Semperoper neu belichtet

Semperoper; Foto: Matthias Creutziger
Zuerst Thielemann, dann unveröffentlichte Aufnah-men und jetzt eine grandiose Edition. In Dresden tut sich was!
Von Martin Morgenstern
Ein kulturpolitisches Beben war das schon, als Christian Thielemann im Herbst 2009, drei Tage vor den lange angesetzten Nachverhandlungen in München, plötzlich verkündete, mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfülle sich für ihn ein Traum. Eine gute Woche war diese Nachricht alt, als die Fernsehaufnahmen für den ECHO Klassik anstanden. Das gastgebende Orchester, eben jene “Kapelle”, wie sie in und um Dresden liebevoll abgekürzt wird, wurde als “Orchester des Jahres” prämiert. Als die Kameras schon ausgeschaltet waren, wurden dem Ensemble dann sogar noch zwei weitere ECHO-Preise zuteil; einer davon für die “Fritz-Busch-Box”, eine üppig ausgestattete CD-DVD-Schachtel mit sämtlichen Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren.
Was Wunder, dass der Mitteldeutsche Rundfunk, der gemeinsam mit dem Label Profil-Edition Günter Hänssler diese “Edition Staatskapelle Dresden” auf den Weg gebracht hatte, jetzt nachlegt. Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung der Dresdner Semperoper startet am 13. Februar 2010 eine neue Edition: es geht um nicht weniger als die vollständige audiovisuelle Rekonstruktion der wechselhaften Geschichte des bekannten Opernhauses. Steffen Lieberwirth, Chef-Produzent beim MDR Hörfunk und Initiator des Projektes, kündigte an: “Mitarbeiter der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden haben Bildmaterial ausfindig gemacht, das noch niemand zuvor gesehen hat. Zum Teil wurden erstmals Bilder ausbelichtet, die seit sechs Jahrzehnten nur als Kontaktabzüge archiviert waren.” Das Deutsche Rundfunkarchiv wiederum konnte Live-Mitschnitte und Studioproduktionen ausfindig machen, die wegen ihres fragilen technischen Zustandes als ‚nicht sendefähig‘ deklariert waren und nach einer aufwendigen Restaurierung nun erstmals wieder hörbar werden. So wolle man, sagt Lieberwirth, “auf spannende Weise die Dresdner Aufführungsgeschichte erlebbar werden lassen.”
Nummer 1 der Semperoper Edition beginnt mit den frühesten Dresdner Aufnahmen nach 1945 und deckt chronologisch die Zeit bis zur Eröffnung des Großen Hauses im Sommer 1948 ab. Die Mitschnitte entstanden unter teils abenteuerlichen Umständen im Kurhaus Bühlau, das der Staatskapelle nach Kriegsende als Aushilfsquartier diente, aber auch im Hygienemuseum oder sogar gänzlich auswärts, beispielsweise in Leipzig. Opernliebhaber können sich auf Trouvalien mit Christel Goltz, Elfride Trötschel, Bernd Aldenhoff, Gottlob Frick und nahezu allen Mitgliedern des damaligen Dresdner Opernensembles freuen. Joseph Keilberth oder die Sopranistin Lisa Otto schildern dazu in historischen Rundfunkinterviews die Stimmung jener Jahre. Und die Berliner DEFA-Stiftung, die ebenfalls als Partner gewonnen werden konnte, steuert Original-Filmausschnitte bei, die auf DVD beiliegen werden.
Ob spätere Ausgaben der Reihe dann ergänzend zum Mitschnitt vom 13. Februar 2010 (Thielemann wird die “Missa Solemnis” dirigieren) exklusiv enthüllen können, wie der neue Chef auf einer Alpentour vom Dresdner Orchestervorstand umgarnt wurde? Durchhalten lautet die Parole, das könnte spannend werden.

Semperoper Edition Vol.1; Profil-Edition Günter Hänssler
Semperoper Edition Vol. 1 erscheint im Februar bei Profil-Edition Günter Hänssler.













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