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Villazón und Netrebko:
Der Tenor und die Turteltaube

14. Mai 2007

Netrebko und VillazonTraumpaar der Oper? Auf der Bühne lieben und sterben Anna Netrebko und Rolando Villazón gemeinsam – in der Öffentlichkeit stilisieren sie sich als Paar mit Wüstenrot-Vertrag. Das kann nicht gut gehen. Denn eigentlich treffen sich zwei Gegensätze.

Es gab Leute, die Rolando Villazón gewarnt haben. Die ehemalige Beraterin der Plattenfirma zum Beispiel. Sie hat gesagt: „Das ist ja schön und gut mit Anna, aber hüte Dich davor, dauernd mit ihr als Paar aufzutreten.” Das war vor drei Jahren, nachdem der Tenor aus Mexiko sein erstes Arien-Album aufgenommen hatte. Italienische Opernhits: Verdi con funghi und pepperoni! Rolando furioso.

Aber der Mann mit den buschigen Augenbrauen, den Kuller-Pupillen und den Tönen aus brennender Brust war noch lange nicht „His Master’s Voice”. Seine Platte war nicht beim Klassik-Dampfer EMI erschienen, sondern ein leiser Testlauf beim Tochterlabel „Virgin”. Der Absatz nicht zu vergleichen mit dem ebenfalls gerade erschienenen Debütalbum der Chartstürmerin Anna Netrebko.

Bei ihr hatte die „Deutsche Grammophon” Lunte gerochen, als Kritiker die Russin bei Salzburger Festspielen als ihre Entdeckung mit Testosteron-Feder in orgiastische Höhen geschrieben hatten. Schon vor dem Gang ins Plattenstudio wurde Donna Anna als massenkompatible Hochglanz-Ikone aufgebaut. Sie trällerte Puccini in Prada und legte sich für den Telefonanbieter O2 nackt in die Wanne.

Inzwischen sind die Frau aus der St Petersburger Kälte und der Hitzkopf aus Südamerika nicht mehr ohne einander zu denken: Leidet sie als Violetta, liebt er als Rodolfo. Prostituiert sie sich als Manon, gibt er sich als des Grieux hin. Stirbt sie als Julia, folgt er ihr als Romeo in die Gruft. Spielt sie die unschuldige Adina, besäuft er sich als Nemerino mit dem Liebestrank.

Bald wird sie als Mimi mit Muff ihr Leben aushauchen, und er ihr als Rodolfo die letzte Träne auf CD nachweinen. Die Romantik-Junkies des Singspiels haben, was sie schon immer suchten: Ein „Traumpaar der Oper”. Plötzlich taugt die Klassik zum Klatsch. Die Schöne und der Mr.Bean.

Nirgends ist die Liebe so pathetisch wie auf der Bühne, bei Verdi, Massenet, Gounod, Donizetti und Puccini. Und es scheint verlockend, sie nicht durch Moll-Akkord und Schlussapplaus enden zu lassen, sondern bis in die bittere Wirklichkeit zu tragen.

Bei den Salzburger Festspielen saßen Anna Netrebko und Rolando Villazón in der Probepause zur „Traviata” im „Tiangel” – dem Cat-Walk-Café der Mozartstadt. Vor den verdatterten Augen des Grand-Bariton-Signeurs Thomas Hampson warf er ihr Brotkrumen in den Dolce & Gabbana Ausschnitt, bis sie gackerte wie ein Huhn. Auf dem Waldbühnen-Konzert mit Placido Domingo sang sie „Meine Lippen, sie küssen so heiß”, und er machte sich dran, es fernsehtauglich nachzuprüfen, um die Sängerin im Gabsch-Wettbewerb mit Placido Domingo abzutasten.

Und trotzdem wundert sich der Tenor, dass ihm alle eine Liebesaffäre andichten wollen. Er sitzt in seiner Hotelsuite und lacht: „Anna, sie ist eine so Liebe”, sagt er, „eine Freundin, eine wundervolle Bühnenpartnerin. Es ist eine Mentalitätssache. Ich liebe es, das Spiel in der Wirklichkeit zu suchen, die Menschen zu feiern.” Und so wie er es sagt, hört es sich wirklich an wie südamerikanisches Temperament, wie unschuldige Freundschaft. Wer Rolando Villazón kennt, weiß, dass er tatsächlich nichts mehr liebt als seine Frau und die beiden Kinder. Meist reist er mit ihnen gemeinsam durch die Welt.

Er ist einer der klügsten lebenden Tenöre, belesen in der russischen und deutschen Literatur, akribisch beim Mastering seiner Aufnahmen, Spiritus Rector des eigenen Repertoires. Ein Denker, für den das Leben nichts anderes ist als eine Ansammlung unterschiedlicher Rollen: „Ich verkörpere in der Wirklichkeit sicherlich mehr Rollen als auf der Bühne”, sagt er. Aber in der Wirklichkeit gibt es keine Partitur, kein voraussagbares Ende, keinen sicheren Applaus.

Villazóns eigentlich erfrischende Nähe zu Anna Netrebko bleibt nicht ohne mediale Nebenwirkungen, und sie droht dem Tenor allmählich aus den Händen zu gleiten. Es sind längst nicht mehr die Sänger, die hier miteinander und mit ihrem Publikum spielen, sondern die PR-Experten der Plattenfirmen, die eine Luftblasen-Liebe mit Pauken und Trompeten inszenieren, größer und pathetischer als jede Oktavparallele bei Puccini.

