Wagnerscher Tand zum wonnigen Gruß
Bayreuther Entdeckungen am Rande des Grünen Hügels – für Vier- und Zweibeiner mit dem richtigen Riecher
Von Barbara Angerer-Winterstetter
Richard Wagner war ein erklärter Hunde-Fan. Einer seiner Vierbeiner – “der treue Russ” – ruht und wacht sogar unter eigener Grabplatte unmittelbar neben der letzten Ruhestätte seines Herrchens im Park der Villa Wahnfried, Wagners stattlichem Bayreuther Wohnhaus. Hier findet man neben den obligatorischen Kränzen entrückt dreinblickende Festspielbesucher oder Möchtegern-Isolden, die eine Rose auf dem Grabstein Richards platzieren. Normalerweise. Vor einigen Tagen aber lag auf dem Russ-Grab plötzlich ein riesiger Kauknochen, schön dekorativ mit roter Schleife verziert und der Aufforderung: “Lieber Russ, pass bitte auch weiterhin gut auf unseren Meister auf”. Binnen weniger Stunden war die liebeswerte Grabgabe leider verschwunden – dahin gerafft wohl von einer Russ-Reinkarnation.
Wollte der unbekannte Kauknochen-Spender an die eigentliche Aufgabe des treuen Vierbeiners erinnern? Geht man nämlich etliche Schritte weiter in die Richard-Wagner-Straße, so wirbt eine lebensgroße Kunststoff-Nachbildung von Russ (aus der genialen Aktion “Wagners Hund” des Künstlers Ottmar Hörl anno 2004) in einem Schaufenster ausgerechnet für Nagelverlängerung! Man stelle sich Wagners Walküren beim schweißtreibenden Kampfesgeschäft vor: da splittert so ein teuer aufgepappter Kunstnagel schnell – und schon macht man in Walhall keine gute Figur mehr. Das Problem gibt es allerdings auch bei den neuen grauen Hosenanzügen zum Brombeer-Shirt für die Türsteherinnen im Festspielhaus. So sind die Festspiele zwar ihre berühmten “blauen Mädchen” los, aber dafür um die sogenannte “usp” reicher.
A propos Brombeer: Schändlich, dass Bayreuths “Meistersinger”-Tee noch immer nach Himbeere und nicht nach Bayreuths neuer Hausfrucht schmeckt! “Thymian Tee & Ambiente” in Bayreuth versorgt den Wagnerianer dennoch auch mit nützlichen Informationen: etwa, dass “Siegfrieds Drachenblut” als Rooibostee mit Blutorangengeschmack 5 Minuten ziehen muss. Zur Zubereitung empfiehlt sich unbedingt enthärtetes Wasser aus der Tiefe des Rheins! Und wem der “Grüne Hügel” mit Pfefferminze oder gar eine aktuelle Inszenierung zu sehr auf den Magen geschlagen hat, der möge in “Parsifal”, dem “magenmilden Früchtetee”, Erlösung suchen. Verführbare lockt ein Haus weiter Klingsors, nein: Klein’s Confiserie-Paradiesgarten. Hier entdeckt man unter Garantie die Schokoladenseiten der Festspiele – und das unwiderstehliche Angebot “Espresso und Richard-Wagner-Praliné” für sagenhafte 1,85 Euro. Seit zwei Jahren verbirgt sich unter dem Konterfei des Meisters allerdings kein Kirschwasser mehr, sondern schmelzender Macademia-Nougat. Weil Richard antialkoholisch im Ausland einfach besser zieht. Leider ist das Schokoparadies in der Richard-Wagner-Straße zu weit vom Hügel entfernt, um sich hier in den Pausen über die schlechte Festspielgastronomie hinweg trösten zu können.
Bayreuther Wagner-Devotionalien taugen aber eindeutig auch für den schnöden Alltag. So adelt das Festspielhaus als lustiger Einkaufschip am Schlüsselanhänger jeden Discounter-Einkaufswagen – einfach mit oder ohne Leitmotiv einschieben und losshoppen. Aber bitte mit dem richtigen Riecher. Den hat auch Bernadette Fudalla aus dem neuen Bayreuth-Shop in der Kanzleistraße. Bei Ihr gibt es nicht nur das peppige T-Shirt “Fafner” mit Originalzitaten und das notenbemalte Pendant “Brunhild” (auch in XXL), sondern auch eine Designer-Tasse von Künstlerin Kerstin Rank, limitiert auf 24 Exponate. “Richards Riecher für Musik” lesen wir da auf edlem Porzellan – und kaum hat man das Prachtexemplar für schlappe 59 Euro in der Hand, da hält man ihn auch schon am berühmt großen Riecher, pardon: am Henkel, den Richard. Streng blickt dazu die Büste des Meisters im Regal. Und schielt verdrießlich auf den Bayreuth-Wein des Würzburger Juliusspitals, den sich Wagner mit der Markgräfin Wilhelmine, Franz Liszt und Jean Paul teilen muss, weil es in Bayreuth eben doch noch andere Prominenz gibt. Wie in jedem Jahr bei der Festspiel-Eröffnung.
Für alle, die da nicht dabei sein konnten, empfiehlt sich nicht zuletzt die Festspielhaus-Schneekugel, die im (Hand)umdrehen ein wenig Flair vom roten Teppich in jedes Heim zaubert. Heia, wie flattern sie lustig, die glitzernden Flöckchen! Und bei “San Remo” in der Fußgängerzone gibt es dazu “Die Symphonie für den Mund”, das erste und einzige Richard Wagner-Eis der Stadt. Zum Schmelzen lecker. Aber in Birne-Holunder. Russ steht mir bei – schon wieder die falsche Frucht!









stefan.bayer
Wo erhält man denn den “Tand” und wo bekommt man die Preise
portmedia
Die Bayreuth-Souveniers erhalten Sie hier:
Bernadette Fudalla-Ahmadian
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