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In Memoriam Anneliese Rothenberger

28. Mai 2010

Anneliese Rothenberger

Anneliese Rothenberger; Foto: Fayer/EMI

Persönliche Erinnerungen von Thomas Voigt

Was hat, von der Stimme einmal abgesehen, ihre künstlerische Persönlichkeit ausgemacht? – fragte sinngemäß der Moderator von „Kultur Heute“. Der erste Begriff, der mir in den Sinn kam, war „Professionalität“. Anneliese Rothenberger war sehr gewissenhaft, auch in Dingen, die man für weniger wichtig halten mag. „Sei mir nicht böse, wenn ich jetzt zurück an den Schreibtisch gehe. Ich bin immer noch dabei, all die Briefe zu beantworten“, sagte sie Monate nach ihrem 80. Geburtstag. „Du beantwortest wirklich jeden Brief, auch die ganze Fan-Post?“, fragte ich ungläubig, „Jawohl, jeden! Die Leute haben sich die Mühe gemacht, mir zu schreiben, und ich finde es selbstverständlich, dass ich ihnen antworte.“

Einen ersten Eindruck von dieser Professionaliät bekam ich bei einer Signierstunde im Kaufhaus Beck. Die Schlange nahm kein Ende, auch deshalb, weil sich manche Fans immer wieder hinten anstellten, um noch ein Autogramm für ihre Freundin/Schwester/Schwägerin zu bekommen. Und noch nach anderthalb Stunden Non-Stop-Signieren sagte sie ohne eine Spur von sichtbarer Erschöpfung: „Ja gerne, wie ist der Name?“

Abends trafen wir uns mit Martha Mödl im Hotel Palace in München. Anneliese hatte das Mödl-Buch gelesen und freute sich aufs Wiedersehen. So, wie die beiden miteinander umgingen, hätte man meinen können, dass die letzte Begegnung nicht allzu lang zurück lag. Tatsächlich hatten sie sich das letzte Mal vor 44 Jahren gesehen, bei einem Gastspiel der Hamburgischen Staatsoper in Edinburgh. „Weißt du noch, Martha, wie wir zusammen ‚Così fan tutte’ gemacht haben?“ Und ob sie es wusste! Das war das erste Mal, dass die Mödl für einen Lachanfall Strafe zahlen musste. „Ich bin doch so eine Lachwurzen auf der Bühne, des ist ganz arg. Wenn ich einmal anfang, kann ich nimmer aufhören. Und genau das ist mir passiert, als du mit dem Frühstückstablett gestolpert bist. Das hat so komisch ausgesehen, ich seh das heut noch vor mir – und ich hab einfach nicht mehr singen können. Ich habs immer mal versucht, aber es ging nicht. Und so ist Dorabellas erste Arie mehr oder weniger ausgefallen.“

Damals in Hamburg hatte Anneliese Rothenberger noch die übliche Anfänger-Diät zu singen: Große und kleine Rollen, Mozart und Moderne, Opern-Pagen und Operetten-Soubretten. Und sie machte jede Menge Aufnahmen im Rundfunk – „und zwar live!“, wie sie später betonte. Wenn ich mir ihre Aufnahme von Künnekes „Künstlerball bei Kroll“ (NWDR 1950) anhöre, fällt es mir schwer zu glauben, dass dieser „Rap“ als Direktsendung über den Äther gegangen sein soll. Solch rasant-virtuoses Geplapper, noch dazu mit so vielen Zungenbrechern – ohne Schnitt und Korrektur? Aber ich trau’s ihr zu. Sie war halt erzprofessionell. Doch im Gegensatz zu manchen Profis, die sich selbst viel abverlangen, war sie großzügig gegenüber den Schwächen anderer. Bei Gesangswettbewerben war sie ausgesprochen fair im Umgang mit den jungen Sängern, jedenfalls habe ich von ihr nie ein hartes Wort gehört. Und wenn es hervorragende Talente gab, so wie im vergangenen Jahr bei ihrem letzten Wettbewerb auf der Mainau, konnte sie sich freuen wie ein Kind. Auf der Blumeninsel war sie quasi „en famille“: Sie war mit Gräfin Sonja und Graf Lennart Bernadotte eng befreundet gewesen, deren Sohn Björn Wilhelm ist ihr Patenkind. Entsprechend relaxed war sie in diesen Tagen. Beim Abschlusskonzert übernahm sie wie gewohnt die Moderation. Alles lief glatt, und so waren wir, die Organisatorin Brigitte Stephan und die Mitglieder der Jury, ziemlich überrascht, als sie nach dem Konzert total zerknirscht auf uns zu kam und meinte: „Bitte, entschuldigt! Das hätte mir nicht passieren dürfen!“ – „Ja, um Gottes Willen, was denn?“ – „Dass ich Euch nicht vorgestellt habe!“ Noch Wochen später machte sie sich Vorwürfe, uns „vergessen“ zu haben.

