festivals „Klangspuren“ und „Musik im Riesen“ hat ihn der Betrieb fest im Griff, hinzu kommen die wachsende Zahl an Auftragskompositionen, die ihn mittlerweile aus allen Teilen der Welt erreichen. Dass er sich als Komponist durchsetzen konnte, habe er vor allem auch seinem Freund und Förderer, dem ECM-Gründer Manfred Eicher, zu verdanken, der an ihn geglaubt und ihn immer wieder ermuntert habe, weiterzuschreiben. Noten auf das Papier zu bringen ist für Larcher dabei keine bloße Metapher, sondern eine körperliche Tätigkeit, mithin eine Art Sport, bei der noch „echtes“ Notenpapier, viele Bleistifte und noch viel mehr Radiergummis zum Einsatz kommen. „Im Grunde bin ich überhaupt kein Komponist“, erklärt Larcher in seiner entwaffnend bescheidenen und unaffektierten Art und lacht dabei, während er sich mit der Hand verschämt über seinen fast kahlen Kopf streicht, als sei es ihm peinlich, dass so viel Aufhebens um seine Person gemacht wird. Während er das sagt, hat er eine Dose aus der Schublade hervor gekramt, die er mit unter die Nase hält.</p>
<p>Der Geruch ist mir irgendwie vertraut, ich erkenne aber nicht sofort, was die unzähligen amorphen und missfarbigen kleinen Kügelchen darstellen sollen – bis es mir wie Schuppen von den Augen fällt: Radiergummis, genauer: Radiergummireste sind das, die dort in der Dose zu Aberhunderten gesammelt und gehortet werden. Es sein auch eine Form der „infantilen Weigerung“ von ihm, der Partitur im Computerzeitalter noch mit analogem Handwerkszeug zu Leibe zu rücken, dafür würde er sich aber viel genauer überlegen, was er dann wirklich im Text belasse, ohne es dem Radier-Ritual zu opfern. „Auch Schere und Uhu sind für meinen Arbeitsprozess unverzichtbar“, sagt Larcher, „oft liegt die Partitur auf dem Fußboden und ich gehe und bastele bis zum Wahnsinnigwerden darin herum, bis ich das Gefühl habe, dass alles in sich stimmig ist.“</p>
<p>Trotz allem ist Larcher so ziemlich das Gegenteil eines Digital-Verweigerers. Der Anfang seines Klavierkonzerts „Böse Zellen“ wäre gar nicht denkbar gewesen ohne elektronische Experimente und das „Zurückrechnen digitaler Sounds auf rein akustische Klänge“, wie Larcher sagt. Es seien gerade diese Kippeffekte – vom Digitalen ins Analoge, von der Akzeleration ins Meditative –, die ihn immer in ihren Bann gezogen hätten. Ähnlich verhalte es sich auch mit der gern zitierten Vielschichtigkeit seiner Werke: „Diese Komplexität dient mir im Grunde nur als Vorbau und Kulisse, um dann im entscheidenden Augenblick davon ablassen zu können, um einen Moment der Ruhe zu erreichen.“ Überhaupt sind es die Aspekte der Geschwindigkeit, besser gesagt: der Entschleunigung, denen Larcher in seinen Werken nachspürt: „Abläufe in Zeitlupe haben mich immer fasziniert“, sagt er und gibt ein Beispiel, das ihm die Ohren geöffnet hat: Bei einer Radiosendung über Vogelstimmen habe sich das scheinbar chaotische Zwitschern durch zeitgedehntes Abspielen zu einfachen und nachvollziehbaren Dreiklängen entzerrt.</p>
<p>Und genau diese hinter der Vielschichtigkeit verborgene Einfachheit, die Larcher als Puls und Rhythmus im Menschen verankert sieht, will er auf keinen Fall verleugnen: „Viele moderne Komponisten haben ein Misstrauen gegen die grundlegenden Dinge im Menschen entwickelt. Dagegen komponiere ich an. Musik muss vom Körper verstanden werden.“ Die Schwierigkeit beim Hören von Schönberg sei nicht die Atonalität und Dodekaphonie, sondern die Geschwindigkeit, mit der die musikalischen Ereignisse aufeinanderfolgen. „Ich komme da einfach nicht mit.“ Während er das sagt, wandert sein Blick nachdenklich zu Boden, als schaue er in seiner Partitur nach Noten, die er noch ausradieren kann. In diesem Augenblick erinnert er an einen der ganz großen österreichischen  Komponisten, der auch von sich glaubte, gegen die Überfigur Beethoven ‚nicht mitzukommen’ – während er doch schon längst musikalisches Neuland betreten hatte, von dem andere nur träumen konnten: Franz Schubert.</p>
<div id="attachment_5446" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5446" title="CD &quot;Madhares&quot;, Thomas Larcher" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/CD-Madhares_Larcher_ECM.jpg" alt="CD &quot;Madhares&quot;, Thomas Larcher" width="120" height="120" /><p class="wp-caption-text">CD &quot;Madhares&quot;, Thomas Larcher; ECM</p></div>
<p><em>Madhares, die neue CD von Thomas Larcher, wurde mit Till Fellner und Kim Kashkashian als Solisten, dem Quatuor Diotima und dem Münchener Kammerorchester unter Dennis Russell Davies eingespielt (ECM).</em></p>
