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Hinterfragend, nachdenkend – und nicht nur bildschön

11. Juni 2010

Elina Garanča

Elina Garanča; Foto: Gabo/DG

Elina Garanča im PressegesprĂ€ch in MĂŒnchen/
Konzerte in Regensburg und MĂŒnchen

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Sie ist der Star der diesjĂ€hrigen Thurn und Taxis Schlossfestspiele mit Opernarien von Donizetti bis Bizet (18. Juli) und zugleich gastiert sie mit ihrer „Habanera“-Tournee, einer musikalischen LiebeserklĂ€rung an Spanien, am 26. September 2010 in der MĂŒnchner Philharmonie: Elina Garanča, die lettische Mezzo-sopranistin, die im Alter von 33 schon von der MET bis zur Wiener Staatsoper an allen großen OpernhĂ€usern gastierte und 2007 wie 2009 den ECHO-Klassik in der Kategorie „SĂ€ngerin des Jahres“ erhielt.

Szenenwechsel nach MĂŒnchen: Abends zuvor verlockte sie noch Jonas Kaufmann als umwerfende, derzeit wohl beste „Carmen“ an der MĂŒnchner Staatsoper und badete im Beifall, tags darauf sitzt Elina Garanča beim PressegesprĂ€ch im Bayerischen Hof und plaudert in sonniger Stimmung – ĂŒber ihre Katze, ĂŒber ihren Garten und ĂŒber ihren Mann, den bekannten Dirigenten Karel Mark Chichon, der auch ihre aktuelle Tournee begleitet. Das Blondhaar offen, eine schwarze RĂŒschenbluse, die Designersonnenbrille im Haar: rein Ă€ußerlich ist sie die perfekte Diva. Warum heute auch Mezzosoprane wie auch Vesselina Kasarova und Magdalena Kozena den gleichen Kult-Status erreichen könnten wie ein Sopran? „Ich denke, das liegt an der Wiederentdeckung der Barockoper, die so viel fĂŒr Kastraten zu bieten hat – was heute wir Mezzos ĂŒbernehmen“, meint Elina Garanča. Ob bei SĂ€ngerinnen heute das Aussehen vorrangig sei, wird die 33-JĂ€hrige gefragt. Elina lacht: „Ich kenne keine Frau, die vor dem Spiegel steht und sich sagt: Ja, ich bin hĂŒbsch genug, ich werde SĂ€ngerin – da muss schon die Stimme passen“. Nein, sie fĂ€nde es nicht gut, dass Kolleginnen, die ĂŒber passende stimmliche Reife verfĂŒgten, aufgrund ihres Alters, Aussehens oder Gewichts nicht fĂŒr eine Partie engagiert wĂŒrden. Ihr Anliegen: In der SĂ€nger-Ausbildung mĂŒsse es heute mehr mentale Vorbereitung auf einen Job geben, der einen auch mit diesen Dingen konfrontiere.

Dann erzĂ€hlt sie – von ihrer stetigen Arbeit an der Stimme, an ihren Partien und von Ihrer Art, mit Musik umzugehen („ich höre Musik nie nebenbei, nehme mir lieber die Zeit, in die Oper zu gehen, weil ich da besser konzentriert bin“). Und es wird klar: Elina Garanča ist nicht nur ein Star, derzeit neben Anna Netrebko wahrscheinlich der bekannteste, sondern auch eine hart arbeitende KĂŒnstlerin, die sich stĂ€ndig und immer Gedanken macht, was, warum und wie sie etwas tut.

