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“Herbert war immer so easy going”

30. Januar 2008

Eliette und Herbert von KarajanHerbert von Karajan wäre dieses Jahr 100 geworden. Seine Frau, Eliette von Karajan, hat ein Buch geschrieben: “Mein Leben an seiner Seite.” In crescendo spricht sie exklusiv über den Maestro als Menschen, über Musik und Gesellschaft, über Beethoven und Salzburg.

Eliette von Karajan hat ein Leben an der Seite eines Genies verbracht. Dass ihr Mann, einer der größten Dirigenten des letzten Jahrhunderts, tot ist, kann sie nicht glauben. Gerade hat sie das Buch “Mein Leben an seiner Seite” vorgelegt (Ullstein). In der gemeinsamen Villa in Anif bei Salzburg hat sie crescendo zu einem ausführlichen Interview empfangen, in dem sie Herbert von Karajan als Menschen vorstellt.

crescendo: Frau von Karajan, Ihr Mann wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden …

Eliette von Karajan: … das ist unvorstellbar, nicht wahr. Ich kann auch heute, 18 Jahre nach seinem Tode, kaum glauben, dass er nicht mehr da sein soll. Und das, obwohl er hier, in diesen Räumen, gestorben ist – in meinen Armen. Wissen Sie, ich habe seit dem nichts verändert, weder hier in unserem Haus in Anif noch in St. Moritz. Ich habe keinen Vorhang abgenommen, keine Fenster versetzt, nichts. Weil ich das Gefühl habe, dass die Tür aufgehen könnte, er von einem Konzert kommt und einfach wieder da ist. Ich weiß, dass viele Menschen das für wahnsinnig halten, aber ich schere mich nicht darum. Ich glaube, er ist noch immer irgendwie hier, und er soll hier, bei mir bleiben und sich wohl fühlen. Er beschützt mich.

crescendo: Nehmen wir einmal an, er würde tatsächlich wiederkommen. Würde er sich in unserer Welt überhaupt zurecht finden?

von Karajan: Wahrscheinlich würde er erst einmal sagen: “Eliette, warum hast Du die ganze Zeit dieses Gerümpel hier gelassen? Warum hast Du nicht einen neuen Fernseher gekauft, einen neuen DVD-Player und moderne Vorhänge!” Aber im Ernst: Herbert ist immer zurecht gekommen. Er hat einmal selbst gesagt, dass er traurig war, am Ende seines Lebens so alt gewesen zu sein. Er hat geahnt, dass die technische Revolution gerade erst angefangen hatte – und er hätte sie gern miterlebt. Wahrscheinlich schaut er auf die Welt und ärgert sich, dass er diese und jene technische Entwicklung nicht mehr für seine Musik nutzen konnte.

crescendo: Die Welt dreht sich inzwischen schneller, Ihr Mann hatte vielleicht als letzter Musiker noch alle Fäden des Klassik-Geschäfts in der Hand: die großen Orchester, die CD-Firmen, die Opernhäuser. Das wäre heute undenkbar.

von Karajan: Sie müssen sich fragen, warum das so war. Herberts große Begabung lag darin, dass er zwar vieles gemacht hat, dass er sich aber immer auf eine Sache konzentriert hat. Das fehlt vielen Menschen heute. Sie glauben, auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu müssen, um wichtig zu werden. Aber Herbert hat immer nur eine Sache zur Zeit gemacht – und die mit absoluter Hingabe. Außerdem hat er sich nicht vom Lauf der Welt ablenken lassen. Er hat zum Beispiel sehr wenig Zeitung gelesen, war aber trotzdem stets bestens informiert. Seine Kunst war es, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Und das würde ihm heute vielleicht noch mehr helfen als früher. Das alles gilt übrigens nicht nur für die Musik. Wenn er bei der Familie war, war er voll und ganz da, wenn er geflogen ist, ist er mit größter Leidenschaft geflogen, so als würde es keine Musik und keine Familie geben, und wenn er bei mir war, war er immer bei mir. Außerdem hat er sich stets vom Klatsch der Klassik-Szene fern gehalten. Ich habe nie gehört, dass er über einen anderen Dirigenten oder Künstler schlecht geredet hat.

crescendo: Dabei wurden in der Öffentlichkeit immer wieder Feindbilder aufgebaut: Ihr Mann stand in Konkurrenz zu den Dirigenten Karl Böhm oder zu Leonard Bernstein.