<img src="http://www.crescendo.de/blog/?ak_action=api_record_view&id=5445&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Andris Nelsons: Nordischer Feuervogel im Anflug auf Bayreuth</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/andris-nelsons-nordischer-feuervogel-im-anflug-auf-bayreuth/5243</link>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 22:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Lette Andris Nelsons (31) will bei den Festspielen das Publikum euphorisieren – wahrscheinlich schafft er das auch. Von Christa Hasselhorst „Weißt Du, wie das wird?“ – Die berühmte Nornenfrage aus der ‚Götterdämmerung‘ beantwortet Andris Nelsons mit vielsagend grinsendem Schweigen. Klar weiß er es. Aber sagen darf er nichts. Nur soviel: Mittelmaß gibt es mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5244" class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img class="size-full wp-image-5244" title="Andris Nelsons" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Andris-Nelsons_Foto_MarcoBorggreve.jpg" alt="Andris Nelsons" width="160" height="238" /><p class="wp-caption-text">Andris Nelsons; Foto: Marco Borggreve</p></div>
<p><strong>Der Lette Andris Nelsons (31) will bei den Festspielen das Publikum euphorisieren – wahrscheinlich schafft er das auch.</strong></p>
<p><em><strong>Von Christa Hasselhorst</strong></em></p>
<p>„Weißt Du, wie das wird?“ – Die berühmte Nornenfrage aus der ‚Götterdämmerung‘ beantwortet Andris Nelsons mit vielsagend grinsendem Schweigen. Klar weiß er es. Aber sagen darf er nichts. Nur soviel: Mittelmaß gibt es mit dem Skandal-Garanten Hans Neuenfels nicht! Wenn sich am 25. Juli auf dem Grünen Hügel der Vorhang öffnet für die Eröffnungs-Premiere von „Lohengrin“, wird das reizvolle Doppel Neuenfels-Nelsons für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen als Bayreuth ohnehin schon auf sich zieht. Der alte Regie-Hase und notorische Agent Provocateur Neuenfels und der junge Shooting-Star sind beides Debütanten in Bayreuth.<span id="more-5243"></span></p>
<p>Hat Nelsons keine Angst vor dem Bilderstürmer und Bühnen-Berserker aus Berlin? „Neuenfels ist sooo ein Held! Ich sah seine ‚Fledermaus‘ in Salzburg, oh mein Gott, das war grandios! Eines ist sicher: es wird kein Schwan auf der Bühne sein“, sagt Nelsons und lacht verschmitzt. Und die Musik? Wird sie nicht zu sehr dominiert vom visuellen Geschehen auf der Bühne? „Unser beider Held in dieser Nacht ist Wagner“, versichert Nelsons, „wir sind seine Partner. Wagner wollte keine Illustrationen, sondern Ideen – da erlaubt uns seine Musik, sehr erfinderisch zu sein.“ Obendrein spüre das Publikum sehr genau, ob ein Regisseur nur sein Ego auf die Bühne bringen wolle. „Wagner war sehr jung, als er ‚Lohengrin‘ komponierte, ich bin sehr jung – da bin ich froh, dass Neuenfels als ‚old guy‘ dabei ist“, grinst er.</p>
<p>Bayreuth ist der nächste Achttausender des Gipfelstürmers Andris Nelsons. Der 31-jährige Lette wird als eines der vielversprechendsten Talente der jungen Dirigenten-Generation gehandelt. Er ist Europas Antwort auf den glutvollen Südamerikaner Gustavo Dudamel. Beileibe kein Kühler aus dem Norden. Mit Esprit, Temperament, glühender Leidenschaft und sinnlicher Intensität reißt er nicht nur jedes Orchester mit, sondern euphorisiert auch stets das Publikum. Ob letztes Jahr in Salzburg mit Schostakowitsch oder im April beim Debüt mit der Berliner Staatskapelle. Da wurde selbst ein überstrapazierter Repertoire-Klassiker so frisch und neu definiert, als hörte man ihn zum ersten Mal. Der Strauss’sche Fetzer „Also sprach Zarathustra“ (dessen Beginn auch Nicht-Klassik-Fans durch den Stanley-Kubrik-Film „2001:Odyssee im Weltraum“ im Ohr sitzt) wurde von Nelsons in seiner ganzen Zerrissenheit kongenial, mal derb laut, dann süffig-schwelgerisch, aber stets präzis, dirigiert. Jubel für Nelsons und die Staatskapelle.</p>
<div id="attachment_5250" class="wp-caption alignnone" style="width: 230px"><img class="size-full wp-image-5250" title="Andris Nelsons" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/AndrisNelsons_Foto2_MarcoBorggreve.jpg" alt="Andris Nelsons" width="220" height="155" /><p class="wp-caption-text">Andris Nelsons; Foto: Marco Borggreve</p></div>