Um gemeinsam Platten aufzunehmen, hat Rolando Villazón nach zähen Verhandlungen das Label gewechselt. Er ist von der EMI zur Deutschen Grammophon gegangen. Und während die Zentrale des bellenden Hundes in London noch seine letzte Scheibe mit Zarzuela-Arien verscherbelt, haben die gelben Musik-Gralshüter aus Hamburg schon das neue Album im Schrank: Duette von Villazon und Netrebko. Nach dem Hype um Anna planen sie nun die hemmungslose Ausweitung der Klassik-Kitsch-Kampfzone in Pastell und Prunk. Das Singspiel wird auf Bravo-Ästhetik geschrumpft, die Oper zur Soap.

Während die beiden an der Staatsoper in Berlin, in Wien oder an der MET in New York existenziell lieben und sterben, während sie jedem siecht gewaschenen Cross-Over aus dem Weg gehen, zeigt das Fan-Booklet der Plattenfirma sie wie in einer Werbecampagne für Wüstenrot: Vor einem Schloss im Gras, sich umarmend, turtelnd, küssend.

Zum „La Bohéme” Schmachtfetzen „O soave Fanciulla” gibt’s noch einen Videoclip, von dem nicht klar ist, ob er auf MTV oder bei Florian Silbereisen gesendet werden soll – Villazón und Netrebko als Marianne und Michael der Oper. Er spielt den Latin Lover mit Schreibmaschine und Weste, seine Locken sind zur Tollen-Frisur gestutzt. Sie wirkt als tannenbaumschmückender Glitterengel im Hintergrund. Am Ende zoomt die Kamera auf ihre Lippen, die wie mit Pattex geschminkt aneinander kleben bleiben. Ach ja: gesungen wird auch. Eher mittelmäßig.

Die Operngeschichte lehrt, dass eine inszenierte Liäson jenseits der Bühne so erfolgreich wie kurzfristig ist. Die längst zurückgezogene Maria Callas hat ihren abgewrackten Kulissen-Kumpel, den Tenor Giuseppe di Stefano, am Ende ihres Lebens noch einmal reaktiviert und mit auf die Abschiedstournee nach Japan geschleppt – die Filmdokumente dieser Auftritte sind das Erschütternste Kapitel im Mythos der Diva.

Vor einigen Jahren haben der Tenor Roberto Alagna und die Sopranistin Angela Gheorghiu sich als Paar präsentiert, sich in Filmen wie „Tosca” und „Romeo et Juliet” Kitsch-Denkmäler gesetzt und als „Bonney und Clyde” die Opernwelt unsicher gemacht. Ihre exorbitanten Gagenforderungen haben ihnen den Spitznamen „die Ceausescus” eingebracht. Inzwischen kann man die beiden Herzblätter nur noch getrennt voneinander befragen.

Der Tenor macht nur noch von sich Reden, weil er während einer „Aida” an der Mailänder Scala ausgebuht wurde und stande pede die Bühne verlassen hat. Gheorghiu, die sicherlich eine bessere Stimme hat als Netrebko, versucht, sich gegen den Einmarsch der Russin auf dem amerikanischen Markt zu wehren. Das Erschreckende daran: Netrebko sagt Gheorghiu derzeit den Kampf mit ihren eigenen Mitteln an – mit einem Stand-by-Tenor.

Auch wenn die aktuellen Zahlen anders aussehen: Die Lebensdauer einer Sängerin wie Anna Netrebko ist begrenzt. Immer mehr Kritiker stellen fest, dass ihr zur Jahrhundertstimme das gewisse Etwas fehlt – kürzlich fiel sie in der Fachgazette „Opernwelt” im Vergleich mit Maria Callas vollends durch. Selbst auf dem Boulevard bestehen echte Diven nur mit der Deckung aus dem Feuilleton, und die scheint sich bei der russischen Sängerin allmählich aufzulösen. Was bleibt, ist ein öffentliches Abziehbild, an dem ihre Stimme gemessen wird.

Selbst Konzerveranstalter wie Peter Schwenkow (DEAG) mag ahnen, dass der Boom ein Ende hat: „Aber es gibt noch so viele unentdecke Sängerinnen”, sagt er, „Elena Garanca oder Anja Harteros. Anna ist nur die Spitze des Eisberges. Jetzt geht es darum, das Fundament hervorzuholen.” Und eigentlich hat er Recht: Netrebkos gibt es viele – man muß sie nur mit den nötigen Marketing-Mitteln ausstatten, um sie über Nacht zum Star zu machen.

Die Sängerin hat ihre Schuldigkeit getan, Stadthallen gefüllt, Sponsoren aquiriert und auf der Waldbühne zwei Tenöre umgarnt. Sie steht als Exempel da, dass Klassik eine populäre Kunst sein kann. Sie hat das Sopran-Bild das 21. Jahrhundert geprägt – aber ihre Halbwertzeit ist kurz.

Konkurrierende Diven wie René Fleming pochen bei ihren Verträgen inzwischen auf eine Behandlung wie bei Anna Netrebko. Aber die Marketing-Spirale ist längst ad absurdum gedreht, die Pioniere der populären Klassik müssen platz machen für ihre Nachfolger: Mezzosopran Elena Garanca hat schon mal Bilder in der Luxus-Fotoagentur Kaskada von sich machen lassen und eine CD herausgebracht.

Villazón ist der Gegenentwurf zu Netrebko. Die beiden sind so verschieden wie Rudi Dutschke und Guido Westerwelle. Authentisch der eine, perfektionistisch glatt die andere. Der Tenor als Überzeugungstäter, der Sopran als überzeugende Werbefläche. Während er über die unterschiedlichen Rollen-Interpretationen seiner unterschiedlichen Bühnenpartnerinnen redet, spricht sie über die unterschiedlichen „Rundungen” ihrer unterschiedlichen Kolleginnen.

