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Schmachten für eine, die zupackt

6. Juni 2008

Cover “Boheme”“Bohème” mit Netrebko & Villazón

Von Teresa Pieschacón Raphael

Im wirklichen Leben schwebt sie derzeit im siebten Himmel, ist verliebt und schwanger, und on stage muss sie ein todkrankes junges Mädchen mimen: Anna Netrebko. Als Mimi stand sie im Frühling in Wien unter der Regie von Robert Dornhelm für den Kinofilm zu Giacomo Puccinis “La Bohème” vor der Kamera. Wenn das nicht schon Oper ist! Nun haben es Puccinis Heroinen ohnehin nicht leicht. Tragisch verstrickt in ihr Schicksal gibt es für sie oftmals kein Entrinnen. Und so ist es auch in der tränenreichen Liebesgeschichte aus dem Pariser Künstlerleben.

Anna Netrebko ist ein Profi durch und durch. Nur sind tragische Verstrickungen nicht ihr Ding. Sie ist kein Opfertyp, wirkt eher zupackend, irdisch, körperlich, besonders auf der Bühne. Darauf beruht ihr großer Erfolg. Und so schallt es aus ihr heraus, ihre strahlend sonnigen Spitzentöne dürften viele zum Schmelzen bringen. Mit der zarten, distinguierten Resignation einer jungen todkranken Frau wie Mimi, die sich ihrem Schicksal ergibt, hat das nur wenig zu tun. Anders Rolando Villazón als Rodolfo. Er kann so richtig schmachten. Wie immer glüht er. Das passt, das berührt.

Glänzend ist manche Nebenrolle besetzt: herrlich rund und volltönend geben sich Boaz Daniel als Marcello und Tiziano Bracci in der Dreifachrolle als Hausbesitzer Benoit, Galan Alcindoro und Zöllner. Nicole Cabell als Musetta allerdings vermag das, was ihre reizende Optik verspricht, im stimmlichen Ausdruck nicht einzulösen.

Große Dirigentenberühmtheiten pflegten einen schludrigen und eigenwilligen Umgang mit Puccinis Partituren oder schwelgten in wagnerianisch-tschaikowskyscher Opulenz des Orchesterklangs. Dabei legte Puccini größten Wert auf die Einhaltung aller Zeitmaße und dynamischen Abstufungen. Unter Bertrand de Billy wird nichts verschlampt oder effekthascherisch verzerrt. Er legt hohen Wert auf feine Farbzeichnung und auf psychologische wie geschmackvolle (!) Führung der Charaktere. Präzise und feinsinnig erwidert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks de Billys Zeichen.

Fazit: ein phantastisches Orchester, einige gut besetzte Nebenrollen und die beiden Superstars. Das wird bestimmt ein sehenswerter Film!

Puccini: “La Bohème”
Netrebko, Villazón
(Deutsche Grammophon)

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