Neues und Wahres

Kurt Weill; Foto: Hoenisch
Mit zwei Uraufführungen und vielem mehr wagt das Kurt Weill Fest einen mutigen Schritt in die Gegenwart.
Von Martin Morgenstern
“New Art is True Art” – mit diesem Song aus Kurt Weills erfolgreichstem Broadway-Musical “One Touch of Venus” ist das Ende Februar anstehende Kurt Weill Fest in Dessau überschrieben. In einem weit gefächerten und abwechslungsreichen Gesamtprogramm wagt die Mannschaft um den neuen Intendanten Prof. Michael Kaufmann auch zwei Uraufführungen, die die Kurt-Weill-Gesellschaft in Auftrag gab. Beide Werke sollten dabei ihre Inspiration aus dem “Mahagonny Songspiel” beziehen, das damit zur eigentlichen Kraftquelle des Festival 2010 wird.
Prädestinierter Partner für die Eröffnung der Festtage ist das herausragende Ensemble Modern, das die erste Uraufführung – “Die WUNDE Heine” des Artist-in-Residence Helmut Oehring – zusammen mit dem “Mahagonny Songspiel” am 26. Februar auf die Bühne des Anhaltischen Theaters bringen wird. Das zweite Auftragswerk hat der Komponist Moritz Eggert zusammen mit dem Bachmann-Preisträger Franzobel erarbeitet. Das abendfüllende Stück mit dem Titel “Bordellballade. Ein Dreigoscherlnstück” feiert am 4. März in einer Produktion des Theaters Koblenz auf der Bauhausbühne seine Uraufführung. Es ist von der jüngsten Finanz- und Wertekrise inspiriert, will laut Veranstaltungsprogramm “durch Einfachheit, Eingängigkeit und Verständlichkeit überzeugen” und “lebendige und humorvolle Zeitkritik präsentieren”; das hört sich doch schon ganz kurz-Weillig an …
Insgesamt wird der Bogen des 18. Kurt Weill Fest wieder weit über die musikalischen Genres gespannt und so können auch gleich am Eröffnungswochenende zwei “Diven” in Dessau erlebt werden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wenn etwa die gefeierte Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager gemeinsam mit Helmut Deutsch ihren Liederabend gibt (27. Februar) oder die Sängerin Annamateur zu Gast ist. Stehen im ersten Konzert mit Schubert, Korngold und Weill große “Altmeister” auf dem Programm, so wird Annamateur ganz andere Akzente setzen: Atemberaubende Stimmakrobatik mit einer Wandlungsfähigkeit, die es ihr erlaubt, zwischen Zarah Leander und One-Note-Samba auf den Text des DDR-Liedes “Unsere Heimat” zu “switchen”. Noch eine weitere grandiose “Stimme” ist am 07. März mit Ingrid Schmithüsen im Spiegelsaal des Köthener Schlosses zu erleben.
Als szenische Produktion bietet sich “One Touch of Venus” geradezu an. Die in Deutschland lange nicht gespielte musikalische Komödie des amerikanischen Weill, in der gesellschaftskritisch das Göttinnendasein mit der Wirklichkeit der kleinbürgerlichen Hausfrauenrolle kontrastiert wird, erlebte nach ihrer New Yorker Premiere im Jahr 1943 mehr als 560 Aufführungen in Folge. Die Dessauer Produktion feiert ihre Premiere am 5. März mit Sopranistin Ute Gfrerer in der Hauptrolle, die bereits beim Kurt Weill Fest 2009 in der Eröffnungsproduktion “Die Sieben Todsünden” in der Rolle der Anna vom Publikum bejubelt wurde. Einen Tag später präsentiert das Kammerensemble Neue Musik Berlin Werke des Festivalkomponisten Helmut Oehring.
Auch in Zukunft hält das Kurt Weill Fest an der erfolgreichen Themenreihe “New Sounds” fest. 2010 konzertieren hier die Jazzband Triosence um den Pianisten Bernhard Schüler (3. März) und die Berliner Erfolgsgruppe Nylon (5. März). Und bei einer musikalischen Lesung in Bitterfeld wird die Sängerin und Schauspielerin Winnie Böwe einen Tag später unbekanntere Texte Bertolt Brechts lesen und Lieder von Hanns Eisler und Kurt Weill singen. Begleitet wird sie dabei vom Ensemble Piaccordia.
Das Abschlusskonzert bestreitet Schauspielerin und Sängerin Helen Schneider, die Melodien des “Great American Songbooks” mit ihrem Trio interpretieren wird.
Konzipiert ist das Fest dieses Jahr übrigens noch von Alt-Intendant Clemens Birnbaum, der acht Jahre lang die Geschicke des Festivals leitete, im August 2009 aber zu den Händel Festspielen nach Halle wechselte. Für Michael Kaufmann ist dieser Jahrgang jedoch mehr als schlichtes Verwalten: “Natürlich freue ich mich sehr darauf, dass ich künftig dem Kurt Weill Fest neue künstlerische Impulse geben kann, aber für mich war es schon immer auch bedeutend, dass Künstler und Publikum durch eine gute Organisation spannende Begegnungen erleben können – da darf es keine Rolle spielen, wer das Programm gestaltet. Das müssen die Menschen spüren können, dann haben wir auch schon einen guten Anfang für die Zukunft gemacht.” Wohl deshalb hat “der Neue” die Festivaldaten der nächsten vier Jahre bereits online veröffentlicht – das Publikum wird begeistert wiederkommen …
Kurt Weill Fest Dessau 26.02.-07.03.2010
Informationen und Kartenservice:
Tel.: 01805-564 564 (14 Cent/Min., Mobilfunk ggfs. abweichend) oder +49-(0)341-14 99 09 00
www.kurt-weill-fest.de
www.kurt-weill-gesellschaft.de
karten@kurt-weill-fest.de













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