Groß geworden ist Elina Garanča mit reinstem Belcanto – und ihr Durchbruch kam noch wĂ€hrend des Studiums, als sie in Wien fĂŒr Agnes Baltsa in „Anna Bolena“ einsprang. „Der Belcanto hat mich geprĂ€gt“, sagt sie und bekrĂ€ftigt, wie gut er ihrer Stimme tut. „Die Carmen, die ich derzeit ein wenig zu oft singe, trainiert mehr mein mittleres Register – und meinen Körper, denn um diese Partie durchstehen zu können, muss ich tĂ€glich eine Stunde ins Fitnessstudio“, erzĂ€hlt sie. DemnĂ€chst aber seien wieder mehr Mozart und Bellini angesagt. „Denn ich will noch an meinem oberen Register weiter arbeiten“. Eine Donna Elvira („Don Giovanni“) stĂŒnde an, auch eine Eboli („Don Carlos“) sei geplant – und ĂŒber ein Angebot der Dalila („Samson et Dalila“) denke sie eben intensiv nach. Ob der Weg so direkt in Wagnersche Gefielde mĂŒnde? Etwa in eine Kundry? „Die wird sicher irgendwann kommen – aber Wagner kann auch noch 5 oder 10 Jahre warten“. Elina Garanča will nichts ĂŒberstĂŒrzen, mit ihrem Material vorsichtig umgehen. Lieber singt sie noch mehrmals die Amneris („Aida“), ihre erklĂ€rte Lieblingspartie – „weil sie so viele widersprĂŒchliche GefĂŒhle durchlebt“. Denn die BeschĂ€ftigung mit der Partie an sich, den HintergrĂŒnden ihres Handelns ist fĂŒr die SĂ€ngerin unabdingbar. „Ich reife immer mit und an meine Partien – musikalisch wie darstellerisch“.

Oft, sagt Elina Garanča, beneide sie ihre Schauspielerkollegen: „Sie können jedes Wort Tag fĂŒr Tag anders dehnen und betonen – wir SĂ€nger sind da durch die Musik eingeschrĂ€nkter“. Was die KĂŒnstlerin allerdings nicht daran hindert, am musikalischen Ausdruck stĂ€ndig zu arbeiten und zu feilen. Vor allem in den Piano-Nuancen, wie ihre neue, im August erscheinende CD „Habanera“ (Deutsche Grammophon) eindrucksvoll zeigt. A propos Spanien: Neben dem Wohnsitz in Riga hat dieses Land das Herz von Elina Garanča erobert. Mit strahlenden Augen erzĂ€hlt sie von ihrem Haus in Malaga, das sie mit ihren Mann liebevoll eingerichtet hat, erzĂ€hlt vom Wunder des Bananenbaums im Garten und den Tomaten, die sie dort so gerne einpflanzt. Auch davon, wie toll ihr erstes Auto (BMW X3) sei – und wie gern sie daheim auch mal mit Popcorn vor dem Fernseher sĂ€ĂŸe.

Eine sympathische junge normale Frau, die gleichzeitig eine AusnahmekĂŒnstlerin ist, nicht nur eine Augenweide und ein stimmliches Wunder. Sie hinterfragt, spricht 5 Sprachen, lernt eben die sechste, denkt ĂŒber vieles nach – und ist dabei doch so wohltuend normal. Bravo, Elina!

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2 Kommentare zu “Hinterfragend, nachdenkend – und nicht nur bildschön”

Waltraud Gregan-Mucher

14. Juni 2010 um 19:05 Uhr

Ein sehr nettes Interview. Ich liebe die Stimme von der Elina und da ich selber ein Mezzo bin, könnte mich manchmal der Neid ob so einer begnadeten Stimme fressen. Aber mehr noch als Neid habe ich eine ganz dolle Bewunderung fĂŒr ihre Perfektion beim Singen, die auch ihre kĂŒnstlerische Intelligenz offenbart, ich schĂ€tze ihre Ausdrucksvielfalt, ihr großes Können, ihre Vielseitigkeit, ihre NatĂŒrlichkeit und ihren Charme auf der BĂŒhne. Leider habe ich sie noch nicht life auf der BĂŒhne erlebt…aber bei dieser unaufhaltsamen und hoffentlich langen Karriere werde ich das schon noch in diesem Leben schaffen
Ich freue mich schon auf ihre neue CD! Herzliche GrĂŒĂŸe und viel GlĂŒck weiterhin! Waltraud Mucher-Berlin-Österreich-Mallorca

Dr. Karl Kreuzer

15. Juni 2010 um 07:59 Uhr

Elina ist in allem ein Traum. Sie sollte aber allmĂ€hlich die spanische Schiene verlassen und sich wieder dem Belcanto zuwenden. Nur da kommt ihre herrliche Stimme voll zur Geltung. Mein Wunsch: Sie sollte die “Vier letzten Lieder” von Richard Strauss in ihr Programm nehmen; dann dazu hat sie die Stimme. Sie singt nĂ€chstes ja auch die Donna Elvira.
Dr. Karl Kreuzer

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