Pavol Breslik: Ein neuer Stern am Tenorhimmel
In der Bayerischen Staatsoper in München hat er längst eine begeisterte Fangemeinde, in Frankfurt gilt der slowakische Tenor Pavol Breslik noch als Geheimtipp. Am 2. März gab der 31-jährige in der Frankfurter Oper einen Liederabend mit Werken von Schumann, Richard Strauss und Dvorak.
Von Hannah Glaser
Der große Saal der Frankfurter Oper füllte sich nur langsam, war zu Konzertbeginn dann aber bis auf die oberen Ränge vollbesetzt. Wer da war, wird den Abend nicht vergessen, denn man konnte einen bescheidenen, fast schüchternen jungen Sänger erleben, den seine fulminante Karriere selbst am meisten zu überraschen scheint. Dabei hat er seit seinem ersten Engagement in Berlin, wo er von 2003 bis 2006 Ensemblemitglied war, schon einige umjubelte Debuts erlebt, in Mozarts “Idomeneo” beispielsweise, anläßlich der Wiedereröffnung des Cuvillies-Theaters im Juni 2008, vor allem aber in Donizettis “Lucrezia Borgia” 2009 an der Seite der Belcanto-Königin Edita Gruberova, wo er in der spektakulären, szenisch unterkühlten Inszenierung von Christoph Loy in München als Gennaro sängerisch und darstellerisch begeisterte. Seither gilt der 1979 in Bratislava geborene Sänger als der beste Nachwuchs, den sich die Opernwelt wünschen kann.
So faszinierte er auch das Publikum in der Frankfurter Oper mit seinem lyrischen Tenor, der einen hellen Klang und eine strahlende Höhe hat, aber genauso zu dramatischen Ansätzen in der Lage ist. Begleitet von Malcolm Martineau am Klavier, war Pavol Bresik bei Robert Schumanns Liederzyklus “Dichterliebe” mit seinem gesamten Vortrag allerdings leider ein wenig zu schnell, man hätte sich zwischen den 16 ausdrucksstark und intelligent phrasierten Liedern längere Pausen gewünscht, um der Schönheit dieser Stimme und der feinsinnigen Interpretation nachzulauschen. Auch bei den sechs ausgewählten Liedern von Richard Strauss blickte Breslik nur selten in den Saal, sondern allzu oft Richtung Erdkern, was seinem Auftritt einen jungenhaften, schüchternen Charme verlieh.
Bei den Zigeunermelodien von Antonin Dvorak schließlich – in Bresliks Muttersprache gesungen – die er ebenfalls mit traumwandlerischer Leichtigkeit meisterte, schien der Sänger aufzutauen, und hier huschte ihm auch zum erstenmal ein Lächeln übers Gesicht. Dass Pavol Breslik kein Stimmbandbolzer und vibrierender Kraftmeier ist, sondern ein feinsinniger und manchmal heimwehkranker Künstler, zeigte auch seine letzte Zugabe, die er zur allgemeinen Heiterkeit mit dem Kommentar “wir haben keine Noten mehr” einleitete. Was er dann sang – ohne Klavierbegleitung, nur mit seiner weichen, lyrisch leuchtenden, an Mozart geschulten Tenorstimme – war ein Lied aus seiner Heimat, das schon seine Großmutter und seine Mutter auf Hochzeiten vorgetragen hatten, und in dem es, wie Pavol Breslik mit schüchternem Lächeln kommentierte “um Liebe geht und natürlich auch um Leid”.













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