von Karajan: Hören Sie, das ist doch alles aufgebauscht. Mit Karl Böhm hat er zum Beispiel eine sehr pragmatische Lösung gefunden: Die beiden haben sich in Salzburg ihren Strauss und Mozart aufgeteilt. Das war nur durch gegenseitigen Respekt möglich, auch wenn beide in der einen oder anderen Sache anderer Meinung waren. Außerdem gibt eine Anekdote kurz vor Herberts Tod. Da hat er sich mit Leonard Bernstein getroffen, die beiden Männer haben über ihre Wehwehchen geredet – und irgendwie haben sie sich ganz gut verstanden. An diesem Abend haben sie auch beschlossen, gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern auf USA-Tournee zu gehen, einen Teil sollte der eine, den anderen der andere dirigieren. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Was ich sagen will, ist, dass Herbert mit Sicherheit kritisiert wurde, dass er aber keinen seiner Kritiker hasste, sondern immer die Musik in den Vordergrund gestellt hat.

crescendo: Wer waren die Dirigenten, die er gern neben sich duldete?

Herbert von Karajanvon Karajan: Er hat selbstverständlich Carlos Kleiber bewundert, mochte Claudio Abbado, Riccardo Muti, Simon Rattle und viele andere. Mit Sergej Ozawa gab es übrigens eine amüsante Geschichte.- Er war auch ein Freund der Familie. Einmal kam Ozawa mit einer Akupunktur-Spezialistin aus Japan angereist, um Herbert von seinen Rückenschmerzen zu befreien. Es ist merkwürdig, für mich ist all das noch sehr nahe, aber diese Menschen werden inzwischen auch älter. Für mich ist es schön zu sehen, wie viele junge Leute Herbert gefördert hat, die noch immer musizieren. Denken Sie an Anne-Sophie Mutter, an Jewgeni Kissin, und selbst noch an Christian Thielemann, der bei ihm vordirigiert hat. Die hätten mit Sicherheit auch ohne Herbert Karriere gemacht, aber sein Glaube an diese Künstler hat ihnen erlaubt, eine Abkürzung in ihrer Laufbahn zu nehmen. Sagen Sie mir, welcher Dirigent heute noch so konsequent andere Musiker fördert. Ich sehe das nicht.

crescendo: Zum Jubiläum wird das besonders deutlich. All die Schallplatten und Filme Ihres Mannes kommen wieder heraus. Und man scheint alles über seine Arbeit zu wissen. Weitgehend unbekannt ist allerdings, woher er seine Ideen hat. Was hat Ihren Mann inspiriert?

von Karajan: Seine größte Inspiration war immer die Zukunft. Deshalb hat er auch die Beethoven Sinfonien so oft in Angriff genommen, er hat mit allem immer einen Schritt weiter gehen wollen, hat sich nie auf dem Jetzt ausgeruht. Er hat die Sinfonien erarbeitet und wollte sie noch einmal erneuern, und danach noch einmal. Es gibt ja das Bild, dass er dabei stets den perfekten Klang gesucht hätte und auf die modernsten Medien und Arbeitsmethoden gesetzt habe. Das ist auch richtig, was die Aufnahmetechnik betrifft. Was die eigentliche Arbeit, die Vorbereitung zu Hause, angeht, war er aber ein Minimalist. Er hat sich oft zurückgezogen, um einsam und allein mit seiner Phantasie der Musik in all ihrer Reinheit zu begegnen. Nächtelang saß er in seinem Zimmer mit nichts anderem als einer Partitur, einem Stift, vielleicht einer Schallplatte und einem Kopfhörer. Er hat sich in Musik vertieft. Erst wenn er aus der Partitur selbst eine Idee entwickelt hatte, ging es darum, diese Idee auch mit den Mitteln der modernen Technik aufzunehmen. Herbert war in seiner Arbeit sehr uneitel, er hat auch nie vor dem Spiegel gestanden und sich beim Dirigieren angesehen.

crescendo: Worüber hat er mit Ihnen während dieser Arbeitsphasen gesprochen?

von Karajan: Sie werden sich wundern: Über die Familie, über das Leben, aber nur selten über die Musik. Beethoven gehörte nicht zu unserer Familie – er war eher eine heimliche Geliebte für Herbert, und über die redet man nun einmal nicht. Außerdem, was hätte er mich schon fragen können: Er kannte sich mit der Musik nachweislich besser aus als ich. Ich habe gehört, was er gemacht hat und habe es genossen. Ehrlich gesagt, weiß ich von vielen Dingen erst heute, was ich wirklich gut finde, und was weniger.

crescendo: Er hat Sie also nie um Rat gefragt?

