Junger Meister und Wiener Klassik
crescendo-Redakteurin Teresa Pieschacon-Raphael sprach mit dem jungen polnischen Pianisten Rafal Blechacz über die Komponisten seines neuen Albums: Die Wiener-Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven. Bis Sommer 2009 ist er live in Deutschland zu erleben.
crescendo: Papa Haydn: Warum wird der Komponist Franz Joseph Haydn im Gegensatz zu Beethoven und Mozart so sehr unterschätzt?
Blechacz: Musik von Haydn hatte in meinem Repertoire immer einen wichtigen Platz genommen. Niemals hatte ich das Gefühl, dass sie schlechter verstanden bzw. weniger geliebt wurde als die Musik von Mozart oder Beethoven. Es ist wahr, dass die Werke von Haydn – die Sinfonien wie auch die Kammermusik – seltener als die von Mozart und Beethoven öffentlich aufgeführt werden. Man muss aber daran denken, dass Joseph Haydn, man kann sagen “Vater” der klassischen Form, sowohl Mozart wie den jungen Beethoven inspiriert hatte. Er und seine Musik hatten einen sehr großen Einfluss auf die Gestaltung der Persönlichkeit und der komponistischen Technik seiner Nachfolger.
crescendo: Hat das mit seiner Biografie zu tun, die weniger spektakulär war?
Blechacz: Indem man die Biographien der drei Wiener Klassiker vergleicht, kann man wirklich den Eindruck haben, dass das Leben von Haydn nicht so bunt war wie im Fall von Beethoven und Mozart… Joseph Haydn, der ein stabiles und ruhiges Leben eines Hofmusikers führte, war ein Gegenteil zu dem rebellierenden und um seine musikalische Unabhängigkeit kämpfenden Beethoven.
crescendo: Wenn Sie die Trias Haydn-Beethoven Mozart malen müssten: wie würden Sie sie darstellen?
Blechacz: Es ist sehr schwierig in einigen Saetzen die drei größten Komponisten zu “beschreiben”. Alle drei komponierten in derselben Epoche und in demselben Stil, aber jeder von ihnen verstand anders Ästhetik jener Zeit. Es ist sichtbar in der Werkform und den komponistischen Mitteln. In der sinfonischen Kammer-, Klavier- und Vokal-sinfonischen Musik hatte jeder von ihnen seine individuelle Spur gelassen.
In den Briefen von Mozart findet man sehr oft einen außergewöhnlichen und originellen Humor, Witz, Fröhlichkeit und Optimismus. Diese charakteristischen Merkmale, Stimmungen kann man leicht in vielen seinen Kompositionen hören.
Beethoven – entschieden, heroisch, expressiv. Außer diesen für ihn typischen Merkmalen können wir in seinen Werken einen reflexiven Charakter, wie auch pastorale Atmosphäre finden. Musik von Haydn, vornehm und elegant, erhält auch ein Reichtum von Stimmungen, Charakteren; von den witzigen und lustigen bis zur Tiefsinnigkeit.
crescendo: Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit dem Werk Haydns?
Blechacz: Mit der Musik von Haydn machte ich mich anfangs vertraut, indem ich seine Sinfonien und Streichquartette hörte. Sie haben mich so beeindruckt, dass ich mich mit seinen Klavierwerken befassen wollte. Ich arbeitete damals hauptsächlich an verschiedenen Sonaten. Die Sonate Es-Dur Nr. 52, die aufgenommen wurde, spielte ich bereits im Alter von 14 Jahren. Das ist ein Werk in das ich mich eingelebt hatte. Es hat mich vom Anfang an, ähnlich wie die Londoner Sinfonien, mit dem außergewöhnlichen, direkten und “befreiten” Charakter beeindruckt.
crescendo: Zu Mozart sagte Rubinstein: zu leicht für Kinder, zu schwer für Erwachsene. Wie ist das bei Haydn?
Blechacz: Die Werke von Haydn, Mozart wie Beethoven sind Kompositionen, deren Vortrag eines Wissens von dem klassischen Stil verlangt und was damit verbunden ist, der Vortragspraxis jener Epoche. Die Werke von Mozart und Haydn, strukturell durchsichtig und klar, sind für den ausübenden Künstler eine große Herausforderung. Er muss oft im Rahmen einer geringen Noten- und Tonanzahl die Größe des musikalischen Reichtums zeigen.
Konzerttermine 2009 in Deutschland:
15.03.2009 – Köln
25.06.2009 – München
26.06.2009 – München
27.06.2009 – Bad Kissingen











Einen Kommentar schreiben