Rolando Villazón ist zurück

Donizettis "L`Elisir d´Amore": Nemorino und Adina; Foto: Wiener Staatsoper GmbH/Axel Zeininger
Wer am vergangenen Montag Rolando Villazóns Comeback in der Wiener Staatsoper miterlebt hat, wird diesen Abend nicht vergessen.
Der laut FAZ-Feuilleton „beliebteste Tenor der Welt“, der zur Zeit in Berlin in Freyers Inszenierung des „Eugen Onegin“ auftritt, feierte am vergangenen Montag in Wien nach langer Auszeit eine gloriose Rückkehr.
Von Hannah Glaser
Ein langes Jahr hatte die Opernwelt auf den charismatischen Tenor-Schauspieler verzichten müssen, eine Stimmband-Operation samt Zwangspause hatten ihn außer Gefecht gesetzt. In Wien konnte man ihn zuletzt im Dezember 2008 als Rodolfo in der „Bohème“ erleben, nun wählte Rolando Villazón die Bühne der Wiener Staatsoper, um am 22. März 2010 als Nemorino in Donizettis komischer Oper „L´Elisir d’Amore“ zurückzukehren.
Fulminanter hätte sein Comeback nicht ausfallen können. Kaum hatte er die Bühne betreten, als im längst ausverkauften Haus ein Beifall aufbrandete, der Orchester und Chor für etliche Takte übertönte. Noch hatte Villazón keinen Ton gesungen, aber der verschmitzte Seitenblick, den er in seiner Rolle als täppischer Bauernbursche seinem Publikum unter dichtem Lockenkopf und Strohhut zuwarf, entzündete ein Feuerwerk gegenseitiger Zuneigung, das den Abend zu einem Fest werden ließ.
„Nacht der verschenkten Herzen“ brachte der österreichische Standard die Atmosphäre der bejubelten Rückkehr auf den Punkt. „Als Sieger kehrt er heim“ titelte die Süddeutsche Zeitung über das triumphale Comeback, für das die Stehplatz-Gäste bereits frühmorgens um vier Uhr Position vor der Kasse bezogen hatten. Und es waren längst nicht nur einheimische Opernfans, die im Haus am Ring für Furore sorgten. Villazón-Fans waren aus der ganzen Welt nach Wien gereist wie Janet Bedell aus Baltimore in den USA, Kurt Kaperski, der mit seiner Frau aus Kapstadt an die Donau flog oder Sinikka Ruotslainen, die am finnischen Polarkreis lebt. Sie alle wurden genauso wenig enttäuscht wie die große Fraktion der deutschen Villazón-Fans, die aus Karlsruhe, Remagen, Dachau, Erfurt und Gotha, aus Frankfurt am Main und Frankfurt an der Oder nach Wien gepilgert waren.
Wie bei seinem Durchbruch 2005 war Villazón auch diesmal ein hinreißender Nemorino, dessen baritonal grundierter Tenor den Seelenzustand seiner Figur in allen Facetten auslotete. Mit seiner überbordenden schauspielerischen Energie schmückte er die Rolle pointenreich aus und verlieh dem Abend mit zauberhaften Kleinigkeiten und komödiantischen Momenten einen speziellen Drive und eine magische Stimmung. Unvergesslich die Pantomime, als er während eines musikalischen Zwischenspiels auf den Bühnenbrettern kauert und selbstvergessen ein imaginäres Käferchen über seine Hand den Arm hinauflaufen lässt, es schließlich vorsichtig ins Gras abstreift und im nächsten Moment aufspringt und aus Versehen drauftritt – ein wortloses Minidrama, das Villazóns Nemorino allein mit Mimik und Körpersprache entstehen ließ.
Solche kleinen Geschenke ans begeisterte Publikum gab es viele, einschließlich einer perfekt auf die Musik gesetzten Jongliernummer mit drei Bällen und drei Keulen. Ein humorvolles Extra war vermutlich jenen Berufskritikern gewidmet, die Opernkunst nach den Regeln des Hochleistungssports bewerten: Der Mexikaner hielt einen Ton lang und immer länger und schaute am Ende auf die Uhr – und, ist es jetzt genug?

