Ella Fitzgerald: Weiße Musik in Schwarz
Wolfgang Gonaus feiert den 10. Todestag der vielleicht größten Jazz-Legende: Ella Fitzgerald.
Nur wenige Stimmen haben die Geschichte des Jazz derart geprägt wie jene, der 1918 in Newport News (Virgina) geborenen Ella Fitzgerald. Ihr Vater war kurz nach ihrer Geburt gestorben, gemeinsam mit Mutter Tempie zog das Kind zu einer Tante in die Industriestadt Yonkers (New York). Biographien wie ihre werden in Amerika noch heute für den Mythos der Tellerwäscher-Karriere herangezogen. Neben der Schule half Ella bereits schon mit sieben Jahren, das Familieneinkommen zu steigern, sie stand Schmiere vor dem lokalen Bordell. Die Musik, die sie aus dem Radio kannte, war für sie ein Rückzugsort – im Jazz begann sie aufzutauen, selbstbewusst zu werden. Ihre Familie erkannte, dass es Ella leicht fiel, gehörte Melodien aufzunehmen und Ton für Ton nachzusingen. Eine Begabung, die auch das Fundament der späteren Jazz-Legende bildete: Titel, die Ella Fitzgerald später in ihr Repertoire aufgenommen hatte, wurden zur Referenz.
Das Mädchen aus Yonkers war keine Schönheit – und sie war schwarz. Damals bedeutete das: Von einer Karriere konnte sie höchstens träumen. In Amerika herrschten Separation und Diskriminierung. Und trotzdem schafften es einige Schwarze wie Duke Ellington, diese Schranken zu durchbrechen. Ihre Heimat war der “Cotton Club”, hier durften schwarze Bands vor einem weißen Publikum den immer populärer werdenden Jazz feiern.
Überhaupt war der Jazz eine der subversivsten und erfolgreichsten Antidiskriminierungs-einrichtungen. Auftritte aus dem “Cotton Club” wurden sogar im öffentlichen Radio übertragen und steigerten das nationale Interesse am Jazz. Und in dieser Welt bewegte sich auch der Teenager Ella Fitzgerald. Allerdings war die Musik, die sie sang, nicht schwarz, sondern bediente eher Harmonien und Rhythmen der Weißen. Sie nahm an “Amateur Nights” teil, strebte eine Karriere als Tänzerin an, doch schon beim ersten Auftritt versagten ihre Beine und sie rettete sich mit ihrer Stimme.
Bei einer solchen Veranstaltung wurde Benny Carter auf das Talent der jungen Sängerin aufmerksam. Ella Fitzgerald wurde bekannt. Und trotzdem konnte sie das Lampenfieber ein Leben lang nicht abstellen – trotz erfolgreicher Plattenproduktionen ist sie stets das unsichere, kleine Mädchen aus Yonkers geblieben. Erst wenn sie zu singen begonnen hatte, war sie in ihrer Welt, spielte mit ihrem gewaltigen Stimmumfang und dem unfehlbaren Gefühl für Swing. Ihr Scat-Gesang wurde zum Vorbild für Generationen von Sängerinnen.
Ella Fitzgerald wurde die First Lady des Jazz, bis sie Schwierigkeiten mit den Augen bekam. Mitte der Achtziger Jahre schränkte sie ihre Tourneetätigkeit ein, 1992 zog sie sich ganz aus der Konzertszene zurück. Der Gesang und der Jazz haben aus dem schwarzen Vorstadt-Kind eine Legende und eine angesehene Dame gemacht. Fitzgerald wurde Ehrendoktor der Yale Universität (1986), bekam die “Medal of Freedom” der amerikanischen Regierung (1993) und wurde in die amerikanische Women’s Hall of Fame (1995) gewählt.
Vor zehn Jahren ist diese im Jazz-Geschäft einmalige Stimme für immer verstummt. In diesem Sommer erinnern Gegenwarts-Jazzer an ihre Geschichte, und ihr Live-Auftritt aus Hamburg wird neu veröffentlicht. Klare Beweise dafür, dass Ella Fitzgerald noch immer lebt.
Von Wolfgang Gonaus









Mauricio Moreno-Hoffmann
GUT VERDIENTE EHRE…ELLA VERDIENT DAS UND VIEL MEHR
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