Den Grund für solch extreme Gewissenhaftigkeit kann man ahnen, wenn man ihre Memoiren liest. Dort beschreibt sie das schrecklichste Erlebnis ihres Lebens, den Tod ihres kleinen Bruders. Die beiden hatten auf der Straße Kriegen gespielt, und der 5jährige war dabei vor einen Lastwagen gerannt. Der Vater gab ihr die Schuld an diesem Unfall, redete monatelang nicht mit ihr. Und da er sehr herzkrank war, gab ihm der Tod des Jungen den Rest: er überlebte ihn nur um ein Jahr. Führte die Kompensation von Kindheits-Trauma und Schuldkomplex zu einer besonderen Ausprägung von Gewissenhaftigkeit und Professionalität? Es mag allzu sehr nach Küchenpsychologie klingen, aber ich bin überzeugt, dass es so war.

Anneliese Rothenberger als Oscar, Met 1962

Anneliese Rothenberger als Oscar, Met 1962; Foto: Melancon

Womit man mich richtig ärgern konnte: Wenn man Anneliese Rothenberger auf ihre Fernseh-Erscheinung reduzierte, auf die „Frau im Spiegel“-Fotos mit gusseiserner Dauerwelle, auf volksnahe Ansagen in billig-biederen Studiokulissen. Wußten diese Lästermäulen denn nicht, dass die Frau als Sängerin Weltklasse war? Kannten Sie nicht ihre Aufnahmen und Opern-Filme? Hatten sie nicht gelesen, dass sie laut Lotte Lehmann die „beste Sophie der Welt“ war? Dass Renata Tebaldi ihr nach einer gemeinsamen „Bohème“ an der Metropolitan Opera coram publico die Hand geküsst hatte? Hatten sie nicht den berühmten Salzburger „Rosenkavalier“ unter Karajan oder die Münchner „Arabella“ mit Lisa Della Casa gesehen? Wollten sie nicht wahrhaben, dass sie in so konträren Partien wie Konstanze und Lulu selbst notorische Skeptiker überzeugt hatte?

Um so wohltuender war es, als man bei ihren Auftritten in August Everdings „dacapo“-Sendung und in Alfred Bioleks „Boulevard Bio“ statt der Yellow-Press-Figur die „wahre“ Rothenberger erleben konnte: Direkt, ehrlich und nicht immer nur „nett“. Everding konnte selbst schlagfertige Künstler in Grund und Boden reden; doch Anneliese war eine der Wenigen, die ihm kontra gaben. Als er wieder mal die Frage stellte: „Wie war ihr Verhältnis zum Regisseur?“, schoß sie zurück: „Ich hatte nie ein Verhältnis mit einem Regisseur!“