Donizettis "L`Elisir d´Amore" an der Wiener Staatsoper: Villazón als Nemorino; Foto: Wiener Staatsoper GmbH/Axel Zeininger
Bleibt ein Wort zur wehmütigen Liebesarie des Nemorino „una furtiva lagrima“, das Herzstück der Oper, das seit 2005 Villazóns Signatur trägt. Dafür lässt er an diesem denkwürdigen Abend alle Vorsicht fahren und singt die Romanze mit vollem Einsatz – „im Zustand der Gnade“ wie seine glücklichen spanischen Fans später im Internetblog „Villazónistas del Liceu“ schreiben. Nun herrscht endgültig Ausnahmezustand in der ehrwürdigen Staatsoper, minutenlanger Applaus, Bravorufe, der Beifall will nicht aufhören.
Im Internet und in vielen Rezensionen wird seither gerätselt, warum Villazón diese Arie auch nach sechs, sieben Minuten jubelndem Applaus nicht wiederholte. Wer weit genug vorne saß, kennt den Grund: Staatsoperndirektor Ioan Holender gab aus seiner Chefloge ein eindeutiges Handzeichen an den Dirigenten Daniele Callegari – egal wie das Publikum tobt, es gibt kein Encore.
Ob Rolando Villazón dem frenetischen Beifall seiner euphorischen Zuschauer sonst widerstanden hätte?
Nemorinos populäre Romanze „una furtiva lagrima“, nur begleitet von Harfe und Fagott, war auch Enrico Carusos Paradenummer. Einmal, so heißt es, hätten Carusos Bewunderer nach der Aufführung seiner Kutsche die Pferde ausgespannt und den großen Tenor in seinem Gefährt persönlich vom Opernhaus zum Hotel gezogen. Rolando Villazón hat die Wiener Oper nach 25minütigem Schlussapplaus leider im Taxi verlassen.
Weitere Infos:
www.rolandovillazon.com
http://rolandovillazon.blogspot.com
Rolando Villazón LIVE 2010
31. März und 2. April
Lenski in “Eugen Onegin”, Staatsoper Berlin
www.staatsoper-berlin.org
18. April
Recital mit Hélène Grimaud am Klavier, Théatre Des Champs Elysées, Paris
www.theatrechampselysees.fr
26. April
Händel-Konzert, Laeiszhalle in Hamburg
www.elbphilharmonie.de/laeiszhalle.de
29. April
Händel-Konzert, Festspielhaus Baden-Baden
www.festspielhaus.de
6. Mai
Händel-Konzert, Salle Pleyel in Paris
www.classictic.com/de/Special/Salle_Pleyel
10. Mai
Händel-Konzert in der Münchner Philharmonie
www.gasteig.de
21. und 24. Mai
Alfredo in “La Traviata”, Opernhaus Zürich
www.opernhaus.ch
5. Juni
Lenski in “Eugen Onegin”, Staatsoper Berlin
www.staatsoper-berlin.org
17.-26. Juni
Konzert-Tournee in Mexiko mit Stationen in Mexiko City, Guadalajara und Acapulco
21.,24., 27. Juli
Nemorino in “L´Elisir d’Amore” in der Bayerischen Staatsoper München (Opernfestspiele)
www.bayerische.staatsoper.de
31. Juli
Recital mit Hélène Grimaud am Klavier, Salle des Combins, Verbier Festival
www.verbierfestival.com
8. August
Konzert im Tivoli in Kopenhagen
www.tivoli.dk/composite-5772.htm
15. August
Recital mit Hélène Grimaud am Klavier, Salzburger Festspiele www.salzburgerfestspiele.at
6. und 9. September
Rodolfo in “La Bohème”, Staatsoper Wien
www.wiener-staatsoper.at









wieneroper
Was für ein wunderbarer Beitrag! Ich war an diesem denkwürdigen Abend in der Oper und konnte jetzt jede Sekunde noch einmal nacherleben. Ich habe diese Begeisterung und mehr noch diese Zuneigung zwischen einem Künstler und dem Publikum noch nicht erlebt. Jemand hat gesagt: ich weiß nicht, wer wen mehr liebt: das Publikum Villazón – oder Villazón sein Publikum? Danke für diese Zeilen, die diesem Ereignis ein würdiges Denkmal setzen!
