Wunderbare Opern-Routine
Im Gegensatz zu vorgestern gab es gestern einen ganz normalen Repertoire-Opernabend an der Staatsoper in Berlin. Am Abend zuvor stand Anna Netrebko auf der BĂŒhne (VillazĂłn hatte abgesagt und wird fĂŒr die aktuelle âManon”-Produktion wohl auch nicht zurĂŒck kommen), und gestern eben eine ganz normale Wiederaufnahme von Verdis âDon Carlo” – wenn jeder Opernabend in Berlin so wĂ€re, brĂ€uchte man sich ĂŒber die Zukunft der HĂ€user keine Sorgen machen.
Die Staatskapelle spielte unter Paolo Carignani auf den Punkt, keine Anzeichen von Routine, von Abnudeln einer bekannten Partitur – viel Italianita, eine Menge Schmackes, und doch immer wieder wunderbare Soli, herrlich aufeinander aufbauende Stimmen, ein psychologisch-emotionaler Opernabend. Die Staatskapelle beweist gerade an solchen Abenden, dass sie das wirkliche Spitzenorchester der Hauptstadt ist, weil sie eben nicht nur an Prestige-Abenden wie dem Mahler-Zyklus oder bei Gesellschafts-Events wie Netrebkos âManon” voll und ganz da ist, sondern auch in der Routine des Repertoires.
Dazu die Stimmen: RenĂ© Pape als melancholisch strenger Philipp, bei dem die Sollbruchstelle zwischen Machtanspruch und Leiden ein stĂ€ndiger Grat der vokalen Persönlichkeit ist, Andrew Richards als stimmstarker, manchmal etwas ungeschulter, aber stets effektvoller Carlos und Roman Trekel als liedhafter Posa – auĂerdem Angela Marambino als wunderbar gestaltende Elisabeth.
In der nach wie vor gĂŒltigen Kammer-Opern-Regie von Philipp Himmelmann, der die gesamte Oper an einem Esstisch inszeniert, um ibsenhaft das Politische aus dem Privaten zu entwickeln, wird die eigentliche Handlung auf die Musik zurĂŒck geworfen, der an einem Abend wie diesem vollends vertraut wird.
SpĂ€ter saĂ ich noch mit RenĂ© Pape bei âLutter und Wegner”, und das wunderbare ist, dass selbst ein Weltstar wie er aus der AuffĂŒhrung kommt und sagt: âEin so schlecher Abend war das nicht, oder?” – Nein RenĂ© Pape, das war eine Sternstunde des alltĂ€glichen OperngeschĂ€ftes. So sollte es jeden Abend sein – dann wĂ€re die Oper in Berlin gerettet. (AB)









Manfred Schmidt
Ein Stern fĂŒr Berlin oder nur eine Sternschnuppe?
axel
Wir werden sehen …Aber ein Stern im Wolkenmeer ist doch schon mal was…
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