von Karajan: Sehr, sehr selten. Einmal, als er einen neuen Film gemacht hat, ist er zu Günter Hermann gegangen und hat gesagt, dass er den Film nicht freigeben wollte, bevor er ihn mir gezeigt hat. Aber mich persönlich haben die Endprodukte höchstens fasziniert, was mich wirklich begeistert hat, war seine Begeisterung an der Arbeit.

crescendo: Gab es Momente, in denen er von Proben nach Hause kam und sauer war?

von Karajan: Oh, wenn die Akustik irgendwo schlecht war, dann konnte er fluchen. Aber meistens hat er es einfach genossen, zu Hause zu sein, die Tür zu schließen und den ganzen Zirkus der Klassik hinter sich zu lassen.

crescendo: Wenn man mit jemandem zusammenlebt, kennt man ihn sehr gut …

von Karajan: Glauben Sie das wirklich? Sind Sie da sicher? …

crescendo: … Na ja, was mich interessiert: Haben Sie es in den Aufführungen Ihres Mannes gehört, wenn Sie vorher gestritten haben?

von Karajan: Wir haben uns sehr selten gestritten. Und wenn, dann konnte er das beim Dirigieren vergessen. Aber es gibt einen Streit, an den ich mich sehr gut erinnere, es ging – wie immer bei solchen Sachen – um irgendeine Kleinigkeit. Aber es war so weit, dass ich ausziehen wollte. Ich habe ein Auto bestellt, meinen Pass eingesteckt, meinen kleinen Koffer gepackt und bin aus der Tür gegangen. Da stand er plötzlich vor mir, mit einem Pelzmantel, schaute- mir in die Augen, streifte mir den Mantel über und sagte: “Es könnte Dir kalt werden.” Als er mir den Mantel umlegte, sind mir die Tränen gekommen – und der Streit war wieder vorbei.

crescendo: Diese Szene könnte so auch in einer Oper vorkommen. War das Leben an der Seite von Herbert von Karajan wie das Leben in einer Oper?

von Karajan: In der Oper weiß man wenigstens, dass das Leben kurz, schmerzvoll aber existenziell ist. Ich habe mir Ihre Frage noch nie so gestellt. Ich weiß nicht, ob wir ein Opernleben geführt haben. Es gab mit Sicherheit Szenen wie auf der Bühne, im Kitschigen wie im Existenziellen. Aber eigentlich war unsere gemeinsame Zeit jenseits der Konzerte immer sehr bodenständig. Trotzdem ist all das natürlich wie ein Traum verlaufen. Allein unser erster Urlaub, ich war 18 Jahre jung und wir noch nicht einmal verheiratet. Da sind wir nach London ins Savoy gefahren und haben Charlie Chaplin, Clara Haskil, Walter Legge und Elisabeth Schwarzkopf getroffen. Später haben wir viel Zeit mit Romy Schneider verbracht. Ich kannte- all die Leute nur aus den Zeitungen, hätte mir wahrscheinlich vorkommen müssen wie eine Prinzessin. Das war aber nicht so. Herbert- war in diesen Dingen immer so “easy going”. Er war für mich ein normaler Mensch, und für ihn waren all diese Persönlichkeiten auch nur normale Menschen – und das waren sie für mich dann eben auch. Wenn unser Leben eine Oper war, und das könnte sein, dann stelle ich das erst nach und nach fest, zum Beispiel, wenn ich Filme aus dieser Zeit sehe, die uns zeigen und ich mir erst einmal klar machen muss, dass das mein Leben ist.

Karajan und Flugzeugcrescendo: Es gibt das Bild Ihres Mannes als Jet-Setter, Sie waren Fotomodel, als Sie sich kennen lernten. Wie war das für Sie, eine vollkommen neue Welt zu betreten, die Welt der Klassik?

von Karajan: Ich war zuvor einige Male mit meiner Mutter in Nizza in der Oper – aber das hat mich nie sonderlich begeistert. Irgendwann habe ich auf einer Bootspartie in St. Tropez diesen zuvorkommenden Mann kennen gelernt. Mir war schon nach einigen Minuten übel vom dauernden Schwanken des Schiffes, als er mich ansprach. Ihm war aufgefallen, dass mir nicht nach Feiern zu Mute war, und er lud mich in ein Restaurant ein, nannte mich Eliette und ich ihn Monsieur – schließlich war er älter als ich und hatte gerade in Bayreuth den “Ring des Nibelungen” dirigiert. Wir schlenderten weiter bis in eine Bar, in der ich meine Schuhe auszog und tanzte – er schaute nur zu, wollte selbst nicht tanzen. Tja, und plötzlich war ich an seiner Seite, mitten in seiner Welt, habe all die Leute kennen gelernt und seine Kunst. Ich habe mit der Oper Deutsch gelernt, Herbert hat die “Walküre” dirigiert, und ich habe im Hotelzimmer das Textbuch genommen und die Vokabeln nachgeschaut: “Winterstürme wichen dem Wonnemond” – Ich sage Ihnen, das ist harte Kost.