Hannelore Haase
Die Schreiberin dieses Artikels spricht vielen Villazon-Fans aus
der Seele, Menschen unterschiedlichen Alters,die, einen unver-
gesslichen Abend in der Wiener Staatsoper verbracht haben,
den Ihnen dieser einmalige Künstler geschenkt hat.
Man sollte nicht immer den Zollstock nehmen um die Bandbreite
einer Stimme bzw einer so begnadeten Prerson auszuloten,
der zahllose Menschen mit seine Begabung glücklich macht.
Sabine Kühn
Sehr glücklich bin ich, dass das Comeback von Rolando Villazón am 22.03.10 in der Wiener Staatsoper solch ein großartiger Erfolg war. Ich konnte es kaum erwarten, Ihren kompetenten Bericht zu lesen, den Sie nicht nur in gewohnter Professionalität und Sachkenntnis formulieren, sondern uns auch von liebenswerten Besonderheiten und begeisterter Publikumssreaktion berichten.
Weiter so, Hannah Glaser ! Wir sind gespannt auf weitere Crescendo-Berichte über den Erfolgsweg
des großartigen Tenors Rolando Villazón.
Loretta
Danke möchte ich sagen für diesen Artikel, ich durfte diesen Abend an der WSO live erleben und es wird mir ein unvergessliches Erlebnis bleiben, das war etwas ganz Einmaliges, was man da erlebt hat, das war Kunst in Perfektion, was mich besonders faszinierte war diese Kommunikation zwischen diesem Künstler und seinem Publikum, keinem konnte entgehen wie sehr er geliebt wird, er konnte seine Talente auf vielen Gebieten hier darstellen, zuerst natürlich steht sein wundervoller Gesang, der große Schauspieler der er ist, er konnte mir bis jetzt in jeder Rolle Einmaliges präsentieren, hier machte er aus einer alten Inszenierung wieder etwas ganz Neues, ich habe keinen an diesem Abend getroffen, der nicht restlos begeistert war, glücklich verließen die Menschen die Oper. Ich wünsche ihm Glück und Erfolg für die Zukunft, von ganzem Herzen.
Johanna
Rolando Villazóns Comeback ist großartig gelungen. Und diese Beschreibung des magischen Abends ist so treffend. Wer dort war, erlebt alles noch einmal und alle anderen können nachvollziehen, wie wunderbar es gewesen ist. Dieser Künstler liebt sein Publikum wirklich und das Publikum liebt ihn. Er kann es verzaubern wie kein anderer. Danke für diese Rezension, ich habe alles noch einmal erlebt. Mögen noch viele so wundervolle Abende mit Rolando Villazón folgen!
Chr. Leitgeb
Dem Bericht ist nichts hinzuzufügen,wie schade,daß dieser Abend nicht wiederholt wird! Die ganze Inszenierung geht zu Herzen, Rolando ist das Sahnehäubchen!
Maxi
Sehr beruhigend zu wissen, dass es noch Kritiker/Rezensenten gibt, die auch tatsächlich am Ort des Geschehens, von dem sie berichten, waren. Leider muss man viel zu häufig Kritiken lesen, bei denen das untrügliche Gefühl aufkommt, der Kritiker wäre gar nicht in Oper/Theater/Konzert gewesen oder hätte Augen und Ohren verkleistert gehabt oder -noch schlimmer- missgönnt den Künstlern deren Erfolg beim Publikum, will sich auf Kosten der Künstler profilieren.
Zum Glück nicht so bei Ihrer Rezensentin Hannah Glaser. Die war wohl wirklich bei Villazon’s Rückkehr in Wien dabei, hat mit wachen Sinnen beobachtet und eine ebenso wache, informative wie unterhaltsame Rezension abgeliefert. Bei ihr stehen eindeutig Kunst, Künstler und Publikum, das ja angesprochen werden soll, im Mittelpunkt, nicht das eigene Ego. Danke an Crescendo, dass journalistische Qualität noch zählt .
