Top Acts von Schubert bis Schygulla
Dass das kulturelle Angebot in Luxemburg überregionale Anziehungskraft besitzt, zeigt sich besonders zwischen Anfang Oktober und Ende November 2008.
Von Hannah Glaser
Luxemburg ist nicht nur ein Finanzplatz und neben Brüssel und Straßburg dritter Regierungssitz der Europäischen Union, die Hauptstadt des gleichnamigen Großherzogtums entwickelt sich auch zum Zentrum eines neuen Kultur-Tourismus. Jüngste Attraktion: Das “Luxembourg Festival”, das zum zweiten Mal stattfindet und bis Ende November spartenübergreifend mit nationalen und internationalen Produktionen in den Bereichen Tanz, Oper und Konzert lockt.
Das Festival geht auf die Initiative der Philharmonie Luxembourg und des Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg, gemeinsam mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg zurück – entsprechend erstklassig sind Programm und Besetzung. Die Ausrichtung ist international, vom jungen argentinischen Pult-Star Gustavo Dudamel über die portugiesische Fado-Sängerin Mariza und die japanische Pianistin Mitsuko Uchida bis zur experimentellen Theater-Combo The Wooster Group aus New York City.
Als Vertreter des Liedgesangs kommt mit Christoph Prégardien einer der ersten lyrischen Tenöre unserer Zeit in den Salle de Musique de Chambre und wird gemeinsam mit seinem kongenialen Begleiter Michael Gees am Klavier Schuberts “Schöne Müllerin” vortragen. Mit seinen ausdrucksstarken Lied-Interpretationen und seiner klaren musikalischen Deklamation gehört er in die Spitzenriege seiner Zunft. Auch die französische Weltklasse-Pianistin Hélène Grimaud ist in Luxemburg zu Gast und wird am 16. November im Grand Auditorium der Philharmonie Werke von Strawinsky, Schumann und Tschaikowsky spielen, gemeinsam mit den Londoner Philharmonikern unter Vladimir Jurowski.
Hélène Grimaud kommt aus Aix-en-Provence in Südfrankreich und lebte die meiste Zeit in den USA, wo sie einen Park mit Aufzuchtstation für Wölfe eröffnete. Sie zählt zu den derzeit besten und unkonventionellsten Pianistinnen. Bei Opernfans gilt Roberto Alagna als Markenname, zuletzt war der französische Tenor weltweit im Programm “Live aus der MET” im Kino zu sehen: In Gounods Oper “Romeo et Juliette” sang er in einer Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York den Romeo mit Anna Netrebko als Partnerin. In Luxemburg wird er außer der Arie “Oh lève-toi soleil” aus “Romeo et Juliette” auch Arien und Lieder von Gluck, Tschaikowsky, Flotow und Puccini singen.
Mit Herbie Hancock am Piano können die Gäste am 8. Oktober die letzte große Legende des Jazz im Grand Auditorium der Philharmonie erleben. Seinen ersten Welterfolg hatte Hancock Anfang der 1960er Jahre mit “Water Melon Man” und prägt seither den Jazz wie kaum ein anderer. Ein Highlight in der Sparte Musik-Theater ist der Auftritt von Hanna Schygulla mit ihrem Programm “Par Coeur”. Die Film-Ikone galt in den 1970er Jahren durch ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder als Star der Subkultur. In der New York Times wurde sie als “deutscher Weltstar” gefeiert, für das Time-Magazin- war sie 1985 “Europas aufregendste Schauspielerin”.
Mittlerweile hat sie eine neue künstlerische Karriere als Chansonsängerin gestartet und wird mit ihren “Spectacles Musicaux” am 7. November im Grand Theatre de Luxemburg auftreten. Die Texte ihrer One-Woman-Show schrieb ihr Ex-Geliebter Jean-Claude Carrière, und man darf gespannt sein, auf das berühmte Phlegma, das sie ausstrahlt, und auf ihren betörenden Sprachfluss, der ihre Darstellung so einzigartig macht.
Mehr unter www.luxembourgfestival.lu









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