Dietrich Fischer-Dieskau:
„Ich habe umsonst gelebt”
War früher wirklich alles besser?
Dietrich Fischer-Dieskau ist einer der berühmtesten Baritone der Welt. Er hat die Geschichte des Liedgesanges neu geschrieben und sich in zahlreichen Opern profiliert. Heute arbeitet er als Dozent. Da er keine Zeit hatte, uns einen Beitrag zu schreiben, haben wir uns mit ihm über die Gegenwart und die Vergangenheit der Oper unterhalten.
Herr Fischer-Dieskau, was hat sich in den letzten Jahren in der Oper verändert?
Fischer-Dieskau: Ich glaube, dass wir noch immer eine Menge guter Stimmen haben. Aber ich befürchte, dass sich die Einstellung zur Oper und zur Kunst im Allgemeinen geändert hat. Ich frage mich zum Beispiel, warum so viele junge Sänger kein Legato mehr singen können - das ist eigentlich die Voraussetzung zum Singen. Vielleicht liegt all das an einem Mangel an Selbstkritik, der unter jungen Sängern sehr ausgeprägt ist. Ich sehe das an meinen eigenen Studenten immer wieder.
Will man heute Star werden statt Sänger?
Fischer-Dieskau: Auf jeden Fall wird es schwerer, Sänger zu werden, denn meistens lernt man inzwischen, wie laute Töne abgesondert werden und das am besten nach dem Motto: einer nach dem anderen. Das ist natürlich keine Methode, um eine vernünftige Phrase zu artikulieren, geschweige denn, um ein guter Sänger zu werden.
Aber wie kann das passieren, Sie selbst sind doch Dozent …
Fischer-Dieskau: Es ist ja nicht einmal die Faulheit, denn die Sänger sind sehr fleißig, oft wird sogar sehr pingelig gearbeitet, aber leider nicht in die richtige Richtung. Wir können letztlich nur Anstöße geben. Und die werden leider schnell wieder vergessen, weil von Außen so viel Druck aufgebaut wird. Es tut mir leid, aber ich bin da gar nicht optimistisch.
Was für Druck steht denn auf der anderen Seite?
Fischer-Dieskau: Da stehen inzwischen ja Heere von Managern hinter den Sängern, die sich einmischen und ein Bild schaffen wollen, das nichts mit den Stimmen zu tun hat. Ich selbst habe nie einen Manager gehabt. Ich halte das für unnütz. Außerdem haben viele Dirigenten kaum noch Ahnung von dem, was sie so treiben und davon, wie etwas gemacht werden sollte.
Ich sitze in der Jury des “Competizione dell´ Opera” in Dresden. Dort zeigt sich, dass Sänger aus Russland und Südamerika sehr gut sind, und dass Asiaten sogar Sänger-Legenden wie Sie imitieren.
Fischer-Dieskau: Ja, sie imitieren, aber oft fehlt ihnen die Durchdringung der Musik. Es ist ein großes Problem, dass immer weniger Sänger Ahnung von der Sprache haben, in der sie singen - das aber ist die Grundvoraussetzung zur Durchdringung einer Partitur. In vielen anderen Ländern gibt es tatsächlich auch noch lebhafte Gesangsschulen, aber die Tongebung, die dort gelehrt wird, ist für unser Repertoire oft kaum zu gebrauchen.
Was schlagen Sie als Lösung vor?
Fischer-Dieskau: Vielleicht sollte man sich mehr mit den alten Stimmen auseinandersetzen. Ich sehe, dass kaum noch jemand sich meine Aufnahmen anhört. Die kommen her und wissen einfach gar nichts. Ich finde es erschreckend, dass junge Leute Sänger werden wollen, ohne sich mit den alten Stimmen auseinander gesetzt zu haben. Manchmal sage ich mir, dass ich umsonst gelebt habe, dass es aus ist - vorbei.
Singen erfordert also die Auseinandersetzung mit der Tradition?