Petra
Diese Worte kann ich nur bekräftigen!
Sehr geehrte Frau Glaser,
ich lese schon sehr lange Ihre Rezensionen und immer wieder mit besonderer Begeisterung, weil sie einfühlsam, intelligent und sehr unterhaltsam geschrieben sind. Vielen Dank! Ich freue mich schon jetzt auf viele weitere.
Thalia
Leider konnte ich ihn Wien nicht dabei sein, wurde aber durch einige gute Freunde via Handy auf dem Laufenden gehalten. Ich wusste also Dank ihrer Hilfe, dass Rolando Villazón dieser Ausnahmekünstler, einen sensationellen Erfolg nach langer Abwesenheit feiern konnte.
Als ich jetzt eben die glänzend geschriebene Rezension von Frau Glaser las, wusste ich sofort, dass da jemand schreibt, der in Wien im Publikum saß und die Gabe besitzt, all das in Worte zu fassen, was wir andere nur fühlen. Eine Kritik die mit Herz und Verstand verfasst wurde und nicht als “Pflichtprogramm” mit vorgefasster Meinung, wie man es heute leider in sehr vielen Zeitungen und Zeitschriften erleben kann. Vielen Dank dafür an die Rezensentin und an Crescendo.
richard
… Ekaterina Siuriana was really good.
Posted by: Miss Dezember | March 24, 2010 at 10:26 AM
Bianca
I was in Vienna on Monday….. Rolandos voice sounded very beautiful but quite week (often covered by the orchestra)…. but I agree with the opinion that it is too soon to say, how his carreer will continue. I wish him all the best.
Posted by: Bianca | March 24, 2010 at 11:33 AM
lilac
The opera profession has not been cruel and merciless to Rolando Villazon. He has been truly blessed in his career. He himself has given his all, in many ways. He has received support from all corners of the business. (And terrible advice, as well.) Unfortunately he has not, up to this point, demonstrated the requisite humility of understanding that the voice is a complex instrument which cannot be taken for granted, ever. While it would appear he is attempting to make technical adjustments now, it is unclear if at this point they will be enough for a fully functioning stage career. Mr. Villazon is fortunate, however, that he will have many opportunities to stand in front of a microphone and make more money than if he sang in an opera house. Not many singers have this option. The opera arena may be vicious to some, but for Mr. Villazon that most definitely has not been the case. We are on his third comeback, is it? And people are still as generous as ever in wanting the best for him. He is a lucky man, and I would hope he knows it.
Posted by: lilac | March 24, 2010 at 02:22 PM
lilac
2nd comeback, perhaps. Can’t remember.
Posted by: lilac | March 24, 2010 at 02:24 PM
Franco Bastiano
Brown and TTC are perfectly right. Villazon is not at all what he used to be. And he still goes on with his rotten technique, Maniac as ever he got through the evening, not more. A performance like this you may well hear in at least five or six German Opera Houses in repertoire performances. Without that special audience nobody would talk about the evening.
Franco Bastiano
Posted by: Franco Bastiano | March 24, 2010 at 06:40 PM
Les Mitchell
It’s not about knocking him down, Mr. Mitchell. And it certainly is not about reveling in his difficulties. It’s about holding him to account. He has been given a free pass on his troubles for seasons now. I have defended him as someone who has brought opera fans great pleasure, but that has reached its limits at this point. He needs to take responsibility for his vocal issues. The fact that he did an interview in London recently where he basically insisted that his problems have nothing to do with his vocal technique is HIGHLY offensive, to singers. Singers know how difficult this profession is, and to have a man who has had powerful backing for years and years be enabled in this manner is infuriating. Time will tell, and if he moves into directing and microphone work, then so be it. But don’t feel sorry for him, please. There is basically a contract between the public and the artist, and trust is at the heart of it. You don’t ask people to pay 1300 dollars or whatever it was, and then stand up there and expect endless sympathy and patience when you don’t even have the courage to admit what’s happened to you.