<p>Das Orchester war dem längst nicht mehr als Geheimtipp geltenden Letten schon bei der ersten Probe willig gefolgt. Da bezirzte er durch eine Melange aus Profession, geistreichem Charme und Originalität. „Denken Sie bei dieser Stelle an ein wohliges Schaumbad! Mein Leben ist Konzert, Flughafen und Hotel. Dort versinke ich dann in einer warmen Wanne“, sagt er, gestikuliert und zeigt seligstes Grinsen, im Orchester wird gekichert. Er spricht gutes Deutsch – schließlich war er etliche Jahre Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford – sagt sehr viel „Bitteschön, Dankeschön, könnten wir versuchen …?“ Kein Pult-Tyrann, keine Maestro-Attitüde. In der Pause meint ein junger Bassist: „Bei ihm ist kein Gefälle zwischen Probe und Konzert, beides hat gleich hohes Niveau – das ist nicht immer so!“ Nelsons gesteht später auf die Frage, ob er beim Debüt mit einem neuen Orchester nervös sei: „Immer, vor allem bei den Proben! Die sind das Wichtigste; da wird das Fundament gebaut, da zeigt sich, ob die Chemie stimmt. Später beim Konzert ist das Lampenfieber einfach weg. Stress transformiert sich in pure Freude!“</p>
<p>Diese Freude an der Musik fesselt Orchester und Publikum auf Anhieb. Nelsons Leidenschaft überträgt sich wie ein glutvoller Funke. Ein Feuervogel, ein quecksilbriger Luftgeist Ariel mit Sprüngen à la Lenny Bernstein – und doch ganz präsent. Wie Simon Rattle, dessen Nach-Nachfolger des City of Birmingham Symphony Orchestra er seit 2008 mit viel Fortune ist, übersetzt er ekstatisch grimassierend Freude und Schmerz der Musik. Aber das ist niemals Show, sondern gelebte Emotion. Elegante Bein-Arbeit, federnde Gummi-Knie, die Hände Luft-Pirouetten drehend, erinnert er auch an seinen Mentor Mariss Jansons. „Mein größter Lehrer“, sagt der Lette über seinen Landsmann. Weil Jansons krankheitshalber die Premiere von „Carmen“ an der Wiener Staatsoper absagen musste – dank dem Traum-Paar Netrebko &amp; Garanča seit Monaten ausverkauft – gab Nelsons statt des geplanten Debüts mit der Sächsischen Staatskapelle den Einspringer in Wien. Das Echo: „Nelsons hinterließ mit der Neuausrichtung dieser Oper eine Visitenkarte in Wien, die man schnell wieder hervorkramen sollte“ (Kleine Zeitung).</p>
<p>Der steile Höhenflug Nelsons, Kind aus einer Musikerfamilie in Riga, wo er von 2003 bis 2007 Musikdirektor der Lettischen Nationaloper war, geht weiter. Im Oktober debütiert er bei den Berliner Philharmonikern, dirigiert diese Saison erneut am Royal Opera House Covent Garden London („Madame Butterfly“) und an der New Yorker Met („Pique Dame“). Für seine Einspielungen der „Feuervogel“ Ballettmusik erhielt er überschwengliches Kritiker-Lob, ebenso für die „Rosenkavalier-Suite“. Und wann dirigiert er seinen ersten Rosenkavalier? „Dafür muss mein Deutsch noch besser sein“, sagt er. „Der Text ist wichtig, um die erotische Parodie auf das Leben in der Musik zu verstehen. Ich werde in den nächsten Jahren viel in Wien sein und ich freue mich sehr darauf. Man muss den Charme der Stadt und die spezielle Atmosphäre inhalieren, die im ‚Rosenkavalier‘ so präsent ist.“</p>
<p>Dann erstmal Mozart? „Ich habe Respekt vor Mozart“, gesteht er glaubwürdig, „habe etliche Angebote abgelehnt! Mozart ist so kompliziert, so großartig!“ Da klingt keine falsche Bescheidenheit mit, dafür wirkt Nelsons viel zu locker, authentisch und ungemein sympathisch. Mozart oder nicht – dieser Dirigent wird, wie auch immer Bayreuth ausgehen wird, seinen Weg weiter nach oben machen.</p>
<div id="attachment_5247" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5247" title="CD &quot;Igor Stravinsky - The Firebirds, Symphony of Psalms&quot;, Nelsons" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/CD-_Igor_Stravinsky_Nelsons_Orfeo.jpg" alt="CD &quot;Igor Stravinsky - The Firebird, Symphony of Psalms&quot;, Nelsons" width="120" height="120" /><p class="wp-caption-text">CD &quot;Igor Stravinsky - The Firebirds, Symphony of Psalms&quot;, Nelsons; Orfeo</p></div>
<p><em>Andris Nelsons neue CD mit Werken von Strawinsky ist vor kurzem bei Orfeo erschienen. Live ist er am 1.7. beim Klavier-Festival Ruhr, ab 25.7. in Bayreuth und am 14.8. auf der Berliner Waldbühne zu erleben.</em></p>
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		<title>Einmal Abu Dhabi und zurück</title>
		<link>http://www.crescendo.de/blog/einmal-abu-dhabi-und-zuruck/5284</link>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 06:35:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Abu Dhabi]]></category>
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		<category><![CDATA[Musikfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Persischer Golf]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[UAE]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinigte Arabische Emirate]]></category>

