Hinterfragend, nachdenkend â und nicht nur bildschön

Elina GaranÄa; Foto: Gabo/DG
Konzerte in Regensburg und MĂŒnchen
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Sie ist der Star der diesjĂ€hrigen Thurn und Taxis Schlossfestspiele mit Opernarien von Donizetti bis Bizet (18. Juli) und zugleich gastiert sie mit ihrer âHabaneraâ-Tournee, einer musikalischen LiebeserklĂ€rung an Spanien, am 26. September 2010 in der MĂŒnchner Philharmonie: Elina GaranÄa, die lettische Mezzo-sopranistin, die im Alter von 33 schon von der MET bis zur Wiener Staatsoper an allen groĂen OpernhĂ€usern gastierte und 2007 wie 2009 den ECHO-Klassik in der Kategorie âSĂ€ngerin des Jahresâ erhielt.
Szenenwechsel nach MĂŒnchen: Abends zuvor verlockte sie noch Jonas Kaufmann als umwerfende, derzeit wohl beste âCarmenâ an der MĂŒnchner Staatsoper und badete im Beifall, tags darauf sitzt Elina GaranÄa beim PressegesprĂ€ch im Bayerischen Hof und plaudert in sonniger Stimmung â ĂŒber ihre Katze, ĂŒber ihren Garten und ĂŒber ihren Mann, den bekannten Dirigenten Karel Mark Chichon, der auch ihre aktuelle Tournee begleitet. Das Blondhaar offen, eine schwarze RĂŒschenbluse, die Designersonnenbrille im Haar: rein Ă€uĂerlich ist sie die perfekte Diva. Warum heute auch Mezzosoprane wie auch Vesselina Kasarova und Magdalena Kozena den gleichen Kult-Status erreichen könnten wie ein Sopran? âIch denke, das liegt an der Wiederentdeckung der Barockoper, die so viel fĂŒr Kastraten zu bieten hat â was heute wir Mezzos ĂŒbernehmenâ, meint Elina GaranÄa. Ob bei SĂ€ngerinnen heute das Aussehen vorrangig sei, wird die 33-JĂ€hrige gefragt. Elina lacht: âIch kenne keine Frau, die vor dem Spiegel steht und sich sagt: Ja, ich bin hĂŒbsch genug, ich werde SĂ€ngerin â da muss schon die Stimme passenâ. Nein, sie fĂ€nde es nicht gut, dass Kolleginnen, die ĂŒber passende stimmliche Reife verfĂŒgten, aufgrund ihres Alters, Aussehens oder Gewichts nicht fĂŒr eine Partie engagiert wĂŒrden. Ihr Anliegen: In der SĂ€nger-Ausbildung mĂŒsse es heute mehr mentale Vorbereitung auf einen Job geben, der einen auch mit diesen Dingen konfrontiere.
Dann erzĂ€hlt sie â von ihrer stetigen Arbeit an der Stimme, an ihren Partien und von Ihrer Art, mit Musik umzugehen (âich höre Musik nie nebenbei, nehme mir lieber die Zeit, in die Oper zu gehen, weil ich da besser konzentriert binâ). Und es wird klar: Elina GaranÄa ist nicht nur ein Star, derzeit neben Anna Netrebko wahrscheinlich der bekannteste, sondern auch eine hart arbeitende KĂŒnstlerin, die sich stĂ€ndig und immer Gedanken macht, was, warum und wie sie etwas tut.