Posted by: lilac | March 25, 2010 at 02:08 PM
Jan
Lilac got it. There is nothing to add.
Nadia
Vielen Dank für diesen Artikel!
ich war nicht dort, habe mir aber alle Zeitungen gekauft/geladen, um mir ein möglichst realistisches Bild machen zu können. Crescendo sei Dank für diese ausführliche Kritik!!! Man möchte dabeigewesen sein und die Pferde ausgespannt haben!
H. Burghart
Ich lebe in Wien und habe Herrn Villazon in der allerersten Aufführung von Elisir gesehen. Seitdem habe ich keinen Abend versäumt, an dem er aufgetreten ist. Jetzt bin ich in Deutschland, um “unseren” Tenor (er hat österreichische Vorfahren) in Berlin als Lenski zu sehen. Freunde haben mir eben diesen Artikel gezeigt. Interessant finde ich dass Herr Holender abgewunken hat, das konnte ich von meinem Platz nicht sehen. Auch Herr Holender liebt Herrn Villazon. Hoffentlich wird er auch unter seinem Nachfolger oft in Wien auftreten und auch mit einer neuen Rolle.
Herbert Christmann
Ich kenne als Opernliebhaber viele Opernhäuser und kann aus eigener Erfahrung sagen: So ein kundiges und begeistertes Publikum wie in der Wiener Staatsoper gibt es in Deutschland nirgends. Leider sind die Preise so hoch, dass man sich mit diesem „Hobby“ vieles andere wie zum Beispiel Urlaub nicht mehr leisten kann. Rolando Villazon hat in einer ganz normalen Repertoirevorstellung gesungen, sonst wären die Karten noch teurer gewesen. Speziell dieser Abend war jeden Cent wert, aber es kommen ja auch noch Anreise und Hotel dazu.
Peora
Hallo Herr Christmann!
Ja, wir haben eine noble Passion, aber wären 2 Wochen Teutonengrill am Ballermann oder All Inclusive in der Türkei wirklich eine Alternative zu Mozart & Co???
Und das nur die Wiener kundig und begeisterungsfähig sind will ich nicht gehört haben!
Anne
Was war das heute Morgen eine Freude , Iiebe Frau Glaser, Ihren Bericht zu lesen!!! . So, wie Sie die kleinen Geschenke beschreiben, die Rolando V . seinem ihn liebenden Publikum zuwarf, so ist auch IHR Artikel ein Geschenk an jeden Villazon Fan ….Ich lese das Crescendo Magazin heute das erste Mal…und bin begeistert über Ihre Art, den “Ausnahmezutand ” an der Staatsoper und “Villazons Comeback” zu beschreiben : detalliert , voller Hochachtung für den Künstler…und vollgepackt mit echter, innerer Freude über das Erlebte .
Martina
@ Peora: Ich als Opernfan in Frankfurt am Main kann Herrn Christmann leider nur zustimmen. Wie oft muß ich es erleben, daß die Leute nach einem herrlichen Opernabend, in dem die Sänger und Sängerinnen – auch in Frankfurt hochkarätig! – alles gegeben haben, sich sogar schon vor dem Schlußapplaus aus dem Staub machen, etwas von Zug murmeln, oder aber einen Höflichkeitsbeifall hören lassen, der gerade mal genügt, daß alle sich einmal verbeugen – und aus ist. Besonders nach der magisch-wunderbaren Faust-Inszenierung vor zwei Jahren hab ich es bedauert nicht in Italien – oder eben Wien zu sein, wo das Opernpublikum ganz anders zündet und eine Begeisterung auch hören lässt.
Wenn man den Artikel hier gelesen hat, möchte man rückwirkend dabeigewesen sein!
PS: Dieser englische Text hat sich hier wohl verirrt, das ist doch nur eine völlig irrelevante Blogkopie.