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		<description><![CDATA[Was passiert, wenn man einen Mitarbeiter zum Klassik-Festival an den Persischen Golf sendet? Wir haben es getestet. Ein Erlebnisbericht. Von Jens F. Laurson Wenn man noch nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) war, weiß man über dieses sieben-geteilte Land von wetteifernden Scheichtümern nur bedingt viel: Hohe Häuser, phantasievoll gestaltete künstliche Inselwelten, eine Formel-1-Rennstrecke und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5286" class="wp-caption alignnone" style="width: 230px"><img class="size-full wp-image-5286" title="Abu Dhabi: Emirates Palace Hotel" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Abu-Dhabi_Ground-of-Emirates-Palace_Foto_Abu-Dhabi-Festival.jpg" alt="Abu Dhabi: Emirates Palace Hotel" width="220" height="142" /><p class="wp-caption-text">Abu Dhabi: Emirates Palace Hotel; Foto: Abu Dhabi Festival</p></div>
<p><strong>Was passiert, wenn man einen Mitarbeiter zum Klassik-Festival an den Persischen Golf sendet? Wir haben es getestet.<br />
Ein Erlebnisbericht. </strong></p>
<p><em><strong>Von Jens F. Laurson</strong></em></p>
<p>Wenn man noch nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) war, weiß man über dieses sieben-geteilte Land von wetteifernden Scheichtümern nur bedingt viel: Hohe Häuser, phantasievoll gestaltete künstliche Inselwelten, eine Formel-1-Rennstrecke und ein bisschen Finanzkrise. Und – immerhin seit sieben Jahren in der Hauptstadt des Landes – auch das Abu Dhabi Festival, welches große Klassik verspricht und in diesem Jahr aus aller Welt Journalisten einlud, um darüber zu berichten.<br />
Ich war einer davon.<span id="more-5284"></span></p>
<p>Das Festival war schon in vollem Gang, als ich gefragt wurde, ob ich nicht kurzfristig nach Abu Dhabi reisen wollte. Als der Airbus von Ethiad Airways um acht Uhr Abends landete, erwartete mich eine Nachricht auf dem Telefon: „Körper vom Bruder des Scheichs gefunden. Festival für drei Tage wegen Staatstrauer abgesagt. Wollen Sie zurückfliegen oder bleiben?“</p>
<p>Scheich Ahmed bin Zayed Al Nahyan, der mit einem Segelflugzeug in Marokko in einen Stausee stürzte, war nicht nur der Bruder von Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, dem Emir von Abu Dhabi und Präsidenten der UAE, sondern leitete auch den größten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Den richtigen Vater oder Bruder zu haben ist im Scheichtum, mehr noch als in der (modernen) westlichen Welt, eminent wichtig.</p>
<p>Die traditionelle Staatstrauer, streng in Abu Dhabi und etwas weniger streng in den anderen Emiraten zu befolgen, bedeutete, dass die schon in Kostümen, hinter der Bühne aufgereihten Ballettdamen, wieder herunterbeordert wurden. Und das bei der einzig ausverkauften Vorstellung des Festivals. Alle Radiostationen spielten nur noch Klassische Musik oder Korangesänge. Leif Ove Andsnes, der am nächsten Abend seine Show „Pictures Reframed“ darbieten sollte, nahm stattdessen den nächsten Flieger nach Hause, und Yundi (ehem. Yundi Li) konnte sich die Reise sparen: Sein Chopin-Abend fiel ins Wasser. Allein das Pferderennen durfte noch beendet werden. Prioritäten gibt es schließlich auch in den UAE.</p>
<p>Ich blieb natürlich, denn auch ein Klassikfestival mit wenigen klassischen Konzerten kann interessant sein, und ich war ja nicht für Leif Ove Andsnes oder Arabella Steinbacher in Abu Dhabi, sondern des allgemeinen Eindrucks wegen. Drei unerwartete Tage Freizeit erlauben einem, richtig herumzuschnuppern, Supermärkte und Moscheen zu besuchen, Restaurants zu erkunden.</p>
<p>Das ganze Land scheint auf den ersten Blick leicht parfümiert zu sein. Der Flughafen. Das Taxi. Das Hotelzimmer. Der Aufzug. Eine in vielen Variationen, immer unterschiedliche Mischung aus Rosen, Apfelrauch und Schuhcreme. Das Klima im April ist schön warm, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit spürt man schon den heißen Sommer im Nacken, in dem alle Bewohner, die können, das Land verlassen. Später Oktober, November und Februar wurden mir von allen Seiten als ideale Monate in Abu Dhabi empfohlen. In allen anderen Monaten spielt sich das Leben nur in klimatisierten Räumen ab, unterbrochen nur von Ortswechseln in eisig gekühlten Autos und Limousinen.</p>
<div id="attachment_5287" class="wp-caption alignnone" style="width: 190px"><img class="size-full wp-image-5287" title="Abu Dhabi: Sonnenuntergang in der Stadt" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Abu-Dhabi_Sonnenuntergang-in-der-Stadt_Foto_Abu-Dhabi-Tourism.jpg" alt="Abu Dhabi: Sonnenuntergang in der Stadt" width="180" height="270" /><p class="wp-caption-text">Abu Dhabi: Sonnenuntergang in der Stadt; Foto: Abu Dhabi Tourism</p></div>