Der Mann ihres Lebens, Gerd W. Dieberitz, war zugleich ihr Manager. In der Branche galt er als ruppig, und bei Proben sollen schon mal die Fetzen geflogen sein. Bei den wenigen Malen, wo ich mit beiden zusammen traf, u. a. bei einem Gesangswettbewerb in Wien, hatte ich den Eindruck eines perfekt aufeinander eingespielten Teams. Überhaupt war der Abend sehr entspannt. Anneliese erzählte herrliche Anekdoten von ihren Begegnungen mit Walter Legge, dem britischen Platten-Tycoon (Columbia/EMI) und Ehemann von Elisabeth Schwarzkopf. Unter anderem diese: Legge war in den 1930er Jahren als Assistent von Thomas Beecham tätig, und dieser hatte ihn beauftragt, nach Dresden zu fahren. „Hör dir in der Semperoper Martha Fuchs an und lass mich wissen, ob wir sie für unsere Saison in London gebrauchen können.“ Legge telegraphierte aus Dresden: MARTHA FUCHS WONDERFUL! Worauf Beecham zurückkabelte: I BELIEVE THAT! BUT HOW DOES SHE SING?

Seitdem war „Martha Fuchs“ zwischen uns eine Art Codewort, wenn man das Kind nicht beim Namen nennen konnte. Während meiner kurzen Zeit als Promotion-Manager bei EMI hatten wir leider nicht viel miteinander zu tun. Zwar hatte sie für EMI-Electrola einen riesigen Katalog an Aufnahmen eingespielt, doch waren weder die Zeit noch das Personal vorhanden, diesen Katalog angemessen zu pflegen. Immerhin wurden zu runden Geburtstagen neue Kopplungen und Alben in Auftrag gegeben; und Dieter Fuoß, der sich im Electrola-Archiv auskennt wie kein Zweiter, brachte dabei immer wieder Raritäten zum Vorschein: die große Szene der Desdemona, den Walzer der Musette, die Arie der Micaela aus „Carmen“ – und eine längere Szene aus „Martha“ mit Rudolf Schock von 1955. Ihre „Ehe“ mit der Electrola war lang und glücklich. Der Produzent Fritz Ganss hatte in ihr die geeignete Nachfolgerin für Erna Berger gefunden. Wie diese war auch Anneliese Rothenberger eine Sopranistin zwischen Lyrik und Koloratur; als Martha beherrschte sie die volksliedhafte Schlichtheit der „letzten Rose“ genauso wie die virtuosen Verzierungen in den Ensembles. Was neben der hervorragenden Textverständlichkeit bei ihren Aufnahmen immer wieder auffällt: Die Unverkennbarkeit des Timbres. Eine einzige Phrase reicht aus, um sie zu erkennen (was man von manchen lyrischen Sopranen, die heute als Weltklasse gelten, schwerlich behaupten kann). Sie selber hatte kein sonderliches Interesse an ihren eigenen Platten. Als ich sie auf die Neuausgabe der „Fledermaus“ unter Oscar Danon (RCA 1963) ansprach, wusste zunächst gar nicht, was ich meinte. Sie hatte diese herrlich vitale, großartig besetzte Einspielung völlig vergessen.

Nach dem Tod ihres Mannes (1999) fürchtete ich eine zeitlang, sie würde nicht mehr auf die Beine kommen. Doch sie raffte sich wieder auf. Sie war trotz ihrer mädchenhaften Statur körperlich ziemlich robust. Ein echtes Steh-Auf-Mädchen. Sie hat sich immer wieder von Rückschlägen erholt, hat den Krebs besiegt, hat den Tod ihres Mannes verwunden. Und ich denke, dass sie auch in den letzten Jahren ihr Leben genießen konnte.

Ich habe ihr viel zu verdanken: Ihre Freundschaft hat mir viel bedeutet. Ihre Platten und Filme haben mir unzählige schöne Stunden beschert. Und ihre Mitwirkung als Interviewpartnerin hat unsere TV-Dokumentationen über Fritz Wunderlich (2006), Lisa Della Casa (2008) und Robert Stolz (2009) um eine unverwechselbare Farbe bereichert. Natürlich wollten wir auch eine Doku über Anneliese Rothenberger drehen, doch davon wollte sie nichts wissen: „Mir ist es viel lieber, wenn wir uns das nächste Mal ohne Arbeit sehen. Einfach so, zum Kaffeetrinken und erzählen“.

