Lust auf Fleisch: Zarzuela-Abend in Basel
Calixto Bieito und Joan Anton Rechi servieren in Basel einen leicht verdaulichen Zarzuela-Abend
Von Georg Rudiger
Dieser Abend schmeckt. Es gibt frisch zubereitete Tortilla und leckeren Jamón Ibérico von schwarzen, mit Eicheln gemästeten Schweinen. Und wer Glück hat, bekommt in der Kleinen Bühne des Basler Theaters von den Akteuren auf der Bühne auch einen Becher Sangria gereicht. Und doch hinterlässt der einstündige Zarzuela-Abend “¡PASIÓN!”, den die beiden Katalanen Calixto Bieito und Joan Anton Rechi lustvoll in Szene setzen, keine bleibende Wirkung. Zu leicht verdaulich ist diese spanische Fiesta, zu wenig substantiell die gebotene Kost – es bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Die Küche ist das Zentrum des Abends. Hier wird gebraten und gekocht, geschnippelt und gevögelt. An den Fleischerhaken hängen nicht nur Schinken und Würste, sondern auch die Sopranistin Begoña Alberdi. Die Lust auf Fleisch hat neben der kulinarischen eben auch noch die erotische Komponente. Und so darf sich Karl-Heinz Brandt neben den Schweineschinken an Frauenbrüsten laben – auch Emilie Pictet zeigt im Laufe des Abends viel nackte Haut. Leandra Overmann, die schon im Basler “Don Carlos” und der Freiburger “Elektra” zu hören war, ist die unangefochtene Küchenchefin. Bereits beim humorvollen Beginn des Abends, wenn sich die schwarz gewandeten Musiker auf Kommando die Mäntel ablegen und der Bariton José Adán Pérez ein Schweinebein aus seinem Gitarrenkoffer holt, bekommt Overmann einen eigenen Auftritt, den sie mit dem “Tango de la Menegilda” aus Federico Chuecas 1886 uraufgeführter Zarzuela “La Gran VÃa” würzt.
Ende des 19. Jahrhunderts hatte diese spanische Form der Operette gerade in Madrid großen Erfolg. Ihre Themen stammen aus dem Alltag der kleinen Leute. Die Straße als Ort der Begegnung, die Küche als Hort der Familie. Auf der Suche nach der spanischen Nationaloper war diese heimelige, volkstümliche Gattung entstanden, die auch urspanische Tänze wie Flamenco, Bolero oder Sevillana mit einbezog.
“¡PASIÓN!” dieser lockere, mit dreizehn Musiknummern aus verschiedenen Zarzuelas gefüllte Abend, vertraut natürlich nicht dieser Idylle. Joan Anton Rechi, der letzte Spielzeit am Theater Freiburg den “Barbier” furios in Szene setzte, und Calixto Bieito zitieren lustvoll das spanische Kolorit, um es in grellen Farben auszumalen. Da zerrt Leandra Overmann der Reihe nach ihre Mitsänger an den Haaren unter die Spüle, um ihnen mal richtig den Kopf zu waschen oder rasiert dem Tenor Karl-Heinz Brandt beim Duo aus Francisco Barbieris “El Barberillo de Lavapiés” mit einem Hackebeil. Die Musiker um den Dirigenten Thomas Herzog versehen die Fiesta mit musikalischer Energie und genügend Schmalz, zwischen den einzelnen Nummern werden Gedichte von Lorca und Breton projiziert. Obwohl das Solistenensemble mit der bei Bieito immer notwendigen Hemmungslosigkeit agiert und auch musikalisch überzeugt, bekommt der Abend nur an wenigen Stellen theatralische Dichte. Man spürt es, dass “¡PASIÓN!” in nur wenigen Tagen zusammengemixt wurde. Die Übergänge von einer Szene zur anderen sind kaum ausgestaltet, die Balance ist nicht optimal, die grelle Oberfläche wird zu selten verlassen. Und so bleibt trotz Tortilla und Schinken in Basel am Ende das Gefühl, nicht satt geworden zu sein.
Weitere Vorstellungen: 14.11., 7./30.12., 24.1.09, jeweils 20.15 Uhr. Karten online unter www.theater-basel.ch oder tel. unter 0041 61 295 11 33.













Bernhard Schulze
Die junge Emilie Pictet hat den Abend ( und nicht nur in dieser Produktion) bezaubert
und ich hoffe sehr dass sie am theater Badel nochmal
singen wird.
Sie ist eine sehr starke und aussergewöhnliche Bühnenerscheinung
und singt dazu wunderschön.
Also los! dass sie schnell zurückkommt!
Bernhard Schulze
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