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Mozart – und mehr!

25. November 2009
“Idomeneo”-Aufführung; (c) Elisabeth Carecchio

Salzburger "Idomeneo"-Aufführung; Foto: Elisabeth Carecchio

Die Salzburger Mozartwoche vom 22. – 31. Januar 2010: Tradition im Dialog mit der Moderne.

Von Uwe Schneider

Salzburg im Januar hat eine ganz besondere Stimmung. Die Touristenmassen des Sommers sind fern. Der Blick ist klarer als sonst, die Alpen scheinen noch näher, die Luft noch freier. Es ist die Zeit, in der die Salzburger sich zuhause fühlen.
In dieser Atmosphäre trifft sich alljährlich in der Zeit um Mozarts Geburtstag am 27. Januar ein Who´s who der internationalen Musikszene. In Mozarts Geburtsstadt führen sie Werke des bekanntesten Sohnes der Stadt auf höchstem Niveau auf.

Die Mozartwoche 2010, die vom 22. bis 31. Januar stattfinden wird, wird im prachtvollen Großen Saal der Stiftung Mozarteum und den beiden Festspielhäusern jedoch nicht nur den Jubilar feiern, sondern ihn auch in Beziehung zur Neuen Musik setzen. “Wenn Mozarts Musik der Musik der Gegenwart begegnet, kann durch das Aufeinandertreffen der musikalischen Sprachen ein neues, offeneres, aufmerksameres Hören entstehen”, ist der Künstlerische Leiter Stephan Pauly überzeugt und unterstreicht den Erfolg dieser Idee. Mit dem Ungarn György Kurtág hat man 2010 einen der wohl bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten gewonnen, dessen Musiksprache zwischen Konzentriertheit und spielerisch-assoziativen Stilistiken längst Einzug in die Konzertsäle der Welt gehalten hat. Die Spannung dieser zu Klassikern der Moderne gewordenen Werke im Dialog mit Mozarts kanonischen Kompositionen zu erleben, dürfte manch überraschende und faszinierende Facette freisetzen.

Zu den Highlights wird auch die vieldiskutierte, bildkräftige Inszenierung von Mozarts stürmerisch-drängerischem “Idomeneo” (22./26.1.) durch den französischen Kultregisseur Oliver Py gehören, die im Sommer bereits im französischen Aix-en-Provence und danach beim Musikfest Bremen zu erleben war. Spektakulär ist diese Produktion auch, weil Marc Minkowski am Pult seines Originalklangorchesters, den Musiciens du Louvre, die unbändigen Affekte der Partitur zu entfesseln weiß und mit namhaften Gesangsspezialisten, zu denen Richard Croft, Sophie Karthäuser, Mireille Delunsch und Yann Beuron zählen, Mozarts genialen Jugendwurf als Musiktheater der Seelenqualen und der Läuterung zu musizieren versteht. Eine Musizierästhetik, die historisch informiert mitten ins Heute trifft.

Wie vielfältig heute Mozarts Musikästhetik stilistisch umgesetzt werden kann, kann man in dieser Komprimiertheit wohl nur während der Salzburger Mozartwoche erfahren. Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt (mit seinem Concentus Musicus, 31.1.), René Jacobs (mit dem Freiburger Barockorchester, 25.1.), Ivor Bolton (28.1.), Sir Roger Norrington (29.1.), Christoph Eschenbach (23.1.) oder Dennis Russell Davies (26.1.) werden zu erleben sein. Solisten wie András Schiff (23./24./29.1.), Leif Ove Andsnes (27./30.1.), Gidon Kremer (27.1.), Andreas Scholl, Angelika Kirchschlager oder Annette Dasch sind nur einige der Namen, die das Panorama ganz unterschiedlicher, allesamt gefeierter Sichtweisen auf Mozart und sein Umfeld präsentieren werden. Hervorzuheben ist einer der interessantesten Pianisten der jüngeren Generation: Lars Vogt, der als Artist in Residence ein breites, das Publikum immer wieder fesselndes, künstlerisches Spektrum offeriert.

Dass die Mozartwoche immer auch ein Podium für neue Talente ist, die bereits mit meisterhaften Interpretationen hervorgetreten sind, zeigt sich in einem Konzert bei dem einer der aufregendsten jungen Dirigenten, der Kanadier Yannick Nézet-Séguin sein Debüt mit keinem geringeren Orchester als den Wiener Philharmonikern (30.1.) geben wird. Auf dem Programm stehen dann – ganz die Grundidee des Jahrgangs aufgreifend – György Kurtág und Mozarts Vermächtnis, sein “Requiem”.

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