Jan de Turovski
No Martina, these people were present and so was I. Vienna is beautiful and the public is special. But I prefer those who know about voices and opera on top of loving. Staying neutral is a good recommendation. Getting delirious is no help for judging singers and art on the whole. Villazon is not at all what he was. His clownesque behaviour shows his insecurity and fear. He sang L ‘elisir d’amore as Villazon sees it but it was not Donizetti pure. Going around the world as a voice agent I know what I am talking about. Villazons technique has not improved and still his are burns from both sides which is no help. The english comments are perfectly right.
Another Jan
Since we have moved into English to critique Sr. Villazón’s performance in Wien, let me add my dissenting opinion to the ones so far posted auf Englisch. I was there in Wien on 22 März, but I have no evidence that “Lilac” with “her” damning criticisms was there too. “Richard” took his supposedly eye-witness comments from the most negative comments on the “Opera Chic” website. Herr de Turovski was clearly there, but he doesn’t seem to be sticking to his dictim “staying neutral is a good recommendation.” He, however, has a right to his opinion, harsh though it is, of Sr. Villazón’s performance. However, words like “his clownesque behavior shows his insecurity and fear” hardly sound like a disinterested and objective analysis. Is he auditioning to be Villazön’s shrink (psychiatrist)?
I have two musical degrees and think I know my opera and singing pretty well. On March 22, I heard a beautiful voice — far more beautiful and easy in its high range than I’ve heard from Villazón since about 2005. I definitely heard alterations in his vocal technique and found them very encouraging. Yes, sometimes, especially in several of the ensembles of the first act, his voice was not as powerful as it should be, but I attributed to that to caution and smart pacing after a year away from the stage. In the second act, I thought his projection was much better and that he had become more confident of his voice. I found “Una furtiva” mostly very beautifully sung.
Perhaps Villazón sometimes overdid the clowning a bit, but this was a special evening: a kind of love affair, a complicity between artist and audience. It was not an ordinary evening at the opera. I find this tenor’s abilities as an actor, comedian, and all-around entertainer quite unusual and stunningly effective in a wide range of parts. And show me a Nemorino who doesn’t ham it up a bit, and I’ll show you a dull performer!
Rolando Villazón is clearly now one of the most controversial operatic artists before the public today: he is both madly loved and madly hated. Fortunately, the lovers outnumber the haters. He’s absolutely unique, that’s for sure, and that can produce detractors. I find him to be an extraordinarily gifted singer and actor, flaws and all, and I would happily hear him any day in preference to operatic artists that do everything by the book. Casting judgments that he is “finished,” that he is “not what he was” after one performance, the first one back on stage in a year and under tremendous pressure at that, seems to me to be cruel and absurd. Especially after the mostly very high quality of the performance I heard.
franco
Das Delirium der Wiener und der Angereisten in Ehren. Beim dritten Comeback darf man auch einmal nüchtern sein. Was in Wien der Kenner längst erkannte, trotz Taumel eines Publikums, das vor allem sich selbst feierte, in Berlin beim ebenfalls vergleichsweise leichten Lenski wurde es überdeutlich: Villazon wird nie wieder der sein der er einmal wenige Jahre war. Er verbrennt sich permanent, kennt keine ökonomischen Einsätze ohne die ein lyrischer Tenor nicht überleben kann. Seine von der Musikindustrie hochgeputschte Karriere hat aus ihm einen angeschlagenen Künstler gemacht, der, nicht mit der Natur eines Domingo gesegnet, ich spreche von Kraft, dem Ganzen nicht standhalten und gerecht werden kann. Seine Intonation schwächelt, seine Interpretation Donizettis schwächelt, seine hohen Tessituren schwanken zwischen falschem Piano und falschem Forte. Schade, aber so ist es. Ich sage voraus, dass er leider da nicht mehr herauskommt. Die eigenen Enttäuschungslöcher füllt man dann mit Mätzchen wie der TV Show in England mit der dämlichen Katherine Jenkins, die von Oper so viel versteht wie die Kuh von Astronomie. Franco
Gabriele
Ich war in der Wiener Staatsoper anwesend und ich kann nur sagen, dass Frau Glaser diesen unvergesslichen Opernabend treffend beschrieben hat. Man sagt: Wen das Wiener Publikum liebt, den liebt es für immer. Jedoch: Diese Liebe muss verdient werden….und sie wird nicht mit Perfektion erlangt, sondern wenn ein Künstler imstande ist das Innerste bei seinem Publikum anzusprechen. Rolando Villazón kann sich dieser Liebe sicher sein – mit Recht!
