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Nadja Michael: “Oper ist eine Kunst des Existenziellen”

21. Juni 2007

Nadja MichaelDie Sopranistin Nadja Michael wird in Bregenz die Tosca singen. Vor Kurzem hat sie in Italien abgeräumt, dort hat sie die “Salome” gesungen und ein Land zum Jubeln gebracht.

Frau Michael, Gratulation zu Ihrem “Salome”-Erfolg. War es eine Überraschung, an der Scala so euphorisch aufgenommen zu werden?

Michael: Absolut. Ich bin nach Italien gekommen, und die Leute haben mich gewarnt, was man in diesem Urland der Oper alles so falsch machen kann: Gib bloß keine Interviews, haben sie gesagt, und halt dich fern von den Debatten um die Oper. Aber das ging plötzlich gar nicht mehr. Die Leute waren total aus dem Häuschen – dieser Stimmung kann man sich gar nicht entziehen. Mailand war für mich ein unglaubliches Erlebnis.

Nun singen Sie die “Tosca” in Bregenz – auf der großen Seebühne. Sie waren einmal Leistungsschwimmerin. Das muss Ihnen doch liegen.

Michael: Sie meinen, dass ich am Ende in den See hüpfen sollte? Eigentlich eine schöne Idee. Aber ich glaube, das hat der Regisseur nicht vorgesehen.

Der Regisseur ist Philipp Himmelmann – bei ihm haben Sie an der Berliner Staatsoper bereits eine Aufführung von “Don Carlos” gesungen.

Michael: Ich weiß bis heute nicht, warum diese Inszenierung bei der Premiere so umstritten war. Himmelmann hat sehr genau, sehr mit der Musik gearbeitet. Er hat Verdi zu einem Kammerspiel geschrumpft, das Private im Politischen gesucht – und zum Autodafée ist er aus diesem Korsett ausgebrochen. Ich glaube, das hat die Leute schockiert.

Er ließ nackte Menschen in den Schnürboden ziehen.

Michael: Ja, aber darum geht es doch: um die Vernichtung von Menschen. Die Oper ist eine Kunst, in der es immer um das Existenzielle geht, davor dürfen wir uns nicht drücken.

Das hört man auch in Ihrer Stimme – sie ist keine “Schönsingstimme”, sondern eher mit Charakter aufgeladen.

Michael: Ich glaube, dass wir mit poliertem Schönsingen nicht weiterkommen. Für mich liegt das reizvolle und euphorisierende in unserer Kunstform im Changieren zwischen purer musikalischer Schönheit und dem grenzgängerischen Hervorbrechen des in Not geratenen Menschen.

Das Interview führte Axel Brüggemann.

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Ein Kommentar zu “Nadja Michael: “Oper ist eine Kunst des Existenziellen””

Henri Fassmann

28. Juni 2007 um 16:46 Uhr

Ist schon ein bisschen lustig – heute wird Michael bei Spiegel Online gefeiert. Chapeau, wie schnell crescendo ist – der Zeit voraus.

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