Fischer-Dieskau: Man muss doch herausfinden, welche Sänger in ihrem Tun heute noch zeitgemäß sein können, seinen eigenen Geschmack bilden. Aber es gibt so viele wunderschöne Platten - warum nur werden die nicht mehr gehört? Schließlich ist es doch so: Nur wer Musik zu hören versteht, darf sich erdreisten, Musik zu machen.
Auf den Opernbühnen hat inzwischen das Regietheater Einzug gehalten - was sagen Sie dazu?
Fischer-Dieskau: Ich halte es für ein Manko, dass die Regisseure sich andauernd erdreisten, den Zeitrahmen der Handlung zu verschieben. Es scheint so zu sein, dass dieses eine Grundvoraussetzung geworden ist, um als Regisseur zu bestehen. Viele Regisseure scheinen Angst zu haben, altmodisch zu wirken. Sie erkennen nicht, dass die Voraussetzung für eine richtige Wiedergabe im historischen Teil der Oper liegt. Wenn sich die Sänger auf der Bühne in der richtigen Atmosphäre befinden, ein bisschen von der Luft schnappen, die zur Entstehungszeit der Werke herrschte, ist es viel leichter, den Geist der Opern zu erfassen.
Sie hören sich sehr pessimistisch an.
Fischer-Dieskau: Das bin ich leider auch, weil ich beobachte, dass sich die Opernhäuser mit der Aktualisierung selbst einen Strick um den Hals legen. Sie stellen die Stücke nicht mehr so dar, wie sie gemeint sind. Es herrscht das Primat der Originalität, nicht der historischen Verantwortung.
Wie sind Sie selbst an eine neue Opernproduktion herangegangen?
Fischer-Dieskau: Ich habe mich schon lange vor den Bühnenproben mit den Stücken beschäftigt, bis sie mir in Leib und Seele übergegangen waren. Heute ist da viel Egoismus und Selbstinszenierung im Spiel. Man muss die Kritikfähigkeit am eigenen Organ ausbilden und sich bewusst darüber werden, welche Farben man zur Verfügung hat und welche man einsetzen kann, um eine Rolle zu gestalten. Es geht erst einmal um den Urzustand der von sich gegebenen Töne. Jener Töne, die entstehen, ohne dass man das Gehirn einschaltet. Sie sind die Basis des Singens.
Haben Sie in Proben neue Blicke auf Rollen bekommen?
Fischer-Dieskau: Nur von der darstellerischen, nicht von der musikalischen Seite. Wenn Karl Böhm gesagt hat, “Wenn Sie da weggehen, kann ich Sie nicht sehen”, dann war das o.k. Aber in der Regel habe ich bei ihm die Arbeit mit dem Orchester mitbekommen. Die war hochinteressant. Böhm traute sich allerdings nicht, den Sängern viel zu sagen.
Mit welchen Regisseuren haben Sie gern zusammen gearbeitet?
Fischer-Dieskau: Mit Regisseuren, die das Stück auswendig konnten, die jedes Wort und jede Note kannten. Das finden Sie ja heute gar nicht mehr. Rudolf Hartmann hat in München etwas altbacken inszeniert, aber er war ein überlegener Verwalter der Oper. Ponnelle, Rennert, das waren Persönlichkeiten, die es heute gar nicht mehr gibt. Da habe ich auch manchmal von der Bühne gerufen: “Wozu?” - aber es kamen immer Antworten. Heute sind Regisseure oft Diktatoren, die nichts auf sich zukommen lassen, sondern alles so haben wollen, wie sie es sich am Reißbrett ausgedacht haben.
Gehen Sie selbst noch in die Oper?
Fischer-Dieskau: Selten. Ich ärgere mich meist so sehr, dass ich in der Pause verschwinde. Mir gelingt es nicht mehr, das, was ich sehe und höre, mit dem Stück, das gegeben wird, in Verbindung zu bringen. In Bayreuth ist von der alten Gesangsschule nichts übrig geblieben. Und es fängt ja schon damit an, dass viele Dirigenten nicht mehr den Mut haben, sich in der Stellprobe zu beschweren, dass irgendeine Position auf der Bühne die klangliche Qualität beeinträchtigt. Dann fehlt da am Ende natürlich etwas.
