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Wahnfried erklingt im Alt-Rausch

8. August 2010

Christa Mayer, die „Erda“ der Bayreuther Festspiele präsentierte sich mit einem Liederabend in Wagners Wahnfried/Festspiel-Soireen mit spannendem Programm bis Ende August

Von Barbara Angerer-Winterstetter

Ein schöner Brauch rund um den Bayreuther Grünen Hügel ist die rege Konzertaktivität, die maßgeblich dazu beiträgt, das musikalische Leben rund um den Grünen Hügel bunt und interessant zu gestalten und echtes Festspielflair zu generieren. Atmosphärisch besonders dicht wird so ein Konzertabend, wenn er denn im Haus Wahnfried, Wagners Bayreuther Wohnhaus, erklingt. Wo einst „Wagners Wähnen Frieden fand“ – dank tatkräftiger Unterstützung von König Ludwig II. von Bayern – sammelt man sich heute in des Meisters Saal, streng beäugt von Familienportraits, und saugt die Original-Atmosphäre in sich auf.

Schön, wenn Programme dann sinnigerweise rund um Wagner gestrickt sind. So im Falle der Altistin Christa Mayer, die derzeit auf dem Hügel als Erda und Waltraute im „Ring“ umjubelt wird: Alle Komponisten ihres Liederabends am Freitag abend standen in Beziehung zu Wagner selbst. Sei es als erklärter Antipode (Brahms), als von Wagner beeinflusst (Mahler, Strauss) oder als Bewunderer der Bayreuther „Parsifal“-Uraufführung (Mahler, Debussy). Die Stimme der in Sulzbach-Rosenberg geborenen jungen Künstlerin, die derzeit Ensemblemitglied der Sächsischen Staatsoper in Dresden ist und von dort aus Gastspiele in aller Welt gibt, ist schon an sich ein Phaszinosum: Von einer satten, weichen Tiefe aus reicht sie bruchlos bis in Alt-untypische Höhen, ist groß und dramatisch und überfüllt fast den Wagnerschen Wahnfried-Saal. Dabei kommt Mayer sichtlich von der Bühne, blitzt mit den Augen, will mit dem Körper gestalten und hat eine glasklare Artikulation.

Am besten gefällt die kostbare Altstimme, wenn sie große, weit schwingende Phrasierungen gestalten darf – wie etwa in den Strauss-Liedern „Die Nacht“ und „Geduld“, aber auch bei Brahms‘ „Wir wandelten“. Oder in den beiden Zugaben „Träume“ (Wagner: Wesendonck-Lieder) und „Morgen“ (Strauss), die den musikalisch-gestalterischen Höhepunkt des Abends bilden. Eben weil Mayer, die den strahlenden Power-Ton so liebt, sich hier zurücknimmt und auf schöne Abschattierungen in der Dynamik setzt. Brahms und Strauss passen perfekt zu ihrer Stimme, bei den Mahler-Lieder fehlt ein wenig – wollte man Beckmessern – das Gespür für die fahlen Abgründe hinterm Volkliedhaften, bei Debussy fürs Fragile.

Doch was wäre die beste Sängerin ohne einen kongenialen Klavierbegleiter: Jobst Schneiderat, musikalischer Assistent bei den Bayreuther Festspielen und Solorepetitor der Dresdner Semperoper, hält immer perfekt den Kontakt zur Solistin, erspürt ihre Gestaltung, unterstützt und trägt sie – ohne dabei blass zu wirken. Im Gegenteil: Allein die einleitenden Akkorde zu Wagners „Träume“ verrieten, wie viel gestalterische Tiefe in diesem Künstler steckt.

Wer das besonders einfallsreich und vielseitig ausgewählte Programm der Festspiel-Soireen im stimmungsvollen Haus Wahnfried vor dessen Schließung zwecks Sanierung noch live erleben will, hat bis Ende August die Auswahl vom Klavierabend über Liedkunst (u.a. Schuberts „Winterreise“) und Oper („Von Verdi bis Wagner“/ Opernpasticcio „See you in Walhalla“) bis hin zum Kabarett („Auf in den Ring“). Informationen und Karten unter: 0921/7572816.

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