opera
Zunächst handelt es sich um sein 2. Comeback. Wieso feierte das Wiener Publikum sich selbst – nur weil EIN Zuseher das so empfunden hat? Ich habe jedenfalls nicht mich gefeiert, sondern einen Künstler, der eine traumschöne Stimme samt Charisma, Spielfreude und und .. besitzt und das ist mir – selbst wenn schwächelnd, um ihren Ausdruck zu verwenden – viel mehr wert als Tenöre, die stärkere Töne, richtigere Piani, Cs am laufenden Band und was Sie sonst noch meinen, abliefern und nicht viel mehr.
Frau Glaser hat diesen denkwürdigen Abend treffend beschrieben.
Sebastian
Frau Glasers entzückende parfumierte Artikel können mich als Opern- und Stimmenkenner nicht mit in den Strudel reißen. Es geht darum, dass der kritische Opernkenner sich wohl auch in diesem Forum äußern darf ohne high zu sein. Einer der renommiertesten italienischen Gesangslehrer sowie ein über jeden Zweifel erhabener Sängerdirigent sagten bereits vor Jahren in entsprechenden Interviews und Artikeln etwa gleichlautend: wenn Villazon so weitersingt, kann man ihm maximal zehn Jahre geben. Seine allseitig überdreht Art, im Gespräch, bei Proben, auf der Bühne, zeugen von Unsicherheit und mangelndem Selbstvertrauen, die, gepaart mit einer schlimmen Technik in den Ruin führen wird. Hinzu kommt der harte Griff der Industrie, die ein Produkt ausquetschen will bis zum letzten tropfen.
Angela Schreiber
Frau Glaser’s Artikel ist völlig in Ordnung und beschreibt doch nur einen denkwürdigen Opernabend.
Rolando Villazón mußte ja bekanntlich im Sommer 2009 eine Pause einlegen, um sich einer Operation zur Entfernung einer Stimmbandzyste zu unterziehen. Lt. Presseberichten sind der Eingriff und die anschließende Regenerationsphase mustergültig verlaufen und so steckt Rolando Villazón nun wieder voller Energie, um sich in die nächste Runde auf den internationalen Bühnen zu begeben.
Auf seiner europaweiten Tournee mit Händel-Arien gastierte Rolando Villazón in Hamburg. Ich erlebte einen Abend auf sehr gutem Niveau mit einem viel versprechenden Rückkehrer Rolando Villazon.
Beim Singen wippte und vibrierte sein ganzer Körper inklusive der schwarzen Lockenpracht im Rhythmus der Musik. Von seinem feurigen Temperament hat Rolando Villazón nichts eingebüßt. Der mexikanische Tenor begeisterte sein Publikum in Händel-Arien aus Xerxes, Ariodante oder Tamerlano mit sängerischer Leidenschaft. Dabei blieb er seinem dunkel gefärbten Klang und dem eher romantischen Stil treu.
Stimmlich war Rolando Villazon noch nicht ganz wieder im Vollbesitz seiner Kräfte – das zeigte sich insbesondere in der Höhe, die auch deshalb mitunter etwas angestrengt wirkte, weil die Sopranistin Lucy Crowe bei ihren Arien im direkten Vergleich müheloser strahlte.
Paul McCreesh und seine Gabrieli Players begleiteten die beiden Sänger wachsam und stellten auch in zwei Orchesterstücken ihre internationale Klasse unter Beweis.
Die Fans also dürfen sich freuen und wer schon früher etwas von ihm hören will, der kann auf Rolando Villazóns Künstlerseite rolandovillazon.com klicken. Da hält der Tenor nämlich eine brandneue Videobotschaft für die Freunde seiner Musik bereit.
Einen Kommentar schreiben