Unser letztes Telefongespräch war am 17. Mai. „Entschuldige, ich kann nicht lange reden. Es geht mir sehr schlecht, wahrscheinlich muss ich ins Krankenhaus. Melde dich doch bitte noch mal in zehn Tagen.“ Acht Tage später sollte ich im Deutschlandfunk über die neue „Walküre“ in Hannover berichten. Kurz bevor ich zum Funkhaus fuhr, kam ein Anruf von der „Kultur Heute“-Redaktion: „Könntest du heute noch einen zweiten Beitrag für uns machen? Es gibt einen Todesfall…“

YouTube-Links

Rigoletto, „Caro nome“ (ca. 1961)
http://www.youtube.com/watch?v=cUOE1IszYAo

Rosenkavalier, „Überreichung der silbernen Rose“ mit Sena Jurinac, Ausschnitt aus der legendären Salzburger Produktion unter Herbert von Karajan (1960)
Ab 5:35: „Wie himmlische, nicht irdische…. Ist wie ein Gruß vom Himmel“ – Rothenberger at her best.
http://www.youtube.com/watch?v=aAPuVDZ2a3I

Rosenkavalier, „Mit ihren Augen voll Tränen“ (s. o.)
http://www.youtube.com/watch?v=D6msEmCLfAw

Arabella, Duett der Schwestern; mit Lisa Della Casa (München 1960)
http://www.youtube.com/watch?v=q2Hpvsuo9Ko

Entführung, „Ach ich liebte“ (1963)
http://www.youtube.com/watch?v=2HCZa9O1NQU

Entführung, „Martern aller Arten“ (1963)
http://www.youtube.com/watch?v=UgKlSN06emo

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12 Kommentare zu “In Memoriam Anneliese Rothenberger”

Peora

28. Mai 2010 um 17:42 Uhr

Sehr geehrter Herr Voigt!
Herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich muß zu meiner großen Schande gestehen, daß auch ich Frau Rothenberger immer ein bißchen auf die dauergewellte Fernsehdame mit der schönen Stimme reduziert habe.
Allerdings bin ich ihr sehr dankbar, daß sie durch ihre Fernsehsendungen mit dazu beigetragen hat, die Oper in ganz normale Wohnzimmer zu bringen. Das hat sie mit dem wunderbaren Marcel Prawy gemeinsam.

Musikalisch habe ich bisher Erika Köth und der tief verehrten Erna Berger den Vorzug gegeben. Danke, daß sie dieses Bild geradegerückt haben. Ich werde Ihren Artikel nun wohl zum Anlaß nehmen, mich endlich einmal intensiver mit Rothenbergers Aufnahmen zu beschäftigen. Beginnen werde ich mit einem Bohème-Querschnitt, den ich zufälligerweise vor wenigen Tagen auf dem Flohmarkt entdeckt habe. (Ihr Rodolfo heißt Fritz Wunderlich und war der eigentliche Grund für den Kauf). Danke für die Youtube-Links.

