crescendo Premium
Sofort bestellen:

7 Ausgaben mit Festspielguide + 6 Abo-CDs+Prämie Ihrer Wahl + Geschenk CD

crescendo Premium
Erst Testen:

1 Ausgabe gratis + 1 Abo-CD + Geschenk CD bei Abo-Bestellung

Der RING in Weimar

11. September 2009

DVD-Cover: Wagner “Götterdämmerung”; (c) Arthaus MusikEine mutige Tat

Von Richard Eckstein

Eigentlich hätte sein Festspielhaus in Weimar stehen sollen. Die Klassiker-Stadt war erste Anlaufstation des 1848 als revolutionärer Barrikadenkämpfer in Dresden gescheiterten Hofkapellmeisters Richard Wagner. Futsch war die – einige Jahre zuvor – mühsam errungene (groß)bürgerliche Existenz. Der Gesamtkunstwerker befand sich auf der Flucht ins Schweizer Exil und machte kurzen Halt bei Intimus Franz Liszt. In der Tasche hatte er jedoch einen Plan, den größten Plan, den ein Opernkomponist bis dahin erdacht hatte: Ein monumentales Werk, “Siegfrieds Tod”, wollte er schreiben, das ihm nach Jahren steten Ringens schließlich zur – je nach Dirigiertempo – zwischen 14 und 16 Stunden dauernden Tetralogie geriet. Und der steckbrieflich gesuchte Wagner (der damals wahrlich andere Sorgen hätte haben müssen!) setzte noch Eins drauf: In den Weimarer Ilm-Auen – ganz in der Nähe von Goethes Gartenhaus – fand er den vermeintlich idealen Platz für sein persönliches Walhall, die erträumte musterhafte Aufführungsstätte für eben diesen “Ring des Nibelungen”.

Es ist zwar anders gekommen – das Festspielhaus entstand erst zweieinhalb Jahrzehnte später auf dem Grünen Hügel in Bayreuth und wurde dort 1876 mit dem ersten “Ring”-Zyklus eröffnet -, aber Wagners utopisch anmutende Art und seine beständige “Vorwärts-Strategie” scheint noch auf heutige Theaterleute inspirierend zu wirken. Denn im von Spar- bzw. Fusionszwängen geplagten Weimar des Jahres 2006 wären an sich auch andere Sorgen angebracht gewesen als die Mammutaufgabe, das größte und gewichtigste Repertoire-Werk auf die Bühne des Deutschen Nationaltheaters zu stemmen. Der Erfolg spricht für sich: Innerhalb von zwei Jahren (2006 bis 2008) feierten die einzelnen “Ring”-Teile Premiere, um dann dreimal – vom Publikum umjubelt – zyklisch aufgeführt zu werden (zweimal im Sommer 2008 und zuletzt zu Ostern 2009). Für eine Einlagerung dieser konzeptionell durchweg überzeugenden Produktion von Michael Schulz (unübersehbar die Handschrift von Parade-Dramaturg Wolfgang Willaschek) fehlten dann leider die Mittel. So bleiben einzig die vorliegenden Video-Dokumente, um die ungeheure Leistungsfähigkeit des Weimarer Ensembles zu bezeugen: Die Staatskapelle unter ihrem damaligen GMD Carl St. Clair (heute in gleicher Position an der Komischen Oper Berlin) spielt brillant auf, und die Sänger werden ihren Rollen mehr als nur gerecht – allen voran die hinreißende Brünnhilde von Catherine Foster. Da soll noch Mal jemand behaupten, es gäbe keine hochdramatischen Soprane mehr …!

DVD:
Wagner
“Das Rheingold”, “Die Walküre”, “Siegfried”, “Götterdämmerung”
Michael Schulz (Regie)
Staatskapelle Weimar, Carl St. Clair
(Arthaus)

Share

Einen Kommentar schreiben

 

Kommentar
Name
Email