<p>Emiratis, die nur knapp 20 Prozent der Bevölkerung des Einwander- und Gastarbeiterlandes ausmachen, sind Sportfanatiker, was sich in den vielen Stadien wiederspiegelt, die man schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt Abu Dhabi – eine Insel ähnlich wie Manhattan – sieht. Alles auch zu später Stunde, denn die Emiratis sind Beleuchtungsmeister. Nicht nur die Stadien sind rund-um-die-Uhr beleuchtet. Auf als solche kaum zu erkennenden Baustellen ragen neunarmig grün-schimmernde Tentakeln in den Nachthimmel, wie gigantische Endzeitkraken … es sind die vielen Kräne, die man für Lichtinstallationen halten könnte.</p>
<p>Schnell bemerkt man einen ästhetischen Grundunterschied zum Westen: Prunk – um nicht zu sagen: Protz – ist im Mittleren Osten keineswegs verpönt. Darüber könnte man leicht und sehr selbstgefällig-überlegen lächeln, aber das geht auf eine andere Definition von Luxus zurück. Für den Deutschen – wenn wir schon mal in Stereotypen wühlen – ist Luxus, wenn er seinem Perfektionsdrang freien Lauf lassen kann. Reichtum in einem europäischen Haus zeigt sich am besten in der Küche oder im Bad. Im Mittleren Osten und Süd-Asien ist Luxus eher mit „Schönheit“ beziehungsweise Opulenz verbunden. Die repräsentativen Räume, das Wohn- und Empfangszimmer sind wichtig. Badezimmer nicht.</p>
<p>Das sehr ungestörte Verhältniss zum Prunk erklärt vielleicht auch die „Guinnessbuch der Rekorde Mentalität“ der UAE. Zwar haben Nord Korea, Jordanien, und Turkmenistan inzwischen den höchsten Flaggenmastrekord überboten, aber Abu Dhabi hat immer noch den größten durchgehenden Teppich der Welt, das (angeblich) teuerste Hotel der Welt, und nachdem man dem kleinen Pleitebruder Dubai mal eben mit 20 Milliarden Dollar unter die Arme griff, ist auch das höchste Gebäude der Welt in Dubai nach der Abu Dhabischen Regentenfamilie „Burj Khalifa“ benannt worden. Dabei ist alleine schon die Stadt an sich eine Leistung: Eine grüne urbane Oase, die sich aus der Wüste in die Weltöffentlichkeit entwickelt hat. Ein Las Vegas des Nahen Ostens, mit Pferde- und Kamelrennen anstatt Black Jack.</p>
<p>Und wie in Las Vegas, nur in noch größerem Maßstab, ist auch die Kultur als Statussymbol besonders wichtig. In Nevada gab es eine Heremitage-dépendance, in Abu Dhabi wird kräftig an der Kulturinsel Saadiyat gebaut: Die Guggenheim-Zweigstelle bekommt ein von Frank Gehry ersponnenes Museum. Der Louvre ein hinreißend fragiles UFO-Rund von Jean Nouvel, und für Oper und Konzerte kreierte Zaha Hadid eine Behausung, die aussieht wie eine angeschmolzene Yacht. Tadao Ando präsentiert sich mit einem schockierend geschmackvollen, einfachen, zurückhaltenden Museum für das einzig genuin Emiratische auf der Insel: Ein Museum maritimer Kultur, das auf die tausende von Jahre alte Handels- und Perlenfischertradition des Arabischen Golfes blickt. Diese Insel ist Teil eines fast 30 Milliarden Dollar schweren Projektes, in dem es für das überschaubare Abu Dhabi Festival schon mal schwer sein kann, sich entsprechend bemerkbar zu machen.</p>
<p>Doch nun zum eigentlichen Grund der Reise: Die Schirmherrin und Gründerin des Festivals und der dahinterstehenden Organisation, der Abu Dhabi Music &amp; Arts Foundation (ADMAF), Ihre Hoheit Hoda Al Khamis Kanoo, ist eine zurückhaltend-glamouröse Dame mit großen und hehren Zielen über Kulturaustausch, Respekt und die Zukunft der Menschheit. Konkretes mag sie mit dem Festival zwar geschaffen haben, in einem einer Audienz gleichenden Interview beschränkt sie sich aber auf Plattitüden. Dass auch absolut ernst gemeinte Plattitüden Wert haben, soll hier nicht geleugnet werden; von Frauenrechten und kulturübergreifender Toleranz hört man gerne, besonders in arabischen Ländern. Da übersieht man schon mal die zum Teil spärlichen Zuschauerzahlen des hauptsächlich aus dem Westen stammenden Publikums im Auditorium des wie ein Märchenschloss anmutenden Emirates Palace Hotel.</p>
<p>Der Beitrag von Jazz-Trompeter Wynton Marsalis zu alldem war indirekt, aber sein durch-und-durch professionelles Konzert begeisterte wie kein anderes, das ich besuchte. Kulturaustausch wurde auf der Bühne nicht nur gepredigt sondern vorgelebt. Der irakische Musiker Naseer Shamma, einer der großen Virtuosen der Oud – der federleichten Ur-Laute aus dem Mittleren Osten – kam auf die Bühne und dann improvisierten Marsalis, seine Band und Shamma zusammen in hinreißendem musikalischen Geben und Nehmen. Marsalis bekundete auf der Stelle den Beginn einer wunderbaren Freundschaft und zukünftiger Kooperation. Und Shamma konnte nach dem Konzert am Vorabend mit der Ägyptischen Philharmonischen Gesellschaft – das allerdings ein aus Lautsprechern schepperndes Rossini-Desaster war – glorios beweisen, was wirklich in ihm steckt. Dass bei dem Freiluft Konzert von Il Divo (Pop Lieder auf italienisch übersetzt, mit viel Vibrato und geballter Verstärkerkraft und unter schmachtenden Blicken dem Publikum als „Oper“ entgegengeschleudert) viele Emiratis vor der Zugabe das Weite suchten, spricht für so etwas wie die Existenz eines Kulturübergreifendem Ästhetikverständnisses.</p>