Das Gespräch führte AB.



















„Ich habe umsonst gelebt””
Christoph M.
Vielen Dank für die offenen Worte. Im derzeitigen Opernbetrieb hat man oft den Eindruck an der Aufführung von “Der Kaisers neue Kleider” beizuwohnen - oder aber den “Tagesthemen”. Und wenn das Publikum sich abwendet, so ist es dumm oder hat den “Kulturauftrag” des Theaters nicht verstanden. Und Ihnen, Herr Fischer-Dieskau, möchte ich ganz persönlich versichern, dass Sie nicht umsonst gelebt haben, denn mit Ihrem Gesang haben Sie mir schon viele unvergessliche und schöne Stunden bereitet!
Ludwig Mertersmann
“Fischer-Dieskau: Ich sehe, dass kaum noch jemand sich meine Aufnahmen anhört.”
na endlich wissen wir woran es liegt.
Vivian Zatta
Wer hat so viele Stimm-Farben, eine so gute Aussprache und ein Gefühl für Phrasierung und Legato wie Herr Dieskau?
Meines Erachtens niemand.
Ich bin selbst Bariton und ich kann Herrn Dieskau versichern, dass er als Vorbild ewig leben wird;
in mir und in anderen Sängern und Musikfreunden.
Di Fi Di lebe hoch !!!!
Arion Rudari
Sehr geehrter Herr Fischer-Dieskau
Ich werde im September 15 und muss sagen das es keinen besseren Bariton gibt als Sie. Mein Ziel ist es ebenfalls Opernsänger zu werden. Dazu haben sie mich vor einem Jahr inspiriert als ich das erste mal ihre Interpretation des Grafen im Figaro höhrte. Ebenfalls ihr Papageno bleibt unerreicht. Diese Leichtigkeit mit der sie ihn gesungen haben ist so schön. Nein, sie haben NICHT umsonst gelebt!
Arno Crombach
Herr Fischer-Dieskau, den ich seit seinen Anfängen an der Städtischen Oper Berlin (1946ff) bewundern und verehren konnte, war bis vor kurzer Zeit der unbestrittene, einmalige Interpret von Oper und Lied.
Leider hat er an seinem Heiligenschein durch sein persönliches Auftreten zu stark mitgewirkt und die Blätter seines Lorbeerkranzes beginnen allmählich zu verwelken…-
Gerade lese ich das Buch von Thomas Quasthoff, den ich ebenfalls von seinen ersten Auftritten in der Provinz her kenne.
Tut mir leid, Herr F.-D.: der will kein Heiliger sein, der ist “einfach groß” und als Mensch mir unbedarftem Konsument der hohen Kunst doch näher.
Gerhard Rompf
Sehr geehrter Herr Fischer-Dieskau,
als Bariton, der erst in einem höheren Lebensalter Gesangsunterricht genommen hat, orientiere ich mich sehr stark an Ihrer Gesangskunst. Egal ob Phrasierung, Legato, Dynamik oder das äußerst geschickt eingesetzte Rubato - es stimmt einfach alles. Jede CD von Ihnen, die ich besitze ist für mich wie ein aufgeschlagenes Lehrbuch des Gesangs. Ich werde noch sehr lange sehr viel von Ihnen lernen.
Oliver Winters
Dear Mr. Fischer Dieskau,
Rest assured that your life has not been in vain. One of my most cherished recordings, your Winterreise with Gerald Moore has been a faithful friend to me for decades, and I still grab up every recording of yours I can find. Apart from being simply a thing of great beauty, your singing is state of the art and an education in the way it should be done. Thank you very much!