Als Netrebko kürzlich Selbstzweifel plagten, sie in einer Sinnkrise steckte, tröstete das Temperament und die Leidenschaft des Tenors den Sopran. Während seine Karriere ein Fundament hat, den Zwang zum Singen, irrisiert sie längst zwischen Goldkehle und Glamour. Bei ihm stand am Anfang nicht das Fotoshooting, sondern die Stimme. Und: er ist beständig. Wie viele Sänger wir in den letzten Jahren nicht mit Fortissimo die Opernbühne betreten, um im Pianissimo wieder abzutreten?

Einst hat Placido Domingo den jungen José Cura gefördert, der sich inzwischen in überbordender Gefälligkeit selbst weggesungen hat. Villazón ist seine neueste Hoffnung. Endlich ein legitimer Erbe. Vor Jahren, als Student, hat der Mexikaner sich noch in die Konzerte seines Idols geschlichen, inzwischen haben sie bei der EMI gemeinsam einen „Tristan” aufgenommen, im Waldbühnenkonzert hat der alte Meister den jungen Spund endgültig geadelt, und nun dirigiert er auch noch seine Zarzuela-CD – und gibt damit sogar sein musikalisches Heimstadion auf, die spanische Operette.

Das Märchen von Rolando Villazón scheint gerade erst zu beginnen. Er ist der wahre Star der Klassik. Authentisch. Egoistisch. Genial. Öffentliche Inszenierungen sind für ihn nur ein Spiel.

Axel Brüggemann

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34 Kommentare zu “Villazón und Netrebko:
Der Tenor und die Turteltaube”

Manfred Wallbrecher

13. Mai 2007 um 16:42 Uhr

Hallo Herr Brüggemann,

zu “…kürzlich fiel sie in der Fachgazette “Opernwelt” im Vergleich mit Maria Callas vollends durch.”

Gab es denn tatsächlich kompetente Stimmen, die sie auf Höhe dieser Jahrhundertstimme rückten?

Man muß aber auch das Positive sehen. Netrebko und später
beide, haben die Oper wieder etwas populärer gemacht.

Etwas ganz anderes. In der Mai/Juni-Ausgabe werben Sie auf Seite 43 für Ihre “Hompage” mit der Aussage: “Jeden Tag aktuelle Nachrichten…”.
Dazu paßt allerdings nicht, daß mich dort als “aktuelle Ausgabe” die keineswegs mehr aktuelle Ausgabe anlacht.

Ansonsten: Zeitschrift und Homepage heben sich erfreulich ab
durch Unabhängigkeit (wußte ich aber schon vor Ihrer Beweisführung zu Lebrecht) und einfallsreiche Beiträge vom
Markt ab.

Mit freundlichen Grüßen aus Düsseldorf
Manfred Wallbrecher

axel

14. Mai 2007 um 09:21 Uhr

Lieber Herr Wallbrecher,

vielen Dank für die Blumen. Dass die nicht aktuelle Ausgabe auf der Homepage (das ist ja ein screenshot) zu sehen war liegt daran, dass die Ausgabe ja noch geschrieben wurde. Mit anderen Worten: Zu dem Zeitpunkt war die Thielemann-Nummer aktuell. Sonst wäre das so gewesen, als hätte man schon eine Premierenkritik am Tag der Permiere in der Zeitung … und so schnell ist nicht einmal das “crescendo”!
Liebe Grüße
Ihr
Axel Brüggemann

Manfred Wallbrecher

14. Mai 2007 um 17:40 Uhr

Hallo Herr Thielemann,
verstehe ich offen gesagt nicht. Die aktuelle, also fertig geschriebene, Ausgabe ist doch die mir seit etwa einer Woche vorliegende Mai/Juni-Ausgabe.
Wenn dann ausgerechnet auf der Hompage, die ja in dert Regel schneller als Print sein sollte, als aktuelle Ausgabe die alte wiedergegeben wird, ergeben sich (zumindest bei mir) Fragezeichen.
Die Adaption von Print in online wiederum, falls das gemeint sein
sollte, ist heutzutage doch “ein Klacks”.
Es könnte mir ja eigentlich egal sein, aber ich hake deshalb nach, weil ich Ihre Zeitschrift sehr schätze.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Wallbrecher

axel

15. Mai 2007 um 08:45 Uhr

Lieber Herr Wallbrecher,

also, das ist so: DIe Zeitung entsteht – und während sie entsteht, braucht man die Bilder, unter anderem auch den Screenshot von der Internetseite samt Titelbild. Aber das Titelbild ist das Letzte, das wir im “crescendo” endgültig beschließen. Mit anderen Worten: Das Heft ist mehr oder weniger fertig, und dann erst kommt der Titel. Das wiederum bedeutet: Der Screenshot musste mit dem alten Titel gemacht werden, da der neue noch gar nicht feststand, als der Artikel gedruckt wurde. Und zu den Titeln auf der Homepage: Hier erscheint der neue Titel immer erst zur offiziellen Veröffentlichung – wenn Sie aus irgendeinem Grund (schnelle Post!) das Heft früher in der Hand haben, haben Sie glück, in der Regel wurde das Heft aber erst heute ausgeliefert. Deshalb stellen wir die Inhalte auch erst jetzt online. Abgesehen davon: auf dieser Seite sehen Sie auch Artikel, die Sie gar nicht im crescendo finden – die crescendo-Homepage ist aktuell und reagiert sofort auf die wichtigsten Nachrichten der Klassik.
Also: Am besten fahren Sie mit einem Abonnement (dann bekommen Sie das Heft nicht nur als Erster, sondern auch die crescendo-CD) und mit regelmäßigen Besuchen auf dieser Seite.
Liebe Grüße Ihr
Axel Brüggemann

A. Hofmann

17. Mai 2007 um 00:00 Uhr

Nach Villazons Supergau in Berlin ist jetzt auch bei ihm der Lack ab!!!!!