<p>Jalal Luqman, einer der wenigen Emiratischen Künstler von internationalem Rang und erfrischenderweise so gar nicht auf der offiziellen „Make Nice, Not News“-Schiene des Landes, spricht ganz offen davon, dass die UAE versuchen, in weniger als 20, 30 Jahren aufzuholen, was andere Kulturen in 300 oder gar 3000 Jahren aufgebaut haben. Es fehle allerdings noch ein wenig das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in Eigenes, weswegen vom Diabetiszentrum über die Universitäten bis zu den Museen immer ein bekannter westlicher Partner Pate stehen muss. Die ganze Region denke in ikonischen Dimensionen, auch weil die Erfahrung des letzten halben Jahrhunderts dieses Denken bestätigt. Als der Jebel Ali Hafen von Dubai gebaut wurde, wollte keiner an Erfolg oder gar Auslastung glauben. Die Abu Dhabi-Dubai Autobahn, wo vorher nur eine staubige Schotterstraße war, wurde mild belächelt – inzwischen sind beide überlastet. Bis zur Finanzkrise (die Abu Dhabi kaum tangierte) gab es keine Obergrenze. Und so würde nun Kultur aus dem Boden gestampft werden. Jalal meint ganz unumwunden, dass Kultur in den Emiraten zwar auch – aber eben nicht nur – ein Feigenblatt und ein Spielzeug der Reichen sei.</p>
<p>Kultur ist eine Zukunftsinvestition in Abu Dhabi, nicht nur als Tourismusattraktion für die Zeit nach dem Öl, oder um Dubai eins auszuwischen, sondern auch um sich als weltoffene, tolerante und deshalb florierende Gesellschaft zu etablieren. In diesem Plan sind Colin Davis und Krysztof Penderecki zwei der tausend Blumen die im Scheichtum blühen sollen.</p>
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		<title>Hinter der Bühne</title>
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		<pubDate>Tue, 18 May 2010 13:59:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[crescendo-Team]]></category>
		<category><![CDATA[Attila Csampai]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Strauss]]></category>
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		<category><![CDATA[Jens F. Laurson]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwei neue Kolumnisten, ein Vielschreiber, ein neuer Autor und zwei Nachkommen, die wir bei einer Veranstaltung trafen. Attila Csampai Attila Csampai, geboren in Budapest, ist ein wahrer Kenner der Klassikszene. Er rezensiert seit 1974 in allen wichtigen Fachmagazinen und hat an vierzig Musikbüchern als Autor und Herausgeber mitgewirkt, darunter Standardwerke wie „Der Opernführer“ oder „Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5395" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5395" title="Attila Csampai" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Attila-Csampai_Foto_privat.jpg" alt="Attila Csampai" width="120" height="160" /><p class="wp-caption-text">Attila Csampai; Foto: privat</p></div>
<p><strong>Zwei neue Kolumnisten, ein Vielschreiber, ein neuer Autor und zwei Nachkommen, die wir bei einer Veranstaltung trafen.</strong></p>
<p><strong>Attila Csampai</strong><br />
Attila Csampai, geboren in Budapest, ist ein wahrer Kenner der Klassikszene. Er rezensiert seit 1974 in allen wichtigen Fachmagazinen und hat an vierzig Musikbüchern als Autor und Herausgeber mitgewirkt, darunter Standardwerke wie „Der Opernführer“ oder „Der Konzertführer“. Csampai wird uns etwas mehr Überblick in die Rezensionen geben. Er testet von nun an in jeder crescendo-Ausgabe die wichtigsten CD´s des Monats.<span id="more-5393"></span><br />
<em></em><br />
<em></em></p>
<div id="attachment_5401" class="wp-caption alignnone" style="width: 110px"><img class="size-full wp-image-5401" title="Jens F. Laurson" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Jens-F-Laurson_Foto_privat1.jpg" alt="Jens F. Laurson" width="100" height="178" /><p class="wp-caption-text">Jens F. Laurson; Foto: privat</p></div>
<p><em></em><br />
<strong>Jens F. Laurson</strong><br />
Laurson, der in den vergangenen Jahren vorwiegend in amerikanischen Medien (Washington Post, u. a.) publizierte, reiste für seine erste crescendo-Reportage nach Abu Dhabi. Was Laurson beim dortigen Klassik Festival erlebte und warum er zu einem schlechten Zeitpunkt ankam, lesen Sie unter <a title="crescendo 4/2010: Einmal Abu Dhabi und zurück" href="http://www.crescendo.de/blog/einmal-abu-dhabi-und-zuruck/5284" target="_blank">„Einmal Abu Dhabi und zurück“</a>.<br />
<em></em><br />
<em></em></p>
