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Anne-Sophie Mutter: Uraufführung, CD und Film!

17. März 2010
Anne-Sophie Mutter; (c) Tina Tahir

Anne-Sophie Mutter; Foto: Tina Tahir

Zehn Thesen, warum wir Anne-Sophie Mutter in diesem Jahr nicht entkommen werden (… was wir auch gar nicht wollen).

Von Carolin Pirich

Aufnahmen
Liest diesen Text hier jemand, der keine Aufnahme von Anne-Sophie Mutter im Regal stehen hat? Das kann kaum sein. Ihre Internetseite listet mehr als 60 Einspielungen auf. Sie beginnt 1978. Ein Mädchen in weitem, weißem T-Shirt steht vor Herbert von Karajan, sieht ihn an und zückt den Bogen. Es folgen im Schnitt zwei CDs im Jahr. Wie ein Familienalbum zeigen die Cover, wie Anne-Sophie Mutter wächst, mal wilde Locken, mal glattes Haar, lächelnd, nachdenklich, immer schön. Im März gibt es eine neue Aufnahme. Draußen leuchtet Anne-Sophie Mutter. Drinnen wärmen Violin-Sonaten von Johannes Brahms.

Ausstrahlung
In den 70er und 80er Jahren war sie das Fräuleinwunder der Klassikszene im besten Sinne: jung entdeckt, jung gefördert, klar, selbstbewusst und unverkennbar. Dabei setzt Anne-Sophie Mutter nicht nur musikalisch Maßstäbe. Heute gibt es keine Nachwuchsmusiker, die nicht von Fotografen professionell in Szene gesetzt werden; Setcards von Models können nicht besser sein. Klassische Musik ist nicht nur schön, sie macht auch schön.

Auszeichnung
Kaum ein Jahr vergeht ohne einen Preis für Anne-Sophie Mutter. Stern des Jahres. Künstler des Jahres. Goldene Schallplatte. Grammy. Echo. Sie hat als erste Frau die höchste Auszeichnung der Musikwelt erhalten: den Ernst-von-Siemens-Musikpreis. Die höchste Auszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat, folgte nach einem gefühlten Wimpernschlag: der Orden eines Ritters der französischen Ehrenlegion. Kurz danach überreichte ihr Bundespräsident Horst Köhler das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Und in diesem Jahr? Der Preis der Kulturstiftung Dortmund für ihr Lebenswerk steht zur Abholung bereit.

Auftritte
Sie brauchen nicht zu Anne-Sophie Mutter kommen. Warum? Very simpel: Sie kommt zu Ihnen. Allein in der ersten Hälfte des Jahres gibt sie in dreizehn verschiedenen deutschen Städten Konzerte: Hannover, Hamburg, München, Mannheim, Baden-Baden, Essen, Köln, Stuttgart, Celle, Bremen, Berlin, Regensburg und Nürnberg. Wenn Sie sie nicht hören, werden sie Anne-Sophie Mutter zumindest beim Brötchenholen sehen – auf allen Litfaßsäulen der Stadt.

Aufgabe
Sie ist nicht eine, sondern die Botschafterin der Musik. Sie nutzt ihre Bekanntheit und engagiert sich mit Benefizkonzerten für Projekte außerhalb der Musik. Gleichzeitig fördert sie junge Streicher und setzt sich für die Verbesserung des Musikunterrichts an bayerischen Schulen ein. Anne-Sophie Mutter will das weitergeben, was ihr die Musik gibt: “Sie lehrt mich den Umgang mit etwas, was über mir steht, woran ich reifen kann, woran ich wachse als Mensch. Musik treibt meine Frustrationsgrenze nach oben; sie ist eine Materie, über die ich Menschen erreichen kann, durch die ich mit Menschen kommunizieren kann.”

Antwort 1
Sie ist charmant, ehrlich und unprätentiös. Kurz: Ein Lieblingsgast in den Medien. Im Interview mit dem ZEIT-Magazin lässt sie sich vom Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nicht nur alles fragen, sondern auch alles sagen. Er bekäme den Eindruck, sie sei von einem anderen Stern, sagt er, so perfekt wirke ihre Inszenierung. Mutter antwortet, sie fühle sich ertappt und die Klassik-Gemeinde kann sich ihren Gesichtsausdruck in diesem Moment vorstellen.