GroĂ geworden ist Elina GaranÄa mit reinstem Belcanto â und ihr Durchbruch kam noch wĂ€hrend des Studiums, als sie in Wien fĂŒr Agnes Baltsa in âAnna Bolenaâ einsprang. âDer Belcanto hat mich geprĂ€gtâ, sagt sie und bekrĂ€ftigt, wie gut er ihrer Stimme tut. âDie Carmen, die ich derzeit ein wenig zu oft singe, trainiert mehr mein mittleres Register â und meinen Körper, denn um diese Partie durchstehen zu können, muss ich tĂ€glich eine Stunde ins Fitnessstudioâ, erzĂ€hlt sie. DemnĂ€chst aber seien wieder mehr Mozart und Bellini angesagt. âDenn ich will noch an meinem oberen Register weiter arbeitenâ. Eine Donna Elvira (âDon Giovanniâ) stĂŒnde an, auch eine Eboli (âDon Carlosâ) sei geplant â und ĂŒber ein Angebot der Dalila (âSamson et Dalilaâ) denke sie eben intensiv nach. Ob der Weg so direkt in Wagnersche Gefielde mĂŒnde? Etwa in eine Kundry? âDie wird sicher irgendwann kommen â aber Wagner kann auch noch 5 oder 10 Jahre wartenâ. Elina GaranÄa will nichts ĂŒberstĂŒrzen, mit ihrem Material vorsichtig umgehen. Lieber singt sie noch mehrmals die Amneris (âAidaâ), ihre erklĂ€rte Lieblingspartie â âweil sie so viele widersprĂŒchliche GefĂŒhle durchlebtâ. Denn die BeschĂ€ftigung mit der Partie an sich, den HintergrĂŒnden ihres Handelns ist fĂŒr die SĂ€ngerin unabdingbar. âIch reife immer mit und an meine Partien â musikalisch wie darstellerischâ.
Oft, sagt Elina GaranÄa, beneide sie ihre Schauspielerkollegen: âSie können jedes Wort Tag fĂŒr Tag anders dehnen und betonen â wir SĂ€nger sind da durch die Musik eingeschrĂ€nkterâ. Was die KĂŒnstlerin allerdings nicht daran hindert, am musikalischen Ausdruck stĂ€ndig zu arbeiten und zu feilen. Vor allem in den Piano-Nuancen, wie ihre neue, im August erscheinende CD âHabaneraâ (Deutsche Grammophon) eindrucksvoll zeigt. A propos Spanien: Neben dem Wohnsitz in Riga hat dieses Land das Herz von Elina GaranÄa erobert. Mit strahlenden Augen erzĂ€hlt sie von ihrem Haus in Malaga, das sie mit ihren Mann liebevoll eingerichtet hat, erzĂ€hlt vom Wunder des Bananenbaums im Garten und den Tomaten, die sie dort so gerne einpflanzt. Auch davon, wie toll ihr erstes Auto (BMW X3) sei â und wie gern sie daheim auch mal mit Popcorn vor dem Fernseher sĂ€Ăe.
Eine sympathische junge normale Frau, die gleichzeitig eine AusnahmekĂŒnstlerin ist, nicht nur eine Augenweide und ein stimmliches Wunder. Sie hinterfragt, spricht 5 Sprachen, lernt eben die sechste, denkt ĂŒber vieles nach â und ist dabei doch so wohltuend normal. Bravo, Elina!









Waltraud Gregan-Mucher
Ein sehr nettes Interview. Ich liebe die Stimme von der Elina und da ich selber ein Mezzo bin, könnte mich manchmal der Neid ob so einer begnadeten Stimme fressen. Aber mehr noch als Neid habe ich eine ganz dolle Bewunderung fĂŒr ihre Perfektion beim Singen, die auch ihre kĂŒnstlerische Intelligenz offenbart, ich schĂ€tze ihre Ausdrucksvielfalt, ihr groĂes Können, ihre Vielseitigkeit, ihre NatĂŒrlichkeit und ihren Charme auf der BĂŒhne. Leider habe ich sie noch nicht life auf der BĂŒhne erlebt…aber bei dieser unaufhaltsamen und hoffentlich langen Karriere werde ich das schon noch in diesem Leben schaffen
Ich freue mich schon auf ihre neue CD! Herzliche GrĂŒĂe und viel GlĂŒck weiterhin! Waltraud Mucher-Berlin-Ăsterreich-Mallorca
Dr. Karl Kreuzer
Elina ist in allem ein Traum. Sie sollte aber allmĂ€hlich die spanische Schiene verlassen und sich wieder dem Belcanto zuwenden. Nur da kommt ihre herrliche Stimme voll zur Geltung. Mein Wunsch: Sie sollte die “Vier letzten Lieder” von Richard Strauss in ihr Programm nehmen; dann dazu hat sie die Stimme. Sie singt nĂ€chstes ja auch die Donna Elvira.
Dr. Karl Kreuzer
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