crescendo: Sie sind ja bis heute dafür bekannt, die Meisterschaft des Salons zu beherrschen. Wie war das früher, hatten Sie viel Besuch?

von Karajan: Ja, natürlich, und ich liebe das. Auch für diese Anlässe gilt übrigens, dass wir eher wenig mit der Musikszene zu tun hatten. Wir haben meistens Leute eingeladen, die nicht von der Bühne kamen, eher Rechtsanwälte, Ärzte, Philosophen, und Helmut Schmidt war auch sehr oft hier. Sänger wollte Herbert eher weniger einladen. Von denen hatte er genug auf der Bühne – die einzige Ausnahme war Elisabeth Schwarzkopf, die gemeinsam mit dem EMI-Produzenten Walter Legge kam.

crescendo: Was begeistert Sie heute noch wirklich?

von Karajan: Ich begeistere mich, wenn junge Menschen ihren eigenen Weg zur Musik finden. Herbert selbst hat viel Wert darauf gelegt, dass Klassik nicht nur elitär ist, zum Beispiel hat er vor Arbeitern bei VW gespielt. Ich freue mich, in verschiedenen Projekten helfen zu können, dass die Klassik sich öffnet. Zum Beispiel werde ich bei den nächsten Festspielen mitarbeiten, wenn Simon Rattle Projekte über den “Ring” mit Jugendlichen macht.

crescendo: Was ist eigentlich aus dem Karajan-Zentrum in Wien geworden?

von Karajan: Es wurde geschlossen, weil der Betrieb teurer war als erwartet. Es war ein Fehler, hier auch als Veranstalter aufzutreten, es wurde viel Geld in Stipendien und Konzerte investiert, sodass das Unternehmen nicht mehr tragbar war. Die gute Nachricht aber ist, dass das Ganze nun in der Salzburger Getreidegasse wieder eröffnet wird – dort wird es ein Archiv geben, das jedem offen steht. c

rescendo: Herbert von Karajan hat die Salzburger Festspiele geprägt – sein Tod hat dazu geführt, dass es einen kompletten Richtungswechsel gab, der vom Intendanten Gérard Mortier eingeleitet wurde.- Wie ist Ihr Verhältnis zu Herrn Mortier?

von Karajan: Gérard ist einer der größten Gentlemen, die ich kenne! Er wurde sehr angefeindet, aber nie von mir. Was sollte er machen: Salzburg im Sinne Herberts weiter zu führen, ohne Herbert, wäre nicht möglich gewesen. Es musste einen Umbruch geben, und Gérard hat ihn klug eingefädelt, großartige Künstler bestellt und wundervolle Aufführungen hergeholt. Es ist typisch für viele Salzburger, dass sie seine Größe erst nach seinem Weggang bemerkt haben, während sie ihn in seiner amtierenden Zeit verflucht haben. Ähnlich ist es übrigens auch Peter Ruzicka ergangen, der die Festspiele ebenfalls geprägt hat. Mit Gérard Mortier stehe ich noch in guter Verbindung und ich bin neugierig, wie er seinen neuen Job in New York ausfüllen wird, wenn er neben meinem anderen Freund, dem Intendanten der MET, Peter Gelb, agieren wird. Ich werde in Zukunft sicherlich öfter New York besuchen.

crescendo: Noch einmal zurück zur Musik. Noch heute wird viel über den alten Klang geredet, über den Klang der Berliner Philharmoniker …

von Karajan: Schauen Sie, meine Meinung ist in dieser Angelegenheit natürlich sehr gefärbt. 80 Prozent der Dinge, die ich früher gehört habe, hat Herbert dirigiert – und noch heute habe ich seinen Klang besser im Ohr als den jedes anderen Dirigenten. Manchmal bin ich sogar geschockt, wie sich Bruckners Sinfonien auch anhören können – zum Beispiel seine Neunte. Ich habe sie kürzlich von Pierre Boulez gehört. Das hat mich aus dem Stuhl gerissen, es waren die selben Noten, aber sie haben meine Wahrnehmung dieses Stückes vollkommen über den Haufen geworfen. Ich liebe es, wenn ich heute Dirigenten wie Boulez höre, die mich ernsthaft zum Nachdenken bringen. Boulez ist ein sehr kluger Mensch, ein spannender Komponist, ein guter Dirigent und: ein Gentleman. Er lädt mich oft zum Essen ein, und ich genieße die Gesellschaft seines Geistes. Abgesehen davon: Wenn mir eine Aufführung heute mal nicht gefällt, habe ich ja noch gute alte Schallplatten zu Hause.

