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“Pop ist die Fortsetzung der Klassik”

10. Mai 2007

Rufus WainwrightRufus Wainwright ist einer der bekanntesten Pop-Musiker der Welt. Eigentlich wollte er Opernsänger werden – aber das Studium war zu schwer. Nun kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Für die Deutsche Grammophon hat er das neue Yellow Lounge Album gemacht – mit Arien von Puccini, Berlioz etc. Ich habe ihn gestern getroffen und mit ihm über den Pop. die Oper und die Kunst gesprochen. 

Rufus, Ihr neues Album, „Release the Stars” klingt nach großer Oper, außerdem haben Sie gerade die YellowLounge CD der Deutschen Grammophon zusammengestellt – mit Werken von Tschaikowsky, Puccini und Bach … Was fasziniert Sie so sehr an der Klassik?

In der Pop-Musik dreht sich letztlich alles um den Kult des Banalen und um die großen Titanen. Man will sich anhören wie die neuen Beatles oder ein neuer Bowie werden. Weil man ihre Musik aber nicht kopieren will, zieht man sich ihre Klamotten an, nimmt ihre Drogen und denkt, man hat es schon geschafft. In der Klassik ist das anders. Man kann die alten Meister gar nicht imitieren, sondern sieht schnell ein, dass man nur weiter kommt, wenn man ihnen dient.

… 

Ist es nicht auch so, dass sich der Pop inzwischen in zu viele Richtungen aufgespalten hat, dass zu viele Stile nebeneinander existieren? Hip-Hop, Rap, R’nB, House und alle anderen Richtungen kommen mir vor, als würden Beethoven, Schubert, Wagner und Mozart zur gleichen Zeit leben.

Ich glaube, dass es in jeder Stilrichtung vor allen Dingen um eines gehen muss: um eine neue Ernsthaftigkeit. Sie könnte später einmal unsere Generation auszeichnen. Schon vor meinem ersten Album habe ich eine Oper geschrieben, und ich schreibe auch jetzt wieder an einer. Als ich nach Hollywood gegangen bin, um mein Debüt-Album aufzunehmen, war ich eine exotische Blume. „Der hat eine Oper gemacht”, haben die Leute gerufen und gelacht. Inzwischen gehen viele in diese Richtung. Ich finde das toll, aber mein Weg hat Jahre gedauert. Es reicht eben nicht, sich hinzustellen, ein bisschen Puccini zu hören und bei ihm zu klauen. Der Pop entwickelt sich nicht mehr über Nacht, er fordert eine neue, intensive Auseinandersetzung. Mein neues Album hat mir gezeigt, wozu ich in der Lage bin – und trotzdem könnte man mich abschießen, wenn man das die Platte mit Verdi oder Puccini vergleicht.

Sie stilisieren die Oper zur Kunst des Komplexen. Aber war nicht gerade Ihr Lieblingskomponist Puccini ein Mann des Pathos, der emotionalen Oberfläche, ein populärer Komponist?

Natürlich, für mich ist die Oper auch eine alltägliche Kathedrale geworden, die ich mit Ehrfurcht betrete. Sie ist auch eine Kathedrale, die, ähnlich wie die Kirchen, einmal freier war, in die man gegangen ist, um Spaß zu haben, um sich zu berauschen und Parties zu feiern. Die hohe und kluge Kunst schließt die Masse ja nicht aus – und das darf sie auch gar nicht. Die Leute haben früher in der Oper Karten gespielt, haben geraucht und hatten Sex hinter den Vorhängen der Logen. Die Musik musste es mit dieser Rock’n Roll Atmosphäre aufnehmen. Erst Wagner hat das Licht im Publikumssaal gedimmt, aber da hat man eben nach „Tristan und Isolde” geknutscht. Die wahre Kunst ist das Komplexe und das Populäre zu vereinen, den Logos und die Emotion.

(Das vollständige Interview lesen sie später. Axel Brüggemann)

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