Ein Tenor-Stern am Nationaltheater
Unser Geheimtipp: Joseph Calleja setzt in Verdis „Macbeth” ein tenorales Glanzlicht
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Während auf Rolando Villazons Rückkehr gewartet wird, bemerkt man immer wieder: es gibt auch andere ausgezeichnete Tenöre. Nur sind viele von ihnen noch nicht so gut vermarktet, dass Sie eben von jedem Plakat und CD-Cover strahlen. Wie etwa Jonas Kaufmann, dessen stimmliche Entwicklung in Richtung Heldentenor man erst noch abwarten sollte. Zum Glück gibt es da die Bayerische Staatsoper, die derzeit spannende Begegnungen gerade mit Tenorstimmen besonderer Güte ermöglicht. Erinnert sei an Giuseppe Filianoti und seinen tenoralen Schmelz im „Liebestrank”. Dieser Tage aber strahlt über München ein noch weitaus ausgereifterer Stern: der von Joseph Calleja.
Der Tenor aus Malta ist im besten Alter, weniger eine smarte als eine stattliche Erscheinung und hat eine Stimme voller Größe, Schönheit und Glanz, die überaus präsent ist, dabei dynamisch flexibel bis ins Pianissimo. Auch wenn ihm als Macduff in Verdis „Macbeth” nur eine einzige Arie gegönnt ist, ist sie doch der Inbegriff von Schönheit und Gefühl inmitten eines düsteren Schauerdramas und wird vom Publikum frenetisch bejubelt. Calleja ist schon ein Star, er singt schon mit Anna Netrebko, auch mit Michael Bolton auf seiner Heimatinsel Malta, an der Met und in Salzburg. Aber weil er auch ein kluger Gestalter ist, verzichtet er darauf, alle Reserven seines hell timbrierten, aber auch in der Mittellage und Tiefe tragfähigen Tenors auszuspielen. Der ganze Prunk, der in dieser Stimme liegt, wäre schon zu viel an Schönheit, sollte aber für die nächsten Jahrzehnte reichen. Eine geradezu prächtige Stimme, deren Entwicklung man unbedingt verfolgen sollte! Vorerst müssen sich die Münchner mit seinem Glanzlicht in „Macbeth” zufrieden geben (neben weiteren hervorragenden Protagonisten und in hoch spannender Regie von Martin Kusej) - noch am 6., 11. und 15. Februar.



















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