Martina Pohl

23. Juni 2007 um 09:07 Uhr

EinSupergau wäre, wenn jemand trotz offensichtlich vorhandener Stimmprobleme ohne Rücksicht auf Verluste singt um seine Veträge zu erfüllen.
Wenn jemand, egal wer, feststellt es geht nicht und dann absagt, ist das traurig, aber eine verantwortungsbewußte Entscheidung. Unsereins meldet sich auch krank, wenn der Körper streikt.
Daß der Lack ab ist wollen wir doch nicht hoffen! Vielleicht ein bißchen angekratzt, aber ab?
Er ist nicht der erste und er wird nicht der letzte Sänger sein, der es übertrieben hat und dann die Quittung kriegt. Ich drücke jedenfalls die Daumen, daß es nur ein Denkzettel ist, er sich wieder erholt und wir ihn noch oft zu hören bekommen!

Michaela Kammelr

27. Juni 2007 um 17:52 Uhr

Ja ich auch!!! Gute Genesung.
Ich wollte nur kurz aufmerksam machen auf einen Fehler im Artikel. Da ist die Rede von “Da stirbt sie als Violetta, er leidet als Rodolfo” (oder so ähnlich). Violetta und Rodolfo?? Es sollte wohl eher Alfredo heißen ;-)
Übrigens sehe ich die Karriere der Anna nicht ganz so schwarz wie sie. Sicher hat auch sie Macken, aber wer ihre Karriere verfolgt, merkt, dass sich ihre Stimme auch Jahr für Jahr verändert und verbessert. Bei Rolando Villazón stimme ich Ihnen jedoch völlig zu!!
Hoffen wir einfach auf eine noch lange, gesunde, erfolgreiche Karriere und viele Aufnahmen der beiden.

Annelie Gorges

7. August 2007 um 16:58 Uhr

Sehr geehrter Herr Brüggemann,
ich bin schon lange und gerne Abbonentin des “Operglases”.
Solche Häme über zwei Künstler habe ich dort noch nie gelesen.
Gott sein Dank! Beurteilen Sie doch nur die künstlerische Seite
der Sänger, für Boulevard-Texte haben wir doch genügend andere Blätter.
Sie können sich doch sicher noch an die pressewirksamen Diffamierungen einer Maria Callas erinnern! Und was ist heute, sie hat einen Kultstatus wie keine Sängerin zuvor.
Ich persönlich bin dankbar über jede Rezension eines “Fachmannes”, denn das erleichtert mir das “richtige Hören”. Aber ich brauche keine persönlichen Einschätzungen über Dauer und Verlauf einer Karriere.

axel

7. August 2007 um 18:25 Uhr

Liebe Frau Gorges, wie Sie als langjährige Opernglas-Leserin sicherlich wissen, habe ich ebenfalls sieben Jahre für diese Zeitschrift gearbeitet. Und ja, Sie haben Recht, für den Society-Opern-Boulevard gibt es den Zeitungsboulevard. Tatsache ist auch, dass das Opernglas die Oper als Oper und die Stimme als Stimme begreift – und begreifen muss. Es ist ein Fachblatt für einen “inner circle”. Die Klassik aber ist eine Sparte, die mitten in der Gesellschaft steht, in jeder Oper werden Liebe, Leidenschaft, das Leben, die Höhenflüge und die Tiefpunkte debattiert. Oper muss heraus aus ihren Elfenbeintum. Sie haben Recht, das sollte nicht auf Kosten der ernsthaften auseinandersetzung passieren. Aber das tut es in diesem Fall meiner Meinung nach auch nicht. Was ich nicht verstehe, ist was Sie aus diesem Text lesen. Es geht um eine Einschätzung einer Stimme, also genau um das, was Sie fordern, und die jüngsten Absagen von Frau Netrebko zeigen doch, dass die aktuelle Enwicklung, die sie nimmt, alles andere als Vorteilhaft ist. Ein Klassik-Magazin ist doch auch dazu da, Karrieren zu begleiten, zu hören, was wie läuft, und ob das alles – wie im Fall von Frau Netrebko – noch etwas mit der Urkraft der Oper zu tun hat, oder mit einer gigantischen Marketingstrategie. Mit anderen Worten: Reden wir doch wirklich über Stimmen und nicht als Fans, die ihre Ohren vor den Schwächen ihrer Lieblinge verschließen. Übrigens: Maria Callas wurde stimmlich so gut wie nie angegriffen, einen Marketingmanager, der sie überbucht hat, hatte sie nicht nötig, um den Boulevard hat sie sich nicht gekümmert. Ihr ging es um Perfektion der Sinnlichkeit. Das ist, mit Verlaub, der Unterschied zu Anna Netrebko.
P.S.: Gern würde ich Ihnen die nächste Ausgabe des crescendo schicken, damit Sie sich selbst ein Bild machen können, ob es hier um den Boulevard oder um die Ernshaftigkeit der Klassik mitten in der Welt geht – und um die Möglichkiet das zu diskutieren, was wir hier diskutieren. Denn – egal wie unsere Meinungen sind – es zeigt, wie lebendig die Klassik ist.
Liebe Grüße
Ihr Axel Brüggemann

