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Der lächelnde Blues

13. Oktober 2008

Norbert Schneider; (c) Jazztival BühlEs dauert nicht lange, da beginnen im Carl-Netter-Jazzhaus die ersten Füße zu wippen. Das Licht ist gedimmt, auf den mit Zierkürbissen dekorierten, eingedeckten Tischen brennen Kerzen. Den Machern des 6. Bühler Jazztivals ist es gelungen, die Turnhalle innerhalb kürzester Zeit in einen stimmungsvollen Jazzclub zu verwandeln.

Von Georg Rudiger

Man sitzt vor der Bühne, schlürft an der Bar an seinem Weinglas oder hat sich in größerer Runde an den Tischen niedergelassen, wo Häppchen serviert werden. Die drei Basketballkörbe, die an den Wänden hängen, sind fast die einzigen Dinge, die noch an den eigentlich Zweck des Raumes erinnern. Dass man die Turnhalle sofort vergessen kann, liegt aber in erster Linie an Norbert Schneider und seiner österreichisch-schweizerischen Bluescombo “R & B Caravan”. Die schon etwas in die Jahre gekommene Boygroup macht den Saal innerhalb von wenigen Takten zur Ü40-Party.

Dabei startet das Quintett eher gemächlich mit dem entspannten “Roll with my Baby”. Bandleader Norbert Schneider, ein Schlaks mit jungenhaften Zügen und karierter Schiebermütze auf dem Kopf, sitzt entspannt auf einem Barhocker und schnippt mit den Fingern. Nummer für Nummer erhöht die Band die Schlagzahl. Bei “Seventh Son” lässt erstmals der Pianist Dave Ruosch seine Klasse aufblitzen und zitiert in seinen waghalsigen Improvisationen einige Takte des Jazzstandards “Chattanooga Choo-Choo”, bei “If you think I’ve lost you” greift Schneider erstmals zur Gitarre – einer alten, wunderbar warm klingenden Gibson. Und dann kann man nur noch staunen, was Schneider damit so alles anstellt. Ob er sich in einer Dreiklangsfigur festbeißt oder in atemberaubender Geschwindigkeit über die Saiten jagt, ob er die Gitarre ganz perkussiv wie Robert Cray spielt oder mal kurz den Lautstärkeregler runterdreht und die Gitarre mit Akkordschlägen wie ein Dixieland-Waschbrett klingen lässt – Schneider hat den Groove. Seine Kompetenz in Sachen Blues hat sich der Wiener in New Orleans geholt, wo er einige Zeit lebte und den Puls der Stadt in sich aufgesogen hat. Das ist wohl der Grund, warum der Sound der Band so stilecht wirkt, als würde man mal eben in einem Club in der Bourbon Street sitzen.

Dass der Abend viel mehr wird als eine Musikstunde in Sachen Blues, Boogie-Woogie und Swing hat mit der Spielfreude und Kreativität der Akteure zu tun, denen man sichtlich ansieht, wieviel Spaß sie bei der Sache haben. Schlagzeuger Peter Müller hält sich mit dezenter Besenbegleitung und farblich eher undezentem Hemd lange Zeit grinsend im Hintergrund und lauert auf seinen großen Moment, Kontrabassist Dany Gugolz sorgt für gute Laune und das ein oder andere absurde Tänzchen, Saxofonist Wendelin Salzmann spielt mal dreckig, dann wieder ganz einschmeichelnd. Und Pianist Dave Ruosch verzieht zwar keine Miene, aber lässt es dafür umso virtuoser krachen auf dem Klavier wie bei seinen beeindruckenden Improvisationsduellen mit der Gitarre. Das lächelnde Zentrum der Band ist aber Norbert Schneider. Er steuert mit kurzem Kopfnicken die Soli und kündigt mit dem Ausruf “One more time” an, dass eine Nummer nochmals einen Durchlauf durchs Bluesschema nehmen soll.

Schneider spielt auch einige seiner selbstkomponierten Song wie das reggaegetränkte “Take it easy” oder das rollende “The Bluff” nach der Pause. Und bringt in einem seiner zahlreichenden Soli ein Motiv der Zithermusik aus dem “Dritten Mann” unter, was Schlagzeuger Peter Müller vor Lachen fast vom Stuhl kippen lässt. Am Ende ist dann auch dessen große Stunde kommen, wenn er in einem fast zehnminütigen Solo ähnlich intensiv auf sein Schlagzeug eindrischt wie der zottelige Drummer der Muppet Show. Da muss Saxofonist Wendelin Salzmann schon das Hänge-Tom festhalten, das nach hinten wegzukippen droht. Soviel Körpereinsatz hat diese Turnhalle sicherlich noch nie gesehen. Und soviel Schweiß und Energie sicherlich auch noch nicht.

Siehe www.jazztivalbuehl.de

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