D. Hauser
Sehr geehrter Herr Fischer-Dieskau,
umsonst haben sie gewiß nicht gelebt.
Ich bewundere Ihre Darstellung des Don Giovanni in diversen bekannten Aufnahmen - bisher unerreicht m.E.
Sie waren, sind und bleiben einer der ganz Großen!
Peter Meiser
Sehr geehrter Herr Fischer-Dieskau,
in Uelzen durfte ich Ihren vorletzten öffentlichen Auftritt als Liedersänger mit der “Winterreise” erleben.War Ihre Interpretation allein schon ein Hochgenuss, so war die Begegnung mit Ihnen nach dem Liederabend für mich tief beeindruckend. Sie bleiben für mich und meine Schüler, die ich unterrichte, immer ein herausragender Sänger!
Jan Schmidt
Lieber Fischer-Dieskau,
als ich Ihre Stimme zum ersten Mal hörte war ich fasziniert. Heute - viele Jahre später bin ich noch immer begeistert. Sie haben die “Winterreise” zum Leben erweckt.
Danke!
Jan Schmidt
Theodorus
“Es herrscht das Primat der Originalität, nicht der historischen Verantwortung.” Leider ist dieser Satz wohl auf beinahe jegliche Art der klassischen Musik - Komposition wie Interpretation - zu münzen..
Wolfgang Baumann
Lieber Herr Fischer-Dieskau,
erschüttert bin ich über Ihren Pessimismus und Ihre Mutlosigkeit. Für mich als Sänger sind und bleiben Sie, auch durch die reichhaltige Diskographie, immer ein Quell der Inspiration und reichhaltiger Fundus für Interpretationsansätze. Gerne höre ich Aufnahmen identischer Werke aus Ihrem Schaffen, die weit auseinanderliegenden sie belegen Entwicklung und Reifung und die Tatsache, dass sich Musik mit uns weiterentwickelt, aber eben und da stimme ich Ihnen zu, die (stimmliche) Basierung muss vorhanden und tauglich sein.
Danke für Ihre vielfältigen Hifestellungen.
Christoph Berndt
“. . . denn meistens lernt man inzwischen, wie laute Töne abgesondert werden . . . ”
Und dann gibt es noch obendrein die modische Unart SängerInnen und Orchester in Fußballarenen wie in Schalke nach Pop-Art gigantomanisch verstärkt darzubieten - jede feine Färbung des Klanges und der Stimmen geht verloren.
Menschliche Stimmen gehören in Räume, die es einer solchen Stimme auch erlauben ohne elektroakustische Verstärkung mit ihrer natürlichen Dynamik den Saal ganz auszufüllen.
Ernst-Ulrich Fahrenberg
LieberHerr Fischer-Dieskau,
als 15-jähriger hörte ich Sie zum erstenmal, als Don Giovanni unter Friscay,leider nur auf der Schallplatte während unseres Musikunterrichts.Ihre Sängerpersönlichkeit und Ihre Stimme hat mich seitdem nicht mehr losgelassen und noch heute sammele ich CD mit Ihnen.Ich knnte Sie leider nur einmal in der Deutschen Oper Berlin als Graf Almaviva(unter Böhm) bewundern,ich erinnere mich aber noch genau, dass i ch immer den Spielplan der Oper nach Ihrer Mitwirkung durchstudiert hatte, aber leider gab es dann keine Karten in einer für mich erschwinglihen Peisklasse mehr.
Ihnen wird heute zum Vorwurf gemacht, dass Sie zu viele Partien auf CD übernommen hätten und dass Sie in späteren Aufnahme zu sehr zum Manierismus neigen würden. Das kann ich in keiner Weise nachvollziehen, nur war und ist)Ihr Gesang eben nicht nur reine Schönsingerei ohne Tiefengehalt - aber das scheint dem heutigen Zeitgeschmack offensichtlich mehr zu entsprechen.