Annelie Gorges

8. August 2007 um 10:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Brüggemann, vielen Dank für Ihre Rückantwort, was mich sehr gefreut hat, zumal ich mich zum ersten Mal in diese Diskussionen eingeklinkt habe. Sie sind natürlich der Fachmann und deshalb lasse ich Ihre Erläuterungen
gelten.Aber mir ist der Vergleich mit der Callas nur gekommen,
weil auch sie damals in einen schlimmen Skandal verstrickt war, als sie in Rom die Vorstellung der Norma in Abwesenheit des ital. Präsidenten nach dem 1. Akt absagen mußte. Sie war tatsächlich erkrankt und niemand aus dem Auditorium glaubte ihr. Es erfolgte eine unvergleichliche Hetzkampagne. Stimmlich und im Ausdruck
kann zur Zeit – glaube ich – der Callas noch niemand das Wasser reichen.
PS:Das ist ein tolles Angebot mir das crescendo zu schicken. Ich kenne die Zeitschrift nicht und bin neugierig.

axel

8. August 2007 um 16:21 Uhr

Liebe Frau Gorges, Sie werden die nächsten beiden Ausgaben bekommen. Dieses noch: Es ist auch nicht richtig, dass “Experten” immer Recht haben. Im Gegenteil. Die Musik ist nicht für “Experten” komponiert, also für Menschen. Deshalb: debattieren Sie weiter. So lebt die Klassik!
Ihr
Axel Brüggemann

C. Stöger

13. August 2007 um 00:45 Uhr

Sollte hier irgendjemand aus vertrauenswürdigen Quellen wissen, ob es Grund gibt, darauf zu bauen, dass Herr Villazon nach einer Pause wieder zurückkehrt, dann bitte lassen Sie es uns hier wissen.
Heute war auf orf 2 (Oesterr.) das alte Portrait über ihn. Da kam bei mir soviel Wehmut auf.
Diese Energie, diese Stimme und Differenzierung, dieser Elan und diese Glaubwürdigkeit. Das kann doch nicht alles vorbei sein.
Mit Brigitte Fassbaender als Coach wäre ihm das sicher nicht passiert, denn diese plädiert generell vehement gegen Verheizungen und Manager, die Sänger wie Ware ausbluten lassen.
Hoffen wir, dass er sich wieder stabilisiert.

C. Stöger
gerne auch Antworten an:
municissima@web.de

Dietrich Faber

17. August 2007 um 12:45 Uhr

Hallo Herr Brüggemann,
bzgl. Anna Netrebko:
Ich sehe überhaupt nichts verwerfliches daran, sich vermarkten zu lassen, wenn gleichzeitig die Leistung auf der Bühne stimmt. Und das tut sie. Sowohl schauspielerisch, als auch gesanglich auf Weltniveau, wie ich finde. Phantastisch ihr zurückgenommenes Spiel bei der Salzburger Figaro-Aufführung 2006 und grandios ihr Gesang beim “Russischen Album”. Ich halte sie nicht für oberflächlich, wie es in Ihrem Artikel anklingt, sondern für eine reflektierte, energievolle, ernsthafte Künstlerin mit großer Zukunft, auch wenn der jetzige Hype sich irgendwann legen mag.
Ihre Begeisterung über Villazon teile ich zu 100%. Bitter, dass er sich nun übernommen hat. Ich hoffe sehr auf ein großes Comeback.

M.Pohl

11. September 2007 um 15:44 Uhr

Erfreulich zu sehen, daß Villazon seinen Terminkalender für die kommende Saison massiv zusammengestrichen hat. Aus den (geplanten) über 80 Auftritten für 2006/2007 sind nun ca. 36 für die Saison 2007/2008 geworden. Zu lesen auf seiner Homepage.
Ich hoffe, das ist als positives Zeichen zu werten: es wäre mehr als nur ein Jammer, wenn ein so wunderbarer Sänger und Darsteller sich dauerhaft ruinieren lassen würde.

Hannah Glaser

16. September 2007 um 19:01 Uhr

An Martina Pohl
Ich befüchte, das ist das zeichen einer katastrophe – Villazons zusammengeschnurrter spielplan – und kein begrüßenswertes zeichen seiner einsicht. irgendwas gräßliches ist geschehen und ich hab keine ahnung wieso alle feuilletons der callas und ihrer elend verlorenen stimme nachweinen während sich ein ähnliches – wenn auch anders gelagertes – fiasko vor unseren augen abspielt – das niemanden interessiert. investigativer journalismus ist wohl nur eine disziplin im politischen journalismus, was ein jammer. Es muß doch schreiber geben, die sich mal aus ihren besprechungssesseln erheben könnten um vor ort zu recherchieren, WAS DA EIGENTLICH LOS IST. die bei den plattenfirmen fragen und bei jenen leuten, die in letzter zeit mit ihm zusammengearbeitet haben, von Domingo bis Willy Decker. Und die dieses ganze lügengeschäft im marketing an den pranger stellen, oder was auch immer die ursache für diese depression oder vergleichbare lebenskrise von Villazon ist.
Ich begreife nicht, dass das nicht geschieht. wenn merkel oder müntefering oder sonstwer ihre stimme verlieren würden, wären die blätter voll davon, obwohl es ja am ende nur ein segen wäre. Aber hier verstummt ein genialer junger sänger, der das zeug und das feuer dazu hat, die darstellung in der oper zu revolutionieren – und??? NICHTS GESCHIEHT. Monatelang haben ihn die medien auf der überholspur gejagt und nun herrscht einfach nur schweigen.

