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“Er war ein Barde und Showmaster”

2. Juni 2008

Florian PreyFlorian Prey erinnert sich an seinen Vater Hermann und erzählt, wie er aus dem Vermächtnis der “übergroßen Figur” eine neue CD gestaltete.

Aufgezeichnet von Teresa Pieschacón Raphael.

Die meisten Menschen kannten und liebten meinen Vater als Opernsänger. Für mich aber war er ein Barde. Er konnte sich vor den Flügel stellen und den Raum nur mit Gesang füllen – ohne Kostüm oder Maske. 450 Lieder auf 27 LPs hat er Anfang der Siebziger einstudiert. Was für eine Leistung! Die Sammlung erfüllt mich mit ungeheurem Stolz, denn sie stellt alles dar, was die Kunst meines Vater ausgemacht hat: Das Schwebende, das Unfassbare, das Berührende. Das ist für mich die Seele der Musik.

Eine Auswahl zu treffen, war nicht einfach. Ich habe dabei wahre Schätze ausgehoben, Kompositionen, die selbst ich nicht kannte. Doch ich konnte ja nicht nur unbekannte Lieder nehmen, denn die Fans wollen auch den “Aha-Effekt”. Deshalb etwa das “Veilchen” von Mozart. Sein spannungsgeladenes “Lied von der Trennung” ist weniger bekannt, ebenso “Liebesschmerz” von Anton Teyber, einem Zeitgenossen von Mozart. Wunderbar auch die “Rastlose Liebe” von Wenzel Johann Tomaschek oder die “Ungeduld” von Louis Spohr, der neben Violinkonzerten auch viele Lieder komponiert hat. Ganz grandios ist Carl Maria von Webers ‚Minioper’ “Sind es Freuden, sind es Schmerzen?”. Und natürlich Carl Loewe! Mein Vater hat ihn in Deutschland wiederbelebt, große Balladenabende gegeben. Da hat es mich innerlich vor Erregung geschüttelt, so beeindruckend war das. Bei Schubert wählte ich seine Lieblingslieder, ich wollte allerdings keines aus den Zyklen herauslösen. Schumanns “Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes” hat er ebenso sehr geliebt, auch weil er an Fritz Wunderlich dachte, mit dem er sehr befreundet war. Die Sammlung endet mit Friedrich Guldas “Selige Sehnsucht”, das dieser wohl für meinen Vater komponiert hat. Mein Vater wünschte sich nichts sehnlicher, als mit Gulda mehr zu musizieren, was leider nicht geklappt hat. Wir Söhne aber, Rico am Klavier und ich, setzen diesen Wunsch fort mit Friedrich Guldas “Vier frühe Eichendorff-Lieder”, die dieser im Alter von 16 Jahren schrieb.

Wenn ich heute auf der Bühne stehe, dann fühle ich mich meinem Vater ganz nah. Sicher wurde mir vieles in die Wiege gelegt, ich war bei Konzerten, Plattenaufzeichnungen oft dabei. Zudem hatte meine Stimme ein ähnliches Timbre wie die meines Vaters, mit diesem ganz spezifischen obertonreichen Glanz. Eine Laufbahn als Sänger war mir also “genetisch” vorbestimmt. Dennoch hieß es oft: “Ein Prey reicht!”. In der Familie wusste man, was es bedeutet, ein Sänger zu sein, und kannte die vielen Hürden. Meine Eltern wollten, dass wir glücklich sind. Man riet mir zu einer Banklaufbahn, wegen des sicheren Einkommens. Ich wurde aber nie gegängelt. Ich habe das Singen einfach zu sehr geliebt. Natürlich hatte ich oft Zweifel, deshalb machte ich ja auch Anderes, malte, drehte Filme,- schrieb Drehbücher. Aber die Musik ließ mich nicht los.

Während des Studiums wurden sämtliche Interpretationen meines Vater vorgespielt, als Beispiel sozusagen. Natürlich hatten sie alle Recht: mein Vater war als Liedinterpret einfach überwältigend. Doch einfach war dies nicht. Ich habe irgendwann aufgehört, die Platten meines Vaters anzuhören. Trotzdem habe ich weiterhin viel mit ihm über Musik diskutiert. Ein großer Wunsch meines Vaters war es, dass wir gemeinsam auf der Bühne stehen. Aber irgendwie war ich zu scheu, hatte zuwenig Mut. Die Fernsehshows, die er machte, lehnte ich damals strikt ab, waren mir vielleicht zu kommerziell. Ich bin auch heute kein wirklich kommerziell denkender Mensch. Aber für so einen Beruf braucht man das. Wenn ich heute seine “Personality-Shows” sehe, dann finde ich sie sensationell. Dieses Niveau, diese wunderbaren Künstler! Und er hatte einfach einen riesigen Spaß daran. Als mein Vater 1998 starb, spürte ich, dass ich die Tradition fortführen muss. Ich konnte von dieser übergroßen Figur, diesem Vorbild und dem Star loslassen. Ich war sehr traurig, aber irgendwie auch befreit. Ihn jetzt wieder zu hören erfüllt mich mit großer Wärme, ich höre sein Atmen, spüre seine Seele. Er ist mir sehr nah. Michael Harder dreht gerade einen Film über meinen Vater; “Hermann Prey – Stille meine Liebe” wird er heißen. Darauf freuen wir uns sehr.

CD-Cover “Lieder meines Lebens”Hermann Prey: “Die Lieder meines Vaters”, ausgewählt von Florian Prey (DG).

Am 06. Oktober ist Florian Prey bei den Herbstlichen Musiktagen Bad Urach zu erleben.

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