Hans A. Hey

31. Mai 2010 um 12:04 Uhr

Anneliese Rothenberger angemessen und wahrhaftig zu würdigen, dies gelingt Thomas Voigt in seinen Erinnerungen an die große Sopranistin sehr beeindruckend und überzeugend. Ohne alle übertriebenen Jubeltöne – die heute durch modernen Marketingslang Sängerbeurteilungen oft unglaubwürdig machen – zeichnet er ein realistisches Bild, das schwerpunktmäßig die Fähigkeiten der Opernsängerin herausarbeitet, aber auch den Medienstar beleuchtet. Strenge Puristen und sogenannte Hohepriester der Klassik neigen dazu, jeden Künstler der es wagt, über sein engeres Fach hinaus zu singen, sofort als populistisch oder geschmacklos abzuqualifizieren. Ein Schicksal, dass Frau Rothenberger mit Rudolf Schock, Hermann Prey, Margit Schramm, Peter Hofmann, usw. und aktuell besonders mit Günter Wewel und Gunther Emmerlich teilt. Selbst die drei Tenöre mit ihren Millionen begeisternden Auftritten wurden hämisch krtisiert. Die Oper stirbt in Schönheit, wenn sie sich im Elfenbeinturm der Klassik einmauert. Im modernen Medienzeitalter heißt die Forderung Cross Over. Genau diese Sänger haben allen Risiken zum Trotz die Grenzüberschreitung gewagt und dadurch unzählige Hörer an die Oper herangeführt.
Diese Verdienste hat besonders Anneliese Rothenberger und sie ebnete darüber hinaus durch ihre enorm populären Fernsehsendungen, wie “Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre” vielen jungen Talenten den Weg.
Sofort klickte ich bei Youtube die von Thomas Voigt empfohlenen Aufnahmen an. Daraus wurde ein längeres äußerst befriedigendes Rothenberger-Konzert. Besonders in der Arie der Gilda aus “Rigoletto” werden die Stärken der Opernsängerin Rothenberger eindrucksvoll demonstriert. Eine Stimme,die in allen Lagen hervorragend anspricht. Alle Übergänge selbst zu den höchsten Tönen gelingen vollkommen und technisch perfekt.Der Vortrag wirkt in keiner Phase angestrengt oder schrill, im Gegeteil hatte ich den Eindruck als ob immer noch Reserven vorhanden wären. Eine besondere Tugend, die heute oft sträflich vernachlässigt wird, ist die hervorragende Wortverständlichkeit der Sopranistin. Die größte Stärke von Frau Rothenberger ist jedoch dieser anrührende Herzenston, der immer unverkennbar bei ihr mitschwingt. In freier Abwandlung “Teurer Stimme, deren Klang unvergessen bleiben wird”.
Herzlichst
Hans A. Hey, Vizepräsident der Gottlob-Frick-Gesellschft

Lothar Brandt

1. Juni 2010 um 09:44 Uhr

Thomas Voigt, wie man ihn kennt und schätzt: kenntnisreich, kompetent, fair, menschlich

Johannes Kulmer

1. Juni 2010 um 16:26 Uhr

Werter Herr Voigt
Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag über Frau Rothenberger gelesen. Ich hatte leider nie das Glück, Frau Rothenberger persönlich kennenzulernen, doch seit einem Jahr kam durch meinen Wunsch nach einem Autogramm von ihr ein Briefwechsel zustande. Sie war aber bereit, meine beiden Rothenbergerbiographien zu signieren, die ich bei einem Bekannten von ihr deponiert hatte und auf der Rückreise von Italien am 12.Mai d.J.dort abholte. Sie litt sehr darunter, dass ihr niemand nach der Beendigung ihrer aktiven Laufbahn als Kammersängerin eine Sprechrolle in den Medien angeboten hatte. Sich selbst war wohl zu bescheiden, sich dafür anzubieten. So wurde ein großes Talent von ihr nicht genutzt. Traurig finde ich es auch, dass jetzt 8 Tage nach ihrem Ableben niemand weiß, wo und wann ihre Beisetzung stattfindet. Ich finde, das hat sie nicht verdient.
Johannes Kulmer

Carla

1. Juni 2010 um 20:07 Uhr

Ich finde es unendlich schade, dass (außer Bayern alpha) kein einziger TV-Sender es für nötig hält, eine Oper mit Anneliese Rothenberger oder wenigstens eines Ihrer wunderbaren Interviews zu senden, um an diese großartige Künstlerin zu erinnern. Traurig, traurig!