Richard Töver

21. September 2007 um 19:27 Uhr

aber frau glaser… sie kennen das geschäft des musikjournalismus schlecht… fast alle magazine, auch crescendo, lebt von den zuwendungen der labels und veranstalter… wenn bspw. die deag oder die deutsche grammophon große anzeigen für große summen bei bspw. crescendo schaltet, dann wird sich der meister des klassik-boulevards a.b. doch nicht daran machen, und negative über netrebko, villazon & co schreiben… was passiert mit ihm ist klar… seine stimme ist kaputt und seine verträge erlaubten ihm nicht, die nötige freizeit zu nehmen… speziell die arienabende mit der deag sind der reine tod für einen sänger, da man nicht – wie in einer oper – 2-3 arien sondern nicht unter 6 warien, meist mehr singen muss. das kann auf dauer nicht gut gehen. es bleibt zu hoffen, dass rolando jetzt sich die zeit nimmt, die er braucht – auch new york im dezember ist abgesagt – damit er und seine Stimme eine zweite chance erhalten… was gälte es denn noch herauszufinden? woran es liegt ist bekannt und wird manchesmal auch publiziert… diue seriösen tageszeitungen, die das geld der veranstalter und labels nicht benötigen – haben auf das problem villazon schon lange hingewiesen… von den klassik-magazinen dürfen sie so etwas nicht erwarten

axel

22. September 2007 um 01:07 Uhr

Lieber Herr Töver,
das ist ja interessant, was Sie schreiben – und tstsächlich ein wunder Punkt der Klassik, weshalb ich Ihnen etwas ausführlicher antworten möchte.
Erlauben Sie mir, Sie darauf hinziweisen, dass Sie obenstehenden Artikel im “crescendo” und nicht in einer “seriösen Tageszeitung” gelesen haben. Die haben nämlich seit Monaten Frau Netrebko und Herrn Villazon hochgejubelt – zugegeben, ebenso wie einige Klassik-Magazine, die eine Redaktionelle Grenzlinie nicht ziehen, um sie danach um so tiefer fallen zu lassen – allerdings erst nach diesem Artikel, der, wie Sie bemerken, lange vor der Absagewelle verfasst wurde.
Das crescendo ist redaktionell unabhängig – egal wer wirbt, ebenso wie Tageszeitungen im Wirtschaftsteil unabhängig von einer Mercedes- oder Audi-Anzeige sind. Und lassen Sie mich aus eigener, anderthalbjähriger Erfahrung, sagen, dass die Strukturen des Marktes nicht leicht sind, um diese Unabhängigkeit durchzusetzen. Dass das crescendo diese Unabhängigkeit hat, beweist allein dieser Text, den Sie hier kommentieren.
Fakt ist, dass Tageszeitungen und wöchentliche Zeitschriften viel abhängiger sind, weil sie auf einen Hype und damit auf einen erwarteten Mainstream des Publikums setzen. Einen Hype von Anna Netrebko und Villazon, der – und das ist das Absurde – im Feuilleton geboren wurde. Aber mit Musikkritik hat dieser Hochglanzjournalismus, der auch in vielen Tageszeitungen Einzug hält, nichts mehr zu tun.
Lassen Sie uns nicht vergessen: es geht um die Klassik an sich, da gibt es auch gemeinsame Interessen von Insustrie, Journalismus und Theaterleuten – wir alle glauben an eine Sache: die Musik. Aber weil das so ist, gelten auch individuelle Meinungen, und ich bin sicher, dass diese bei uns sehr wohl zu Worte kommen. Schauen Sie sich das crescendo noch einmal an, und richten Sie selbst: gibt es im Klassik-Journalismus derzeit irgendwo mehr Meinungsvielfalt?
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

axel

22. September 2007 um 22:10 Uhr

Ach so, lieber Herr Töver, es ist recht leicht, mit verdecktem Visir zu kämpfen – habe heute versucht, Ihnen eine Mail zu schicken, um mit Ihnen in Kontakt zu kommen – leider haben Sie eine erfundene Adresse angegeben. Das ist für mich keine Basis einer ernsthaften Diskussion.
Vielleicht haben Sie ja Lust, sich noch einmal mit richtigem Namen und echter Mail zu melden, denn ich glaube, dass wir durchaus eine ernsthafte und wichtige Diskussion führen, in denen Sie Ihre richtigen Argumente nicht verstecken müssen.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

Bergmann

23. September 2007 um 15:01 Uhr

Herr Töver,
finden Sie – das sie die richtige Internet Seite besuchen?
Ich finde Ihre Mail anmaßend. Für wen halten sie sich denn?

Liebe Frau Glaser,

was Sie sicherlich eigentlich erfahren wollten, es hat Anfragen an Herrn Villazon gegeben, er selbst ist es, der darum bittet keinerlei Interwiev ‘s geben zu müssen. Denn im Grunde hat er vieles über seinen Zustand bereits verraten. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit seine Reise durch die Nacht (ARTE) mit Helene’ Grimaud anzusehen. In seinem Gespräch mit ihr, kann man bereits von ihm selbst erfahren wie unzufrieden er mit seinem Arbeitspensum ist. Eine immer und immer sich wiederholendende Tätigkeit, die ihm keine Zeit mehr ließe sich richtig in die Musik einzufühlen.
Vertrauen wir doch also Herrn Villazon – er wird wissen was für ihn gerade das Besten ist.
Das konnte man so übrigens weder in einer seriösen Tageszeitung noch in einem Klassik Magazin lesen. Man konnte es sehen und hören, live von ihm selbst gesprochen und zwar auf Arte.
Bergmannn