Felicitas Eickelberg
Lieber Herr Fischer-Dieskau,
danke Ihnen sehr für diesen Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele.
Aber ich finde nicht, dass Sie umsonst gelebt haben. Uns jungen Liedbegleitern haben Sie damals in Ihren Kursen viel auf den Weg mitgegeben, und wenn ich heute ein Lied von Schubert arbeite, dann höre ich mir immer erst Ihre Version in der Gesamtaufnahme an.
Was wäre unsere kleine Welt ohne Sie und Ihre Visionen von der Musik.Ich jedenfalls versuche, die Fackel bei meinen Schülern und den jungen Sängern weiterzutragen..
mit herzlichem Gruss Felicitas Eickelberg
Bernd Behr
Der klassische Lied-Gesang ist schwierig. Die Balance vor allem zwischen dem musikalischen Gefühl und der übergeordneten Intellektualität. Ich war vor langer Zeit selber mal Theatersänger, und es gehört zu meinen interessantesten Erinnerungen, wie wir jeweils während der Zwischenpausen Ihre jüngsten Interpretationen erörterten. Einer der Diskutanten war übrigens Anton “Toni” Theisen, der - viel zu wenig bekannte und leider früh verstorbene - Ausbilder von Waltraud Meier. Dieser Fischer-Dieskau stand weit, weit oben, das war dabei vorweg unbestritten. Aber gerade dies war es, was die Suche nach eventuellen Mängeln lohnte. Ob wir welche fanden? Aber ja doch. Minimalien, gewiss! Und hauptsächlich welche, die Ihrem erhöhtem, oftmals überzogenen Anspruch geschuldet waren. Conclusio: Wir haben daraus einiges, um nicht zu sagen: viel gelernt.
NB: Meine Karriere betreffend. Es gab keine. Meine Lehrerin - eine vormals bekannte Sopranistin - hatte meine stimmliche Basis dergestalt vermurkst, dass selbst Toni Theisen sie nicht mehr dauerhaft bereinigen konnte. Schwacher Trost: Fälle wie den meinen gibt es unzählige.
Frauke Sveceny
Lieber Herr Kammersänger,
lange schon wollte ich Ihnen - auf dem Postwege - geschrieben haben. Aber nun, als Neu-Rentnerin, bin ich auch privat online und finde Ihren Chatroom. Noch als Gymnasiastin in Bielefeld in den frühen 60ern konnte ich Sie in der Rudolf-Oetker-Konzerthalle mit Brahms’ “Frauenliebe und Leben” bewundern. Ihre Frau Mutter war dabei, und ich durfte ein Autogramm auf meiner LP-Kassette (Gerald Moore als Begleiter) von Ihnen bekommen. Habe für Sie auch gemalt, und Sie quittierten das Ergebnis mit dem Hinweis, schade “soviel Talent an die Kopie eines Bildes verschwendet zu sehen”. Nun ja, unsere Leben sind sukzessive in ihren Erfordernissen verflossen, aber die Erinnerungen sind so frisch - Ihre Bedenken bezüglich der Akzeptanz der “reinen Lehre” möchte ich nicht teilen, denn - jede Zeit, jeder Zeitgeist gebiert ihre/seine eigenen “Wahrheiten”. Niemand, ja wirklich niemand hat jemals “umsonst/vergeblich” gelebt. Allein die Tatsache, das ich Sie als junge Schülerin wirklich, wirklich platonisch lieben durfte, war’s “wert”. Mein philosophischer Kern seit damals, nach dem Hören Ihrer Interpretationen von Mahlers Liedern, “ich bin der Welt abhanden gekommen”. Das war kein Fehler, sondern Rettung in allen Lebenslagen, stets den Sinn des Lebens nicht aus dem Blick zu verlieren.
Lieber Herr Kammersänger, keine trüben Gedanken bitte, denn die ganze Welt hat sie im Herzen, wenn das nichts ist!!!!