crescendo: Stört es Sie, wenn das Bild Ihres Mannes angefeindet wird, wenn er als Meister des polierten Schönklangs bezeichnet wird?

von Karajan: Ach, das war ja schon so, als er noch lebte. Natürlich stört mich das, besonders, weil ich weiß, wie ernsthaft er der Musik begegnet ist, dass ihm das alles nicht zugefallen ist, sondern, dass sein Erfolg auf sehr, sehr, sehr viel Arbeit gegründet ist. Auf so viel Arbeit, dass ich und meine Familie oft verzichten mussten. Dann zu lesen, dass er Klangkitsch produziert hat, tut auf der einen Seite weh, auf der anderen sehe ich aber auch, dass kein anderer Dirigent, kein lebender und kein toter noch immer mit so vielen Schallplatten vertreten ist wie Herbert. Ich denke mir, dass seine Musik so altmodisch nicht sein kann, wenn sie die Leute noch immer begeistert – oder sie stört.

crescendo: Sie sprechen sehr einfühlsam über Ihren Mann, sie vermissen ihn noch immer sehr…

Karajansvon Karajan: Sagen wir so: Ich bin sehr allein, aber nicht einsam.

crescendo: Haben Sie mit Ihrem Mann über den Tod geredet?

von Karajan: Mein Mann war gläubig, aber er hat, glaube ich, nicht an einen Himmel geglaubt, in dem Engel Harfe spielen. Das wäre ja auch fürchterlich für ihn gewesen. Er hatte keine Angst vor dem Tod, hat geglaubt, dass es weitergeht, dass die Energie in eine andere Form übergeht. Er hat geglaubt, dass Gott überall ist, und sein Beweis dafür war die Schönheit der Natur. Es gab einmal eine Begebenheit, da standen wir vor einem Gletscher, und Herbert schaute nach oben, auf den Schnee und sagte: “Hier würde ich gern sterben, einfach einschlafen.” Er war der Natur sehr nahe – und ich glaube, dass seine Energie noch immer da ist, irgendwo in der Natur.

AB

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11 Kommentare zu ““Herbert war immer so easy going””

Ursula Wolf

30. Januar 2008 um 13:25 Uhr

Das Beste, was ich bislang im Karajan-Jahr gelesen habe. Hut ab vor Frau von Karajan, ich finde, dass sie sehr sehr nahe bei sich selbst und ihrem Mann ist. Danke für dieses offene Interview.

Jürgen

10. Februar 2008 um 16:29 Uhr

Das Interview fand ich ganz gut, aber ich habe ein bisschen in ihrem Buch geschmöckert und das war schon schlimm.

Bianca Ziegler

11. Februar 2008 um 15:47 Uhr

Ein sehr schönes Interview.

Gisela Strickmann

24. Januar 2009 um 21:52 Uhr

Gisela Strickmann
Naja,mich hat das Buch auf diese Seite geführt.
Intervieuw wirklich ok,das Buch sehr sahnig,aber mein
Interesse an der Musik von Karajan ist erneut
entfacht.

Herbert

25. März 2009 um 21:50 Uhr

Wieso werden in solchen Interviews nie Themen angesprochen wie Karajans NSDAP Mitgliedschaft?

Petra

5. April 2009 um 21:56 Uhr

Wen interessiert es wirklich, ob so ein begnadeter Musiker (Dirigent / Regisseur) in der NSDAP war! Viele andere waren das auch!

steven heelein

10. Mai 2009 um 17:11 Uhr

kunst ist unpolitisch! immer!

Zilu Pach

5. Juni 2009 um 02:13 Uhr

ich kenne frau von karajan persönlich
und da braucht einen niemanden beneiden

christian kohler

27. September 2010 um 22:37 Uhr

ein satz von leonard bernstein auf die frage, was er von herbert von karajan halte: “karajan tut, was er kann. ich kann, was ich tue.”

Andreas Rabenstein

27. April 2011 um 12:01 Uhr

Seiji Ozawa in einem Interview auf die Frage nach der besseren Studienmöglichkeit Karajan VS. Bernstein: Karajan gut, Bernstein nicht gut!

Tone Mendoza

8. Juni 2011 um 02:13 Uhr

Wow, why do I actually “feel” Herbert is around? I think he was not only talented but wise. He seemed not to waste a moment on earth, especially on matters that don’t really count, while attending those that really do and in a caring manner. I feel like I know this dude, even on this day.

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