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“Ich bring das Nähzeug”

23. Juli 2008

Passionstheater: Fleming, Villazón; Siegfried KarpfDas Konzert mit Rolando Villazón und Renée Fleming in Oberammergau ist vorüber. In der gewaltigen Halle, in der alle zehn Jahre die Passionsspiele mit 1800 Mitwirkenden über die Bühne gehen, zogen der mexikanische Tenor und die amerikanische Sopranistin mit ihrem umjubelten Auftritt am 19. Juli mehr als 4000 Zuschauer in ihren Bann.

Wie bereitet man sich eigentlich in einem kleinen Ort wie Oberammergau auf zwei Weltstars wie Villazón und Fleming vor? Hannah Glaser sprach 48 Stunden vor Konzertbeginn mit Evi Huber, Mitarbeiterin im Organisationskomitee und rechte Hand des musikalischen Leiters Markus Zwink.

crescendo: Hier wird kräftig gearbeitet, auf der Bühne wird ein Stoffdach eingezogen, der Orchestergraben ist abgedeckt, Stuhlreihen werden montiert, Mikrophone aufgebaut…

Huber: Das ist halt eine gewaltige Freilichtbühne und für die Künstler und das Orchester mußten wir ein Dach einziehen, schon allein für den Fall dass es regnet. Bei den Passionsspielen werden die Darsteller im Zweifelsfall nass. Das Orchester sitzt dann unter der Bühne im Trockenen und wird oft gar nicht wahrgenommen, da fragen die Gäste schon mal, ob das Playback vom Band ist. Bei den Passionsspielen haben wir aber auch bis zu 800 Darsteller gleichzeitig. Bei diesem Konzert haben wir nur zwei Sänger und damit Platz genug für das ganze Orchester auf der Bühne. Weil der Bayerische Rundfunk das Konzert aufzeichnen will, muß alles verkabelt werden.

crescendo: Angeblich sind noch etwa tausend Konzertkarten zu haben?

Passionstheater, Bühne: Fleming, Villazón; Siegfried Karpf

Huber: Die genauen Zahlen kenne ich nicht. Ursprünglich sollten ja Rolando Villazón und Anna Netrebko singen, da waren sämtliche 4800 Karten in drei Stunden weg. Als dann Frau Netrebko abgesagt hat, wurden viele Karten zurückgegeben, weil Renée Fleming hier halt nicht so extrem bekannt ist. Jetzt ist das Konzert auch in München plakatiert und der Verkauf läuft sehr gut. Das sind halt schon gewaltige Zahlen, im Passionstheater würde ja quasi unser ganzes Dorf im Zuschauerraum Platz finden.

crescendo: Wann kommen die Künstler?

Huber: Ich fahre nachher mit dem Auto nach München, um Emmanuel Villaume abzuholen, den Dirigenten, der probt zur Zeit mit dem Münchner Rundfunkorchester. Frau Fleming wird heute vom Flughafen München abgeholt, Herr Villazón kommt mit dem Wagen aus Salzburg. Morgen um 13 Uhr proben Villazón und Fleming mit Klavier, ab 14 Uhr mit dem Orchester. Für die Probe sind vier Sicherheitsleute abgestellt, da kommt keiner rein, ich auch nicht.

crescendo: Was ist ihr genauer Aufgabenbereich?

Huber: Ich muß sehen, dass hinter der Bühne alles stimmt. Da läuft der Endspurt seit etwa sechs Wochen. Wir haben beispielsweise die beiden Garderoben ganz neu hergerichtet, auch neue Vorhänge eingezogen, damit alles wirklich hübsch ist. Der Proberaum hat neues Parkett bekommen und wir haben zwei neue Duschräume eingerichtet, da muß ich jetzt noch die Namensschilder anbringen.

crescendo: Sie haben neue Duschen eingebaut?

Huber: Ja, wir haben jetzt zwei komplett neue Badezimmer. Das sind schließlich Weltstars, die sollen hier alles finden, was sie brauchen. Außerdem haben wir in zwei Jahren wieder Passionsspiele und da ist es prima, wenn der Christus schnell mal duschen kann. Der hängt ja doch 20 Minuten bei der Kälte am Kreuz, da ist man sehr froh für eine heiße Dusche. Was die Garderoben für die Stars angeht, haben wir von den Agenturen genaue Vorgaben, Obst und Bananen für Herrn Villazón, beide Künstler kriegen stilles Wasser, Frau Fleming möchte außerdem Kräutertee.

crescendo: Wer bringt die Blumen nach dem Konzert?

Huber: Da haben wir ein Geschwisterpärchen aus dem Ort, bildhübsch in Dirndl und Lederhose, die singen selbst im Kinderchor, die dürfen das machen.

Evi Huber, Passionstheater

crescendo: Haben Sie direkten Zugang zu den beiden Künstlern?

Huber: Theoretisch schon, aber wir haben für beide Stars spezielle Betreuerinnen, die aus Oberammergau stammen. Die Christine kennt Herrn Villazón schon von den Salzburger Festspielen und wohnt auch in der Nähe von Salzburg, die kommt heute gleich mit ihm hergefahren. Die andere ist Katharina, die arbeitet in München bei einer Musikagentur und ist selbst eine hervorragende Sängerin, die betreut Frau Fleming. Für die Maske kommen zwei Profis von der Münchner Oper, die freuen sich schon sehr auf diesen Einsatz. Ich bleib lieber im Hintergrund und bring das Nähzeug, wenn irgendwas reißt.

Infos: Verkehrsbüro Oberammergau, Eugen-Papst-Straße 9a, 82487 Oberammergau, Tel. 08822-9227431, http://www.oberammergau.de/, http://www.passionstheater.de/

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Ein Kommentar zu ““Ich bring das Nähzeug””

Martha Fries

28. Juli 2008 um 07:57 Uhr

Super, hab ich jetzt erst entdeckt, den Text. Sehr witzig mit der neuen Dusche! Ich war auch in Oberammergau, eine großartige Atmosphäre, ein Abend, den ich nie vergessen werde. Zum Glück hats auch nicht geregnet. Übrigens ist dort ja auch abseits der Passionsspiele was los auf der Bühne mit denselben Regisseuren, die auch die Passionsspiele machen, das wußte ich auch nicht. Ohne Villazon wäre ich im Leben nicht nach Oberammergau gefahren…jetzt warte ich drauf, dass endlich mal jemand was bei youtube einstellt, es haben so viele Leute ringsherum Videos gemacht (ich hab mich nicht getraut). Danke jedenfalls für diesen Bericht von hinter der Bühne!

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