Hedahedo!
Gott Donner setzt Bayreuth vor dem “Siegfried” unter Wasser
Von Barbara Winterstetter
Eigentlich war es der falsche Zeitpunkt, zu dem Gott Donner mit “Hedahedo!” seinen Hammer zu schwingen begann: Zu den Gewittern im “Rheingold” oder “Walküre” hätte das Unwetter über Bayreuth besser gepasst als vor dem ersten “Siegfried”-Aufzug am Donnerstag nachmittag.
Im Schutze eines Probebühnen-Dachs gab es da ungewohnte Festspieleindrücke: Ein rasender Konzertmeister, den Geigenkasten unterm schützenden Umhang, platscht durch 10 cm hohes Wasser ins Festspielhaus, gefolgt von weiteren verzweifelten Musikern. Derweil entwickeln Festspielgäste zusätzlich schützende Dächer aus Schirmen, unter denen das Spritzwasser dennoch diverse Frisuren auflösen. 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn dann der panische Ausruf eines Informierten: Es geht pünktlich los!
Wer einmal Minuten vor Aufführungsbeginn vor einer verschlossenen Tür gestanden ist, weiß, was das bedeutet. Und so setzt sich der Pulk der Beschirmten mit einem Aufschrei in Bewegung, rast barfuß oder mit in Sekunden durchnässten Schuhen in den plötzlichen Hagelsturm. Im Foyer des Festspielhauses geht leider nur ein Türflügel auf, weshalb beim Eintritt in die heiligen Hallen auch das letzte Abendkleid zumindest bis Oberschenkelhöhe ein triefender Hänger ist und so manches Hemd klitschnass am Oberkörper klebt.
Im Festspielhaus angekommen, dann die große Sensation in einer überpünktlichen Festspielgeschichte: die Aufführung wird um 10 Minuten verschoben! Und während sich die letzten aus ihren Autos schälen, reißen Sturzbäche übers Dach des Gralstempels, überraschende Wasserfälle taufen eintretende Besucher auch von oben, während die Wassermassen auch in die Unterbühne eindringen und unterhalb des Hügels wunderschönes Walküren-Porzellan und viele Keller füllen. Während Siegfried dann im ersten Aufzug schmiedet, beginnt die langsame Trocknungsaktion im Publikum, die interessante Abendkleidkreationen hinterlässt. Böse Zungen sprechen noch nach der Aufführung vom Unwetter als bislang prägendsten Eindruck des diesjährigen Bayreuther Premieren-”Rings”.









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