<div id="attachment_5405" class="wp-caption alignnone" style="width: 170px"><img class="size-full wp-image-5405" title="Christian Strauss und Paul Gulda" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/03/Christian-Strauss_und_Paul-Gulda_Foto_Bob-Coat.jpg" alt="Christian Strauss und Paul Gulda" width="160" height="120" /><p class="wp-caption-text">Christian Strauss und Paul Gulda; Foto: Bob Coat</p></div>
<p><em></em><br />
<strong>Christian Strauss und Paul Gulda</strong><br />
Zu einem ungewöhnlichen Treffen kam es im Münchner Kaufhaus Ludwig Beck. Christian Strauss, Enkel des Komponisten Richard Strauss, sprach mit Paul Gulda, Sohn des Pianisten Friedrich Gulda, über die neue CD „Friedrich Gulda spielt Richard Strauss“. Auf die Frage, ob Richard Strauss – ähnlich wie Friedrich Gulda – humorvoll gewesen sei, antwortete Enkel Christian knapp: „Ja, ich denke, anfangs schon, später aber nicht mehr.“ Was Paul Gulda über seinen Vater berichtete, lesen Sie in der ausführlichen Geschichte von Ralf Dombrowski unter <a title="crescendo 4/2010: Soll der Storch doch nach Ibiza fliegen!" href="http://www.crescendo.de/blog/soll-der-storch-doch-nach-ibiza-fliegen/5309" target="_blank">„Soll der Storch doch nach Ibiza fliegen!“</a>.<br />
<em></em><br />
<em></em></p>
<div id="attachment_5398" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5398" title="Joachim Kaiser" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Joachim-Kaiser_Foto_Bob-Coat.jpg" alt="Joachim Kaiser" width="120" height="180" /><p class="wp-caption-text">Joachim Kaiser; Foto: Bob Coat</p></div>
<p><em></em><br />
<strong>Joachim Kaiser</strong><br />
Mit einer Prise Stolz dürfen wir eine neue Rubrik in crescendo verkünden. Von dieser Ausgabe 4/2010 an wird uns Deutschlands Klassik-Kritiker Nummer eins auf der letzten Seite des Magazins die Welt der klassischen Musik erklären. Unser Autor Tobias Haberl wird Herrn Kaiser regelmäßig zu Hause besuchen und mit ihm bei einer CD (und einer Tasse Kaffee) in die Tiefen der klassischen Musik eintauchen. Beginnen werden sie anlässlich des 200. Geburtstages mit dem Komponisten Robert Schumann. Siehe <a title="crescendo 4/2010: Dass Schumann ein Zerissener war, ist doch klar" href="http://www.crescendo.de/blog/dass-schumann-ein-zerrissener-war-ist-doch-klar/5327" target="_blank">„Dass Schumann ein Zerrissener war, ist doch klar“</a>.<br />
<em></em><br />
<em></em></p>
<div id="attachment_5399" class="wp-caption alignnone" style="width: 130px"><img class="size-full wp-image-5399" title="Tobias Haberl" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Tobias-Haberl_Foto_privat.jpg" alt="Tobias Haberl" width="120" height="171" /><p class="wp-caption-text">Tobias Haberl; Foto: privat</p></div>
<p><em></em><br />
<strong>Tobias Haberl</strong><br />
Der crescendo-Autor und gebürtige Regensburger hat für die crescendo-Ausgabe 4/2010 gleich drei Geschichten angeliefert: Haberl traf den ehemaligen Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas (siehe <a title="crescendo 4/2010: Ich war immer gegen Realismus auf der Bühne" href="http://www.crescendo.de/blog/ich-war-immer-gegen-realismus-auf-der-buhne/5229" target="_blank">„Ich war immer gegen Realismus auf der Bühne“</a>), die Sopranistin Patricia Petibon (siehe <a title="crescendo 4/2010: Als Sängerin bin ich nackt" href="http://www.crescendo.de/blog/als-saengerin-bin-ich-nackt/5255" target="_blank">„Als Sängerin bin ich nackt“</a>) und Joachim Kaiser (siehe oben) jeweils zum Interview. Beeindruckt haben ihn alle drei, aber „die unglaublich positive Art von Sir Peter“ habe ihn am Ende doch am meisten berührt.</p>
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		<title>Dass Schumann ein Zerrissener war, ist doch klar</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 17:20:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf eine CD mit Joachim Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[crescendo 2010-04]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[CD]]></category>
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		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Schumann]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf eine CD mit Joachim Kaiser: Deutschlands Kritiker Nr.1 erklärt uns die Welt der Klassik. Thema diesmal: Robert Schumann und sein 200. Geburtstag. crescendo: Im Juni feiert Robert Schumann seinen 200. Geburtstag. Berührt Sie das? Kaiser: Wenn ein unbekannter Komponist vor 300 Jahren gestorben ist, sage ich mir schon: Hm, Jochen, vielleicht hast du dich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5328" class="wp-caption alignnone" style="width: 230px"><img class="size-full wp-image-5328" title="Joachim Kaiser mit crescendo-Autor Tobias Haberl im Wohnzimmer seines Hauses" src="http://www.crescendo.de/blog/wp-content/uploads/2010/05/Joachim-Kaiser-mit-crescendo-Autor-Tobias-Haberl-im-Wohnzimmer-seines-Hauses_Foto_Bob-Coat.jpg" alt="Joachim Kaiser mit crescendo-Autor Tobias Haberl im Wohnzimmer seines Hauses" width="220" height="148" /><p class="wp-caption-text">Joachim Kaiser mit crescendo-Autor Tobias Haberl im Wohnzimmer seines Hauses; Foto: Bob Coat</p></div>