Antwort 2
Es ist nicht so, dass sie alles mitmacht. Aber Anne-Sophie Mutter muss sich nicht immer ernst nehmen. Klaglos lässt sie sich von Harald Schmidt in dessen Show am Klavier begleiten. Der Boden knarrt, der Flügel glänzt, das Oberteil schillert, Schmidt klimpert und unterbricht. “Brauchen Sie eine Pause?” Ihr bleibt für einen klitzekleinen Moment die Sprache weg, aber nur, weil sie auftaucht aus der Musik. Sie schüttelt die Locken und lacht. Rechnung aufgegangen.

Aktualität
Sie könnte sich mit Bach, Beethoven oder Brahms zurücklehnen. Aber das wäre, wie den Schreibtisch zu räumen und in Rente zu gehen. “Studieren, analysieren, ein Werk in meinem inneren Ohr entstehen lassen: Ich glaube, das ist der ganz große Kick, den mir zeitgenössische Musik verschafft”, sagt Anne-Sophie Mutter. Deshalb widmeten ihr neben Sofia Gubaidulina auch Witold LutosÅ‚awski, Krzysztof Penderecki, Wolfgang Rihm und Henri Dutilleux Werke. Pierre Boulez wäre der fünfte bekannte zeitgenössische Komponist in der Reihe, er hat auch schon längst den Auftrag, aber man hört noch nichts. Wenn er fertig wird, gibt es vielleicht wieder einen Dreierpack: Uraufführung, CD und Film.

Allgegenwart
Eine geniale Komponistin schreibt einer schönen Geigerin ein Violinkonzert auf den Leib. Daraus entsteht nicht nur eine Aufnahme, auf deren Cover Anne-Sophie Mutter in zeitloses Grau gegossen wird, sondern auch ein Film. Jan Schmidt-Garre hat sowohl die Komponistin Sofia Gubaidulina und Anne-Sophie Mutter porträtiert als auch das Werk selbst, “In tempus praesens”. So viel Prominenz genießt ein zeitgenössisches Werk selten. Der Film begleitet es von der ersten Skizze bis zum Augenblick, als Anne-Sophie Mutter das Werk zusammen mit den Berliner Philharmonikern und Simon Rattle uraufführt.

Auszeit-Aus
Wenn jemand eine Pause vom Job nimmt, dann heißt das für gewöhnlich, dass er für mehrere Monate in einer automatischen E-Mail ankündigt, er mache nun ein Sabbatical. Ein Sabbatical kann man auf Rucksackreise durch Thailand verbringen oder in einem Yoga-Resort in Indien. Anne-Sophie Mutters Sabbatical bestand aus einer neuen CD-Aufnahme und diversen Interviews – sogar über ihr Leben. In der Mutter-Sprache jedoch ist Leben = Musik. Anne-Sophie Mutter braucht kein Sabbatical. Sie braucht höchstens Pausen von einer Pause.

CD Anne-Sophie Mutter: Brahms, The Violin Sonatas; (c) DG

CD Anne-Sophie Mutter: "Brahms, The Violin Sonatas"; (c) DG

Als kleines Mädchen hörte Anne-Sophie Mutter zum ersten Mal die Violinsonaten von Johannes Brahms und wird seitdem von Ihnen begleitet. Nun hat Sie die Sonaten ein zweites Mal eingespielt (Deutsche Grammophon).

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3 Kommentare zu “Anne-Sophie Mutter: Uraufführung, CD und Film!”

O. Birra

24. März 2010 um 17:36 Uhr

Die Autorin: “Im März gibt es eine neue Aufnahme. Draußen leuchtet Anne-Sophie Mutter. Drinnen wärmen Violinkonzerte von Johannes Brahms.”

Es gibt nur ein einziges Violinkonzert von Brahms.
Darüber hinaus hat Brahms noch das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester geschrieben.
Insgesamt macht der Artikel den Eindruck, dass sich Frau Corolin Pirich nicht wirklich auskennt.

Redaktion

15. April 2010 um 09:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Birra,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Selbstverständlich haben wir diesen kleinen Fehler gerne korrigiert.
Ihre crescendo Redaktion

Hinter der Bühne | crescendo

5. Oktober 2011 um 00:26 Uhr

[...] wir – vor allem in diesem Jahr – nicht mehr an Frau Mutter vorbeikommen, lesen Sie hier. Autorin Antoinette Schmelter de [...]

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