Hannah Glaser

29. September 2007 um 13:41 Uhr

Lieber Herr Bergmann,
klar, hab ich das gesehen auf “arte”, hochspannend, und ich würde es mir SEHR gerne noch ein dutzendmal ansehen/anhören, aber leider finde ich diese sendung nur zerhackt bei you tube, aber nicht die DVD davon. Bei arte ist sie nicht aufzufinden, auch nicht bei amazon, jedenfalls nicht unter dem titel “durch die nacht” auch nicht Blind Date und auch nix im kontext mit berlin, wo das stattgefunden hat.Haben Sie dazu einen tipp???
danke+gruss! Hannah Glaser

Richard Töver

29. September 2007 um 16:44 Uhr

werter herr/frau bergmann, was um alles in der welt ist aus ihrer sicht denn das anmaßende in meiner äußerung oben??? es steht kein einziges falsches wort darin… sollten sie herrn vollazon persönlich kennen, so sollten sie wissen, das meine äußerung abslut zutreffend ist… sollte ihr wissen um seinen stimmzustand und seine verträge aus den medien (auch arte gehört dazu) beasieren, so würde ich größere skepsisi ihrerseits empfehlen… ich teile ihre hoffung, auf die fähigkeit villazons, zu wissen, was das beste ist. bisher hat er leider seinen engen vertrauten nicht zugehört… nur so kam er in diese unangenehme situation… auch ich habe den arte beitrag gesehen, wundere mich jedoch über ihre naivität, des vorbestimmte bild so in sich aufzusaugen… sollte es jedoch hier in diesem forum darum gehen, den künstlern der deutschen grammophon unkritisch zu huldigen (ich schätze Herrn villazon außerordentlich und zähle mich zu den großen anhängern von ihm lange vor seinen erfolgen in zenraleuropa) so wäre ich hier wirklich falsch… aber ich denke, dass es um letzteres hier nicht geht

Roswitha Liebig

17. Oktober 2007 um 13:55 Uhr

Ich würde gerne das genaue Datum der Sendung auf ARTE mit Herrn Villazon “Reise durch die nacht” erfahren. Weiß das noch jemand von Ihnen ?

Hannah Glaser

26. Oktober 2007 um 10:38 Uhr

Hallo Frau Liebig,
dazu würde ich den/die anschreiben, die das auf you tube reingestellt haben, da gibt es den beitrag in sechs folgen gestückelt, oder eine email an ARTE.
liebe grüsse!! Hannah Glaser

Machura

26. Oktober 2007 um 12:33 Uhr

Liebe Frau Liebig,
wenn Sie interesse haben kann ich ihnen den Film zukommen lassen. Ich habe ihn an diesem Abend aufgezeichnet.
Vielleicht schicken Sie der Crescendo – Redaktion ihre Adresse.
Herzlichen Gruß
C. Machura

L. Piringer

29. Oktober 2007 um 19:51 Uhr

Sehr geehrter Herr Brüggemann,
mit ihrem Artikel sprechen Sie mir aus der Seele. Seit dem „Zaubertrank“ aus Wien (Fernsehübertragung zu Weihnachten 2005) bin ich ein Riesen-Fan von H. Villazon und hätte es auch von Frau Netrebko sein können, wäre es bei dieser einen Begegnung geblieben. Während ich nachher von H. Villazon zunehmend begeisterter war, je mehr ich seine Kunst kennen lernte, umso enttäuschter war ich von A. Netrebko, weil sie nicht das hielt, was der Medienrummel um sie versprach. Sie ist für mich eine gute Sängerin, aber keine außergewöhnliche, mit einer eher durchschnittlichen Technik, doch mit einer schönen Stimme und gutem Aussehen. Auch ihr schauspielerisches Talent ist beachtlich, wobei sie mich aber in den tragischen Rollen nie wirklich berührt hat. Er hingegen geht bis an die Grenzen seiner sängerischen, darstellerischen und interpretatorischen Möglichkeiten in dem Bestreben, eine Figur zu richtigem Leben zu erwecken. Gesegnet mit Intelligenz, Tiefe, hoher Musikalität, Temperament und menschlicher Größe gelingt ihm das stets wunderbar. Er kann zwar auch ein Clown und Entertainer sein, trotzdem kann die Zusammenarbeit mit dem Klassik-Show-Girl Anna Netrebko auf die Dauer nicht gut gehen, die, wie Sie richtig in Ihrem Artikel bemerken, mehr an Fassade als an Inhalten interessiert zu sein scheint. Herr Villazon braucht sie nicht – nicht mehr -, um anerkannt zu werden. Die Zusammenarbeit mit Patrizia Ciofi in „Lucia di Lammermoor“ (Orange 2006) oder die mit Nathalie Dessay in „Manon“ (Barcelona 2007) sind von ganz anderem künstlerischen Wert als zum Beispiel die „Manon“ in Berlin. Ich gönne also H. Villazon diesen momentanen Abstand von dem großen Stadien-Business und von den „Traumauftritten“ an der Seite der Diva für die breiten Massen, auch wenn sich dahinter eine ernsthafte seelische oder stimmliche Krise verbergen sollte. Bleibt nur zu hoffen, dass er weit vom Medienrummel und der Tretmühle zur richtigen Einsicht kommt, dass seine Stimme noch eine Chance bekommt und er sie in Zukunft weniger verschwenderisch einsetzt.
Und nun möchte ich noch etwas zum oft bemühten Vergleich Callas – Netrebko sagen. Ich denke, dass die, die ihn machen, das Wesen der Callas und ihre Kunst nicht richtig kennen. Für mich persönlich ist Rolando Villazon vergleichbar mit der Callas, jedenfalls lösen die beiden bei mir ähnliche Gefühle aus. Es verbindet sie in meinen Augen die Kunst eine Rolle ungeahnt facettenreich zu gestalten, die Musik mit echtem Gefühl zu füllen und jedem Wort, auch in den oft verschmähten Rezitativen, eine erkennbare Bedeutung zu geben. Die Phrasierung ist bei beiden oft pure Magie, ausgefeilt bis in die kleinsten Details und schauspielerisch ergänzen sie das Meisterwerk. Maria Callas an der Seite von Tito Gobbi in der „Tosca“ in London ist für mich genau so beeindruckend wie Rolando Villazon in „Werther“ (Nizza 2006), vor allem in der unglaublichen Sterbeszene zum Schluss.
Gruß
L. Piringer

