Pfiffiges Schäferstündchen
Junge Sängerinnen und Sänger im Foyer des Theaters Augsburg mit Mozarts „Il re pastore”
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Seit Spielzeiteröffnung blickt ein lieber Schafskopf großformatig im Foyer des Augsburger Theaters auf die Zuschauer, die Ohren leicht nach hinten geklappt, die wollige Schnauze bereit für Streicheleinheiten. Das Schaf ist Bühnenbild und Leitmotiv zugleich für die Neuinszenierung von Mozarts selten gespielter Jugendoper „Il re pastore” vom „König als Hirte” am Theater Augsburg. Es ziert die T-Shirts für die Orchestermusiker – ein modischer Hingucker unterm Rokokokostüm und zur Puderperücke. Und es findet sich wieder auf den karierten Taschen, die fünf junge Sängerinnen und Sänger zu Beginn des Stücks bringen, um daraus ihre Kostüme auszupacken, in ihre Rollen hineinzuschlüpfen – und am Schluss wieder heraus. Eine Idee, die der Inszenierung von Alexander May besonderen Pfiff gibt: dass sich hier ein junges Team „spontan” einen Ort sucht, an dem „Il re pastore” gespielt werden kann. Im vorliegenden Fall das Augsburger Foyer, an dessen Rand die Zuschauer und das Orchester sitzen und in dessen großer, weiter Mitte gespielt wird. Einbezogen wird auch die Getränketheke – und die Kronleuchter des Saals werden zu echten Kronen im Stück.
Dieser Grundgedanke hat zwei Vorteile: Zum einen passt er zum spontanen Charakter der Mozartschen „Serenata”, als die das Opus betitelt ist. „Serenatas sollen bey allerhand Begebenheiten außerhalb des Schauplatzes, in Sälen, in Gärten und in anderen, nach Beschaffenheit der Umstände dazu bestimmten Orten aufgeführet werden”, zitiert das Programmheft den „Critischen Musikus” aus Leipzig im Jahr 1745. Zum anderen gibt die Spiel- im Spielidee dem Stück einen doppelten Boden. Immer wieder treten die Sänger aus ihrer Rolle heraus, fragen das Publikum oder die Dirigentin um Rat, feuern sich gegenseitig an oder wachsen umgedreht in die Gefühle der verkörperten Person selbst hinein. Dass dabei mit einfachsten Mitteln gearbeitet wird, gibt dem Ganzen einen frischen Charakter, was Mozarts Opus nur gut tut. Das Werk an sich ist nämlich noch stark in barocken Formen verhaftet und auch in punkto Libretto kein Geniestreich: Der ruhmreiche König Alessandro setzt den unwissenden Schäfer Aminta als König in einem besiegten Land ein; es kommt zu Liebesverwicklungen, die sich aber zugunsten eines Happy Ends auflösen. Die Musik dazu schwankt zwischen noch dünnen und bezaubernden musikalischen Einfällen (wie die Arie Amintas mit Geigensolo).
Solche Schwächen im Stück macht allerdings der Umstand wett, dass in Augsburg an dieser Produktion ausnahmslos sehr junge Mitwirkende beteiligt sind: aus dem eigenen Opernensemble und aus den Musikhochschulen in München und Nürnberg, im Orchester auch Studierende des Leopold-Mozart-Instituts. Die Königskrone verdient zweifelsfrei Roman Payer, der mit klangschönem Tenor und Schalk im Nacken einen wundervollen König Alessandro gibt. Guibee Yang trumpft mit glänzenden Koloraturen als Schäferkönig Aminta groß auf, gefolgt von Jasmin Hörner, die als Elisa stimmliche Innigkeit und Charme gezielt einsetzen kann. Stephanie Hampl als Tamiri hat schon großes Stimmformat – und spielt wie ihr Geliebter Agenore alias Florian Mock hingebungsvoll. Die Dirigentin Carolin Nordmeyer , Augsburgs neue zweite Kapellmeisterin, dirigiert mit Pep und Schwung im Mozart-Kostüm vom Cembalo aus. Dass sie aufgrund der Spielstätte dabei meist mit den Rücken zu den Sängern steht, macht die Koordination nicht immer ganz leicht. Doch kleine Ungenauigkeiten fallen angesichts der überzeugenden Gesamtwirkung des einfallsreichen Schäferstündchens nicht ins Gewicht.









Einen Kommentar schreiben