Lars Friedrich

4. Juli 2010 um 18:45 Uhr

Was wären die unzähligen Opern- und Operettenaufnahmen, die regelmäßig durch die EMI-Electrola veröffentlicht wurden, ohne Anneliese Rothenberger in der jeweiligen Titelpartie.
Diese Sängerin adelt mit ihrer unnachahmlichen Ausdruckweise, insbesondere ihr quecksilbriges Timbre, jede Partie und jedes Lied – unabhängig vom Genre – einen eigenen interpretatorischen Stil, ohne in Klischees oder Künstliches abzugleiten. Dies gelingt freilich nur einer technisch versierten Sängerin, die ausgehend von ihrem Können und Möglichkeiten sich auf ein fachlich begrenztes Gebiet beschränkte. Gleichwohl ist in diesem Zusammenhang auch anzumerken, dass Frau Rothenberger ab Mitte der 70er Jahre den Zenit überschritten hatte und dies findigerweise durch Fernsehsendungen kompensiert hatte.
Unabhängig davon ist zweifelsfrei festzuhalten, dass ihre sämtlichen Aufnahmen durchgehend zum eisernen Bestand für einsame Insel gehören. Ferner bleibt hierzu die Hoffnung, dass die EMI wieder vermehrt Aufnahmen von Anneliese Rothenberger in ihrem Katalog veröffentlicht.
Frau Rothenberger, die die Musikwelt erheblich bereichert hat, wird jeden Musikliebhaber in Erinnerung bleiben, zumal es einen Ersatz für die vielseitige und einzigartige Künstlerin auf absehbare Zeiten nicht geben wird.
Der Abschied von Kammersängerin Anneliese Rothenberger ist schmerzlich, jedoch wird sie in unseren Erinnerungen gegenwärtig bleiben.
Herzliche Grüße
Lars Friedrich

richie

5. Juli 2010 um 18:13 Uhr

Die Soubrette Anneliese Rothenberger, denn das war sie, hat ihre Verdienste. Jedoch auf der Opernbühne war sie stets die lächelnde Meißener Porzellanpuppe, auch mit einem Messer im Rücken. Sie war nie die Person die sie darstellen sollte, sondern stets nur die Rothenberger, nahe am Edelkitsch operierend. Später, um diese Puppenhaftigkeit zu erhalten, ließ sie sich unzähliche male liften und sich das Gesicht überarbeiten. Irgendwie blieb sie immer 17-jahrig niedlich. Peinlich. Auch das darf einmal gesagt werden von einem der sie von der Opernbühne kennt.

Johannes Kulmer

23. August 2010 um 23:16 Uhr

Pfui, wie kann man eine so große und liebenswürdige Künstlerin wie Frau Rothenberger nach ihrem Ableben so bloßstellen!?Selbst wenn es so gewesen wäre, dass sie sich liften ließ, das hat sie nicht verdient. Was hat Sie Ihnen angetan, dass Sie ihr im Nachhinein so wehtun?

Carla

24. August 2010 um 01:06 Uhr

@ Herrn Kulmer:
Sie haben recht – das habe ich mir auch gedacht. Aber man kann es frei nach Carl Valentin beantworten: Noch nicht mal ignorieren!

Marco

20. September 2010 um 17:10 Uhr

why has Richie a problem with the liftfaces of Anneliese?
Everybody may live his own life? The fact that Anneliese a young personality was , is very good for an artist/performer.What kind of rubisch would have written Richie if Anneliese had a face like a old woman? Better is to have a good look? isn’t it?? “Peinlich” is not the good word,I think…..dear Richie ?? read also the answer of Carla and Herr Kulmer!!
A big admirer of Anneliese from Ghent /Belgium

Ulrich Imming

5. Januar 2011 um 14:31 Uhr

Lieber Herr Voigt! Frau Rothenberger hatte wahrlich Stil! Auch ich habe einen zauberhaften Antwortbrief von ihr erhalten, als ich ihr vorletztes Jahr schrieb.Diese Stimme wird uns ein Leben lang begleiten und trösten und unser Leben schöner machen.Ich vermute, im Todesaugenblick gabs in den Himmeln ein:”standing ovation”!

marc hillewaere

18. Juni 2011 um 23:14 Uhr

Frau Rothenberger is a very friendly lady…she wrote and answered me everytime I send her a postcard for her birthday or New years wishes!Once i was in Salenstein and phoned her….she let me in her house and we talked a lot about opera and voices etc.
I will always keep a very good souvenir of this great German Lady.
I think that i may say that I own all of her Disc /schallplatten of all the records ever made from her! Ein herliche Dame mit Styl!!
Marc Hillewaere Ghent belgium

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