Roswitha Liebig

7. November 2007 um 14:50 Uhr

Liebe Frau oder lieber Herr Machura, ich habe Ihr freundliches Angebot erst heute gelesen und wäre sehr interessiert, diese Aufzeichnung zu erhalten. Meine Anschrift teile ich der Crescendo-Redaktion mit. Danke schon einmal im voraus.
Roswitha Liebig
Übrigens habe ich bei Arte telefonisch nachgefragt, dort werden die Mitschnitte 6 Wochen nach der Sendung aufgehoben und dann vernichtet. Ich hatte leider keine Chance mehr, da die Sendung bereits im August lief.

axel

8. November 2007 um 00:53 Uhr

Liebe Frau Liebig,
wir haben Ihre Adresse an Frau Machura weitergeleitet – ich hoffe, dass Sie so an den Film kommen.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

Roswitha Liebig

13. November 2007 um 18:31 Uhr

Sehr geehrte Frau Machura, was ich ganz vergessen habe zu erwähnen ist, dass ich nur einen DVD-Player besitze und daher keine Videokassette abspielen kann. Ich hoffe, dass es trotzdem klappt.
Liebe Grüße
R. Liebig

Roswitha Liebig

20. November 2007 um 21:35 Uhr

Sehr geehrter Herr Brüggemann,
nun haben wir uns alle so viele Sorgen um Herrn Villazon gemacht und jetzt stellt sich heraus, dass er ca. 4 Wochen nach seiner Flucht aus Berlin in Barcelona an einer Manonaufführung mit Natalie Dessay gearbeitet hat. Ich habe mir die DVD am Freitag gekauft und bin total begeistert, ganz wunderbar. Ich habe sie mir schon -zigmal angehört und angesehen. Haben Sie davon etwas gewusst ? Es ist meines Wissens nirgends erwähnt worden.
Liebe Grüße
R. Liebig

Ursula Hümmer

5. Dezember 2007 um 15:38 Uhr

Sehr geehrte Frau Machura,
auch ich bin ein glühender Fan von Rollando Villazon und bin sehr
unglücklich über seine Probleme. Natürlich hoffe auch ich, daß er sich wieder fängt und es schafft, sich in Zukunft nicht mehr so massiv “verheizen” zu lassen.
Leider habe ich die ARTE-Sendung “Durch die Nacht mit …
Helène Grimaud” nicht gesehen, würden Sie mir freundlicherweise
auch eine Kopie anfertigen? Selbstverständlich komme ich für alle Unkosten auf!
Freundliche Grüße
Ursula Hümmer

Barbara Hartmann

5. Dezember 2007 um 18:21 Uhr

Sehr geehrte Frau Hümmer,

die Sendung “Durch die Nacht…” wird im Dezember mehrmals im ZDFtheaterkanal gesendet. Genaue Daten weiß ich nicht, aber immer abends um 23:10 Uhr. Vielleicht haben Sie ja Glück und können es anschauen.

Mit freundlichen Grüßen
Barbara Hartmann

Ursula Hümmer

9. Dezember 2007 um 00:02 Uhr

Sehr geehrte Frau Hartmann,
haben Sie vielen Dank für Ihren Hinweis! Zufälligerweise platzte ich gerade in die Schlussminuten einer “Manon”-Aufzeichnung mit R. Villazon im ZDFtheaterkanal, voraufhin ich sofort in die Dezember-
übersicht schaute und vor ca. 1 Minute den Hinweis auf die Sendung
“Durch die Nacht” fand. Jetzt werde ich mir die Sendung aber auch wirklich anschauen!
Schöne Festtage und alles Gute für 2008!
Ursula Hümmer

Christan Krzizek

9. Februar 2008 um 17:49 Uhr

Netrebkos künstlerische Fähigkeiten halte ich für sehr unterschätz. Ähnlich wie bei Marlyn Monroe.
Ich kenne keine andere lebenden Sopran der diese Ausdruckskraft und Wirkung auf das Publikum erzielt wie Frau Netrebko.Fleming ect. haben einfach nicht diese Wirkung der Funke springt nicht aufs Publikum.Auch Ihre Stimme ist für mich “schöner” als die der Callas. Ist natürlich Geschmacksache aber ich lieben Ihre honigfarbende Stimme.
Ihre letzten Auftritte im Feb 2008 La Traviata waren weltklasse.Einen Platz in der Musikgeschichte hat sie schon jetzt.

Salloch

22. April 2008 um 14:29 Uhr

Ach, wieder einmal die Sprüche von Herrn Brüggemann! Ich habe sie leider jetzt erst gelesen – vom 7.5.2007 – vielleicht haben sie
auch keine Gültigkeit mehr. Wann und wo hat sich José Cura
denn weggesungen? Ich höre und sehe ihn ständig, London, Wien
USA, Zürich, Köln, Hannover, Bologna, Turin usw. – Er kann sich
auch ohne Herrn Domingo managen! – Wie schön, daß alles
auch eine Geschmacksache ist!

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