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Über den Antrieb eines Unentschlossenen
Eva Gesine Baur hat zum 200. Geburtstag ein Buch über Frédéric Chopin geschrieben und sehr aufschlussreiche Thesen über dessen sensibles Wesen recherchiert.
Von Christoph Schlüren
Als Autorin ist sie ein Allrounder der Kultur des Sinnlichen: Eva Gesine Baur - auch bekannt unter dem Pseudonym Lea Singer (etwa mit dem brillanten Paul Wittgenstein-Roman “Konzert für die linke Hand”) - ist Kochkünstlerin, Chronistin, Schriftstellerin und populäre Geisteswissen-schaftlerin in Personalunion. Nun hat sie pünktlich zum 200. Geburtstag eine Biographie von Frédéric Chopin vorgelegt - jenes Komponisten, der wie kein anderer für die Klaviermusik der Romantik steht. “Chopin oder die Sehnsucht” ist nicht irgendeine weitere Biographie geworden, sondern ein so umfangreiches wie kurzweilig zu lesendes Seismogramm eines Künstlerlebens, das mit einer Fülle neuer Erkenntnisse und umfassender Horizonterweiterung hinsichtlich der Lebensumstände, des persönlichen Umfelds überrascht. mehr
Die letzte Diva
Montserrat Caballé feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum in Deutschland. Wir trafen sie am Rande eines Konzerts und erlebten eine Frau, die einfach weiter singen möchte.
Von Thomas Voigt
Seit Dezember tourt sie wieder: Konzerte in Bremen, Bonn, Düsseldorf, Berlin, München, Köln. Montserrat Caballé feiert 50 Jahre Deutschland. Nach drei Anfängerjahren in Basel kam sie 1959 nach Bremen - und erhielt dort ihre Grundausbildung für die spätere Welt-Karriere. In Bonn stellte sie sich nun den Fragen unseres Autors. mehr
Zarte Versuchung
Die Kanadierin Measha Brueggergosman über-rascht nicht nur mit einer neuen sanften CD, sondern auch als Moderatorin der ARTE Lounge.
Von Christa Hasselhorst
crescendo: Sie bevorzugen immer noch das Lied und den Auftritt als Solistin. Dulden Sie keine anderen Menschen neben sich?
Brueggergosman: Das Piano und ich - da weiß ich, dass ich den Abend bestimme! Man hat eine große Verantwortung als Solistin, aber wenn es funktioniert - also, es gibt nichts Besseres!
crescendo: Und die Oper? Bislang hatten Sie nur in Ihrer Heimat Kanada, in Toronto, einen Auftritt als Elettra in Mozarts “Idomeneo”. Warum machen Sie einen Bogen um die Oper? Weil Sie da nicht, wie bei Ihren Recitals, barfuss auftreten können? mehr
Starkes Stück
Robin Rhode und Leif-Ove Andsnes haben Mussorgs-kys “Bilder einer Ausstellung” spektakulär umgedreht. Innerhalb des Projekts “Pictures Reframed” entwarfen sie neue Bilder und Installationen zum alten Meisterwerk. Auch ein von Wasser überschwemmter Flügel gehört dazu.
Von Antoinette Schmelter de Escobar
Der russische Komponist Modest Petrowitsch Mussorgsky (1839 - 1881) schrieb im Jahr 1874 das erste Programm-Musikstück “Bilder einer Ausstellung”. Die einzelnen Sätze des Stücks beschreiben Gemälde und Zeichnungen seines im Jahr zuvor gestorbenen Freundes Viktor Hartmann, die Mussorgski auf dessen Gedächtnisausstellung gesehen hatte. Der südafrikanische Streetart-Künstler Robin Rhode (33) und der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes (39) haben nun auf Initiative des New Yorker Lincoln Centers das Stück neu interpretiert und die Musik zurück in die Moderne transformiert. mehr
Barocke Pracht
Der Sopranistin Simone Kermes gelang mit ihrer CD “Lava” der Überraschungs-Erfolg des Jahres. Wir haben sie zuhause besucht und trafen eine selbstbewusste Frau, die auch mit Karel Gott die Biene Maja singen würde.
Von Theresa Pieschacón Raphael
Ein kleiner Ort, nahe Koblenz im Herbst: Wie aus einer anderen Welt wirkt sie: Flammende tizianrote Mähne, dramatisches Make-up, Ledermini und wild gemusterte Strümpfe; ein “Satansweib” wie einst die berühmte Francesca Cuzzoni, die Georg Friedrich Händel so in Rage brachte, dass er sie fast aus dem Fenster geworfen hätte. Auch von der Sopranistin Simone Kermes heißt es, dass ein Dirigent ihr “aus Spaß” einmal den Mund zugehalten habe, weil sie ihm zu vorlaut war. Seit 1996 wohnt die “Crazy Queen of Baroque” mit ihrem Mann und Manager Andreas Dommenz in der 9.000-Einwohner Siedlung. mehr
Zubins Entdeckung
Die Sopranistin Chen Reiss über ihre Liebe zum Gesang, ihre ersten Auftritte in der israelischen Armee und die Wichtigkeit des weiblichen Dekolletés.