Ihre Frauke Sveceny, geb. Jung
PS: Ihr lieber Herr Warnecke (???) hat die eine oder andere Antwortkarte an mich Schwärmerin gesandt…
Frauke Sveceny
Korrektur zu meinem Eintrag vom 06.06.2009
Nicht “Frauenliebe und Leben” (Schumann), sondern Brahms’ “Die schöne Magelone” kam seinerzeit zur Aufführung…
Barbara Dresp
Sehr geehrter Herr Fischer- Dieskau, bedenken Sie, dass Sie mir und vielen anderen mit Ihren Liedinterpretationen soviel Freude gemacht haben und noch immer machen. Umsonst gelebt? Nein, mit Sicherheit nicht. Erst kürzlich habe ich Sie als Saul gehört, eine Aufnahme mit Nicolaus Harnoncourt, weil ich die Arien des David gelernt habe.
Auch Ihre gesamte Schubert-Ausgabe habe ich mir geschenkt.
Das Legato kann man da wirklich studieren. Ich verstehe nicht, warum die Nasa nur die Stimmaufnahme von Frau Schwarzkopf ins Weltall katapultiert hat. Ihre müsste sofort hinterher, natürlich mit der “Winterreise.”
Sie sind mir als Lehrer und Künstler immer gegenwärtig.
Herzliche Grüsse Barbara Dresp
Peora
Offen gestanden halte ich solche Aussagen eines Künstlers der genau weiß, daß er zu den Besten seiner Zunft gehört für Koketterie. Die sei ihm gestattet, aber ich denke nicht, daß man ihn vom Gang ins Wasser abhalten muß.
Wenn man den jungen Sängern im Interview genau zuhört, hört man, daß viele durchaus ältere Stimmen zum Vorbild haben. Im Liedgesang wird immer wieder, und völlig zu Recht, z.B. Fritz Wunderlich genannt.
Im Übrigen hat er natürlich mit vielem Recht, aber es ist ja nun nicht so, als ob es heutzutage nur noch stimmpotente Schreihälse und Waldbühnenkonzerte gäbe (die mit seriöser Operndarbietung soviel zu tun haben wie Tiefkühlpizza mit italienischer Küche, aber ab und an dennoch viel Spaß machen können).
Wenn es um Regisseure geht die „die das Stück auswendig konnten, die jedes Wort und jede Note kannten“ fällt mir ganz spontan Willie Decker ein, auf den all das in bewundernswerter Weise zutrifft, und der großartige Inszenierungen erarbeitet hat.
Aber es stimmt schon daß es auf der anderen Seite jede Menge Kollegen gibt, die kaum den Titel des Stückes zu kennen scheinen daß sie abschlachten und bei denen es folglich keine Rolle zu spielt, ob sie sich nun über die Zauberflöte, die Traviata oder Eugen Onegin hermachen, da ihnen ohnehin außer den immer gleichen Albernheiten (sich widerholende Bewegungsabläufe, starrer Blick ins Publikum, grelles Make-up, leere Bühne) nix einfällt.
Barbara Dresp
Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich in meinem Beitrag etwas Falsches geschrieben habe. Es war nicht der Gesang von Frau Schwarzkopf, sondern die Gesangstimme von Frau Edda Moser.
Entschuldigung.
Viele Grüsse Barbara Dresp
Ursula Rissmann-Telle
Lieber DiFiDi (die Abkürzung gefällt mir), Ihre Interpretationen sind Teil meiner musikalischen Sozialisation. Auch heute reißen sie mich mit, beispielsweise Ihre Interpreation des “Erlkönig”. Die “Winterreise” gerade in Ihrer Fassung ist für mich weiterhin ein Muss - durchaus neben Interpretationen jüngerer Sänger - und es macht mich nach wie vor ganz fertig, sie zu hören = ich bin ganz von dieser Musik gefangen, wenn ich sie und Sie höre. Ihren Kulturpessimismus kann ich gut nachvollziehen, ich hoffe aber, dass dieser Trend zur Spektularität und Oberflächlichkeit bald so sehr in die Sackgasse führen wird, dass sich die Menschen und die Kulturschaffenden auf die “alten” Werte besinnen, zu deren Vertreter Sie gehören.