<p><strong>Auf eine CD mit Joachim Kaiser: Deutschlands Kritiker Nr.1 erklärt uns die Welt der Klassik. Thema diesmal: Robert Schumann und sein 200. Geburtstag.</strong></p>
<p><em>crescendo: Im Juni feiert Robert Schumann seinen 200. Geburtstag. Berührt Sie das?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Wenn ein unbekannter Komponist vor 300 Jahren gestorben ist, sage ich mir schon: Hm, Jochen, vielleicht hast du dich um den zu wenig gekümmert. Einer wie Schumann aber braucht so ein Jubiläum nicht. Der ist immer präsent.<span id="more-5327"></span> Ein Klavier- oder Liederabend ohne Schumann ist heute ja kaum denkbar.</p>
<p><em>crescendo: Wann hat er Sie zum ersten Mal richtig gepackt?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Mein Vater spielte oft seine Violinsonaten. Da war ich fünf oder sechs. „Du Papa, das ist tolle Musik&#8221;, sagte ich. Und mein Vater sagte: „Ach, mein Söhnchen, der Schumann schreit immer so. Schubert war viel weniger aufgeregt und hatte genauso viel zu sagen.“ Heute weiß ich, dass er mich nur bremsen wollte.</p>
<p><em>crescendo: Bremsen, weil Schumann so gefährlich romantische Musik geschrieben hat?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Naja, seine „Humoreske&#8221; zum Beispiel ist ja alles andere als lustig. Chopin hat auch romantische Musik ohne doppelten Boden geschrieben. Aber Sie haben schon recht, Schumann ergreift einen, weil er kein Weltanschauungsmusiker war. Der vertonte nicht eine bestimmte Idee vom Dasein wie Beethoven oder Wagner, der ging direkt auf seine Seelenlage ein. Schumann kann ganz lyrisch sein und im nächsten Moment schon fahl und verdämmernd: „Die Nacht bedecket die Runde,/(&#8230;)/ Und mich schauert´s im Herzensgrunde“ heißt es in einem Lied.</p>
<p><em>crescendo: Goethe hat geschrieben: „Das Klassische nenne ich das Gesunde, und das Romantische das Kranke.“ Trotzdem zieht es Sie an?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Natürlich. Die „Trauermarschsonate“ von Chopin oder eben Schumanns „Humoreske“, das ist wunderbare Musik. Trotzdem kommt es immer darauf an, dass das ästhetische Gelingen dem seelischen Zwiespalt angemessen ist.</p>
<p><em>crescendo: Sie haben Robert Schumann mal als Ihren Lieblingskomponisten angegeben. Was ist mit Beethoven, Bach, Mozart? </em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Ich weiß schon, dass die im Grunde größere Komponisten waren, aber diese ungebremste Jünglingshaftigkeit, dieser Schwung bei Schumann, dafür lohnt es sich einfach auf der Welt zu sein. Schumann hat mich übrigens nie als Patient, sondern immer als Produzent interessiert.</p>
<p><em>crescendo: Sie spielen auf seine Depressionen und seine bipolare Störung an. Neulich meinte ein Intendant, dass Schumann jetzt, wo die Gesellschaft offen über das Thema Depression spricht, neu entdeckt werden könne &#8230;</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Naja, wer Musik liebt, der weiß inzwischen, dass die große Musik nicht von Leuten komponiert wird, die unverstörte optimistische Seelen haben. Dass Schumann ein Zerrissener war, ist doch klar, und wer im Jahr 2010 herausfindet: „Donnerwetter, wie interessant, die Menschen haben Depressionen&#8221;, der ist ein bisschen spät dran. Im Übrigen hatte er auch manische, glückliche Phasen.</p>
<p><em>crescendo: Zum Beispiel? </em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Im ersten Jahr der Ehe mit Clara schrieb er 140 Lieder. Die Liebe muss ihn unglaublich beflügelt haben.</p>
<p><em>crescendo: Kennt der Kritiker Joachim Kaiser dieses Gefühl auch?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Wenn man sich verliebt, macht das Leben einfach mehr Spaß. Da lasse ich fünf auch mal gerade sein und habe weniger Lust, jemanden zu verreißen. Trotzdem glaube ich nicht, dass meine Kritiken anders ausgefallen sind, wenn ich frisch verliebt war.</p>
<p><em>crescendo: Was empfehlen Sie einem Schumann-Einsteiger?</em></p>
<p><strong>Kaiser:</strong> Die „Kinderszenen“, die sind übersichtlich, sehr melodisch, wirklich schön. Seine ganze romantische Genialität aber liegt im ersten Satz des Klavierkonzerts aus dem Jahr 1840/41, Dinu Lipatti hat das fabelhaft gespielt. Wem das nicht gefällt, für den ist Schumann verloren, der kann einem aber auch leid tun.</p>
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