Editorial: Ran an die Musik!
“Klassische Musik würde mich schon interessieren, aber ich finde keinen Einstieg. Mit welchen Werken oder Komponisten sollte ich anfangen? Welche Künstler sollte man gehört haben? Welche CDs soll ich mir kaufen, welche Konzerte besuchen?”
Das werden wir häufig gefragt – mit stark steigender Tendenz. Ist das eine Sehnsucht nach Musik, die inniger ist, berührender, wesentlicher, als das Bekannte? Das würde mich freuen. Denn ich bin überzeugt, dass im unerschöpflichen und vielfältigen Repertoire der Musik, die unter “Klassik” zusammengefasst wird, für jeden genau das Richtige dabei ist, um diese Sehnsucht nicht nur zu stillen, sondern erst voll zu entfachen!
Leider gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort, kein Navigationssystem ins Klassik-Paradies, sondern nur die ganz persönliche Abenteuerreise. Wie jede Unternehmung, braucht auch diese Zeit, Muße und Ausdauer. Erfreulicherweise bieten inzwischen viele Opernhäuser, Orchester, Volkshochschulen, Initiativen, Stiftungen und Veranstalter “Reisebegleitung” an: Vom Ausflug in “die schönsten Arien und Duette” bis hin zur Expedition in die “Meisterwerke romantischer Kammermusik” (acht Abende an der Münchner VHS. Reiseleiter: Prof. Dr. Joachim Kaiser höchstpersönlich). Und natürlich haben diese vielfältigen Angebote auch schon einen Namen: “Audience Development”. Neudeutsch für den Aufbau eines (neuen) Publikums.
So sperrig der Begriff auch ist, so richtig ist der Ansatz: Wenn Eltern und Schulen die “Reisebegleitung” nicht mehr übernehmen, können das die Veranstalter im ureigensten Interesse selbst in die Hand nehmen. Wir haben in den letzten Monaten mit vielen Menschen gesprochen, die sich an Ihren Häusern oder in ehrenamtlichen Projekten für den Klassiknachwuchs – ob jung oder alt – engagieren: So unterschiedlich die Ansätze und Angebote auch sind: Alle berichten mit leuchtenden Augen von der Begeisterung der Teilnehmer. Allerdings: Sie erreichen nur einen Bruchteil der Jugendlichen: 80% der unter 24-jährigen waren noch nie in einem Museum, Theater oder Konzert. Darum wissen sie auch nicht, was ihnen entgeht. Da müssen wir ran. Mit dieser Ausgabe machen wir einen Anfang und stellen verschiedene Angebote vor.
Auf dieser Internetseite geht es ab sofort weiter: Alle “Audience Development”-Initiativen, von denen wir erfahren, fassen wir dort zusammen. Bis für jeden, an jedem Ort, zu jeder Zeit, etwas dabei ist. Unterstützen Sie dieses ehrgeizige Projekt mit Ihren Tipps und erzählen Sie Ihren Freunden, Kindern, Enkeln und Bekannten davon!
Auf die Zukunft!
Ihr Winfried Hanuschik
P.S: Der noch viel zu wenig bekannte Komponist Brett Dean, den wir Ihnen in crescendo 4/2008 vorgestellt haben (“Hindemith meets Tom Waits”), hat den weltweit höchstdotierten Kompositionspreis erhalten, den amerikanischen “Grawemeyer Award”. Wir gratulieren!









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