Neuer RING aus Bayreuth

CD "Der Ring des Nibelungen"; OPUS ARTE
Meisterlicher Thielemann
Von Richard Eckstein
Musikalisch gibt Christian Thielemann den Ton auf dem Grünen Hügel an. Seinem „Meistersinger„-Debüt im Jahr 2000 folgten „Parsifal„ und „Tannhäuser„. Die höchsten Wagner-Weihen wurden ihm dann 2006 zuteil: am Pult der „Ring„-Tetralogie. Wer die vier Teile von Wagners monumentalem Dramenzyklus „Der Ring des Nibelungen„ im verdeckten Orchestergraben des Bayreuther Festspiel-hauses zu schmieden vermag, der ist zurecht Teil der Musikalischen Leitung …
Als Wagner-Interpret ist Thielemann derzeit konkurrenzlos. Virtuos scheint er dirigentische Tugenden solch unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Wilhelm Furtwängler, Hans Knappertsbusch und Herbert von Karajan in sich zu vereinen: die Fähigkeit zu weit angelegten Phrasierungsbögen, eine durchaus notwendige orchestrale Wucht, um entsprechende Gewichtigkeit bzw. Bedeutung zu erzielen, und eine Detailversessenheit sondergleichen – alles gepaart mit größtmöglichem Klangsinn.
Thielemann kann also „hinlangen„, wo erforderlich, und versteht es, seine Musiker unmittelbar danach zum süßesten Pianissimo anzuhalten. Diese enorme dynamische Bandbreite lässt sich gerade an so legendären Stellen wie dem Trauermarsch oder „Brünnhildes Schlussgesang„ in „Götterdämmerung„ exemplarisch nachvollziehen. Von niemals grellen Orchesterausbrüchen bis zum „Ablöschen„ des gesamten Klangkörpers vergehen oft nur Bruchteile von Sekunden – oder ganze Ewigkeiten. Das Geheimnis von der „Kunst des Übergangs„ hat Thielemann – wie nur wenige Kollegen vor ihm – gelüftet.
Der Eindruck, dass der Kapellmeister (nach wie vor zieht Thielemann diese Berufsbezeichnung dem international geläufigeren „Maestro„ vor) als eigentlicher Star dieser Live-Aufnahme von 2008 fungiert, wird leider von einem Gutteil der Sängerbesetzung gestützt. Positive Ausnahmen wie Albert Dohmen als solider Wotan und Wanderer sowie Gerhard Siegels markiger „Rheingold„- und „Siegfried„-Mime bestätigen dies nur. Mangelnde Kondition, Intonationsprobleme und übermäßiges Vibrato sind weder bei Stephen Goulds Siegfried noch Linda Watsons Brünnhilde zu überhören. Beide Protagonisten sind hier nicht „at their best„ zu erleben. Da nützen selbst alle orchestralen „Begleit-Zaubereien„ des begnadeten Korrepetitors Thielemann, nichts. Und über Tankred Dorsts laienhaft-romantisierend-mystifizierende Inszenierung richtet bereits die Tatsache, dass sich die Herausgeber (bislang?) bloß zu einem Audio-Mitschnitt entschließen konnten.
Wagner: „Der Ring des Nibelungen„
Chor & Orchester der Bayreuther Festspiele, Thielemann
14 CDs
(Opus Arte)











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