Alles Gute für Sie und Frau Varady
Siegfried Schmidt
Werter Herr Fischer-Dieskau, ich finde, daß Sie schon deshalb nicht umsonst gelebt haben, da Sie schon vor 62 Jahren für “Capitol Dora” (Italien 1947) kreativ tätig waren; sicherlich zur Freude Ihrer Mitgefangenen. Ich war damals nicht dabei, habe aber “eindeutige Beweise”!
Das gibt der bisherigen Debatte (siehe alle bisherigen Mails) eine neue Richtung.
Mit besten Grüßen S.Schmidt.
Paul Kern
Sehr geehrter Herr Fischer-Dieskau,
Sie bedeuten mir eine Welt!
Da können Sie doch bitteschön nicht umsonst gelebt haben.
Mit den aufrichtigsten Grüssen,
Paul Kern
Ursula Günther
Lieber Dietrich Fischer-Dieskau, Ihre “Winterreise” hat mich seit etwa meinem 20. Lj. durch etliche Tiefen geleitet und getröstet. Im Nachhinein könnte ich sagen: getröstet hat mich, daß man solchen seelischen Verfassungen, in die jeder Mensch irgendwann einmal geraet, Laut und Wort und affektiven Inhalt geben kann, daß jemand vor einem selbst dem Laut und Wort und affektiven Inhalt gegeben und dies zu einer Einheit gebracht hat, und man somit doch nicht allein und ohne Hoffnung ist. Alle nachfolgenden Interpretationen erschienen mir unzureichend. Danke! Ursula Günther, inzwischen 63 J alt.
Georg Peter
Sehr geehrter Herr Fischer- Dieskau,
vielen Dank für das interessante Interview.
Ich besitze sämliche Schubert- Lieder von Ihnen und Gerald Moore und bin immer wieder begeistert. Sie sind zeitlos perfekt interpretiert und musiziert ! Herausragend ist aber auch Ihr Tannhäuser / Konwitschny, sowie Ihr Telramund / Kempe (vor allem im Duett mit Christa Ludwig) ! Besser kann und wird man das nicht singen !
Grüße und Gesundheit ! Georg Peter
Melitta Kessaris-Manowarda
Hochverehrter Herr Fischer-Dieskau,
Ihr wundervoller Gesang begleitet mich seit meiner Jugend und hat mich oft “in eine bess’re Welt entrückt”.
Es mögen vielleicht die Gesangsstudenten Ihre Aufnahmen nicht so fleißig hören, aber in meinem großen Bekanntkreis kenne ich Niemanden, der Sie nicht vergöttert!
Bleiben Sie uns ewig erhalten.
Melitta Kessaris-Manowarda
Rita Weber
Lieber Herr Fischer Dieskau, meine Enkel Benjamin (19) hat mir die Winterreise, die schöne Müllerin und den Schwanengesang von Ihnen und Gerald Moore ( EMI ) wieder ins Gedächnis gerufen. Wir Beide haben ein paar wundervolle Stunden gehabt - einmalig. In Allgemeinen stimmt unsere Musik-Geschmack nicht überein. Danke
Thomas Richard Schild
Widerspruch, verehrter Herr Fischer-Dieskau!
Sie haben Generationen gelehrt, was genial-kluger Umgang mit Musik und Text ist - und diese sind dankbar.
Ich kann Ihnen nur versichern, dass Sie mir unendlich Vieles im Umgang mit Liedern beigebracht - und ich beschränke mich aufs Hören - und aufs Lesen Ihrer Bücher. Sie waren, sind und bleiben mein Maßstab für den Umgang mit Musik - für immer! Dafür danke ich Ihnen herzlichst.
Im wahrsten Wortsinn: Hochachtungsvoll
Thomas R. Schild
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