Von Tobias Haberl
Wir treffen Chen Reiss im Palace Hotel in München. Sie bleibt nur einen Tag in der Stadt, am nächsten Morgen probt sie mit Enoch zu Guttenberg Haydns “Jahreszeiten”, dann geht es weiter nach Köln zur Aufführung. Sie trägt eine hautenge, lackartige Hose und spitze Schuhe. “Ich interessiere mich sehr für Mode” wird sie nachher sagen - man sieht es.
crescendo: Frau Reiss, wann haben Sie zum ersten Mal die Magie von klassischer Musik gespürt?
Chen Reiss: Das weiß ich noch genau. Ich war fünf Jahre alt und meine Mutter hörte “La Bohème” auf CD, mit Luciano Pavarotti als Rodolfo. mehr
Tenor der Sinne
Der Argentinier Marcelo Álvarez (47) verkaufte früher Möbel, jetzt ist er auf dem Weg der neue Alfredo Kraus zu werden. Ein Gespräch über die Schwierigkeit des Anfangs, die Rolle seiner Frau und warum die Oper das Maß aller Dinge bleibt.
Von Antoinette Schmelter de Escobar
Angeblich mag Marcelo Álvarez keine Interviews. Davon merkt man ihm beim Gespräch in der Deutschen Oper Berlin aber nichts an.
Von der ersten bis zur letzten Sekunde sprudeln die Worte auf Spanisch aus dem 47-Jährigen heraus, als er enthusiastisch und mit viel Körpereinsatz über seinen ungewöhnlichen Weg an die Spitze spricht.
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Den Kopf voller Ideen, im Herz viel Feuer
14. November 2009
1 Kommentar
Der neue Augsburger Generalmusikdirektor Dirk Kaftan im Gespräch über Projekte, Ideen und Finanzen
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Dirk Kaftan, neuer Generalmusikdirektor der Stadt Augsburg (4-Jahresvertrag), wirkte bislang als Stellvertretender Chefdirigent und erster Kapellmeister an Österreichs “zweitem Opernhaus” in Graz, zuvor in gleicher Position an den Theatern in Bielefeld und Dortmund. Aufgewachsen ist er unter anderem in der Eifel, seine Studien absolvierte er in Detmold. 2001 wurde er von der Fachzeitschrift “Opernwelt” zum “Dirigent des Jahres” gekürt.
Es war ein Traumstart für Dirk Kaftan, den neuen Augsburger Generalmusikdirektor: mehr
Neun Minuten mit Plácido Domingo
“Heute tut jeder überall seine Meinung kund!”
crescendo: Sie stehen seit mehr als 50 Jahren auf der Bühne. War es für einen Opernsänger zu Beginn Ihrer Karriere einfacher als heute?
Plácido Domingo: Als ich jung war, war es viel schwerer, denn das Angebot für einen Sänger war längst nicht so groß wie heute. Heute gibt es viel mehr Bühnen, die anspruchsvolle Rollen vergeben. Es gibt Gesangswettbewerbe, bei denen Talente gefördert und entdeckt werden. Damals war es ungeheuer schwer die Treppe hinaufzusteigen, die Scala war fern wie der Mond.
crescendo: Was ist mit den Fans, sind sie heute aufdringlicher als vor 30 oder 40 Jahren? mehr
“Klassik oder Jazz?”
18. Oktober 2009
1 Kommentar
Jessye Norman spricht über ihre Karriere, ihre Liebe zu Deutschland und warum sie an eine gute Zukunft glaubt.
crescendo: Mrs. Norman, was singen Sie unter der Dusche: Klassik oder Jazz?
Jessye Norman: Also wenn ich überhaupt unter der Dusche singe, dann meistens das, was auch auf der Bühne gerade ansteht …
crescendo: Also eher Jazz im Moment. Wie kam es zu der Idee, mit “American Masters” eine Tour ganz ohne klassische Musik zu gestalten?
Norman: Da ich alle Arten von Musik mag und so viele Komponisten und Künstler bewundere, empfinde ich es als große Ehre, diese Musik selbst singen zu dürfen. Ich habe meine künstlerische Entwicklung nie eingegrenzt und ich denke, das neue Programm ist eine logische Konsequenz. mehr
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